XII. Zahrgltttg.
Marburg, Freitag, 2. Februar 1877
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wacht und kam um mich zu wecken. Ich nahm von ihm schnellen Abschied, indem ich ihm die zärtlichsten Grüße auftrug. Aus dem Bahnhofe angelangt, blieb mir eben so viel Zeit, das Billet zu lösen und einzusteigen. Die Nacht war unfreundlich und rauh, ich war allein im Eoups und schloß die Fenster. DaS Signal mit der Glocke zur Abfahrt wurde gegeben, der Zugführer ließ seine schrille Pfeife ertöne«, die Maschine erwiderte eS gellend, der Zug setzte sich in Bewegung.
Ich lehnte wich in eine Ecke, und versuchte, den unterbrochenen Schlummer wieder aufzunehmen, doch kaum war ich in einen unruhigen Halbschlaf versunken, so wurde ich aus demselben durch ein heftiges Zuwerfen der Waggonthür gestört. Wir waren auf der nächsten Station angelangt und der Schaffner hatte mir einen Reisegesellschafter in das Coups geschoben. Ich machte einige Anstrengung, seine GestchtSzüge zu erkennen, bei dem trüben Schimmer der kärglichen Beleuchtung war indeß wenig zu unterscheiden. Der Reisegenoffe ließ stch lautlos mir gegenüber nieder. Auch ich war nicht gelaunt, eine Unterhaltung mit ihm anzuknüpfen und beschränkte mich deßhalb darauf, ihn still zu beobachten. Seine Gestalt, war in einen dunklen Havelock gehüllt, er führte kein Gepäck bei stch, unter dem breiten Rande seines Hutes, der! sein Gestcht zur größeren Hälfte beschattete, blickten seine Bugen forschend auf mich. Der Schlaf überwältigte wich auf'S Neue. Als ein Ruck deS Wagens mich ans dem Schlummer anfschreckte, sah ich den Fremden, der sich von seinem Sitz erhoben, halb übyc mich gebeugt; unter dem etwa» zurückgeschlagenen Mantel umschloß seine Hand einen blinkenden Gegenstand. Als der Fremde mein Erwachen bemerkte, ließ er sich auf seinen Sitz nieder und gab stch das Aussehen eines Schlafenden. DaS Gespenst der Wahrsagerin tauchte von Neuem vor mir auf, mein Gefährte erschien mir verdächtig. Ich wat allein mit ihm, ohne Waffe, von außen war keine Hllfe zu erwarten, der Cou-
müffen, den Pulsschlag deS Volkes möglichst unmittelbar mitzuempfinden um aus eigener Wahrnehmung und Er ahruog die Regungen des VolkSgeisteS zu beurtheilen. Deßhalb wird eS für unseren bereinigen Thronerben gewiß von hoher Bedeutung sein, daß er stch von früher Jugend an inmitten der Söhne des Volkes bewegt und im Wetteifer mit gleichartigen Genoffen aus allen Ständen feine geistige Kraft entwickelt hat. Vor dem Uebergange zum reiferen JünglingSwesen hat er ebenso wie alle anderen Schüler Höherer Lehranstalten eine Prüfung der erlangten Reife bestanden und hocherfreuliche Beweise gegeben, daß die Absichten der fürstlichen Eltern mit seiner bisherigen Erziehung erreicht worden find. So ist denn der Grund glücklich gelegt, auf welchem ein edle- und fegen- bringendes Fürstenleben unter Gottes weiterer Gnadenführung erstehen soll. Mit hoher Freude und Geuug- thuung darf das kronprinzliche Paar auf den hoffnungsvollen ältesten Sohn blicken, mit inniger Rührung durfte der kaiserliche Großvater den jungen Prinzen, der fortan den alten Namen des Kaisers, Prinz Wilhelm, erneuern soll, in die Reihe der volljährigen Mitglieder deS röntgt.
rierzug brauste unaufhaltsam dahin, und bi« zur nächsten größeren Station, wo er erst wieder anhielt, vergingen mindestens noch fünfzehn Minuten. Ich beschloß auf meiner Hut zu (ein. Doch — war es nun daß natürliche Be- dürfniß nach Schlaf, oder hatte der Fremde .» ich vorhin betäubt — meine Sinne erschlafften und ich versank in einen neuen Schlummer. Plötzlich fühle ich mich am Arme berührt; ich öffne die Augen. Ueber mich gebeugt steht der Fremde, die Rechte mit einem blitzenden Dolch zum Stoß erhoben. Mit einem Schrei deS Entsetzens fahre ich auf, instinktmäßig legten sich meine Hände um den Hals des Angreifers, mit Aufbietung aller Kräfte preffe ich die Finger zusammen. Ein kurzes, grauenhaftes Ringen folgt. Der Fremde sucht stch aus meiner Umschlingung zu befreien, ich falle auf meinen Sitz zurück und ziehe ihn mir nach. Noch ein kurzes Röcheln, fein Widerstand er. lahmt — er ist zu Ende.
Da schlägt die Stimme meiner Schwiegermutter an mein Ohr. „Um Gotteswillen, was geschah hier?" Verstört blicke ich um mich — ich befinde mich im Gastzimmer meiner Schwiegereltern, aufrecht im Bette sitzend; >über das Lager hingefunken liegt, leblos mit verzerrten Zügen, mein väterlicher Freund, der Vater meiner Agnes; « hat mich zum Ausbruch wecken wollen--ich habe
!ihn im Traume erwürgt.--
WaS weiter in dieser schrecklichen Nacht geschehen, ich weiß es nicht.
Ich klagte mich selbst de« gräßlichen Verbrechens an — das Schwurgericht sprach mich frei. — Meine Agne« habe ich nicht wiedergesehen." —
Rotten, besten Stimme immer tonloser geworben, sprang auf, ergriff feinen Hut, warf die Büchse über die Schulter mib schritt stumm hinaus.
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Die Thal einer Nacht.
(Schluß).
Meine Braut mischte nach der, den Karten beigegebenen gedruckten Anweisung und Erklärung die Karten, hob ab und legte sie reihenweis auseinander, da ste just die Schicksalsfrage stellen sollte. Neben die Karte der Dame welche nach der gedruckten Erklärung der Fragestellerin, meine Braut, reprisentirte, kam links ein Ring, rechts ein Sarg zu liegen. Der Ring bedeutet den Bruch einer Verlobung, der Sarg den Tod des Fragenden oder eine« ihm Nahestehenden.
Wir Alle waren ja frei von Aberglauben, wir lachten ober versuchten wenigstens zu lachen, benn so recht aus dem Herzen kam eS keinem, es machte stch boch eine leise Verstimmung bemerkbar, die Fröhlichkeit wollte nicht mehr Mr Geltung kommen. Die Besuche, auch die Brüder meiner Braut verließen uns, als der Abend hereinbrach. Es wurde noch Verschiedenes besprochen und zwischen unS verabredet, da ich schon mit dem Nachts zwei Uhr abgehenden Zuge zurückreisen wollte. Wir begaben uns zur Ruhe. Der Abschied von meiner Braut wurde mir heut enter dem Eindrücke der Prophezeihung, die ich trotz meiner absoluten Vorurtheilslostgkeit nicht vergesten konnte, wirklich schwer, trotzdem nur eine kurze Trennung zwischen nn« liegen, der die unauflösliche Vereinigung folgen sollte. Ich begab mich nach dem ein für allemal im Hause meiner Schwiegereltern für mich ref et bitten Zimmer, um noch wenige Stunden zu ruhen. Da es ziemlich spät geworden wat, warf ich mich angekleidet auf das Bett, doch wenn ich die Augen schloß, sah ich vor mir daS drohende Gespenst der Wahrsagerin. AlS ich aus unruhigem Schlum wer auffchreckte, war eS, wie ich mich durch einen Blick »nf die Uhr überzeugte, gerade höchste Zeit aufzubrechen wenn ich zum Abgänge bei Zuges noch zurecht kommen fcoHte. Mein Schwiegervater war inzwischen ebenfalls er
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emals baS Wort zu ergreifen, stets so votirte, um alle BermittelungSvorschlSge scheitern zu lasten. Diese Klagen gaben zu einem telegraphischen Notenwechsel zwischen London und Rom Veranlastung, besten Resultat darin bestand, baß der italienische Evmmiffar nicht mehr in der Confetenz erschien. Die englische Regierung verlangte hierauf kategorische Erklärungen unter der Drohung, gewisse von Rom »errührende Depeschen veröffentlichen zu wollen. Nicht die italienische Regierung war eS, die auf diese Drohung antwortete , sondern das Berliner Cabinet, welches erklärte, eder Schritt gegen Italien würde den Rücktritt deS deutschen LommistarS zur unmittelbaren Folge haben."
Die Rede Jgnatieffs in der Schlußsitzung der Konferenz liegt jetzt im Wortlaut (nach einer türkischen Urbersetzung) vor. Hiernach hat Jznatteff keineswegs den Pariser Vertrag für aufgehoben erklärt, sondern nur geäußert: „Immerhin mache ich schon jetzt, mit Rücksicht, daß ihre Proklamirung den Bestimmungen deS Hatti Humayum von 1856 und de« kaiserlichen Fermans vom 12. Dezember 1875 Eintrag thut, und daß die mit Europa abgeschlossenen Verträge verletzt sind, der hohen Pforte bemerklich, baß ste stch vor biefer Verletzung hüten solle." — Die anbere vielbestrittene Stelle seiner Rebe lautet: „Von patriotischen Demonstrationen fortgeriffen, welche das Produkt einer lärmenden Gährung find, die trotz eines gewiffen Glanze» nichtsdestoweniger gefährlich ist und der Grundlagen entbehrt, hat die Pforte den aufrichtigen und ein- müthigeu Wünschen Europas rundweg eine Zurückweisung widerfahren lasten In dieser Weise schadet sie selbst der Eigenschaft ihrer zu den Großmächten bestehenden Beziehungen und zieht sich, wie dies Marqui« von Salisbury in der vorletzten Sitzung bemerklich gemacht hat, die Gefahr zu, das Recht, den Schutz der Mächte anzurufen, und die guten Wirkungen ihrer durch die Verträge erworbenen Garantien zu verlieren. Sie setzt stch auch in die Lage, die Verantwortlichkeit für die eventuellen Ü bel auf stch zu laden, welche durch diese Thatfachcn entstehen könnten. Ich beeile mich beim auch, zu erklären, daß in dem Falle, al« in Folge des Abbruches dieser Friedens»-» Handlungen der Krieg gegen Serbien und Montenegro zum Trotze, welche denselben verhindern wollten, wieder ausgenommen werden sollte, sowie in dem Falle, als die mindeste Beeinträchiigung der Sicherheit der Christen, sei es in de« Stätten be« Innern, sei es in ben Seestädten, eintreten sollte, meine Regierung diese Sachlage als eine
Anzeigen nimmt entgegen: die «Äeditton d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaur von ®. L Daube & Co. in frcantfurt a. M'Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalibendank, A. Rete» ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Hauses einführen."
Zu den Stichwahlen zum Reichstage bemerkt die „Prov.- Corresp.", die Soclaldemokraten, welche bei den Stichwahlen durch die Vereinigung aller staatSerhattenden Elemente fast überall unterlegen sind, würden vermuthlich über eine Anzahl von 13 im Reichstage nicht hinauskommen; hierdurch werde jedoch die große Bedeutung ihres mächtigen Hervor- tretend an und für stch nicht gemindert.
Die Wahlen in Preußen liegen bis auf 6 vor: ES sind gewählt 33 Konservative (früher 22), Freikonservative 22 (früher 20), Nationalliberale 59 (früher 79), Fortschritt 24 (früher ebenso), Ultramontane 60 (früher 58), Polen 13 (früher 14), Socialdemokraten 7 (früher 2).
Dir „Preffe" meldet aus Wien: Der türkische Botschafter Aleko Pascha hat auS Konstantinopel telegraphischen Anf- densverhandlungen des Status quo ante bellum acceptirt und die serbische Regierung aufgefordert hat, ihre Vertreter für die Friedensverhandlungen zu ernennen. — Demselben Blatt zufolge hat der Bankverein die Lombardirung der vier Millionen Secondprioritäten der AlbrechtSbahn bis ultimo April prolongirt. Graf St. GenoiS begehrt jetzt für fein Lotterieanlehen ein dreizehnjähriges Moratorium der Curator wolle eventuell mit Rothschild und Todesco als finanzirenden Firmen Prozeß führen.
I Die Pariser „Correspondance Universelle" bringt folgende
Die „Prov.-Corresp." schreibt: „Der älteste Sohn snsereS Kronprinzen, Prinz Friedrich Wilhelm Viktor Albert, hat am 27.Zanuar das achtzehnte Lebensjahr vollen bet und damit das alter der prinzlichen Großjährigkeit erreicht. Auf diesen Prinzen, welcher, so Gott will, dereinst die Krone Preußens und die Deutsche Kaiserkrone trage« soll, sind die Bugen deS gejammten Volkes mit besonderer Theilnahme gerichtet, und die Feierlichkeit, mit mich» er soeben am Tage der erreichten Volljährigkeit in daS Staatsleben eingetreten ist, ist in dem allgemeinen Bewußtsein als ein Vorgang von höherer Bedeutung betrachtet worden. Der monarchifche Sinn unseres Volkes weiß e« als eine besondere Gnade zu würdigen, daß neben unserem Heldenkaiser im ruhmgekrönten Silberhaar zunächst der fürstliche Sohn in der Fülle der Manneskraft steht, mit eigenem reichem Lorbeerfchmuck und mit offenem Sinn und Herz für alle Jntereffen des Volke» und für alle er habenen Aufgaben des fürstlichen Berufe» ihm zur Seite aber ein kaiserlicher Enkel, der in frischer Jugendblüthe so eben au» der ersten Lehrzeit heraustritt in daS volle öffentliche Leben. Und unser Volk weiß zugleich, daß des Prin- jtn jugendliche Lehrzeit eine fehl ernste und gewiffenhaste war. Nach dem Willen unseres kronplinzlichen Paares sollte der künftige Thronerbe von vorn herein inmitten der tzihne des Volkes die gleiche geistige und sittliche Ausbildung erhalten, nicht blo» um alle Anstrengungen mit ihnen zu theilen, sondern auch um von Jugend auf mit ihnen denken und fühlen zu lernen. Der fürstliche Berus ist in unserer Zeit ein vielfach schwererer geworden, und wer ihn io Wahrheit erfüllen will, wie eS Preußens Könige jeder Zeit erstrebt haben, wird mehr und mehr danach trachten
XfAeint tftalieb außer ben Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Vellage „Jluftrirte» Lonrtt-r,«blatt" durch die Spedition (Koch'sche ^ «uchdruckerei) bezogen Watt, durch die Postämter be# Deutschen Reiche# 3 Wert 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnserttonSgebühr für bi- gespaltene Zelle 10 Vf,.
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* L« ib. Dietrich & 6o. tn «bffei und Hannover; DH.
Urich in Franken a.M.; kaasenstein & Bögler tn rAkfurt a. M^Berltn, Leip- 5? Mi k; Rudolf Stoffe Merlin, Frankfurt a. M. ic.
I interessante Notiz: „Man erinnert stch, daß sich England über die Haltung deS Grasen Corti, italienischen CornrniffarS auf der Conferenz zu Konstantinopel, beklagte, der, ohne