Einzelbild herunterladen
 

Ulatßurg, Sonntag, 1L Februar 1877.

XII. Jahrgang.

r. 3S

IS

Obcchcßilihc Leitung

Wo.

"die Aimoncen-Bllreaur

dreitiaiae aber unfruchtbare Verhandlung über die Zu-lThronprätendent Don Carlos, der von Konstantinopel auf tänd? auf ©killen das bemerkenSwertheste Ereigniß. Mit dem Wege nach Petersburg durch Kstchinew kam. ist dort krankreich werden in den nächsten Tagen neue Unterhand- mit großen militärisch en Ehren empfangen worden, da M,™ 6t« rt« MlnKrung ... 6«.bde»«ir68. 6«l= w« VÄÄT LfS SÄ”

Palitische Wochen - Uederficht

. 50

und vielleicht auch binnen Kurzem mit einigen übrigen

.März.1

nächtigte

erarzt.

1877

iburg.j

n, neue er

och,

it

Staaten. , , , ,

Die französischen Kammern behaupten auch in dieser Session getreulich ihren gewohnten Gang, die gesetz­geberischen Arbeiten als Nebensache und Ausnahmezustände u behandeln, dagegen die Sitzungen mit aufregenden Zwischenfällen, die nur zu oft viel Lärm um Nicht» be­deuten, auszufüllen. So auch in der letzten Woche, wo die Ergreifung der Initiative und die Lust am Jnterpellirm ein- solche Höhe erreichte, daß Simon selber klagte, er komme vor lauter AuSkunstertheilenmüffen nicht zum Ver­walten. Unter Anderm wurde der Minister am 5. d. M. wegen der Suspendirung de» Blattes „Droits de l Homme zur Rede gestellt und dabei Raoul Duval'S Antrag ange­nommen, der die durch daS Prcßdeeret von 1852 beseitig­ten früheren Bestimmungen und Gesetze herstellt.

Während die auS Anlaß der R-krutenauShebung im Norden Spanien« ausgebrochenen Unruhen noch immer andauern, meldet Martinez CampoS aus Cuba, daß er den Aufständischen nur sehr schwer beikommen könne, trotzdem er seine Truppen in lauter kleine Abtheilungen aufgelöst habe.

In Großbritannien rüsten sich die Parteien zum Kampfe, welcher voraussichtlich nach der erfolgten Eröff­nung des Parlaments in demselben entbrennen wird. Lord Salisbury ist zurückgekehrt, und die Regierung beabsichtigt, zwei Blaubücher über die diplomatische Thätigkeit deS eng­lischen CabinetS vor und während der Conferenz vorzu­legen. Am Mittwoch überreichte der russische Botschafter Graf Schuwalow dem Earl v. Derby daS Rundschreiben res Fürsten Gortschakow. Die Antwort wird dem Bet- nehmen nach dahin lauten, daß England sich dir Freiheit deS Handelns zu wahren gedenke und eS ablehne, sich wei- । teren Schritten Rußlands anzuschließen.

DaS norwegische Storthing ist am 2. d. zusammen- getreten und am 7. d. hat der König die Session mit einer

Quint irgend einmal schon mitgrtanzt hebe; nur war Jeder vielleicht glücklicher, ^l« unser Philoseph, der in seinem Jubilo überrascht wurde, und leider gerade von derjenigen Person, welcher, zu lieb dieser geheime Ehren- und Lusttanz bet elnficher Vokalmusik angestellt war.

Herr Quint, welcher in seinem Leben nicht al» Solo­tänzer zu fizuriren im Schilde geführt hatte, war von LäteiyS Erscheinung dermaßen betroffen und auch der Fas­sung gehoben, daß er an allen Gliedern bebte; Hatte ihn Bätely droben aus der Höhe mit seinen Kreuz, Quer- und Lustspringen erkannt; so war'S unfehlbar aus ewig um ihn geschehen. WaS hätte auch' ein Mädchen denken sollen, wenn sich ihm ein wohlgMeidetec Mann plötzlich im Walde tanzend darstellte, ein Mann, sonst schüchtern, ehrbar, flttig, und von aller Welt für vernünstig gehalten? —Und wenn dieser ihm nun sogar mit Liebeserklärungen entgegen gerückt B-Sn? — Um Gottes willen, Herr Quint, wo hatten Sie

eine Anfrage, ob er Petersburg besuchen dürfe und will­kommen sein würde, eine so kühle Antwort erhalten, daß er eS vorgezogen hat, sich dem nordischen Klima nicht auS- zusetzen. Der Gesundheitszustand der Südarmee ist nach amtlichen Berichten so gut, dich von 180,000 Mann nur

1889 krank sind.

Midhat Pascha, der durch eine glückliche Mischung von Charakterstärke und Nachgiebigkeit rasch zu einer ge- wiffen Berühmtheit gelangte Grrßvezier der Pforte, ist von dem Gipfel seiner Macht herabgestürzt. Am 5. d. erschien die großherrliche Bekanntmachung, daß Echem Pascha, der von Bismarck nicht in Abschiedsaudienz empsangenr Bot- chaftcr, der seitdem Präsident des StaatSratheS und zweiter Vertreter bei der Conferenz gewesen war, zum Großvezir ernannt sei. ES heißt, daß Midhat'S System auch fernerhin befolgt werden und besonders die Verfas­sung unangetastet bleiben soll, doch werden sich einige Aenderungen wohl mit Nolhwendigkeit ergeben. DaS übrige Ministerium hat theilS vor, theilS nach seinem Sturze ebenfalls große Veränderungen erlitten; auch sind mehrere Christen in dasselbe gezogen worden. Der Gehelmsecretär deS Sultans wird in besonderer Sendung seines Herrn nach Wien reisen. Nachdem die Conferenzbevollmächtigten alle abgereist find, tauchen zwei antipolare Rundschreiben auf, ein russische« vom 31 Januar, welches fragt, wa« nun zu thun sei, und ein türkische«, noch au« Midhar'S Tagen herstammende«, welch-« den Standpunkt der Unab­hängigkeit, wie die Pforte ihn beim Schluß der Conferenz vertrat, noch einmal auSeinandersetzt.

mit Heller vernehmlicher Stumne, und tanzte dabei von einer Seite de« Wege« zur andern hinüber und eben so »ieder zurück. ,

Wahrscheinlich hätte et diesen .Jubeltanz, rvelchkr viel sehnliches mit dem königlichen Davidischen vorder Bundes- l^t gehabt haben mag, — wahrscheinlich hätt' er ihn doch lange fortgesetzt, e« war ein Mittelding zwischen Bieuuet und Walzer---genug, Herr Quint sprang

et einem Male von der Seite, wie ein scheues Roß,

während es courbettirl. Er schlüpfte in« Dickicht zwischen btt Heerstraße und dem unten in der Tiefe laufenden Strom.

Thronrede eröffnet.

Der Oberbefehlshaber der russischen Südarmee, Großfürst Nikolaus sen.,.ist von seiner Krankheit wieder he,gestellt und befindet fich seit Dienstag nicht mehr in Kischinew, wo übrigens das H-upsquartfer verbleibt, son dein in Odessa, wo ihm Luft und Witterung zuträglicher sein werden. Vor seiner Abreise hielt er vom Balcon seines Hauses grcße Heerschau; von den vorüberziehenden

nimmt entgegen: ttou d. Blatte«,

Anzeigen nimmt entgegen: Me «Äedttion d. Blatte« sowie bie Annoncen-Bureaux von L. Daube & So. in Frankfurt a. M.tJLgersiche Buchhandlung in Frankfurt o. M.; Jnvalidrndank, Ä- Rete- ♦ me9et in Berlin; Carl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Herr» Ouiut'S Berlobnntz.

Humoristische Novelle von H. Zscholle.

(Fortsetzung.)

Lagesvrrtcht.

Am Donnerstag war parlamentarische- Diner bei dem Fürsten BiSmarck. Nach aufgehobener Tafel fand eine zwanglose Unterhaltung statt, in welcher der Reichskanzler, intereffante Steiflichter auf die innern Zustände der Türkei fallen ließ. Er bezeichnete den gestürzten Midhat Pascha al« einen Mann, welcher durch Tüchtigkeit und Genialität unter den türkischen Staatsmännern hervorrage. Sein Sturz sei wahrscheinlich auf persönliche Zerwürsniffe mit dem Sultan zurückzuführen; jedoch sei auch möglich, daß ausländische Einflüsse dabei thätig gewesen seien. Welche Resultate der Sturz Midhat Pascha's sür Krieg oder Frie­den haben werde, loffe sich zur Zeit noch nicht beurtheilen. Der Fürst betonte ferner, daß Rußland von einigen euro-

Silder-Rische«.

Sine Dors-Rovelle von Rudolph Welluau.

(Fortsetzung.)

Drittes Kapitel.

Die Rixe im Mansfetter See.

In einer schön romantischen Gegend, ohnweit vom

Mausselder süßen See, liegt rin friedliches Dörfletn, wie

ft 1 he« »rk nPoft- . März. Min.-

Füße an den Boden stffelt; oder um Hülfe schreien will, ohne eine Stimme zu haben — ausgenommen solche Höllen- mährchen, welche uns zuweilen ein böser Engel im Schlafe erzählt, hatte sHerr Quint nie Peinlicheres der Art em- Pfunden.

Der Boden sickerte indeffm nach dem Naturgesetz der Schwere längs«. unter seinen Sohlen fort — eine weite Fahrt über KieS und Gries hinunter stand zu befürchten — schwindelig anzusehen — und Jungfer Bätely hatte soeben die Höhe deS Bergweg« erreicht und stand zwei Schritte von Herrn Quint, dem im Schreck der Athem entging, — stand still und betrachtete erstaunt die wegge- worfenen schönen Gartenblumen auf dem Wege zerstreut.

Auch jeder Andere würde mit stillem Vergnügen die kleine Reisende betrachtet haben, sauber, ländlich-einsach und doch zum Vorthrile des liebliL-geformten Wuchses geklei­det, wie sie dastand vor Quini's Blumen, sinnig und mit einem Angesicht, wie das Angesicht eines Engels im Mot- genroth. — Herr Quint zitter,e vor Liebe und — Angst.

Sie bog sich, sammelte die Blumen auf, und ging seitwärts, sich auf ein Felsstück zu fetzen. Die Blumen im Schooße, ordnete sie dieselben zu einem Strauß, doch ohne Eile; bmn ihr Blick irrte m die gegenüberstehende Landschaft, wo im Morgendufte Herrn Qulnt'S Landgut und Wohngebäude nebst Garten ruhten.

(Fortsetzung folgt.)

nieder? befisd«

•,6W

it 1871

Ny w» thetle, dürfe.

fDaS Herrenhaus de« preußischen Landtages trat am ! tentaa nach langer Pause zu einer Plenarsitzung zusam Ü£7 zu welcher auch der Fürst Reichskanzler sich einge- jEjin hatte, wie auch zahlreiche Zuhörer auf den Tribü- Eta die Tagesordnung eine Interpellation deS Grafen ^chulenburg-Beetzendorf in Betreff der Aushebung der Magnahme des Vermögens des Königs von Hannover a*te. Nachdem der Regierungskommissar In kurzer und .»chct Beantwortung derselben ans der welstschen Ta- mesie nachgewiesen, daß die Führer der Welfenpartel ch immer den Exkönig als ihren legitimen Herrn be- Len urd Umtriebe für seine Restauration machen, und ttw er dabei die Erklärung gab, die Regierung wünsche ttS mehr, als daß der Prätendent entsage und die Hand 8oe, m Frieden biete, könne aber bis dahin ihm nicht die

Ittel zur Steigerung jener Umtriebe überliefern, — ♦tf -jtt von keiner Seite die Anknüpfung einer Diskussion 11 »«tragt, und Fürst Bismarck hatte keinen Anlaß, der Antwort efttüstt g RegietungSkommiffarS noch etwa« hinzuzufügen. TagS muf wurde im Abgeordnetenhause die zweite Lesung der «läge wegen AuSbaue« deS berliner Zeughauses zu itr historischen Waffen« und TrophSensammlung der

1 Mischen Armee von den Senttumsmitgliedern Dr. Brüel hfff. ch Dr. Windthorst benutzt, die Annexion Hannovers ch hier zum Thema herber Klagen und Anklagen zu chen, doch nicht ohne eine energische und warme Ant «t von Seiten ein,« nationalgesinnten Abgeordneten au« mnover hervorzurufen. Im Uebeigen nimmt die zweite hing der Etats für 1877—78 fortgesetzt den größeren Mn ter Sitzungen be« Abgeordnetenhauses in Anspruch, ——- gt schwer wird e« empfunden, daß wiederum die uner- ***** zpflichcn Culturkampfbkschwerbeu des Centrums die Er- ,igung fruchtlos so verzögern, daß wohl nicht einmal » Budget bi« zum 22. d. M., auf den der Deutsche eichstag vom Kaiser zur Eröffnung seiner diesjährigen esstou einberufen ist, erledigt sein kann, während noch imer einzelne neue Vorlagen an den Landtag gelangen, mn Erledigung die Regierung für unauffchieblich hält, i Neber den Stand der Bankverhandlungen in Wien »n taten im Laufe der vergangenen Woche die verschiedensten 'schrichtm verbreitet. Optimistische und pessimistische Mel­angen lagen in hartnäckigem Kampfe miteinander. In Pec Stunde haben die letzteren die Oberhand gewonnen Mb eS ist anzunehmen, daß die„Bankfrage" ihre Lösung icht finden konnte, weil über die Zusammensetzung deS

Hm«*imäXS.

ö»r ■ [246

1877. j ber “

Sxpe- In fortgesetzten, angenehmen Ueberlcgungen hob er sich stufenweise vom Tröste zur Beruhigung, von der Ruhe |itH jur Hoffnung, von dieser zur Erwartung, von der Er TZZ22. nartung zur Freude, von der Freude zum Entzücken, r. d.K ,Unb denk' ich noch an Pyl'S Worte, an Bätely's Slicte 1* Riitfl rief er im neubeginnenben HoffnungS unb LIebeSrausch.

,0 Alles ist noch möglich! Wir wollen eS versuchen! Bätely wirb errungen! bas Paradies erobert! .Trallalla, traUallera, tralla, trallorlum!" — Die letzten,-undeutschen । Sßotte dachte er nicht, sprach er nicht, sondern er sang sie 1« prd

13.

, Der einmal geliebt hat, wirb fich den schnellwechseln. Rttt-J’*.? tti SemÜchszustand be« zwischen Furcht unb Hoffnung, Angst unb Entzücken umhergeworfmeu Herrn Qu nt sehr i demlich erklären können. Auch will ich wetten, baß ber --Wfete Thetl meiner Leser den Freubentanz de» Hnm

ben Verstand?

Der gute Mann büßte in diesem Augenblicke seine kurze Lust auf die empfindlichste Weise. Er mußte sich mit bei­den Händen fest an den nebenstehenden Bäumen halten, weil der Boden unter ihm, bl« zum Ufer deS Stromes hinab, ziemlich tief unb steil lief, unb bie Füße sich nur auf KieS unb Sand stützten, bet bei jeber Bewegung nachließ. , ,, , n .

jedenfalls mußte er in solch grausamer Lage wenig­sten« so lange verzögern, bl« Bätely vorüber fein würde unb doch schien et sich keinen Augenblick länger aufrecht halten zu können. Der Bobev sickerte allmählig unter seinen Fußsohlen. Er konnte link«, et konnte recht« vielleicht feste! stehen, aber nicht vor Bätely'« Blicken bedeckt wie hier. Zudem war mit jeder Abänderung feiner Stellung ein verrätherische« Geräusch, ein Praffeln be« hetabtollen« ben Gesteine« unb SandrS unausweichlich.

Ausgenommen qualvolle Träume, in benen bet Be-

zngstrte entrinnen will, wähtenb ein fataler Zauber seine t« heißt, weiß ich nicht mehr.

eiftprTifi- Dietrich & So i" j unb Hannover; Th- in Frank^tt a.M.; Enftein & Bögler in L°.M, Berlin, Lew» adln re; Rudolf Moffe grantfurt a. 3R. ic- ________________________ _ ------ --

... Unb ben Weg daher gegen die Höhe laut Bätely in listubin ■ höchsteigener schöner Person. Sie war allein.