Einzelbild herunterladen
 

XIL ZahWI-.

31lar6urg, Sonnabend, 3. Februar 1877.

MchcMe Zcilun-.

KravzöfischeBerdächtiqungeu «ud Wühlereien gegen Deutschland

r bei

377.

!N.

iuar.

im

5.

tel

Desto müder war er und erhitzter, als er die Höhe

etüt 102

tt.2'1 »82,6|.

-ein) f« be ohu. teilet

n ) i )

> L

lk

6ft.

rer ist sich!

$7$ 97 94$ 102$

661 961

1031 121 63$ 98

261 86

110 46

142 100

Der gestern erwähnte, von der Prov. Corr, übersetzte Aufsatz der Revue des Deux Mondes handelt von den Flotten zweiten Ranges in der Ost- und Nordsee" ist seinem gesammten Inhalt nach eine an Schweden,- uewar! und Holland gerichtete Warnung vor den Erobc- rongsgelüstcn Deutschlands oder, wie das französische Blatt konsequent schreibt,Preußens", und zug'eich eine Aufforderung, sich zur Abwehr der drohenden Gefahr zu rüsten und fich dabet auf verwandte Jnrereffen zu stützen.

Der wesentliche Inhalt des Artikels ist folgender:

Die Flotten von Dänemark, Schweden und Holland gehören zu denen, welche durch eine furchtbare Nachbar­schaft mit einer mehr oder weniger nahen Niederwerfung bedroht sind. Man ist darüber in den genannten Ländern nicht ohne Befürchtungen. Und diese Befürchtungen find keineswegs grundlos; denn sie werden durch einste Anzeichen bestätigt. Preußen sucht seine Gelüste nicht zu verhüllen. Vor dem Kriege mit Frankreich machte es kein Seheimniß auS feinem Begehr nach Elsaß-Lothringen. Heute verbirgt eS ebensowenig seine Pläne auf Dänemark und Holland. Zur Vorbereitung deS richtigen Augenblickes if es gewohnt dieRepittlien" der bezahlten Presse voran­zuschicken und den Geist der preußischen Jugend durch die für dm Unterricht bestimmten Mustrrschristen zu bearbeiten: ProbeballonS, die mit den gröbsten Jrrthümern gefüllt »erden, und zu welchen angesehene Lehrer ihre Namen hergeben. Hier ein Beispiel, wie sich in einem amtlich vorgeschrtebenen Leitfaden ein Geograph auSdrücke, welcher

einer viertelstündigen Unterhaltung mit jungen Frauenzim­mern verdammte. Zudem hatte er bemerkt, je feiner er stch benehmen wollte, je steifer und schiefer er sich betrug.

So lange er mit Herrn Pyk bekannt war, hatte er in dem Schlosse deffelben außer Haushälterinnen, Mägdm und Bäuerinnen keine andere weibliche Person gesehen. DicS trug nicht wenig dazu bei, daß er an Herrn Pyk'S alter Burg mehr Wohlgefallen, als an ueuen Gebäudm welschen Geschmacks in und außer seinem Thale fand.

Auch nahm er stch'S vor, künftigen Dienstag, falls daS Sonnenwetter getreu bliebe, wieder dahin zu gehen.

finden, fich auf diese Jntereffen zu stützen und denselben bei Verhandlungen oder auch im Kampfe die Hülfe ihrer ! SertheidigungSmittel zu gewähren. Wenn die Mitwirkung ihrer Landarmeen, gegenüber Heeren von einer Million zu unbedeutend ist, so könnte die ihrer Marine dagegen ein

Frankfurt a. Ät.: Jägettsche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schliß» ler in Hannover; C. Schlotte i» Bremen.

4.

Zwar war e6 ein heißer Dienstag; doch führten ange­nehme Schattengänge am Ufer des FluffeS hin, durch ab­wechselnde Semen der landschaftlichen Natur. Rechts und links wilde Gebüsche; einzelne Hütten, umringt von ihren Fruchtgärten; kleine herabströmende Gebirgsbäche, mit ein­fachen ländlichen Brücken; weidende Hcerden, spielende Kinder, arbeitende Hausväter, fleißige Mütter unter dem überhän­genden Schattendach ihrer kleinen Wohnung.

Vom Flufle hinaeg, links gegen den Fuß der hohen Bergwand, zog fich ein steiniger Weg gegen die Burg des Herrn Pyk, von welcher nur ein viereckiger Thurm, aus den krausen Gebüschen, in der Ferue sichtbar war. Hier empfing erquickende Kühle den Wanderer zwischen grünm Hügeln und unter den bretten, weitgeschwuogeneu Zweigm der Kastanien und Eichen. In diesem romantischen Win- kelchm pflegte Herr Quint gewöhnlich zu rasten; beim der Weg erhob fich nun ziemlich steil gegen daS Schloß. Ich weiß nicht, wie eS kam, daß er diesmal seiner Gewohnheit untreu wurde.

6.

ft. U

i;

7$

51 i\ i;

Herrn Qinut'S Verlobung.

Humoristische Novelle von H. Zscholle.

(Fortsetzung.)

3.

Der wenige Umgang mit mannichfaltigen Menschen veranlaßte wahrscheinlich die linkische Weise deS Herrn Quint im gesellschaftlichen Leben. Defienungeachtet konnte Niemand läugnen, er sei rin angenehmer Mann. DaS Leben in der Einsamkeit und das Glück derselben bedarf kttner Lobrede; fle macht zwar allzu einseitig, zu viel Ge sellschast hingegen allzu vielseitig und abgeschliffm. Tie Menschen in der Einsamkeit gleichen Pflmzen in hohm Alpen; sie find einfältig, fämuckloS, aber kervhast, dauer hast und kräftig.

Daß Herr Quint und Herr Pyk Freunde bet ungleichem Charakter wurden, war natürlich. Beide hatten ein gutes, reines Gemüth; die übrigen Verfchiedcnheiten aber gaben

ES erschienm vor ihm, und zwar nicht über fünf Vier« ... Spannen von feiner Nase entfernt, zwei Füße einer wcnfchlichen Gestalt, die in der stillen GraSgegend entsetz- lichm Unfug trieben. Man mußte aber gestehen, daß eS ein Paar niedlicher Füße war. Herr Quint sah auf­wärts, aber da- tief hcrabhängeade Tischtuch verbarg ihm die Person, zu welcher die Füße gehötten.

Herr Quint, welchem seine gegenwärtige Lage gefiel, blieb ruhig in derselben, unv erwartete, daß die neue Er­scheinung fich wieder entfernen würde. Jnzwischm unter­suchte er, ganz unbesorgt, mit seinen Augen, Form und Bekleidung der Füße. Er fand dieselben sehr klein, die Strümpfe schneeweiß, die rotheu Sasfianpantoffeln ziemlich

«affrl ebruv

«eg erlaubt war.

Herr Quint, ohne lange zu bedmken, fand für gut, fich auf ein Augmblickchm in'S weiche GraS zu lagern, im Schatten eine- großen Tischtuches, welche- über ihm am Seile schwebte. Mit dem Gesicht gegen die Erde ge­kehrt, betrachtete er träumend die Gegend im Grase. Seine Phantasie ließ ihn hier, wie in einer von Salomon Geß- uer'S Idyllen, Hügel und Thäler sehen. Im Schatten der breiten Halme des GraSwaldeS, die stolz, wie Palmen deS Orient-, emporstrebtm über den niederen MooSgebüschen, irrten einsame Thierchen. Bald verfolgte sein Blick die kleine Mücke, dm Vogel dieses unbekannten Forstes; bald die suchende Ameise, welche bis zur fpelzigten Krone em­porlief am Halm, droben die weite Gegend übersah und stracks zurückkehrte. Plötzlich wurde Herr Quint durch ein bedeutenderes Insekt, welches gewiß nicht für die Landschaft

Grase geborm wurde, In seinen Betrachtungen gestört.

/ur die Monate Februar und März nehmen 1 alle Postanstalten sauf dem Lande die Land- pft&otcn) Bestellungen auf die Dsterhessischk Zeitung and deren Gratisbeilage

Illustliltes Sonntagsblatt mtgegen. Um vollständige Exemplare, namentlich auch des JLuftrirte« Sokmtagsblattes, liefern zu können, ersuchen wir die Bestellungen baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

die wahre Würze und den Reiz ihrer Unterhaltungen. Menschen von gleicher Denkungsart und gleichem Humor vereinigen fich selten innig. Wir find gewohnt, am An­dern dasjenige zu schätzen, was wir selbst nicht besitzen. Darum gibt die Brünette gewöhnlich dem Blondin, und die Blondine dem schwarzlockigen Helden bett Vorzug. Herr Quint aber halte kastanienbraunes Haar; er konnte mithin die Brünetten mit so vielem Recht, al- die Blon dium lieben. Allein der gute Manu schien beide zu fürchten.

Unter zehn Männern steht nicht einer auf das Amßere, auf Anzug, Bewegung, Händespiel, Rase, Gang, Fußwerk tob Haarzopf. Herr Quint hätte daher die Gefellschast von zwanzig Männern (ausgenommen die Tanzmeister) der Ge ellschast eine- einzigen gebildetm Frauenzimmer- vor- ------ ---------

gervam Er fürchtete stch immer, lächerlich zu werden und und die geräumige GraSebene dicht vor der Barg erreicht iu Verlegenheit zu geratheu, sobald ihn da« Schicksal zu hatte. Herr Quint bemerkte, daß sein Freund an dem

halb bet natürlichen Grenzen Deutschland- liegen"). Man! Jntereffen, die stch geltend zu machen im Stande find, in- ,ätte einen solchen Anspruch früher al- unverschämt auge-sEinernehmen setzt und daß jene Länder die Möglichkeit ehen, da weder der Holländer, noch der Däne die deutsche Sprache sprechen, beide Völker ihre eigene Geschichte und ! einerlei Verwandschaft mit Deutschland haben. Aber daS Stärkste in der angeführten Stelle ist die Redewendung zum großen Theile." Selbst wenn bet Grundsatz zuge- jeben würde, müßte man fragen, ob daS Recht auf einen Theil gestattet, das Ganze zu nehmen? Es scheint, daß das preußische Gewiffeu sich mit solchen Auffaffungen abfiudet. Worauf es dabei ankomwt, das sind die amtlich und mit dem Stempel der Regierung dem Geiste der Jugend ein- geprägten Eroberungsansprüche.**)

Gegen solche Aufklärungen über die Absichten der preußischen Politik die Augen verschließen, hieße den Bogel Strauß nachahmen, der den Kopf unter den Flügeln ver­birgt, wenn er stch vom Jäger zu nahe verfolgt steht. Mau darf stch daher nicht wundern, wenn die beunruhigten Völker sich zur Vorsicht veranlaßt sehen und an die Ver- theidigung ihrer Unabhängigkeit denken. Die Frage ist nur, ob sie im Stande sein würden, sich selbst zu schützen, und bei einer kalten Berechnung der wahrscheinlichen Aussichten könnte man wohl zu einiger Entmuthizung gelangen. Die erste Regel ist sreilich nach dem alten Wort:fais ce que dois, advienne que pourra (thue Deine Pflicht, möge dann kommen, was kommen soll). So hat Däne­mark gehandelt, als es vor zwölf Jahren allein den Kampf gegen die erdrückende Uebermacht Preußens ausgenommen, in dem Augenblicke, wo Preußen auf Kosten von Schles­wig-Holstein eine ernste Anwendung feiner Theorie von den natürlichen Grenzen gemacht hat. Dänemark ist mit Ehren unterlegen, indem es im Namen des Rechte- und der Gerechtigkeit Protest einlegte. Da die Konflikte zwi­schen so ungleichen Mächten gewöhnlich zum Schaden der Schwachen ausfallen, so könnte bei denselben, wenn sie keine anderweitige Hoffnung hätten, jede Neigung zum Wider stände erlöschen; e- bliebe ihnen nur übrig, ihr Ge­schick mit fatalistischer Entsagung zu erwarten. Glücklicher­weise ist ihre Lage nicht so hoffnungslos: Europa giebt den Grundsatz, daß das Recht der Gewalt weichen muffe, noch keineswegs zu. Es kann fich daher ereignen, daß das Recht stch in gewiffeu Augenblicken mit diesen oder jenen

ld-W der ft, tonn, illst- lch -vq. Monat iS prr tttoaSi deren [2833

[22? ««etaen nimmt entgegen: Äebitto* d. Blatte«, fisch. !Lie die Amroncen-Bureanx "L xh. Dietrich & Eo. m r, Lilel und Hannover; Th-

Wch in 3ranlfurt a- M-; faafenfUin & Bögler in 11 Unkfurt a. M-, Berlin, Lew»

116 L»»ln rc; Rudolf Moffe * ^Berlin, Frankfurt a. M. ic.

XiArint rüalich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen VellageAluRrirte» do«ut»»»tlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, burq die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr) JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf».

Für Hi der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden A5 Pf», berechnet.

größeres Gewicht in die Wagschale werfen, denn die preu- sische Flotte ist noch keineswegs unwiderstehlich."

ES folgt nun zum Beweise dieser Versicherung eine Schilderung der vorzüglichen natürlichen Befähigung und teten Gewöhnung der Bevölkerungen von Schweden, Däue- nark und Holland in Bezug auf den Seedienst im Gegeu- atz zur preußischen Marine, deren Offiziere durchweg nur Landosfiziere seien, die zum Seedienst angelernt werden und die, ihrem naturgemäßen Elemente entzogen, nur unruhigen Herzens gegen den Feind gehen können. Zum Schluffe dieses Abschnittes heißt es:So darf man denn hoffen, daß Holland und Scandinavien nicht so weit sind, ihre Geschwader von Pccußcn weggenommen und ihre Länder in die natürlichen Grenzen nach dem Wunsche der amt­lichen Geographen hineingezogen zu sehen."

DieRevue" prüft sovann den Stand der Marine der betreffenden Staaten und hebt hervor, daß Schweden, Dänemark und Holland nicht in der Lage seien, eine kost­spielige Panzerflotte zu errichten, wiePreußen", sie tröstet stch aber, daß Preußen in seiner Hast zu viel Pan­zerschiffe auf einmal gebaut habe, während inzwischen im­mer neue Lerbcfferungen erfunden seien, so daß die preußische Flotte in wenigen Jahren schon veraltet fein werde. Preußen habe stch entfchiedender Gunst Neptuns nicht zu erfreuen." Freilich muß dieRevue" zugeben, daß Frankreich an feinem Theil seit 1870 in Betreff der Flotte gar nicht vorge­schritten sei und sich in einer weder sicheren, noch glän­zenden Lage befinde. Erst jüngst habe der Engländer John Pagtt warnend gesagt: Die französische Flotte befinde stch nicht auf der Höhe bet Weltstellung Frankreichs. Dies sei eine empfindliche Wahrheit: Frankreich habe sich nach einem verhängnißvollen Kriege sehr zurückhalten müffen; kostspielige Versuche seien nur den Reichen und den Glück­lichen erlaubt.

Ebenso wie Frankreich, so wird weiter au-geführt, hätten auch Schweden, Dänemark und Holland zunächst nur an ihre Vertheivigung zu denken und in dieser Rich­tung seien ihre Rüstungen schon bisher nicht gering zu schätzen.

Bei der Erörterung der maritimen Vorbereitungen Hollands glaubt bet Berfaffer an das Verfahren Preußens zur Zeit bet Invasion Hannovers, des Nachbarlandes von 'Holland, etinn.rn zu müff n. Die damalige Lehre fei für .heutigen Tage großes Waschfest haben müsse; denn der : ganze Platz war mit Seilen links und rechts übersponnen, woran schneeweißes Linnen flatterte, daß kaum ein Durch-

4,10b ,50 b. ,25 b.

9,806. 12,106. d. ,75 b.

- 1B. ,50 b Lott* ,50 b. ,20 b6. 1,-b. ,-G. ,25 bk

OW k ,50 6. ,50 B- 2,80 b 2,25 B- -8- ,25 b.

V- B.

-t H0dk

),50 b b 80 bk 25 LÖi

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedttion d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & 6o. in

*) Anmerkung derRevue": Leitfaden für den Unterricht in der Geographie nach einem Cllat in dem Buche:Die be­drohten Grenzen Hollands'.

**) Es ist hierzu einfach zu bemerken, daß eS in Preußen oorgeiwnrvrurnwm» «" amtlich vorgeschriebene oder gar amtlich verfaßte Lehrbücher, wie

Proseffvt und Inspektor au einem Gymnasium zu Halle Frankreich gar nicht giebt, und daß der Berfaffer deS in Rede war:Holland und Dänemark »erben al» anbangfel|ftet)enben Leitfadens wohl nur an die geographische, schwerlich Deutschlands betrachtet, weil sie zum großen Theile inner j an die polikische Zusammengehörigkeit gedacht hat._______________