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xii. »rgaig.

Marburg, Dienstag, 30. Januar 1877.

Wcrhcssilihc Mutig

^Arint täglich außer dm Werktagen nach Som,, und Feiertage». Preis für daS Quartal mit der wöchentlichenBeilage„S»»sttttteS durch dieSpedition («°ch'fche

®u¥bi* £oge»3? Wart, durch die Postämte? deS Deutsche» Reiche- 3 Wart LVPfst. (erf. «efteOfleb^t). - Mag»*«* für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet. ____________

Itigen Ereignisse vorzubeugen. In dieser Ansicht, die gleich sehr von der Vernunft wie von der Menschlichkeit einge-

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Die bereits erwähnte Depesche Midhat PaschaS an Serbien und Montenegro lautet vollständig: Ew. Hoheit werden sich erinnern, daß auf Ihr Gesuch die Mächte ihre guten Dienste bei der hohen Pforte verwandt haben, um einen Waffenstillstand herbeizusühren, und daß die kaiser­liche Regierung, stets beseelt von den gleichen Gesinnungen der Mäßigung und Versöhnlichkeit, nicht gezögert hat, einen Waffenstillstand zu gewähren, der seitdem zweimal erneuert worden ist in der Hoffnung, solchergestalt die Schließunj deS Friedens zu erleichtern und unnützes Blutvergießen zu vermctvea. Der Augenblick ist nicht fern, wo die Feind­seligkeiten nach Ablauf des letzten Waffenstillstandes zum großen Schaden der davon betroffenen Landstriche wieder ausgenommen werden würden. Ich frage mich, ob nicht

zeben wird, und außerdem überzeugt, daß Ew. Hoheit n demselben Grade von der Liebe zum Frieden und dem Lunsche beseelt ist, diesem bedauerlichen und unheilvollen Kampfe ein Ziel zu setzen, wende ich mich offen an Sie, um Sie persönlich zu einer Verständigung mit der kaiser. ichen Regierung vermittelst direkter Unterhandlungen ein-

Die Frage wegen Trennung der Provinz Preußen in zwei Provinzen ist jetzt reiflich in Erwägung gezogen wor­den und wird demnächst im Staatsministerium zur Be- rathung kommen.

Das königliche Stadtgericht in Berlin sprach am Sonn­abend die definitive Schließung der sozialistischen Arbeiter« Partei in Deutschland, mit dem Sitze in Hamburg, aus; ebenso die Schließung deS Berliner sozialistischen Wahl» Vereins sür den Geltungsbereich der preußischen Vereins­gesetze und verurtheilte die Sozialistenführer Henisch, Oerassi, Greiffenberg und Geld zu mehrwöchentlichen Gefängniß- strafen.

Als Urheber der gegen Deutschland jüngst gesponnenen Jntriguen wird einerseits mit vieler Wahrscheinlichkeit irgend ein Werkzeug der türkischen Regierung vermuthet. Ande­rerseits werden, und zwar in unterrichteten Kreisen, Gras Beust, Graf Chaudordy und General Klaczko als die Männer genannt, welche die Hetze auf Deutschland einge« leitet haben. Wenn der Zweck jener Jntriguen der war, Rußland von seiner Verbindung mit Deutschland zu trennen und zu Frankreich in ein näheres Verhältniß zu bringen, so war das Spiel ziemlich schlecht eingesävelt. Rußland dürste wohl hinreichende Proben von der Zuverlässigkeit Deutschlands haben, und es wäre traurig, wenn Fürst Gortfchakoff die Politik des Fürsten Bismarck erst durch französische Blätter kennen lernen müßte.

zuladen.

Die „Köln Ztg." fügt dieser Depesche noch an: Ein Beamter der kaiserlich ottomanischen Regierung reiste heute mit besonderen Vollmachten nach Serbien, die dahin gehen, den Fürsten zu einer Verständigung mit dem suzeränen Hofe behufs Wiederherstellung des Friedens zu bewegen.

Der Ausfall der Untersuchung gegen Wohlgemuth »urde tn 8 ... mit großer Spannung erwartet. Lag auch die Sache an stch sehr einfach, so kam doch die Per­sönlichkeit des Angeschuldigten mit ins Spiel. Er hatte längere Zeit in L . . . gelebt und sich großer Beliebtheit erfreut. ES schien unglaublich, daß er in solcher Weise sich vergangen, und dadurch seine Zukunft vernichtet haben sollte. Noch intereffantrr wurde er durch die Gerüchte, »eiche über den Bruch seines VrrhältniffeS zur „Post- Anna^ und seiner Verlobung mit einer reichen Erbin um- liefrn.

Als der Fall zur öffenllichen Verhandlung kam, war der Zuhörerraum deS Gerichtssaales überfüllt, namentlich! das schöne Geschlecht war stark vertreten. Die Meinungen waren getheilt, nicht sowohl über den Ausfall deS UrtheilS, als über die wirlliche Schuld oder Unschuld des Ange- klagteu.

Heinrich wurde aus dem Gefängniß vorgeführt. Er erschien in elegantem, sorgfältigem Anzuge und zeigte stch gefaßt. Sein Vertheitiger hatte ihn darauf vorbereitet, daß ei ihm kaum möglich sein werde, etwas für seine Frei­sprechung zu thun.

Die Verhandlung nahm den gewöhnlichen Gang.

Der StaatSanwalt trug die Anklage vor. Auf die Frage de- Vorsitzenden, ob er fich schuldig bekenne, betheuerte V der Angeklagte mit bewegter Stimme seine Unschuld. Im Uebrigen blieb er bei seinen früheren Erklärungen. Die ^Zeugen, der Positur ster und der Kausmann Hirsch heim 4 wurden vernommen, die amtliche Auskunft der Postbehörde t,. in Gcünburg wurde verlesen, aus den Büchern des Post- ^«MS in L . . . wurde wiederholt festgestellt, daß der iz Heldbries nicht eingetragen worden. Hirschheim glaubt stch

über verschiedene ander», im allseitigen Jntereffe einer ein seitlichen Regelung zuzuführenden Einrichtungen soll für die nächste Zeit in Aussicht stehen.

68 ist eine alle Geschichte.

Novelle von W. v. Strachwitz. (Fortsetzung.)

noch darauf zu erinnern, daß der Angeklagte zunächst den Postschein ausgefertigt und sodann den Brief in ein Schub­fach deS ihm zur Seite stehenden Schrankes geworfen, ohne eine Notiz in dem Controllbuch vorgenommen zu haben.

Der Staatsanwalt ergriff auf's Neue daS Wort. Nach dem Verlaufe der heutigen Verhandlung erschien ihm die Schuld deS Angeklagten als erwiesen. „Das Einzige, was für den Angeklagten spricht," schloß er, „ist seine bishe­rige Unbescholtenheit, sie genügt aber nicht, die gegen ihn vorliegenden, schwer wiegenden Beweise zu entkräften. Ich muß deshalb den Antrag stellen, den Angeklagten der Un­terschlagung amtlich anvertrauter Gelder für schuldig zu erkennen und ihn mit zwei Jahren Gefängniß —"

Ein herzzerreißender Schrei ans dem Hintergründe deS Zuhörerraumes unterbricht die Rede des Staatsan­walts.

„Haltet ein, haltet ein! Ihr verurtheilt einen Unschul­digen! Die Sprecherin, rin junges, in Trauer gekleidetes Mädchen, das hinter ei em Pfeiler verborgen gestanden, drängt sich durch die Menge.

„Ich will Alles, Alles gestehen," ruft sie entschloffen, und flehend streckt sie die Arme den Richtern entgegen. Die Gerichtsdiener versuchen umsonst, sie zurückzuhalten. Sie bricht stch bis zum Staatsanwalt Bahn und bittet diesen in dringenden Worten, sie anzuhören. „Ich, ich allein bin die Schuldige!" betheuert sie.

Auf den Antrag des Staatsanwalts beschließt der Ge- richtShos die Vernehmung der Anna Koch — fie war das Mädchen.

„Ich habe dm Geldbrief entwendet", erklärte sie, „Herr Wohlgemuth war eben am Telegraphenapparat beschäftigt, als ich ihm das Mittagbrod ins Bureau brachte und auf den Arbeitstisch am Schalter setzte. Bei dieser Gelegenheit sah ich, wie ein Bries, dm ich als Geldbrief erkannte, aus

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£ür die Monate Februar und März nehmen J alle Postanstalten (auf dem Lande die Land­postboten) Bestellungen auf die Dberhessischk Zeitung and deren Gratisbeilage

ZLußiirtes Sonntagsblatt entgegen. Um vollständige Exemplare, namentlich auch des Jllustrirte« Lonrrtagsblattes, liefern zu können, ersuchen wir die Bestellungen baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Anzeige» nimmt entgegen: die Emeditto» d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureaux von ® L. Daube & So. in Fcanlfutt a. M.: Iüaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; EarlSchüß- ler in Hannover; 6. «Schlotte in Bremen.

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Im ReichS-Eismbahnamt fand, der „National-Zeitung" zufolge, am Donnerstag eine Confermz mit technischen Di- rettorm deutscher Eisenbahnen statt behufs der Verstän­digung über rin gemeinsame« Formular für dir Fahrberichte der Zugführer (Fahrrapporte, Zugbegleitschetne). Wie wau hört, hat dte Berathung ein befriedigendes Ergebniß —---------------------- - - ■ - - -

gehabt. Die Berufung ähnlicher Conferenzm seitens de« von btt einen oder der anderen Seite ein ernster und out Strichs - Eisenbahnamtes behufs einer Verständigung auch [richtiger Versuch gemacht werden müßte, nm diesem trau-

V«-.eigen nimmt entgegen: iueSttitditto» d. Blatte», | JLje die Amwncen-Bureaux | xh. Dietrich & So. in tafd und Hannover; LH.

i Zürich in Frankfurt a. M.; ! Lfenftein & Vogler m Oftttt a. M, Berlin, Lew- 37661» k; Rudolf Stoffe Berlin, Frankfurt a. St. re.

Deutsches Reich.

Berlt«, 27. Jan. Das Resultat der gestrigen Stich­wahlen in Berlin ist der Fortschrittspartei günstig gewesen, da sie in allen drei Wahlbezirken, in denen engere Wahlen vorzunehmen waren, gesiegt hat. Immerhin hat dte der­zeitige Wahlagitation der Einsicht allgemeine Anerkennung verschafft, daß, abgesehen von fozialiitischen Elementen, die ReichShauplstadt aufgehört hat, eine unbestrittene Domaine der Fortschrittspartei zu sein. Der Zukunft wird es Vor­behalten bleiben, durch stetige und energische Organisation denjenigen politischen Bestrebungen in Berlin zu endlichen Siege zu verhelfen, welche wider Erwarten namentlich im ersten Wahlbezirke jetzt noch unterlegen sind. Diese Nieder­lage erklärt stch übrigens leicht, wenn der Bericht hiesiger Biitter über die Vorgänge in einer Wahlversammlung richtig ist. Darnach meldete stch in einer am Dienstag Abend im Saale der Urania stattgefundenen Versammlung nationalliberaler Wähler de« zweiten Wahlkreises der sozia- listenführer Most zum Worte. Er motivirte fein Ver­langen damit, daß er erklären wolle, daß und warum die Sozialdemokraten im ersten Wahlkreis sür Herrn v. For- ckenbeck und gegen Herrn Hirsch stimmen wollten. Der Vorsitzende verweigerte es, Herrn Most das Wort zu geben, obgleich dieser damit drohte: daS solle Herrn Hirsch zu Gute kommen. Nach der Paffage zu der Fortschritts­versammlung gab dann der sozialdemokratische Führer seinen Genoffen die Parole, als der Vorsitzende unter Zustim- mung der Versammlung bei seiner Weigerung verharrte. Man wünschte nationalliberalerseits Herrn Most viel Glück aus den Weg! — Die Versammlung wollte also darüber einen Zweifel nicht auskommen lasten, daß sie jedes Bünd- niß mit den Sozialdemokraten von vornherein abzulehnen entschlosten sei. WaS das Wahlresultat im Einzelnen be, dem Schubsache etwas herauSragte, in welchem die Werth fachen aufbewahrt zu werden pflegten.

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen.

Ich zog ihu heraus und steckte ihn ein.

Als ich wieder in der väterlichen Wohnung war, ent­ledigte ich ihn seine« Inhalt«, bestehend in 55 Thalern und nahm diese an mich. Den Briefumschlag und das darin befindliche Sä reiben habe ich verbrannt." Anfangs stockend, ist ihre Stimme immer fester, ihre Rede fließender geworden. Auf die Frage be« Vorsitzenden, aus welchen Münzsorten die Geldsumme bestanden, wird sie etwas ver­legen, sie will damals zu aufgeregt gewesen sein, um be­sonders daraus zu achten, dann besinnt sie stch; es seien Einthaler- und mehrere Fünsthalerscheine gewesen.

Hirschheim bestätigt dies.

Der Staatsanwalt, der wieder da« Wort ergriffen, stellt jetzt den Antrag auf Freisprechung des Angeklagten Wohlgemuth, indem er fich vorbehält, die Anklage gegen Anna Koch zu erheben.

Nach kurzer Berathung vnkündet bet Vosttzende das freisprecheude Uriheil deS Gerichtshofes.

Anna, die stch bis dahin muthig aufrecht gehalten, bricht ohnmächtig zusammen. Nachdem sie durch einige Mitleidige wieder zu stch gebracht, verläßt fie still weinend den Saal, ohne ihre Blicke vom Boden zu erheben.

Heinrich ist wie versteinert. Kaum hat er den Vor- 1 gang begriffen; seine Freisprechung hat ihn fast gleichgültig gelaffen; erst als der Vertheidiger ihm den UrtheilSspiuch nochmals in» Ohr geflüstert, zuckt es freudig über fein i Gesicht. Seine Freunde, deren er plötzlich wieder sehr viele hat, umringen ihn glückwüuschend und nehmen ihn : wie im Triumph in ihre Mitte. _

Auch die übrige Zuschauermmge zerstreut sich flops- j schüttelnd, gar viele mit bedauernden Mienen.

Der Saal ist leer.

( Wie ein Lauffeuer verbreitet fich die Kunde be» Bor-

Wit Sr. königl. Hoheit bem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen erhielten am letzten Sonnabend Se. königl. Hoheit der Erbgroßherzog von Sachsen, Se. königl. Hoheit der Erbgroßherzog von Baden, Se. königl. Hoheit der Erb- großherzog von Mecklenburg-Strelitz und Se. königl. Hoheit der Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, sowie der Ge­neral der Jnsanterie v. Bose die Investitur des Schwarzen Adlerordens. Zuerst erfolgte die feierliche Einführung und

;pinn« Aufnahme Sr. königl. Hoheit be« Prinzen Friedrich Wil Helm von Preußen. Bei derselben fungirten Se. kaiserl. w und königl. Hoheit der Kronprinz und Se. königl. Hoheit der Prinz Albrecht als Parrain«. Ihren königl. Hoheiten dem Erbgroßherzoge von Sachsen, dem Erbgroßherzoge von rina Laden, dem Erbgroßherzoge von Mecklenburg-Strelitz und l493 dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Hcffen, welche dann zujammen eingeführt und aufgenommen wurden, standen Se. königl. Hoheit der Landgraf von Heffen und Se. königl. Hoheit der Erbgroßherzog von Mecklenvurg-Schwertn als ParrainS zur Seite. Als ParrainS bei der zuletzt erfolg­ten Aufnahme des Generals der Infanterie v. Bose suu- girten der General der Cavallerie v. Tümpling und der General der Infanterie v. Kirchbach.

|U ihr» dreist Weid» hallt, nde. ach.