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Marburg, Dienstag, 6. Februar 1877.

XII. MkMg.

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täälick attfiet den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchenttichm Beilage „ziuftrtrte« Eonntn««blatt" durch die Expedition («och'fche chdtudec ei) bezogen 3?Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 »art 50 Pf«. <°rl. Bestellgebühr). - KlferttoMÄühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Mr in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

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nimmt entgegen: Mo« d. Blatte«,

. -n die Annoncev-Bureaux ÜIIObL« Th- Dietrich & Co. in [rf und Hannover; Th. -te "TStitri* in Frankftrtt a. M.; oöO(fL.afenftein & Bögler in U^futt a- M-, Berlin, Leip- L -öln ic; Rudolf Mosse i Berlin, Frankfurt <u M. re.

Anzeigen nimmt entgegen: die GÄeditton d. Blatte« sowie dre Annoncen-Bureaux von @ L- Daube & So. in Kcaukfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendanl, A- Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß-

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

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Pariser Nachrichten zufolge sollen neue Verhandlungen zwischen Berlin und Paris eröffnet worden sein, welche die velheiligung des deutschen Reichs bei der Pariser Welt «Sstellung zum Zwecke haben. Wenn diese Meldung rich­tig ist — waS wir nicht glauben, weil das letzte Wort in dieser Sache bereits gesprochen ist — so müßte selbstver- stindlich die Initiative von der französischen Regierung ausgegangen sein.

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Der Gesetzentwurf betreffend den Sitz deS Reichsgerichts, welcher nunmehr dem Bundeörathe vorgelegt worden ist, -MU nur einen einzigen Paragraphen, welcher lautet: D-S Reichsgericht erhä t seinen Sitz in Berlin." Die beschleunigte Entscheidung über den Sitz des Reichsgerichts ist dringend, schon weil die baulichen Vorbereitungen, welche «othwendig vorangchen müffen, eine erhebliche Zeit in An iprirch nehmen werden und bis zum 1. Oktober 1879, dem Mesten Termin für das JnSledentreten deS neuen Ge­richtshöfe«, nicht herzustellen sein würden, nenn die Fest­stellung des OrtS nicht schon tu der bevorstehenden Session des Reichstags erfolgte.

Aus die Anfrage der Commiffartrn deS Hauses der Abgeordneten: „Das sogenannte SubmisstonSvcrsahren ist in neuerer Zeit mehrfach, aul von anscheinend berufener Stelle her. förmlich als erhebliche Mitursache deS behaup teten Verfalls der deutschen Industrie angeklagt worden. Wie verhält sich die StoatSregierung dieser Anklage gegen- Lber? Erscheint eS etwa ongezeigt, den Behörden noch mehr, wie bisher, die Auswahl unter den Bi lern nach der LeistungS'Lhirikeit, — daS beschränkte Subm'sstonSverfnhrcn, — die freihändige Verdingung zu empfehlen?" — ist Sei­tens der Vertreter der StaalSregierung folgende Antwort Mheilt worden: Die Klage, daß das SudmifstonSverfahr n einem Verfall der deutschen Industrie zur Mitursache diene, ist bei dem Herrn Handelsminister nicht angebracht worden. Auch möchte die neuerdings den Behörden gewährte Be fugniß, in weiterem Umfange, als bisher ein beschränktes

DaS deutsche Reich hat in den ostaustralischen Jusel- zioppen einen Hafen erworben. Die „Tonga Times" vom 1 November enthält den Text eines zwischen Deutschland nnb der Regierung der Tonga-Inseln geschlossenen Vertrages, kraft besten ersterer Macht ein Hafen abgetreten werden soll. Der Vertrag wurde NamenS der deutschen Regierung von Capitän Knorr, dem Befehlshaber der kaiserlichen ....-Korvette „Hertha" abgeschlosten. Die Tonga- oder Freund- [21 schafts-Inseln gehören zu den angebautesten der fraglichen Gruppen.

Gubmissionöverfahren (zu welchem nur besonders zuver­lässige Bauhandwerter zugezogen werden) oder freihändige Verdingung eintreten zu lasten, bei verständiger Handhabung dieser Ermächtigung dem Bedürfniß genügen. ES ist nicht außer Acht zu lasten, wie auch eine zu weit gehende Frei heit auf diesem Gebiete zu Mißbräuchen oder wenigstens zu einem Verdacht des Mißbrauchs führen kann.

In die Verhandlungen über die große Orientfrage ist eine Pause ein getreten; dennoch läßt sich wohl annehmen, daß die Verhandlungen von Cabinet zu Cabinet gerade jetzt sehr lebhaft sind, wenn sie auch noch nicht in die Oef- entlichkeit gekommen sind. Die signalisirte russische Note läßt noch immer auf sich warten. Buch die kleine Orient­frage kommt keinen Schritt weiter; Serbien und Monte­negro können sich mit der Pforte nicht einigen; Fürst Milan will sich bei der Skupschtina Raths erholen und hat sie deshalb einberufen.

Die Budgeikommisston hat über den Gesetzentwurf be­treffend eine anderwette Einrichtung deS Zeughauses zu Berlin Bericht erstattet. Von Bedeutung ist lediglich der von der Commission beschlossene § la: „Aus der Summe von 4,330,000 Mark wird für das Etatsjahr vom 1. April 1877/78 der Betrag von Einer Million Mark zur Verfügung gestellt. Die in dm folgenden Jahren zu ver­wendenden Beträge werden durch den Staatshaushaltsetat festgesetzt." Die Regierung wünschte bekanntlich die volle Summe zu ihrer Verfügung zu erhasten.

Deutsches Reich.

— Berlin, 3. Febr. Zn der Budgeikommisston des Abgeordnetenhauses hat der Finanzminister folgende Auf schlüste über den Antheil Preußens an den „5 Milliarden" ertheilt. Preußen hat als Antheil an der französischen KriegSkosten-Entschädigung erhalten: im Jahre 1873: 187,106,658 Mk., im Jahre 1874: 109,456,950 Mk. im Jahre 1876: 19,459,013 Mk., zusammen 316,022,621 Mk. Hiervon sind verwendet: 1. für Eisenbahnzwecke aus Grund a. des Gesetzes vom 5. Juni 1873 102,108,444,8» Mk., b. deS Gesetzes vom 11. Juni 1873 50,045,992,ez Mk., c. deS StaatShauShaltSetalS vom 26 Februar 1874 24 Millionen Mk., d. des Gesetzes vom 7. Juni 1874 26 Millionen Mk., e. des Gesetzes vom 14. Juni 1874 15,750,000 Mk., im Ganzen 218,004,437,45 Mk.; 2. zur Tilgung von Staatsschulden auf Grund a. deS Ge­setzes vom 5. Juni 1873 60,033,375 Mk., b. des Gesetzes vom 26. Mai 1874 18,525,795,55 Mk., im Ganzen 78,559,170,66 Mk.; 3. zur Ersatzleistung an den Kron- fideikomm-ßsond für die vom Fiskus aus dec Herrschaft

Schwedt zur Ungebühr vereinnahmten Bezüge auf Grund deS Gesetzes vom 11. Juli 1876 2,845,000 Mk.; 4. zu NothstandSbeihülsen aus Grund des Gesetzes vom 22. Juli 1876 6 Millionen Mk., zusammen 305,408.608 Mk. Im Ganzen sind hiernach noch verfügbar 10,614,013 Mk. und aus dieser Summe wird beansprucht: a. nach der dem diesjährigen Landtage zugegangenen besonderen Gesetzes, Vorlage zur Deckung der der Staatskaste zur Last fallen­den Kosten für die Regelung der Grundsteuer in den neuen Landestheilen der Betrag von 6 Millionen Mk., b. durch die gegenwärtige Vorlage der von 4 330,000 Mk. — AuS den Zusammenstellungen über das Beamtenpersonal der Bahnen, die im Reichseisenbahnamte unter Zugrunde­legung der Resultate von 54 Eisenbahnverwaltungen bear­beitet worden find, ergiebt sich, daß auf 1 Million Achs­kilometer die wenigsten Beamten — 165 — entfallen auf die preußischen Privatbahnen unter Staatsverwaltung, 174 auf die preußischen Staatsbahnen, 209 auf die preußischen Privatbahnen, 224 auf die außerpreußisch-deutschen Staats­bahnen und die meisten Beamten — 253 — auf die außer- preußisch-dcutschen Privatbahnen. Wird die auf 1 Kilo­meter Geleislänge entfallende Zahl der Beamten als Maß­stab genommen, so bildet sich folgende Reihenfolge der Gruppen: außerpreußisch-deutsche Privatbahnen mit 3,10, preußische Staatsbahnen mit 3,38, preußische Privatbahnen mit 3,65, außerpreußisch-deutsche Staatsbahnen ml 4,14, und schließlich preußische Privatbahnen unter Staatsver­waltung mit 4,24 Beamten. Nach dem beide Berhältniste ausgleichenden geometrischen Mittel beschäftigen die preußi­schen Staatsbahnen die wenigsten Beamten, hiernach auf- steigend die preußischen Privatbahnen unter Staatsverwal­tung, die preußischen Privatbahnen, die außerpreußisch- deutschen Privatbahnen und endlich die außerpreußisch- deutschen Staatsbahnen. Die Summe der Beamten aller Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Bahnen stellt sich — auf Achskilometer zurückgeführt — günstiger, unter Zurückführung auf Geleiskilometer ungünstiger und im geometrischen Mittel wiederum günstiger als die Summe der Beamten aller Privatbahnen.

Dresdeo, 1. Febr. „Der sogenannte „große Sieg" der Sozialdemokraten in unserem Lande beschränkt sich im Grunde auf die Wahl des Führers der Sozialdemokraten in der Haupt- und Residenzstadt des Landes, und dieser Umstand hat allerdings seine Bedeutung. Allein es wäre irrig, daraus zu schließen, daß die Mehrzahl der Wähler in Dresden aus Sozialoemokraien bestehe. Die Unklug­heit der übrigen politischen Parteien hat Bebel bei uns zum Siege verhelfen; hätten Konservative, Liberale und Fortschrittler sich gleich von vorn herein über nur einen von ihnen aufzustellenden Kandidaten vereinigt, Bebel wäre mit in der Minderheit geblieben. So aber stellten die

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Herrn Ouiut's Verlobung.

Humoristische Novelle von H. Zschokle. (Fortsetzung.)

8.

Der Autor bekennt, daß ihm Herr Pyk etwas zu früh «schienen ist, weil der ihn in einer wichtigen Bemerkung gestört hat, die et soeben zu machen Gelegenheit nehmen wollte.

Es ist außer allem Zweifel, daß Herr Quint neben dem schüchternen Landmädchen seines Verthcils vergaß. 68 gibt gewisse Dinge, die durchaus nicht mit Ernst be­handelt sein wollen; dahin gehört auch die Eröffnung einet Bekanntschaft, sei es mit einem Gelehrten, oder einem Frauenzimmer — mit welchen beiden Menschenratzen das Bekanntschaftschließin übrigens bei weitem beschwerlicher, als mit jeder andern ist. Man fährt am besten, solch ein erstes Zusammentreffen so lange als S. erz zu nehmen, bis die'Natur selbst Ernst daraus machen will.

Herr Pyk, dieser Deus ex machina, hatte durch seine Dazwischenkunft alle Dinge wieder in ihr ordentliches Ge- ki6, die verlorenen Pantoffeln an ihre Füße, und den flüchtigen Hut zu seinem Kopf gebracht. Nut eins war und blieb, wie e« schien, außer der alten Ordnung, — bet Kopf der beiden jungen Leute.

Herr Pyk war in dem Punkte erfahrener, als man glauben sollte. Et ließ eS sich nicht auSreden, daß die beiden Abenteurer einander geblendet hätten, daß sie den offenen Weg bei hellem Tage nicht mehr jähen, — Der Hut und die Pantoffeln unterstützten seine Bemerkung. Er lächelte, nahm Herrn Quiut beim Arm und führte ihn

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sie?" sagte er.

„Ei, Herr Nachbar", rief Pyk. „Ihr sollt mit nichts ausbinden, wie meinem Saumthier. Ich habe ungebeizte Augen, wenn ich gleich nickt die ungeheueren Schwingungen Eurer Welten anhero observirt habe. — Ihr aber feit angeschvffen wie ein Fuchs, und wollet es nicht Wort haben. Geben wir nur ganz, einfältig Gott und der Wahrheit die Ehre: Ihr seid angeschvffen."

„WaS redet Ihr auch?" erroiebette Herr Quint. „Ich verstehe Euch nickt! Was heißt daS, angeschvffen?"

„Ihr möchtet Euch gern", fuhr der beredte Herr Pyk -sehr unartig fort, „hinter dem Feigenbaum verbergen, wie aue Eder Großvater Adam nach dem Sündenfall. Aber, Herr

!und du, Bätely," sagte er zu dem ängstlichen Mäd- Nachbar, ich laste mit mir nicht verstecken spielen; daS ist

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chcn schmollend, „weißt du noch, daß unsere Erdbeeren im Gartenhause stehen? Ich dächte, du trügst sie unS i'ns Zimmer, da ist'S kühler."

9.

Als sich die Herren Pyk und Quint an den Tisch ge­setzt hatten, nahm Herr Quint voll kühner Weisheit das Wort, um seine Verlegenheit zu verheimlichen. Am lieb­sten hätte er nach Bätely gefragt, und wer sie sei? und wie sie hieher gekommen? und was sie gelte und bedeute? — Statt dessen aber hob er also an:

„Man muß eingestehen, daß die Kenntniß deS gestirn­ten Himmels jede andere Wissenschaft an Jntereste über- t isst Nur allein die Erinnerung an die seltsamen, unge heuern Schwingungen der Welten in dem unermeßlichen Raume . . ."

„Eil" rief Herr Pyk, „was beginnt Ihr auch da? Ich will doch nicht hoffen, daß Ihr am hellen Tage mit meiner Nichte nach den Sternen gegafft habet?"

Herr Quint wurde f-uerroth. „Also Eure Nichte ist

aus und Simen! — Bätely hat Euch zur Erkenntniß des Guten und Bösen gebracht; ich aber will Euch darum nicht auS dem Paradiese bannistren. Verlaßt Euch auf mich!" —

Bätely unterbrach zum Glück oder Unglück dies Ge­spräch. Sie brachte Erdbeeren und frischen Wein. Herr Pyk hielt seine schöne Nichte fest: „Willst du nicht bei uns bleiben, Bätely?"

Hocherröthend schützte sie die dringendsten Geschäfte vor.

„Kennst du den Herrn hier?" fragte er weiter.

„Ich habe den Herrn Quint wohl einige Male ge­sehen, wenn er durch unser Dorf ritt!" antwortete sie verschämt.

Hier öffnete Herr Quint den Mund, denn et fühlte, eS sei Zeit, irgei.b eine Artigkeit anzubringen. Wirklich hatte er einen glücklichen Gedanken; aber er ließ es bei dem offenen Munde bewenden, weil et durchaus sprachlos ward.

Schnell drehte sich Bätely um und entschlüpfte der Gesellschaft.

(Fortsetzung folgt.)

Silber-Röschen.

Eine Dorf-Novelle von Rudolph Wellna«*)

Erstes Kapitel.

In der Silber-Mühle.

Ein kleines halbes Stündchen von der Stadt Halle an der Saale entfernt liegt freundlich und anmuthig am grünen Ufer deS obengenannten Stromes belegen das Dörfchen Trotha.

Zur linken Seite von den Clausbergen, welche aus

*) Nachdruck verboten.