rjjr. 26.
Marburg, Donnerstag, 1. Februar 1877.
XII. ZahrMg.
©btrl)tl)ifd)t Iciiung
Deutsches Strich.
herbeigesucht.
(Schluß folgt-)
cattolica" für 1877 erschienen. Wir entnehmen demselben olgcnde Statistik: Am 31. Dezember 1876 gab r» 54 Cardinäle, Patriarchen beider Riten 11. Erzbischöfe und Bischöfe vom lateinischen Ritus, tie in ihrer Diözese rest- biren, 750, Erzbischöfe und Bischöfe vom orientaliichen Ritus mit Residenz in ihren Diözesen 50, Erzbischöfe und Bischöfe mit Titeln von Sitzen, die in partibus infidelium iegen, 270, Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, die keinen Titel mehr baden, 28, die Prälaten nullius dioe- ceseos 12, im Ganzen 1175 Herren der höheren Geistlichkeit. Während des Pontifikats Pius IX. hatte die katholische Hierarchie folgenden Zuwachs: 24 BifchofSsttze wurden zu Metropolitanfltzen erhoben und 5 Metropolitansitze eingerichtet, wo eS vorher keine Bischofssitze gab, 130 neue Bischofsstühle wurden errichtet, 3 Bischöfe nullius dioeceseos geschaffen, ferner 3 apostolische Delegationen, 33 apostolische Vicariate und 15 apostolische Präfccturen, zusammen 213 neue Stellen.
Wie die Pariser „Eorrespondänce rspublicaine" meldet, wird der Herzog DecazeS demnächst an die Vertreter Frank reich« im Auslande eine Etrkularnote richten, in welcher dir Haltung Frankreichs seit der neuen durch daS Scheitern der Cvnferenz geschaffenen Lage genau dargelegt werden soll.
Dir Anbahnung eines Separatfriedens zwischen der Türkei rinerseits, Serbien und Montenegro andererseits, steht noch immer in der ersten Linie des ZeitungSinter- effeS. Der „Nord" bespricht die Möglichkeit eines Frte- denSfchluffeS der Pforte mit Serbien und Montenegro und bemerkt hierbei, daß der Krieg zwischen ihnen nur ein Zwischenfall gewesen sei. Wenn der Zwischenfall erledigt sein werde, so werde die Hauptfrage nichtsdestoweniger fort, bestehen. Die Lage der Dinge sei auf den Punkt wieder zurückgeführt, auf dem ste vor dem serbischen Kriege gewrseu wäre. Ein Friedensschluß der Pforte mit den Fürstea- thümern würde die Aufgabe, welche Europa vor diesem Kriege verfolgte, unberührt lasten. — Der „Polit. Corresp." wird gemeldet, Für» Milan habe daS Telegramm Midhat Paschas wegen der Einleitung directer Friedens Verhandlungen bereit« am 27. d. AbendS telegraphisch mit der Erklärung seiner püncipieller Bereitwilligkeit beantwortet. Gleichzeitig habe Fürst Milan eine Mittheilung über die Grundlagen für die Verhandlungen erbeten. Serbien hoffe, die BastS der Verhandlungen würde dieselbe sein, wie die von der Konstantinopeler Cvnferenz vorgeschlagene. Die Verhandlungen dürften, wie die „Polit. Cvresp." weiter meldet, in Wien zwischen Aleko Pascha und dem serbischen Agenten ZukitS geführt werden; hierauf scheinen die zwischen Beiden bereits eröffneten Pourparler» hinzudeuten.
Die „stgnallstrtr" Note deS Fürsten Gsrtjchakoff, von
welcher wir nach Wiener Blätter gestern eine Analyse gaben, soll gar nicht existiren, und wird allseitig dementirt.
= Berlin, 30, Jan. Dem Abgeordnetenhause find bereits zahlreiche Petitionen zugegangcn. Das erste Der- zeichniß derselben weist eine Zahl von 153 auf, von denen indeß die weitaus größte Mehrzahl ein allgemeineres Jntereffe nicht beanspruchen können. Wir heben nur einzelne dieser Eingaben hervor. Der Provinziallandtag der Provinz Preußen beantragt die Aufhebung des Regals auf binnenländische Bernsteingewinnung. Dr. jur. Weinhagen in Köln beantragt einen von ihm überreichten Ge- etzentwurf behufs Regelung der Verantwortlichkeit der Staatsbeamten für die Gesetzmäßigkeit ihrer amtlichen Handlnngen, die verfastungSmäßige Zustimmung zu erthei- len. Die Handelskammer für OstfrieSland und Papenburg in Leer beantragt die gesetzliche Einschränkung der Waa- renaukttonen und sogenannten Wanderlager herbeizuführen. Mehrere Deichachter stellen Anträge auf Befreiung öffentlicher Deiche von der Grundsteuer event. Einschätzung nach Maßgabe ihres wirklichen Reinertrages. Petitionen liegen wieder in größerer Anzahl vor, die beantragen, daß Maßregeln getroffen werden, welche das Schwarzwild von ihren Aeckern abhalteu resp. dies Wild vertilgen. Mehrere landwirlhschastliche Vereine der Provinz Preußen beantra- gen, zu erwirken, daß die neuen Landgerichte höchstens auS zwei jetzigen Kreisgerichtsbezirken gebildet werden. Die LehnSvettern Heine beantragen die Aushebung der Lehne in der Provinz Sachsen. Der Oberbürgermeister und daS Stadtverordnetenkollegium Trier beantragen die Angelegenheit betreffend die kommunale Besteuerung der Eisenbahnen namentlich in Bezug aus die von letzteren von der Einnahme in Abzug zu bringenden Zinsen und deS Nachweises hierüber, zu regeln. Der Magistrat zu Charlottenburg ersucht zu erwirken, daß eS genehmigt werde, eine Mieths- und HauSstcuer in Charlottenburg einzuführen. — Dem Abgeordnetenhause steht demnächst wieder eine Kulturkämpfee- batte in Aussicht. Der Abg. Reichensperger hat den Antrag eingebracht: „Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen: die Erwartung auszusprechen, daß die königliche StaatS- regierung den Erlaß des Obcrpräsiaenten der Rheinprootnz vom 5. Februar 1876, betr. die Beschlagnahme der Pfarrdotalgütcr, einer wiederholten rechtlichen Prüfung unterziehen werde." In dem angezogenen Erlaß heißt eS: „Seiten- der StaatSregierung wtra von der Ansicht auS- gegangen, daß die auf der linken Rheinfeite befindlichen durch die französische Regierung eingezozenen Pfarrdotal- güter, welche mittelst der kaiserlichen Dekrete vom 5. Nitrose XIU und 7. März 1806 restituirt worden, im Ei-
und mir sich daS herzlichste Berhältniß herauSgebilvet hatte, wie eS zwischen leiblichen Eltern und Kindern nicht inniger gedacht werden kann, zu bewegen, ihre Einwilligung zur Feier der Hochzeit zu geben. Es wurde verabredet, unsere Vermählung solle 14 Tage später stattfinden, und ich wollte vorher nicht zurückk.hren. Ich hatte bei dem Geistlichen die nöthigen Formali-äten erledigt. Wir waren außerordentlich heiter. Einige Freundinnen meiner Braut hatten sich eingefunden, ebenso ihre zwei Brüder, die in der Nähe der Stadt begütert waren. Wir plauderten, scherzten, tanzten, veranstalteten GesellschafrSspiele. Auch der Festsetzung de« Hochzeitstage« wurde Erwähnung ge- than. Voll jugendlichen Uebermuth« machte eine der Damen den Vorschlag, dem Brautpaar die Karten zu legen. Der Vorschlag wurde mit stürmischem Applaus angenommen. Meine Braut befand stch im Besitz- der sogenannten Lenormand'schen Karten, dem Geschenk eines Binders, in äußerst geschmackvoller Ausstattung Dieselben wurden
Die heilige Jndexkongregation hat wieder einmal das Lesen unterschiedlicher Bücher verboten. Unter denselben befindet sich ein katholisches Ritual, herauSgegeben nach den Befchlüffen der beiden ersten Synoden des deutschen Keichs. Bonn, 1875. Katholischer Katechismus, heraus gegeben im Auftrage der altkatholifchen Synode. Bonn, 1875. Leitfaden für katholischen Religionsunterricht an höheren Schulen, HerauSgegeben im Auftrage der altkatho- lischrn Synode.
Dieser Tage ist da» päpstliche Handbuch „La Gerarchia
Anzeigen nimmt entgegen: die Swedttton d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureaur von ®. L. Daube & So. in
Dir HalshrSimk Irr Kinder.
Bon Dr. Hartmann.
(Fortsetzung.)
Die Innenfläche de« Kehlkcpfe« ist mit einer Schleimhaut auSgrkletdek. Etwa in dem oberen Dritttheile de« Kehlkopfe- befinden stch die Stimmbänder. Dieselben — ein rechtes und ein linkes — liegen vorn an einander und durchziehen den Kehlkopf in der Richtung von Dornen nach hinten in der Weise, daß sie nach hinten zu auSeinander- gehen und so einen dreieckigen Spalt zwischen sich lasten, besten eine Spitze nach vvrneu und die dieser gegenüber« sichende Seid- (Basis) nach hinten steht. Diesen dreieckigen
Der Angeredete schüttelt stumm den Kopf.
„Nölten," hebt Helder wieder an, „seien Sie überzeugt es ist nicht müssige Neugier, die mich meine Frage stellen liefe. Sie sind einer der Jüngsten, doch einer der geach- tetjten unter uuS. WaS istS, was Sie utederdrückt?"
NoltenS Züge verfinstern sich, seine Stirnabern schwellen an. „Laßt mich, Freunde, laßt mich!" stößt er hervor und fährt mit der Hand über die Augen, alS suche er etwa« aus der Erinnerung zu verwischen.
„Nein, Nölten, wir lasten fie nicht. Erleichtern Sie ihr Herz, Sie sprechen zu Freunden."
Der Angeredete kämpft einige Sekunden mit stch, dann sagt er mit tiefem Seufzer: „So hört meine traurige Geschichte.
In dieser Nacht werden e« fünf Jahre, daß ich mein Glück vernichtete, den Traum meiner Jugend zu Grabe trug. Mir ist, als sei eS hundert Jahre her.
Ich war ein flotter Bursche. Etwa ein Jahr früher hatte ich, nachdem ich die landwirlhschastliche Akademie besucht und mich auf den Gütern einiger Verwandten praktisch vorbereitet, daS von den mir früh durch den Tod geraubten Eltern ererbte Gut zur selbstständigen Bewirthschaftung übernommen. Meine Geschäfte führten m.ch häufig nach B., namentlich zur Zeit der Wollmärkte. Dori lernte ich die Tochter eine« ehemaligen LandwirthS kennen der stch in B. zur Ruhe gesetzt, ein reizende» Mädchen Ich liebte ste — ick gestand e» ihr und fand meine Empfindung erwidert. Ihre Eltern waren mit un- ferm HerzenSbunde einverstanden. Wir waren beide jung, die Hochzeit wurde deshalb noch hinauSgefchobeu. Daß ich jetzt meine Befuche in B. öfter wtcderbolte, al» gerade die Geschäfte eS erforderten, darf ich wohl nicht erst erwähnen. Auch heut vor fünf Jahren war ich dort. ES war mir gelungen, meine Schwiegereltern, zwischen denen
Lage*»«richt.
Durch kaiserliche Allerhöchste Verordnung vom 28. d. MS. ist der LandeSauSschuß für Elsaß Lothringen znm 5. Februar d. I. nach Straßburg berufen.
Die fortgesetzten Beschwerden de» Publikums Über die Sehnlichkeit der 10- und 50-Pfeunigstücke und dadurch Der uilaßte Verwechselungen haben dem Generalmünzwardein Gelegenheit gegeben, dem ReichSkavzleramt Vorschläge zur ilbhülfe deS fraglichen UebelstandeS zu unterbreiten. Hierauf soll das Reichskanzleramt ein Einhalten mit der Prägung ton 50 - Pfennigstücken angeordnet haben. Der Don Dem Münzwardein gemachte Vorschlag, fünfeckige Stücke dieser Mnzgattung nach Art der achteckigen 20 - Dollar - Gold stücke zu prägen, ist in Erwägung gezogen worden.
DaS preußische landwirthschaftliche Ministerium hat »ach Dorangegangenen eingehenden Erörterungen in An tegung gebracht bei der Seewarte solche Einrichtungen zu treffen, welche diese» Institut für landwirthschaftliche Interessen nutzbar werden lasten. Eine Denkschrift über diese Angelegenheit liegt dem BundeSrathe Dor.
/ür die Monate Februar und März nehmen 1 alle Postanstalten (auf dem Lande die Land- postboten) Bestellungen auf die Dberhessische Zeitung «nd deren Gratisbeilage
Mustrirtes Sonntagsblatt mtgegen. Um vollständige Exemplare, namentlich auch des Jllustrirteir Sosmtagsblattes, liefern zu können, ersuchen wir die Bestellungen baldigst machen zu wollen.
Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Sari Echüß-
ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Die Thal einer Stacht.
Die Jagdgmoflen sitzen fröhlich beisammen. Die Becher kreisen, heitere WaidmannSlieder erschallen, würzige Jagdgeschichten machen die Runde. Nur Einer sitzt still dabei, hastig und doch schweigsam leert er ein GlaS des feurigen Burgunders nach dem andern. Durch das blonde Haar der Hünengestalt schimmert die geröthete Kopfhaut, da« Gesicht glüht, die Augen bitten starr oor sich hin «rte in völliger Selbstvergestenheit, und doch hat er auch heut wieder den Hauptschuß gethan. „Sasta, geschmausct l" fingen die luftigen Zecher — Nölten bleibt stumm, sein Blick schweift in» Leere.
Nölten hat vor einigen Jahren daS benachbarte Wildenbruch käuflich erworben und baar bezahlt. Woher er gekommen, weiß Niemand so recht. Er hat zuletzt in Berlin gelebt — daß man stch aber dort nicht zum praktischen Landwirth ausbilden kann, ist wohl klar, und doch trat Nölten olS solcher auf. Er bewirthschasiet fein Gut musterhaft, so daß er sich in kurzer Zeit bei feinen Nachbarn den Ruf einer Autorität in landwirihschafiltchen Dingen erworben. Seine Berhältniste sind aufs Beste geordnet, er ist feinen Untergebenen ein strenger aber gerechter Herr, den Nachbarn gefällig, seinen Freunden ein Freund im vollsten Sinne deS Worte«, «brr noch keiner hat ihn lachen gesehen, oder ein Scherz aus seinem Munde gchöri. Er meidet scheu die Gesellschaft und Lnnt außer der Jagd kein Vergnügen.
Die Gläser klingen und werden geleert; auch Nölten hat mit seinem Tischnachbarn angestoßen, schweigsam stürzt er da« GlaS hinab. Da berührt fein Gegenüber, der Oberamtmann Helder, ein jovialer, alter ehrwürdiger Herr mit weißem Haar und Barti seinen Arm. „Nölten, was ij ist Ihnen? So sah ich Sie noch nie."
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