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gen nimmt entgegen: U, bitten d. Blattei, feste die Annoncen-Bureaux ,on ö. Dietrich & 60. in »affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S* lein & Bögler ht tta-M.Bettm.Leip- in k; Rudolf Masse ^Berlin, Frankfurt a. M. re.

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MaxKurg, Sonnabend, 10. Februar 1877.

xn. Jahrgang.

VderhcWe Icilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blattes sowie bte Amwncen-Bureaux eon L. Daube & So. in

Frankfurt a. M.: Jüger'sche Buchhandlung in Frankfutt o. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Karl Schuß­ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wvchentlichm Beilage „JInftrirtes Sountagsblatt" durch die Expedition (Aoch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 56 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnsertiouSgebühr für die gespaltene Zelle 16 Pf». Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden S5 Pf», berechnet.

Die Nachricht, daß das Reichspatentgesetz noch lange Mt das Vorbereitungsstadium überschritten habe, ist un­richtig, obgleich ste anscheinend offiziösen Charakters war. Der fragliche Gesetzentwurf liegt bereits dem BundeSrathe vor und steht auf der Tagesordnung der gestrigen Plenar­sitzung beffelben. Aus der Tagesordnung hebe« wir noch fügende Punkte hervor: Vorlagen betreffend den Beitritt Deutschlands zu der Vereinbarung zwischen Oesterreich- llngarn und Italien über den Schutz nützlicher Vogelarten; die Zulässigkeit der Erhebung von Eisenbahn-ExpeditionS- gebühren im Durchgangsverkehr; die Einwirkung der Eisen btchn Frachttarife aus die Konkurrenzfähigkeit der Spiritus qportsätze, die Feststellung deS Feingehalts der Gold und Silberwaaren — ferner Mittheilungen über die Feststellung von Normalmaßen für den Ausbau von Wafferstraßen und wer die Einziehung deS StaatSpapiergeldeS von Schwarz« bmg-Rudolstadt.

Wie die Pariser „Correspondance bleue* meldet, ist der Großfürst Constantin mit einer hohen politischen Mission in Frankreich und England betraut worden. Der Czar habe den Wunsch ausgesprochen, der Großfürst möge die Reise sofort antreten und spätestens in den Tagen deS März zurückkehren.

Die Entsetzung des GroßvezierS Midhat Pascha hat in der politischen Welt eine viel größere Sensation erregt, att der letzte Thronwechsel. Wenn die englische türken- freundliche Prefle dieses Eretgniß auf russische Einflüsse and Umtriebe zurücksührt, so kann man darüber nur lächeln. Der Sturz Midhat Paschas ist ein Werk der alttürkischen Pattei, welche ihn als Großvezier duldete, so lange man die Phrasen von „Reformen* und „Verfaffungsleben* als Gegengift gegen die Konferenz brauchte. Nur die Politik Midhat Paschas konnte der Türkei einen Erfolg über die Diplomatie der Großmächte verschaffen. Heute ist eS klar, daß die Pforte nie daran gedacht, die Politik Midhat Paschas zu adoptiren; man wollte ihn nur als ad hoc- Großvezier, um die Aktion der Mächte zu paralystren. Kurz vor Beginn der Konferenz wurde er Großvezier und alsbald, nachdem die Bevollmächtigten abgereist waren, stürzte man ihn von seiner Höhe hinab. Es war von »ernherein ein Kowplot, welche« nicht blo« gegen Midhat Pascha, sondern namentlich gegen die Konferenz geschmiedtt wurde und da« nunmehr mit Gerüchten von Konspirationen

gegen die Person des Sultan» Abdul Hamid oder gegen die Sicherheit des Staats bemäntelt werden soll. Ob dieses Ereigniß dazu beitragen wird, der Politik England» eine andere Richtung zu geben, möge dahingestellt bleiben.

Die „Correspondance Universelle* bringt folgende« Te­legramm au» Pera vom 5. Februar: „Diesen Morgen um 5 Uhr wurden alle Straßen in der Umgebung des Serail» und des Seraskerat» militärisch besetzt, zwei Gardekom- pagnten schloffen alle AuSgänge im Palaste des GroßvezierS, worauf das Schlafzimmer Midhat Pascha« durchsucht und derselbe nach der Pforte gebracht wurde. Dort eröffnete ihm der Sekretär deö Sultan», daß et überführt sei, gegen die Sicherheit de« Staate» konspirirt zu haben und daß ihn Se. Majestät von dem Posten de» GroßvezierS entsetzt und seine Verbannung angeordnet habe. In der That wurde Midhat Pascha unmittelbar darauf an Bord de» Kriegsschiffes „Jzzeddin* verbracht, welche« alsbald die Anker lichtete. Diese Neuigkeit verbreitete fich in rapider Weise und eS sammelten sich in den Straßen von Konstan­tinopel große Volksmengen an. Um 10 Uhr erschien der Scheik ul-JSlam in Staatskleidung und gefolgt von dem militärischen Hause de» Sultans aus dem Platz der Pforte, wo nur die UlemaS, die Generäle, die Diplomaten und die Würdenträger Zutritt erhalten hatten. Einige Minuten später erschien Edhem Pascha unter Vottritt der Musik deS Serail» in dem Audienzsaal, wo ihm der Scheik-nl- Jslam zunächst den kaiserlichen Hat vorlaS, welcher ihn zum Großvezier ernennt, und ihm dann die Minister, Pascha» und die anwesenden hohen Würdenträger vorstellte.*

Deutsches »eich.

Berlin, 8. gebt. In dm ersten Tagen diese» Monats gewann e» den Anschein, daß die energische Bekämpfung, welche die Rinderpest von dem Momente ihrer ersten, am 8. v. M. erfolgten Konstatirung ab an den verschiedenen Punkten ihres Auftreten» in den preußischen Provinzen, Schlesien und Schleswig Holstein, sowie auf dem Schlacht­viehmarkte zu Berlin und auf Hamburgischem Staatsge­biete erfahren hat, um so sicherer zu einem schnellen durch­greifenden Erfolg führe« werde, als sämmtltche Fälle deS Auftretens der Seuche auf ein und dieselbe Quelle zurück« führten und sofort umfaffende Anordnungen getroffen wor­den warm, um erneute Einschleppungen zu verhüten. Scheinen nun auch die letzteren Anordnungen ihrem Zwecke in der Hauptsache genügt zu haben, so ist e» doch nicht

gelungen, alle von jener ersten Einschleppung ausgehenden Spuren zu tilgm. In der zuerst infizitten Provinz Schle­sien find zwar in letzterer Zeit weitere Ortschaften nicht ergriffen, und es hat innerhalb der letzten acht Tage auch nur an einer der verseuchten Ortschaften der genannten Provinz — Klein - Mochbern bei Breslau — die Konsta­tirung eines neuen Seuchenfalles stattgefunden, auch haben sich in dieser Frist weder in der Stadt Berlin noch in der Provinz Schleswig Holstein neue Seuchenheerde gezeigt und nur auf Hamburgischem Staatsgebiete ist die Verseuchung zweier Gehöfte in Barmbeck am 1. d. M. festgestellt wor­den. Dagegen ist die Seuche plötzlich am 5. d. M. in Cöln und in Nippes bei Cöln, am 6. in Dresden und am 7. in Emden, Provinz Hannover, in Gelsenkirchen, Regierungsbezirk Arnsberg, und in Prenzlau, Regierung»- Bezirk Potsdam, konstatirt worden. Die Einschleppung in Dresden ist nach dem Ergebniß der vorläufigen Ermitte­lungen aus Preußisch Schlesien, die Einschleppung in Cöln durch einen ViehtranSport aus Dresden erfolgt während die Einschleppungen in Emden und Prenzlau auf Vieh- tranSporte zurückgeführt werden, welche vor Konstatirung der Seuche auf dem Berliner Schlachtviehhof von letzterem abgegangen find. Es sind an sämmtlichen bezeichneten Or­ten sofort die nöthigen Maßregel« zur Jsolirung und DeSinfizirung der Seuchenheerde ergriffen worden. Auch ist zur Sicherstellung der Einheit in den von de« Landes- Behörden zu treffenden Anordnungen das dem Königlich preußischen Regierungspräsidenten, Herrn von Boetticher zu Schleswig, auf Grund des § 12 de» Rinderpestgefetze» vom 7. April 1869 ertheilte Kommifforium neuerdings auf die Rheinprovinz und da» Königreich Sachsen ausge­dehnt worden.

Dortmund, 4. gebt. Es ist ein trübes Bild, welches die momentane Lage in unserem Kohlenrevier darbietet und leider ist vor der Hand auch nicht die allergettngste Aussicht auf irgend welche Befferung vorhanden. Mit dem 15. Februar werden im Oberbergamtsbezirk Dottmnnd mindesten» 6000 Arbeiter brvdlos fein und diese Zahl wird fich in den folgenden Monate« ohne Zweifel erheblich vermehren. ES ist de« Zechen trotz aller Preisermäßigungen nicht möglich, ihr gefördertes Quantum an den Mann zu bringet. Der Preis für sehr gute Hausbrandkohlen ist schon auf 40 Pf. per Scheffel gefallen, während in den Jahren 1873/74 der Scheffel 1 M. und mehr kostete. Man sucht in beteiligten Kreisen nach Mitteln, um den ärgsten Not­ständen zu begegnen. Die in unseren Bergwerken vielbe­schäftigten Italiener find größtenteils nach ihrer Httrnath

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Herrn Qnint'S Verladung.

Humoristische Novelle von H. Zschokle.

(Fortsetzung.)

So gewaffnet unb mit einer Unerschrockenheit ohne Gleichen, verließ et daS Haus, ging er gegen ben brau­senden Strom, und über die Brücke, und über die Au bis zur großen Straße, welche von einem Ende de» Thales iam andern führt, unb von Bätely nicht gemieden werben konnte.

Die Natur erwachte unter bem Triller bet Lerchen; die Gewölle entwanden fich dem Schooß der Gebirge unb schwangen sich golden der Sonne zu. Ein heiliger Schauer dntchbebte die Waldung; — Verklärung strömte vom glän­zenden Himmelsgewölbe herab Über die gewaltigen Felsen- tannen und über die Moossteine und Kräuter.

Herr Quint faltete in stillet Verzückung die Hände zu- fawwen. Et sah hinaus in die blühende schimmernde Thal ®dt, wie in ein neue« Leben, dessen Engel Bätely war. Ae Herrlichkeit unb Pracht der Frühstunde war für ihn «t feierliche Eingang zur Epopöe feiner Zukunft; da« «"läuten seine« großen Sonn- und Festtag«.

Träumend ging er auf der Straße hin, gegen da« große Dorf Thofa, von woher biejOeliebte kommen sollte. Der «eg stieg am Ufer bes Strom« über Bergschutt unb geb I® empor; rechts unb links von alten Eichen, Fichten unb «rchenbäumen besetzt unb verworrenem Dickicht.

Auf bet Höhe breitete sich ihm über ben Wipfeln der •wten vom Stromufer aufragenben Tannen eine liebliche ^tdschast aus, in beten Mitte fein Lanbgut wunderschön Wegen war. — Auch übersah man, von hier aus, eine gntt Strecke de» Wegs vorwärts, der fich wiede. in die JE ,’e zwischen Waldung unb mit kleinen Blumen bestreuten Selsen hinsenkte.

Hier beschloß Herr Quint Position zu nehmen, nnb -“’efy zu erwarten. Denn e« ließ sich ihr doch nicht so lause«, ohne alle Vorbereitung. Die Bekanntschaft

war allzu frisch; unb bie mit ihr verknüpften Unfälle --baS Tischtuch.--

Dies war Entlabung aller Elektrizität; Amor ließ die Flügel sinken, Herr Quint da» Blumenbüschl; ein trüber Hauch ging über den Glanz der Natur, wie der Seufzer eines bösen Geistes.

Die unselige Erinnerung a« da« Tischtuch wüthtte mit winterlicher Hand in dem FrühlingSgatten semer Phantasie; alle Freuden und Hoffnungen erstürben; er stand da, wie einer, der Niemanden angehört, wie ein Pilger au» der Fremde im plötzlichen Nebel; oder wie ein Trinker, der mitten unter Thorheiten nüchtern wird.

Er stampfte mit dem Fuße ärgerlich gegen die Erde. — „Da läuft der Narr hin, bei Gott, um sich noch ein­mal vor dem liebenswürdigen Geschöpf unterm Himmel lächerlich zu machen! Schämen wirb sie sich in beiner Seele unb beinern Namen. Und du so plump, so tölpisch I — O, warum war ich nicht nur unglücklich, warum mutzt' ich mehr sein als das, so lächerlich!*

Herr Quint warf mit Heftigkeit feine Blumen zu Boden.

„Es ist vorbei! Es ist gewiß, ste liebt mich nicht, unb wenn sie wollte, ste könnte nicht. — Da wäre brr Klotz einmal wieber sauber angeprallt, wenn et ihr heute sein Kompliment geschnitten, wie einer alten nnb sichern, aus und abgemachten Bekannt- unb Freunbschaft! — Troll' Er sich ganz sachte bavon, laß Er erst Gras wach­sen über seine Albernheiten, bann klopf' er wieber an unb melb’ Er sich!*

So mißhandelte sich selbst, mit katthäuserhafter Strenge der atme Quint. Er sah in bem Augenblicke seine Fehler in Riesengestalt, bie ihn zu Boden drückten, unb seine Tugenben schienen ihm Zwerge. — Er verzweifelte so sehr an sich, daß er sich von ganzem Herzen verachtete. — Schönheit, Reichthum, Grazie, Witz, Ruhm, glänzende Aemter, glänzende Handlungen, und waS sonst wohl ein schönes Mädchen anttrren dürste ....

„Ach, eS fehlt mir Alle», — Alles! — um vor der Liebenswürdigen liebenswürdig zu fein!*

Er drückte sich ben Hut tiefer in« Gesicht; schwenkte halb, unb wollte so eben be« Rückweg in bte Heimath antreten, als, sein Unglück zu mehren, Satan ihm schaden­froh inS Ohr blies: „Unb ehe bu klug unb liebenswür­dig wirst, hat Bätely schon ben Mann gefunden!*

Der Einfall machte ihn schaudern. Er stand still. Vor seinem innen: Blicke liefen, wie Schattenspiel der Zauber« Interne, die Gestalten aller seiner mögliche« Nebenbuhler au» dem Thale vorbei. — Schöne Männer, geistvolle Minner, angenehme Gesellschafter, reiche Jünglinge, bedeu­tende Familien — und Quint'» Selbstgefühl, statt ganz aufgelöset zu werde«, erwachte wieder unter dieser Mu­sterung. Unwillkürlich wog er sich mit Mann um Mann, und fand, daß er denn doch so ganz verächtlich, so ganz werthlos nicht sei. — Die Nebel de» Mißmuthe» brachen sich; der Hoffnung Sonnenstrahl schoß über seine innere Welt hin und zeigte wieder in der nächtlichen Wüste ein­zelne lichte Stätten.

(Fottsetzung folgt)

«lher-RiSche».

Eine Dorf-Novelle von Rudolph Weitnau.

(Fortsetzung.)

Die Mädchen ließ« im vollen Ernste einen lauten Schrei de» Schrecken» vernehmen, die jungen Bursche lachten uicht sondern machten ziemlich lange Gesichter und zogen die Stirn in sehr bedenkliche und düstere Falten.

Die Kindtaufe steht bei ben Lanbleuten viel zu hoch unb war ihnm viel zu heilig unb theuer, al» baß sie eine Verweigerung derselben Seiten» de» Pfarrer» gleichgiltig Eingenommen hätten oder mit einem derben Scherz wie bei anderen Dingen, darüber hinweggegangen wären.

Da» Ereigniß in Morl gehörte in ihren Augen zu bett unerhörtesten Anlässen, wenn nicht gar zu dm Un-