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Ufr. 22.

Marburg, Sonnabend, 27. Januar 1877.

xii. Iahrzaitz

fnwie die Anroncen-Bureaux um Th- Dietrich & Eo in gafld und Hannover; Th. «ietrich io Frankfurt a. M-; Laasenstein & Boaler m irantfurt a. M, Berlin, Leiv- £ SSIn ic; Rudolf Moste SSetlin, Frankfurt a. M. re-

ObnhcUlhc Inlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^edMou d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß. ler in Hannooer; E. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wvchentlichen Beilageziustrtrle» koa«1a,»blatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JusertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettbeUende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

/ür die Monate Februar und März nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Land­postboten) Bestellungen auf die Merhtssischr Zeitung und deren Gratisbeilage

Wustrirtes Sormtagsblatt

entgegen. Um vollständige Exemplare, namentlich auch des Jlluftrirte» Soimtagsblattes, liefern zu können, ersuchen wir die Bestellungen baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Lase»-eri<ht.

Da» Krönungs- und OrdenSfest findet auf Befehl des IkgiserS nicht, wie angtkündigt, am 28. Januar, sondern am 11. Februar statt. Sonnabend den 27. Jan. wird ein C^pitel deS schwarzen AdlerordenS gehallen, wozu die Erbgroßherzoge von Sachsen-Weimar und Baden in Berlin eintreffen wollen.

Bezüglich der Verhandlungen über Verträge zwischen dm deutschen Reiche und auswärtigen Staaten, namentlich in Haudelsangelegenheiten und dergleichen, find die Befug- niffe des Reichskanzleramts seit dem Ausscheiden des Prä fidenten Delbrück strenger begrenzt worden. Bis dahin lag dm Reichskanzleramte nicht nur die materielle Vorbereitung der Verträge ob, sondern der Präsident des Reichskanzler omtS führte auch direkt die Verhandlungen mit den betref­fenden Regierungen. Diese Anomalie ist, wie jetzt her­vorgehoben wird, seit dem Austritt Dclbrück'S beseitigt worden, so daß dem Reichtzkanzlerawte nur die materiellen Vorarbeiten obliegen, während der Verkehr mit den aus­wärtigen Staaten ausschließlich dem Auswärtigen Amte Vorbehalten ist.

Dieser Tage wurde gemeldet, der deutsche Botschafter ju Paris, Fürst Hohenlohe, sei mit dem französischen Mi­nister der auswärtigen Angelegenheiten, Herzog DccazeS, wegen der Haltung der französischen Prrfie in Erörte ningcn getreten. Thatsächlich ist auf die fragliche Zusam- wmkunft eine Besprechung deS Herzogs DecazeS mit dem Minister des Innern, Herrn JuleS Simon, gefolgt: Die Correspondanr^ bleue" bemerkt allerdings, die Entrevue der beiden Minister fei durch die sehr aggressive Sprache der

deutschen Blätter veranlaßt worden. Für diese Annahme scheint indeß die Afloziation der Thatsachen nicht sehr zu sprechen.

Die Pforte hat aus Anlaß des ConfereozbefchlufieS an ihre Vertreter bei den Mächten eine Cirkulardepesche ge­richtet. In diesem Aktenstücke werden die Vorschläge der Conserenz in drei Kategorien eingetheilt: 1) diejenigen, die nicht mit der Constitution vereinbar seien; 2) diejenigen, über welche Abmachungen mit den Mächten möglich seien; 3) diejenigen, welche die Unabhängigkeit deS Reiches asst- zirten, wie z. B. die Bildung der internationalen Com­mission und die erste Ernennung der Provinzial - Gouver­neure. Indem die Pforte daraus hinweist, daß sie Vor­schläge von solcher Natur habe ablehnen muffen, macht sie darauf aufmerksam, daß die in der Constitution garantirten Freiheiten sich auf alle ottomanischen Unterthanen erstrecken.

Noch immer ist keine authentische Kundgebung erfolgt, welche einen Anhalt gewähren könnte für den ferneren von den Mächten oder von Rußland beabsichtigten Schritte. ES ist augenscheinlich jetzt rin Stillstand, ein Zeitpunkt der Ruhe eingetreten, und da rS an neuen Ereignissen ge­bricht, ist eS wohl angemefien, kurz noch auf die jüngste Vergangenheit zurückzukommen. BiS jetzt waren nur kurze telegraphische Berichte über den großen Ministerrath, wel­cher die Forderungen der Konferenz zurückwies, bekannt geworden; dieN. Fr. Pr." erhält aus Konstantinopel die erste ausführlichere Mittheilungen über jene gewiß historisch denkwürdige und in ihren Folgen bedeutsame Sitzung, über die wir auch unsere Leser genauer unterrichten zu wüsten glauben. Man schreibt dem Blatt:

Der große Rath bestand auS nsthr als zweihundert türkischen, christlichen oder israelitischen Würdeutiägern. Unter ihnen befanden sich die UlemaS, Befehlshaber der Land- und Seestreickräfte und die bürgerlichen und reli­giösen Oberhäupter der nichtmuselmännischen Gemeinschaften. Letztere wurden zum erstenmale und in Gemäßheit der Kon­stitution zugelasten, mit den Mitgliedern der Regierung über Staatsangelegenheiten zu berathen. Der Großvezier prästdirte der Sitzung und eröffnete dieselbe mit Worten, welche aus die Versammlung einen tiefen Eindruck machten: Er sagte:

Wir haben Sie zusammenberufen, um Ihre Meinung über die schwerwiegenden Tagesfragen zu vernehmen, welche den Thron und das Land mit Gefahr bedrohen. Sie stellen eine vollständige Vertretung des Landes dar, und das Land ist es, welches wir in diesem feierlichen Augen- blicke um Rath fragen wüsten. Bon ihrer Entscheidung

wird daS Geschick deS Landes abhängen, und ich lade Sie, vom Größten bis zum Kleinsten, ein, Ihre Meinungen auszusprechen, frei, ohne Zwang, ohne sich durch Erwä­gungen beherrschen zu lasten, welche dem Gegenstand dieset Vereinigung, der nur daS Staatsintereste ist, fremd sind. Christen und Muselmanen oder Juden, ihr habt Alle die­selben Rechte und dieselben Pflichten. Jhr^eid alle Bürger desselben Landes und ihr bildet nur ein einziges Volk. Ihr müßt hinfort vereint bleiben im Glück wie :m Unglück, und Alle mit gleichem Eifer zum Besten deS gemeinsamen Vaterlandes thätig fein. Dieses Vaterland befindet stch heute in Gefahr, und diese Gefahr wir können dies nicht verhehlen ist auS unseren inneren Spaltungen entstanden. Wir können sie nur durch einträchtiges Zu­sammenwirken beschwören, und nur dadurch wird es unS auch gegönnt sein, unserem Vaterlande eine bestere Zukunft zu sichern. Ich appellire daher an eure patriotischen Ge- fühle, und ich fordere als euer Aller Führer, daß Jeder in voller Freiheit hier seine Anschauung über die Fragen, welche dieser Versammlung vorliegen, zum Ausdruck bringe."

Nach Midhat Pascha sprach Mchemed Ruschdi. ES läßt stch seine Rede ungefähr wie folgt zusammenfasten: Ebenso wie das Blut und das Leben für den menschlichen Körper, so ist die Unabhängigkeit daS Prinzip des Bestan­des eines Staates. Die Vorschläge sind derart, daß unser Reich durch ste sein Blut seine Unabhängigkeit ein» büßen würde. Nun, ein Staat, der seiner Unabhängigkeit beraubt wird, gleicht einem leblosen Körper. ES ist uns unmöglich, diese Situation zu aceeptiren, eS ist unS un­möglich, ohne Ehre zu leben. Die Pflicht eines jeden eifrigen und ehrbaren Patrioten ist genau vorgeschrieben. Sie besteht darin, alle Opfer zu bringen, um die Rechte deS Staates zu schützen. Ich stimme daher für die unbe­dingte Ablehnung dieser Vorschläge."

Nach diesen Reden verlas Midhat Pascha die Proto­kolle der Konferenz und wieS nach, wie die ottomanischen Delegirten, den Bevollmächtigten der Mächte das Terrain Schritt für Schritt streitig machend, endiich ste dazu be­wogen, ihr ursprüngliches Programm nach und nach zu modifiziren. Gegenwärtig blieben von dem früheren Pro­gramme nur zwei Punkte übrig; diese seien aber gerade Die wichtigsten, eS seien solche, die alle anderen in stch schlosten, und welche die Regierung nicht annehmen zu sollen glaube, weil sie eine schwere Schädigung der Würde und Unabhängigkeit des Sultans nach stch zögen. Diese zwei Punkte seien die internationale Kommijsion zur Heber» wachung der Durchführung der Reformen in den drei auf­ständischen Provinzen und die Ernennung der Gouverneure unter Mitwirkung der Mächte. Die der Versammlung

ES eine alte Seschichte.

Novelle von W. v. Strachwitz.

(Fortsetzung.)

Julie, eine blendende Erscheinung, noch glänzender durch die Unterstützung ihrer reichen Toilette, hatte bald Heinrich In eine lebhafte Unterhaltung gezogen; der hübsche, junge Mann, mit seiner hohen, schlanken Gestalt in der ihn dorlheilhaft kleidenden Uniform mit den damals noch ge- bräuchlichen Epauleites eine wirklich stattliche Erscheinung, hatte sichtlich Eindruck auf ste gemacht. Und auch er war von dem Zauber ihrer Persönlichkeit nicht unberührt ge» blieben. Man verabredete für den nächsten Abend eine Landpartie, und da man sich bei dieser, wie man sich beim lluseinandergehen allseitig gestand, vortrefflich amüstrt, folgte allabendlich ein anderer Ausflug in die Umgegend.

Man war fröhlich, scherzte, tanzte; die schönen Herbst­abende, der ländliche Aufenthalt, alles daS trug dazu bei, bir jungen Leute einander schnell näher zu bringen. So eine Woche vergangen. Man war auf dem Heim- Dege. Die Luft war so warm und mild, der Vollmond S»ß sein zauberisches Licht über die stille Landschaft.

Klinger mit Frau und Schwiegermutttr ging voran, Heinrich folgte mit Julien. Die Unterhaltung zwischen veiden war in» Stocken gerathen. Julie mit ihrer Mutter wollte morgen wieder abreifen trotz der vereinigten «ittern der Klinger'schen Familie und Heinrichs.

Die Gesellschaft hatte die Villa der Vorstadt erreicht, 2 der Klingers Wohnung lag, Klinger mit Frau und Schwiegermutter waren in das Haus eingetreten.

Heinrich hemmte feinen Schritt.

Fräulein Julie", flüsterte er,lasten Sie uns hier ^schied nehmen."

Haben Sie denn solche Eile, stch von mir zu trennen, Herr Wohlgemuih?" lachte Julie.

»Reichen Sie mit die Hand," bat Wohlgemuih ernst.

Julie legte lächelnd die behandschuhte jschrnale Rechte in die ©einige.

Sie entwickeln ja immer neue Talente, mein Herr, Sie wollen mich wohl nun gar mit einer Probe Ihrer Wahrsagerkunst überraschen? Doch ich sage Ihnen bald, ich glaube Ihnen nicht."

Wohl möchte ich eine Frage an das Schicksal thnn," entgegnete Heinrich

Julie I" rief die Mutter.

Nun, so fragen Sie doch das Schicksal, Herr Wohl- gcmuth. Aber lasten Sie mich los, die Mutter wird ungeduldig."

Heinrich umschloß ihre Hand fester.

Julie," sprach er,Sie sind mein Schicksal, ich ich liebe Sie"

Aber mein Herr, das ist doch keine Frage. Undist denn Lieben ein Verbrechen", daß Sie in so,ernstem Tone sprechen, als hätten Sie in der That etwas zu gestehen?"

Julie" wollte Heinrich wieder beginnen.

Julie I" rief auf's Neue die Mutter.

Gute Nacht, mein Herr! nickte ihm Julie zu, ihm entschlüpfend. Und stch nochmals umwendend, flüsterte ste ihm zu:Fragm Sie meine Mutter!"

Julie eilte der Thür zu. Heinrich näherte stch eben­falls ben Uebrigen um stch zu verabschieden. AIS er Julie nochmals die Hand reichte, empfand er den leisen Druck der ihrigen. Ihre Mutter nickte ihm ein freundlichesAuf Wiedersehen l" zu.

Heinrich irrte noch manche Stunde durch die Sttaßen, ehe er in seine Wohnung zurückkehrte. Endlich war er zu einem Entschlüsse gelangt. Nach Hause zurückgckcmmen, schrieb er zwei Briefe, den einen an Anna, besten Inhalt wir bereits kennen, den anderen an die reiche Fabrikanten- Wittwe, in welchem er um Juliens Hand anhielt.

e

Durch die dunkle Nacht braust der Eisenbahnzug. In

einem hellerleuchteten Coups zweiter Elaste lehnt, behaglich den blauen Wölkchen einer echten Havanna nachträurnevd, Heinrich Wohlgemuih. Er ist ein Anderer geworden, seit wir ihn zuletzt gesehen, zuversichtlich und selbstbewußt. Gestern hat er die Zusage von Juliens Mutter und Vor­mund und die Einladung erhalten, zur Feier der Verlobung und um sich den Verwandten vorzustellen, nach S. zu kommen. Er hat sich für einige Tage Urlaub erwirkt und benutzt die dienstfreie Nacht, um einige Stunden früher einzutreffen, als er Julien angezeigt. Ja, er ist ein An­derer geworden. Seine Braut bringt ihm ein Kapitalver» mögen zu, besten Zinsenertrag daS Vierfache seines bishe­rigen Einkommens ergibt. Nach dem Tode der Mutter wird stch die Mitgift verdoppeln. Er ist nun frei von den kleinen.und großen Bedrängniflen, welche mit dem Dasein eines kleinen Beamten verflochten find. Er braucht sich nichts mehr zu versagen, was das Leben an Genuß bietet, seine gesellschaftliche Stellung ist verrückt, ihm sind die bevorzugten Äteife geöffnet, er ist ein ganzer, ein gemachter Mann.

(Fortsetzung folgt.)

Wetteutßehuug und Weltuntergang.

(Schluß).

Der Vortragende ging sodann auf die Bewegungsur­sachen näher ein und wies den Zusammenhang der Flug­kraft mit der Dichtigkeit wie die Einwirkung der Attrak­tionskraft hierbei nach. Je geringer die Dichtigkeit eines Planeten ist, desto langsamer ist seine Bewegung; die inneren Planeten unserer Sonne sind alle sammt dichter als die äußeren, von denen z. B. Saturn die Dichtigkeit des KorkholzeS hat. Auf ihm dauert der Tag wie die Nacht nur je 5 Stunden. Auch haben diese äußeren, von Planeten einen größeren Mondreichthum als die inneren; so hat Jupiter 4, Saturn 8, Uranus 6 Monde. Es kommt dies daher, »eil diese Planeten au- dem äußersten