XII. «Mkgartg.
Jllarßurg, Mittwoch, 14. Februar 1877.
OberhcMe Zeitung
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Iin da« Regiment eingetreten, hatte dasielbe auch Gelegenheit seinen Eifer im Dienste de» Königs zu zeigen. — Doch ist jene Zeit nur eine trübe Erinnnerung. — Mein
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Anzeige» nimmt entgegen: die Erpeditio» d. »Lotte» sowie bte Annoncen-Bureaur Mn G L Daube L So. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalrdendank, A- Rete» ♦ meyer in Berlin; Tarl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
In der orientalischen Frage richtet man seine Aufmerk- amkett zunächst wieder auf d e drei Kaisermichte; von verschiedenen Seiten wird mit Bezug auf die Beantwor- tung des russtschen Rundschreibens ein engerer Zusammen- chluß der drei Mächte in Aussicht gestellt. Der Augsb. tilg- Ztg. meldet man von Berlin: „Allem Anschein nach werden Deutschland und Oesterreich dem russtschen Rund- chreiben gegenüber auf die Verabredung deS Berliner Memorandums wegen wirksamer Maßregeln gegen die Pforte zurückkommen.* Und der Köln. Ztg. wird von Berlin geschrieben: „ES sind Anzeichen vorhanden, daß die Annäherung der drei nordischen Höfe, so weit dies etwa noch e forderlich war, wo möglich noch intimer geworden ist Die letzten Vorgänge in Konstantinopel haben denjenigen Rathschläze, die wohl auch in Wien zum Aufschub riechen, den Boden entzogen. Noch mehr wird das natürlich in Petersburg geschehen sein, wo die Friedenspartei ohnehin trotz hoher Stützen einen harten Stand hatte. Die in dem englischen Blaubuch veröffentlichten Depeschen beweisen zwar, daß auch Andrasiy, wie daS ja bekannt war, eine mit der russtschen parallele Aktion so lange wie thunlich gerne vermieden hätte. Aber die kurz vorangegaazenen Aeußemngen deS Kaiser« Wilhelm, befielt Friedensliebe keinem Zweifel unterliegt, bezeichnen Garantien für die türkischen Reformen als unumgänglich und erblicken in der Gewährung derselben das einzige Mittel, wodurch eine Okkupation vermiesen werden könnte Diese war also schon damals in Aussicht genommen. Seitdem ist die Eonferenj gescheitert und die Phase deS AbwarteuS, wie sie da« russische Rundschreiben allenfalls noch offen ließ, ist durch Midhats Sturz jedenfalls verkürzt worden.
Sohn jedoch kennt nur die glorreichen Thaten zweier i kriege, in denen das Regiment, wie ja stets, seinen alten Ruhm bewährte. Ich kann also wohl sagen, daß Mein Sohn stolz sein kann, diese Uniform zu tragen, welche Ich während meiner gesammten Dienstzeit getragen habe, und o vertraue Ich Ihnen denselben hiermit an." Zum Schlüsse ermahnte der Kronprinz seinen Sohn, stet« der ! Borte zu gedenken, die er an diesem Morgen au« dem Munde de« Kaiser« und König« gehört habe. Hierauf trat der Kronprinz mit dem Prinzen Wilhelm vor die kompagnie, begrüßte die Mannschaften und sprach dort etwa folgende Worte: „ES ist Mir eine besondere Freude daß Mein Sohn die Schule durchzumachen berufen ist in derselben Kompagnie, die Ich selbst anderthalb Jahre zu führen die Ehre hatte, eine Zeit, an die sich die schönsten Ecinnerungen Meiner ersten militärischm Laufbahn an« knüpfen." Mit einem Gruße an die Manschaften forderte der Kronprinzliche Vater den Prinzlicheu Sohn auf, einzutreten. Der Prinz trat an die Front und zog den Degen, die Kompagnie salutirte. Der Kronprinz schritt sodann die Front der Truppe ab, worauf der Parademarsch erfolgte. — -T- Seit mehreren Jahren wird Hierselbst und auch in der Provinz von Banquiet» da« sogenannte Prämien und Loose-Ratengeschäft betrieben. Dasselbe besteht darin, daß der Banquier sich gegen Ratenzahlungen des bedungenen Preises seinem Mitkontrahenten gegenüber schriftlich verpflichtet, demselben für den Fall, daß bei einer bestimmten Prämienverloosung, oder bei den in eine bestimmte Zeit fallenden Prämienverloosungen, ober einer Lotterieanlethe, eine gewisse Serien - ober Obligationsnummer gezogen würde, den daraus fallenden Gewinn, ober daS LooS selbst zur Realistrung d.S Gewinnes zu gewähren. Dagegen bezweckt da« Geschäft nicht den wirklichen Berkaus eines mit einer Prämienverloosung verbundenen AnlehenSloose» oder die eigenkhümliche Betheiligung an einem aliquoten Antheil eines sotchea LoojeS für immer, d. h. für alle Ziehungen. Erst wenn sämmiliche Ratenzahlungen deS Preises vollständig geleistet worben, gehen eine Anzahl Loose, Prämienpapiere rc. in das Eizenthum des Gegenkontrahenten über. Der Strafsenat de» Obertribunal« hat nunmehr durch Erkenntniß vom 9. Januar $877 in llebereinstimmung mit dem AppellationSgertcht zu Raumburg den oben beschriebenen Geschäftsbetrieb als die Veranstaltung einer öffentlichen Lotterie ohne obrigkeitliche Geneh» ■ migung für strafbar erklärt, selbst wenn der Banquier in । dem Besitz der in den Verkaufsbriefen, resp. den Bezugs-
Willen sich die Fluth breche, die mit so gewaltigem Ge- l raufe eben heranstürmt."
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Berlin, 12. Febr. lieber den Eintritt Sr. königl. Hobelt deS Prinzen Wilhelm in daS 1. Garderegiment z. F. berichtet die „N. Pr. Ztg." noch Folgende«: „Nachdem Se. faifetl. und königl. Hoheit der Kronprinz und Se. königl. Hoheit der Prinz Wilhelm mit ihrer militärischen Begleitung erschienen waren, trat der Kronprinz in den Krei« der Osfiziere de« 1. Garderegiments und sprach zu denselben etwa Folgende«: „Ich selbst habe die Schule Ihres Regiments durchgemacht, Ich kenne den vortrefflichen Geist desselben und hoffe nur, baß betreibe so erhalten bleibe. So kann Ich Meinem Sohn nur Glück wünschen, baß er auch diese Schule durchzumachen berufen ist. Als Ich
iieM»wen nimmt entgegen: ipel fcpebtttox d. Statte«, v" kdle Annoncen-Bureaur aT Th- Dietrich & Lo rn A‘k y und Hannover; Th. ! V°1 tri6 in Frankfurt a. M ; odQ isenstein & Vogler in
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„ lusruf zur höchsten Ruhe, «'arh.-it und Besonnenheit wirkt, ” »ß die Regierung, wie der Theil der Volksvertretung, die , berhaupt regiert wissen will, ihre Schritte in gegenseitigem I !u” iinverständniß abmefien, daß an ihrem festen und ruhigen |
Der Reichskanzler, i. V. Hofmann, erläßt folgende ckanntmachung: Mit Bezugnahme auf die in Nr. 5 de» titb« Gesetzbla tes verkündete Kaiserliche Verordnung vom 2 h, M , durch welche der Reichstag berufen ist, am 22. lntkk! 6r'uar d. I. in Berlin zusammenzutreten, wird hierdurch । h« iggnt gemacht, daß die Benachrichtigung über den Ort [31 b die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bunan des - - - eichStageS, Leipzigerstraße Nr. 4, am 21. Februar in den rtai von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am
Februar Vormittags von 8 Uhr ab offen liegen wird.
। diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für i-u e Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst eefotber — len Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden, ietbti --------------------
[16 Die „National Zeitung" entwirft in ihrer Sonntags
Bonner ein sehr trübe« und dunkles Bild von den Ver- 2! iltnifien, wie sie sich voraussichtlich im nächsten ReichS- ' ™ k gestalten werden. Was man von ihm in erster Linie JJJ »arte, das fei eine verstärkte Auflage der Skandalsceren, ec »ns Tag für Taz das preußische Abgeordnetenhaus führt, ein Erst cken aller schaffenden Thätigkeit unter gesetztem Hadern und Zanken. Liegen doch die Par- irerhältnisse im Abgeordnetenhause, so verschroben sie viel stad, einfach und natürlich gegen diejenigen, bte uns Reichstag vorbehält. Rach einer Schilderung der bet- enen Parteien und ihrer Elemente heißt es: „Es n als stetige, sichere Elemente, auf welche sich eine von Rechnung bastren läßt, die Nationalliberalen in Wächter Zahl, flankict links von bet Gruppe Löwe, von den Freikonservativen. Diese drei Bestandtheile, n sich durch mannigfache Meinungsnuaneen getrennt, den aber keineswegs eine Mehrheit; sie sind unfähig, n sie tsolirt bleiben, irgend einer Politik zum Siege verhelfen. So ist die Signatur deS neuen Reichstages astcherhett nach allen Richtungen." Auch die Hoffnung um bas Blatt nicht hegen, daß bet feste und sichere Gang ___et Regierung den Parteien, die sie im Allgemeinen zu chen beabsichtigen, ihre Ausgabe erleichtern werde. „Was so schließt das Blatt seine Betrachtungen, „trotz dieser nisten Konstellation mit einer gewissen Zuversicht erfüllt, ’ ««ist die Unterstellung, daß die ganz unerhörte und außer- lc v“ «deutliche Lage, in der wir uuS befinden, nach allen Sei
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Herrn Qnint'S Brrlsbunz.
Humoristische Novelle von H. Zschokke.
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(Fortsetzung.)
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Wenn in poetische Verhältnisse, welche den Menschen- wi svhu vergöttern und die Erde verhimmeln können, plötzlich Wem so prosaischer Zufall tritt — wo ist der LammeSstnn, .y »elcher darüber nicht in Wuth geriethe? — und doch ist $ 1»S arme Leben des Menschen nicht«, als ein Roman mit
Versen vermischt, ein Singspiel ohne Musik, ein Ding, aus Im man nicht ganz klug wird. Und eben daher geschieht Nt daß auch die sanstesten Seelen zuweilen verwildern, Mb ihre Seidenwolle wie eine Löwenmähne schütteln.
Das that nun auch Herr Quint, als er unten am iE Serge glücklich wieder auf die Füße sich erhoben, und Wdurch künstliche Sprünge den Angriff verschieden nach- tcüenber Steine vermieden hatte. Doch mitten im Zorn tilgte er nicht, ob er seinem Mißgeschick mehr fluchen, "vdn seinem Glück mehr danken sollte, die vermessenste Vttgsahrt ohne Bein und Halsbruch zurückgelegt zu haben.
ES durfte nicht mehr daran gedacht werden, bergauf __> At klimmen und Bätely zu suchen. Wahrscheinlich halte 1811 stch bas gute Kind bei dem entsetzlichen Bergfall klüglicher i Weise durch Flucht gerettet. Zudem konnte Herr Quint . N keine Weise verhehlen, daß seine schwarzfeidenen Unter« 5‘Nn außer Stand gesetzt waren, dem Ange einer Ge- 80» Zbteu gezeigt zu werden. Er mußte froh sein, deren 74# Sticke und Risse also verbergen zu können, daß et, ohne Auffchm, bei hellem Tage die H-imath erreichen konnte
Er weinte vor Wuth! — auch Philosophen verlieren «nttr gewissen Umständen ihre Philosophie. ES ist noch «m Mensch gefunden, der weise war zu allen Stunden .__Tag». Hnr Quint, der La Bruyöre und Theophrast
t Mes Thale«, Herr Quint, der seine Menschenkenner hätte
gewiß diese Thränen nicht in Anschlag gebracht, wenn er seinen eigenen Charakter hätte schildern sollen. Und doch bezeichneten sie ihn so treffenbl — Aber man weint nie solche Thränen ans dem Markte oder am Theetijch.
Den Menschen kennen zu lernen, muß man ihn sehen, wem, er sich allein glaubt. Jeder ist gefallsüchtig nach seiner Weise. Jeder macht, ehe er auf die Straße tritt, ober in’« Gesellschaftszimmer, vorher in der Gesa-windig kett seine moralische Toilette. Daher hat Herr Pyk noch einmal Recht: „Wer die Welt kennen will, muß sie mehr burq/6 Schlüsselloch, als durch Fern- und SternglSser sehen."
15.
Am folgenden Tage erschien bei ihm Herr Pyk. Es war ein Regentag. Dicke Wolken trieben sich unterwärts am Gebirge von Schlucht zu Schlucht, und die Kuppen der Berge lagen im niebergefuntenen schweren Regenhimmel verloren. Dergleichen Tage waren Herrn Quint immer willkommen. Die weite Stille, bie einförmige Trübe der Landschaft, der Mangel an Zerstreuung im Aenßern, schränkten ihn auf sich selbst ein. Er glaubte bann mehr zu leben, als sonst, und nie war er fruchtbarer an muthigen Entwürfen, al« zu folchen Zeiten.
Seines Unsterns vergessend, trieb er sich mit Plänen umher, wie Bätely zu gewinnen sei? — Schon seit er erwacht war, brütete er darüber. — Die Entwürfe standen in reifer Vollendung, al» Pyk erschien und sein Pferd ttttterm Fenster anband.
Nie war der Nachbar erwünschter gekommen. Er tarn gerade von Rottheim In Rottheim wohnte Bätely bei der Schwester des Herrn Pyk. — ES war jetzt Nachmittag. Das Pferd mußte in den Stall. Herr Pyk warf bte burchnäßten Kleider ab und nahm mit Quint S Schlafrock und Pantoffeln vortteb. — Auch beschloß er h er zu
übernachten, dieweil c» Abend, der Weg sehr schlecht und der Regen gewaltiger geworden war.
AIS sie nun beisammen saßen, zündete Herr Pyk die Tabakspfeife an und sprach: „Nehmt es mit nicht übel, Herr Nachbar, ich mache mit’« gern bequem und bin gern bei Euch. Hättet Ihr aber eine liebliche Hausfrau, die un» mit freuntttcher Miene eigenhändig den Tisch zum Nachtessen deckte und auch dabei aus lautet lieber Freundschaft ein wenig mit mit schmälte, —worüber? ist gleichviel ; — so wäre ich noch um fünf Prozent juftieoener. Ich höre ein junges Weib gern mit mir zanken; denn ich pflege wohl unartig zu sein. Und daran erkenne ich gleich, ob die Frau Ge>st und Herz und zur Freundschaft Gefühl hat. Junge Weiber, die gern lächelnd schmälen, lieben treu und zärtlich und sind einst holve ehrwürdige »Mütter. — Aber, um von vorn anzufangeu, wenn da Euer Bedienter kömmt, ober Eure Magd, und das Licht anzündet, ober da» Tischtuch bereitet — liebet Gott! bas ist, als wenn'S gar nicht geschähe und lockt auch nicht zum »Mahle. Wenn'« Hetz nicht warm ist, find die Speisen kalt."
(Fortsetzung folgt?
Silber-MScheu.
Cine Dors-Novelle von Rudolph Wettnau.
(Fortsetzung.)
Träumerisch und mißmnthig ging er in dem großen Walde umher, sah mit Verwunderung die großen Eichen an, deren riesige Stämme kaum an einem Tage umzuhauen waren und et sollt den ganzen Walv in den wenigen Stunden de» Vormittags fällen und da» ganze Holz auch noch zum Küchengebrauche klein macheei. Er wagte kaum die scharfe Axt, die ihm die Alte zur Ausführung der Arbeit gegeben, an einen der Stämme zu legen um nur einen Versuch zu machen, da er sich im Voran» sagen mußte, daß selbst jeder Versuch eine Thorheit fei.