Marburg, Sonntag, 4. Februar 1877.
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hast zu Boden gesenkt, die Wangen mit höherem Roth ge- färbt. — Herr Quint vergaß über dies Anschauen, Hut, Tischtuch, Entschuldigungen und die ganze Welt. So oft die Unbekannte die Augen zu ihm aufhob, schlug er die seinigen nieder; jo ost er sie anjah, senkte sich eben so regel- mäß g ihr Blick. So wechselten sie lange mit einander ihre Seherrollen, und schienen cS nicht müde zu werden.
,3ft Ihnen gesälligj?" sagte er mit leisem Ton und sah sie muthig an.
„Ich danke Ihnen?* antwortete sie, streckte ihre Hände
eine zeitweilige Verbannung nach seiner Heimath Calabrien aufzuerlegcn, während sein Ministerium in der Zwischenzeit von DepretiS verwaltet wird. Die Mancim'schen Kirchengesetze sind am 24 d. mit einer Mehrheit von 150 gegen 100 Stimmen von der Abgeordnetenkammer geneh migt worden.
Die Wiederernennung Gambetta'S zum Vorsitzenden des Budget-Ausschusses, welche am 25. Januar mit 29 Stimmen bei 32 Abstimmenden erfolgte, ist das Ereigntß ver Woche in Frankreich. Simon und Thiers, die dieser Wendung so entzegengearbeitet hatten, wie der Finanzminister Say, der wieder starke Abstriche fürchtet, bemühen sich jetzt um die Bildung einer Kammermebrheit auS dem linken Centrum und den Mitgliedern der Linken, die nicht mit Gambetta gehen. Der Budget Ausschuß sucht mit seinen Arbeiten so rasch vorzurücken, daß die Kammer schon zu Anfang April in die Budgetberalhungen eintreten kann; die Beantragung einer Abänderung in den indirekten Steuern nach Maßgabe deS Ueberschustes von 1877 ist so gut wie gewiß.
Die Unruhen in den spanischen Nordprovinzen nehmen ihren Fortgang, ohne daß bisher, die Verhaftung einiger carlistisch gesinnten Pfarrer abgerechnet, entweder die Aushebung der dienstpstichtigen Mannschaften vollkomm.n gelungen oder sonst etwas Entscheidendes geschehen wäre.
Englische Minister und Exminister haben sich in verflosiener Woche über innere und auswärtige Angelegenheiten vernehmen lasten ; der Schotzkanzlcr und der Minister d.S Innern in Liverpool, Gladstone in Frome und Taunton. Letzterer wiederholte seine bekannten Anklagen gegen die Pforte und seine Behauptung, dieselbe habe die auS dem Pariser Frieden ihr entflossenen Rechte verwirkt; der Schatzkanzlec Norlhcote wies nach, weßhalb die Regierung mit Richt jeden Zwang gegen die Türket vermieden habe; der Minister CrosS hob hervor, daß die Aussichten auf Erhaltung des Friedens augenblicklich günstiger feien, als sie feit langer Zeit gewesen.
Das dänische Folkething hat bei der dritten Lesung deS FinanzgejetzeS, wie vorauszusehen war, alle von der Regierung gestellten Anträge verworfen und alle Vorschläge feines Budgetausschust S mit 68 gegen 25 Stimmen gut- geheißen.
Der Oberbefehlshaber der russischen Südarmee, Großjürst Konstantin, scheint die Krankheit, die ihn seit fünf Wochen ans Lager gefestelt gehalten, überwunden zu haben; am 26. Januar hat er zum ersten Male wieder ausstehen und mit Hülfe eines Stockes durch die Zimmer gehen können. Die Truppen der Südarmee befinden sich übrigens nach amtlichen Versicherungen in ausgezeichnetem Zustande.
Der König von Griechenland hat die von Kon
stantinopel nach Athen gekommenen Lord Salisbury, Sir Henry Elliot und General Jgnatieff in Audienz empfangen, welche auch mit den Ministern sich über die Lage besprochen haben. KomunduroS hat ihnen ausführlich dargelegt, was Griechenland beanspruchen könne und müste.
Die Conferenzdevollmächtigten haben nun so ziemlich alle, ohne mehr in irgend einer Weise von sich reden zu machen, Konstantinppel verkästen, nur Jgnatieff verband mit seiner Abreise einen Abstecher nach dem Süden, angeblich der stürmischen Witterung wegen, einem Gerüchte zufolge aber, um sich nöthigenfallS den Beistand der griechischen Regierung zu sichern. Die Andeutungen einiger russischen Blätter, daß Jgnatiest mit dem Scheitern der Conferenz alle auf die Türkei bezüglichen Verträge und in Sonderheit den von Paris für null und nichtig erklärt habe, sind durch die veröffentlichte Rede nicht bestätigt worden; und die Muthmaßungen des offieiös russischen Nord abgerechnet, der herauSzuklügeln sucht, daß die That- sachen auf den Standpunkt vor dem serbisch-türkischen Kriege zurückgekehrt seien, schweben wir über Rußlands Absichten im Dunkeln. Midhat Pasta wird sich besten wohl bewußt sein, daß er mit der Durchführung seiner Verfassung und den sonstigen Reformen nicht zögern darf, wenn die- felben überhaupt noch von Nutzen fein sollen. Die Wahlen zum ReichSrath haben, obwohl unter mannigfachen Schwierigkeiten schon theilweise Statt gefunden; auch mit der Ernennung christlicher Statthalter denkt man demnächst vorzuzehen. Inzwischen ist in der Bulgare! auS Theilen der bisherigen VilajetS ein neues Paschalik gebildet worden. Die Streitfrage mit Rumänien nimmt einen schleppenden Gang an, bei dem man rächt recht erfährt, wie weit eS eigentlich damit gediehen ist.
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Qucrstreich gespielt hätte. Diese nämlich hatte lange genug angehalten und hob nun an zu brausen nach bestem Vermögen.
Die verunglückte Pantoffelträgerin spürte wohl, daß unter dem Trschtriche ein anderer Unglücklicher vergraben sein müffe; als sie aber das herzhafte Niesen unter sich vernahm, glaubte sie ihm wenigstens Arm und Bein gebrochen zu haben.
Mit einem lauten Schrei sprang sie aus. Sir hob mit zitternden Händen das Linnentuch von Herrn Quint. Herr Quint richtete sich empor, und wurde feuerroth und fast sprachlos.
„Verzeihen Sie!" sagte er stammelnd, und wollte ehrerbietig den Hut vor dem schönen Mädchen abziehen, welches, in gleicher Verlegenheit, wie er, vor ihm dastand. Seine Hand griff aber vergeblich in die Luft; der Hut lag noch unter dem verwünschten Tischtuch.
„Verzeihen Sie/ stammelte er, „ich hatte mich da ins Gras gelagert, denn — ich bin entsetzlich —"
„Sie haben doch keinen SLaden genommen?" fragte sie erröthend, und wagte kaum, ihn anzusehen.
„ES thut mir — ich habe keinen Schaden, als — " antwortete er schüchtern stotternd.
Gern hätte er noch mehr gesagt, abcr nun war'S vor- b-i Alle Anstrengungen, dem Frauenzimmer etwas Verbindliches zu sagen, blieben umsonst. Die Lippen regten fich, die Hände desgleichen: nur die Stimme fehlte ein»
Politische Wache» - Urberficht
Die fämmtlichen fiebenzig Stichwahlen für den nächsten Reichstag sind bis vorigen Sonntag (28. Januar) voll- w«n worden und das Ergebniß hat die Voraussicht be Migt, daß die Stellung der Fraktionen durch eine so schwache Abänderung des StärkeverhältniffeS keine verän- krte zu werden braucht. Im preußischen Abgeordneten hause nahmen die Geschäfte und insbesondere auch die KatSberathungen einen guten und raschen Fortgang. DaS Ccatrum läßt eS an gesuchten Nergeleien nicht fehlen, hat jedoch auch bei Gelegenheit deö Etats verschiedene populäre Aaträge eingebracht — z. B. für tte Nogal Ueberschwemmt n, grgrn den überhandnehrnendcn Schwarzwild-Schaden tn der Rheinprovinz u. dcrgt., welche auch bet den Fraktionen bereitwillige Unterstützung und die Annahme durch das Haas fanden. Inzwischen hat der Herzog von Ralibor, der Präsident des Herrenhauses, nun auch dieses behufs Ec Ikdigung bereiter Vorlagen auf den 5 Februar zu einer Plenarsitzung einberufen. Der am 27. Januar erfolgte Eintritt deS Prinzen Wilhelm, ältesten Sohnes des Kronprinzen, in das Mündigkeitsalter wurde am kaiserlichen Hofe, der durch den Tod der Prinzessin Karl veranlaßten Trauer wegen, nur still gefeiert; der Kaiser vollzog aber doch in herkömmlicher Weife die Aufnahme dcffelben in den Orden vom Schwarzen Adler durch Abhaltung einer Or- dknökapitelsitzung, in welcher auch einige andere hohe Per- sialichkeiten mit dem genannten Orden belehnt wurden. Gleichzeitig ließ die Königin von England ihrem Enkel den Hosenbandorden überreichen.
Am 29. Januar trafen die ungarischen Minist r Tisza, Szell, Wenckheim und Trefort zur Wiederaufnahme der Bankverhandlungen in Wien ein. Die letzten Conserenzen in Pest haben zu keiner Entscheidung geführt, auch die am 23. Januar unter deS Kaisers Vorsitz gehaltene nicht, da die österreichischen Minister den Vorschlag der National bank zur Annahme empfahlen, die ungarischen aber denselben ablehnten. In Pest war man von der Genehmigung zur Errichtung der ungarischen Bank bis zum 30. Januar um so fester überzeugt, als man wußte, vorn Kaffer sei diese (Streitfrage als eine rein finaneielle bez ichnet worden; seitdem zeigte sich die Nattonalbank wieder entgegenkommend und eS hat den Anschein, als würden die Fiaanzmächte, die sich der Sache mehr und mehr zur Ausbeutung zu bemächtigen suchen, es doch zu einem Compromiß bringen, aus das Tisza bisher einzugehen Bedenken trug.
Der italienische Minister deS Innern, Nicotera, hat zwar den gegen die Gazelia d'Jtalia angestrengten Ver- lmmdungSprozeß gewon'nen, doch hat er es nach der um Hcbjamen Beurtheilung, welche seinem Auftreten in der Kammer zu Theil tourte, selbst für gut befunden, sich
Herr» Quint's Lerlal>»uz.
Humoristische Novelle von H. Zschokke.
(Fortsetzung.)
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Die so oft besagten beiden kleinen Füße setzten sich dämlich unerwartet in lebhafte Bewegung. Sie trippelten eine Weile seitwärts her und hin am Tischtuch, erhoben fich auf die Zehen und trieben tanzend ancherlri Gaukeleien. Herr Quint schloß daraus, daß die Unbekannte dicht die Höhe des SeilS erreichen konnte, Über welches das Tuch geschlagen und mit hölzernen Klammern befestigt »ar. — Er hatte nicht Unrecht. — Die wankenden Gabelfiangen, welche daS Scil in gewissen Zwischenräumen stützen wußten, waren etwas lang. Die Unbekannte aber, voll Eigensinns, ließ ihren Vorsatz nicht sahren. Sie hüpfte jv lange, bis sie die Höhe mit ihren Händen erreicht hatte. Da verlor sie ober, jammt den Gabelstangen, das Gleich gewicht. Stützen, Seile, Wäsche, Alles bog sich vor und sank, — Herr Quint hätte diesmal lieber den Einsturz^ des Himmels gesehen, — das Tischtuch fiel auSgebreitet über ihn hin, und mit dem Tischtuch in gerader Linie aus ihn auch die unbekannte Schöne.
Unbarmherziges Veihängniß l — Mit welchen Zügen soll ich die Verlegenheit deS schüchternen, guten ManneS schildern? Er lag da, ohne Regung und Bewegung. Raum hatte er Geistesgegenwart genug, unter dem Druck dieser unvermutheten Bürde sich ganz leidend zu verhalten, ja, sich auS Höflichkeit schlafend zu stellen, um der unbekann- irn Dame in ihrer bedenklichen Lage alle Verlegenheit zu kffparm.
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Man muß zwar gestehen, daß Frauenzimmer in dergleichen Fällen bet weitem die Gewandtheit und Geistesgegenwart der Männer Übertreffen; allein diesmal geschah eS nicht, und Herr Quint übertraf sich selbst.
DaS gute Mädchen war und blieb stumm; Herr Quint dachte zuerst daran, wieder Worte uns Töne tn die Unterhaltung zu bringen. Denn einmal mußte doch das Schweigen gebrochen werden; endlich einmal mußte man doch die Stelle verlaffen; aber jo ganz stillschweigend davon zu laufen, wäre die himmelschreiendste Unart gewesen.
Als nun die Reihe an Herrn Quint kam, die Augen niederzuschlagen, denn die Unbekannte sah ihn an: so bemerkte er, daß sie beide Pantoffeln verloren hatte und mit den schneeweißen Strümpfen im Grase stand.
Er ging seitwärts, hob die kleinen rothen Pantoffeln auf und überreichte sie der Besitzerin mit dem besten Anstand von der Welt.
Die parlamentarische Pause am Freitag war in Rücksicht aus die katholischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die an diesem Tage einen Maricntag feierten, beschlossen worden, obwohl tn der augenblicklichen Lage jeder Tag kostbar ist. Es ist keine Aussicht vorhanden, aß sich die Arbeiten des Landtags vor Ende Februar bewältigen lasten werden, und eS wird demnach unvermeidlich, daß sich in der letzten Februarwoche viele Abgeordnete aus zwei parla mentarijche Köperschaften zu Vertheilen haben. Die eigentlichen Cultnrkampf Debatten stehen ja erst noch bevor und eS wird sehr viel von dem Centrum abhängen, ob der Zustand des NebeneinandertagenS von Reichstag und Landtag verlängert werden soll.
An dem ganzen Federkriege zwischen der französischen und deutscher Preste ist der Umstand jedenfalls der im
Anzeigen nimmt entgegen: die «jqwdittou d. Blattet sowie bre Annoncen-Bureaux von ® L- Daube & Co. in 3rranlfurt a. M.; JSger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- ♦ meiner in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Das war nun ein beiderseitiges Anschauen zur nnrhch- vtlulvwl „uvtll, ten Zeit; denn Herr Quint, etwas verwirrt, vergaß darüber
Vor ihm stand es, ein lebendiges Bild freundlicher daS Geben, und feine Gesellschafterin in der Blödigkeit daS
XfAeint täglich außer den Werttagen nach Sonn, und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „z»uftrirtes r«uuta,4»latt" durch die Erpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Sb «ert, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» S Wart 50 Pf,, (ejl. Bestellgebühr). - AiferttonSgebühr für bte gespaltene Serie 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden A5 Pf,, berechnet.
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Auch einen geübten Weltmann hätte wohl solches Aben ... _
teuer auS der Fastung bringen können; und wäre eS nicht ouS urb sah ihm ebenfalls, wie verabredet, in die Augen, das Abenteuer gewesen, so würde eS der Anblick dieses mnr rin boihrtLitin,« AnkLanen mr unrech-
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