XII. ZahkMg.
Marburg, Freitag, 26. Januar 1877.
21.
ObnhcWc Ieilung
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I Der Staatsanwalt theilte dabei mit, daß ihm Hinterlassenschaft GehlsenS ein Pack Briefe Übergel
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Die als Zeugen vorgeladenen Vorstandsmitglieder und Verwaltungörälhe der genannten Gesellschaft bekundeten in völliger U-bereinstimmung, daß von irgend einer Bethei- ligunz des Fürsten bei der Gründung oder bei dem Ver- waltungsrathe der Gesellschaft niemals die Rede gewesen sei, die Behauptung vielmehr aus leerer Erfindung beruhe.
Die „Provinzial - Corrcspondenz" theilt nun noch die wesentlichsten Momente der Rede des StaatSanwaltS und das Urtheil deS GerichtshoseS mit, und schließt mit folgen« den Worten:
„Durch dieses Urtheil und die in dem Prozeß enthüll« ten Thatsachen werden aber nicht blos die Angeklagten, sondern auch alle direkt oder indirekt an dem nichtswürdigen Blatte Betheiligten moralisch gerichtet."
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die unausbleiblich auf uns lasten würde. Seien wir also verständig, sei auch Du es, thmere Anna; wir waren beglückt durch unsere Liebe, — begnügen wir unS mit dem, und überlasten wir das Uebrtge der Zukunft, ohne uns gegenfcilig Fisteln anzulegen. Ich werde steiS Deiner mit Achtung und in herzlichster Freundschaft denken. Bewahre auch Du mir eia gütiges Gedächtaiß, ohne Zorn und Groll, und sei glücklicher, als Du es an meiner Seite hättest sein können. Dein Heinrich."
So lautete der Brief, der erste — der letzte, der Absagebrief. „O, Heinrich, wie wenig kennst Lu die Liebe — Du hast wich nie, niemals geliebt, und ich gehöre Dir mit jedem Athemzuge, mit jeder Herzcnsfaserl"
Sie meinte, eS wüste ihr brechen, das arme Herz, das aber ist ein wunderbar zähes Ding. ES war Zeit, daS Fleisch an's Feuer zu setzen, das Schwesterchen mußte bald aus der Schule kommen. Sie verbarg deshalb den thrä- nenfeuchten Brief. Sie verschloß ihr L id in sich, Keiner sollte eS erfahren. Ihre rothgeweiaten Augen aber konnte ste nicht verbergen, und im Zusammenhänge mit dem heut angekommenen Briefe errieth man bald, was vorgegangen. Auch der Vater hatte eS errathen; er sprach kein Wort darüber, aber er sah um noch zehn Jahre älter aus.
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Andere Städtchen, andere Mädchen 1 — Wenn die Erwägungen, die Heinrich Wohlgemuth seinem Briefe au Anna zu Grunde gelegt, auch zum Theil bestimmend für ihn gewesen waren, so würden doch ste allein nicht vermocht haben, ihn zu dem entscheidenden Schritte zu drängen, wenn nicht ankere, äußere Einflüste dazu gekommen wären. Heinrich hatte sich bald mit einem College» befreundet, der sich durch eine „gute Parthie" in veihältnißmäßig glänzende Verhältnisse versetzt hatte. Er fühlte sich bei feiner großen Empfäng- lichkeit für feineren Lebensgenuß durch die komfortable Einrichtung der Wohnung, durch die Behaglichkeit in der Lebensweise und im Haushalt des gutsttuirten College» an«
Es ist eine eite Geschichte.
Novelle von W. v. Strachwitz.
„Na, Annchen, sitzen ja gar betrübt da. Wo drückt dmn der Schuh? Am Herzen? Nu, nu, werden Sie nut nicht roth. Mit einem so hübschen, ausgewachsenen Mädchen kann man schon ein Wörtchen reden. Nu stccken Sie mir aber gleich ein anderes Gesicht auf, ich bringe Anen, waö Sie bald kuriren wird —- da, vom Schatz,
mximt entgegen: Amtdition d. Blattes, ^die Ännoncen-Bureaur
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den sei, "welche auf vie ultramontanen und sonstigen Be- chützer und Genosten deflelben ein bedeutsames Licht werfe. Namentlich wurde ein Bries des LegaiionSrathS v. See verlesen, welcher mit klaren Worten als Zweck der Angriffe gegen den Fürsten BiSmarck bezeichnete, die Gesundheit dcstelben durch Aerger zu untergraben. „Ich schlage vor, chreibt Les von Paris, die nächste Nummer zu einer Be° ncfizvorstellung zu Gunsten des Reichskanzlers zu erheben. Vom psychologisch medizinischen Standpunkte scheint es mir wichtigbezüglich der Reihenfolge der Artikel zuerst daS Pathetische — — und dann daS Komische zu bringen. Die Hauptsache ist, daß von vornherein gleich die Verdauung aus einige Tage gestört wird und daS geschieht nur durch leidenschastliche Erregung."
Der Redakteur wurde unter Berücksichtigung, daß er nur der vorgeschobene Verantwortliche war, zunächst zu sechs Monaten Gesängniß verurthciit.
Der verleumderische Artikel aber, in Bezug auf welchen der Redakteur die Zulassung zum Beweise der Wahrheit beantragt hatte, kam am 15. Januar d. I. von Neuem zur Verhandlung. Es stellte stch zunächst heraus, daß der Angeklagte während der Untersuchungshaft sich dem Richter hatte vorsühren lasten, um zu Protokoll zu erklären, daß er von dem beabsichtigten Beweis der Wahrheit abstehen wolle. Dem gegenüber bestand aber nunmehr der Staatsanwalt darauf, seinerseits den Beweis zu sühren, daß die unter Anklage gestellten Artikel auf Verleumdung beruhen.
ES handelte sich vorzugsweise um die Behauptung, Fürst Bismarck habe sich für die Erwirkung der Coneession zur Gründung der Central-Boden-Credit-Gejellfchaft mit einer bedeutenden Summe an dem Gründungsgewinn be-
g, häft.
6.
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Anzeigen nimmt entgegen: die ewtbttiOB d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaur von ® L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalrdendanl, A. Stete» ♦ meper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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TLftein & Logier in LnaM, Berlin, Leip» fiSin k ; Rudolf Moste
Hr die Monate Februar und März nehmen M alle Postanstalten (auf dem Lande die Land- Istboten) Bestellungen auf die ffirrhessischk Zeitung
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«cht wahr?"
Anna, des PostwagenmeisterS Koch ältestes Töchterlein, mörhet noch einmal, dar.» wirft sie ihre Näharbeit bei Seite und fliegt zur Thür, um dem alten Postboten den 8t«j abzunehmen, den ihr dieser mit gutmülhig-m Lächeln enigegenhält. „Nu, hab' ich recht?" schmunzelt er, „auS Segnitz, von Herrn Wohlgemuth; ich aller Praktikus werde
Suchdru-kerer- bezogen ^ebition z„ «rtbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Of». berechnet.
Ehre des Fürsten bewegten sich theilweise nur in Andeutungen und Anspielungen, welche allerdings leicht errathen ließen, auf wen sie zielten, doch aber vorsichtig genug ge filten waren, um einer strafrechtlichen Verfolgung lange Z it jede Handhabe zu entziehen. i
Nachdem eS lange Zeit unmöglich erschienen war, dem i Ifeuchler schen, rasfiniiten Treiben deS Blattes, welches den i Namen „D ulsche R ichsglocke" angenommen hatte, straf- ! rechtlich beizukommen, bot im letzten Dezember ein beispiellos frecher und zugleich ungewohnt unvorsichtiger Angriff gegen den Direktor deS Berliner Stadtgerichts eine durch keine Ausflucht mehr hinwegzuräumende Handhabe zum gerichtlichen Einschreiten. AiSbalv traten nunmehr die Anz-ichen des schlechten GewssenS der Redaktion hervor: vcr eigentliche H.rauSgeber deS Blattes Joachim Eehlsen, ergriff unverweilt die Flucht und ging nach der Schweiz, der verantwortliche Redakteur eraieS sich als eine nur vor- geschobene völlig unbedeutende Person. Die in dem Artikel erhobene Anschuldigung stellte sich in allen Theilen als eine der frechsten Verleumdungen heraus.
DaS wichtigste Ergebniß der damaligen Gerichtsverhandlung aber war, daß ein großer Theil der Ausjätze deS niwtSwürdigen Blattes, namentlich viele der gehässigen Angriffe gegen den Fürsten Bismarck von einem der ultra- montamn Partei angehörigen frühere- LegationSrath v. Los herrühren, und daß der Herausgeber Gehlsen in lebhaftem christlichen und persönlichen Verkehr theilS mit bekannten Mitgliedern der ultramontanen Partei, theil« mit den Genossen deS Grase» Harry v. Arnim, theils mit Demokraten und Socialdemokcaten stand.
Der wirkliche Herausgeber der „Reichsglocke" hatte bei seiner Flucht mit gutem Grunde angenommen, daß die Zeit oet Straflosigkeit für daS Blatt vorüber sei Bereits am 23 Dezember kam eine weitere Anklage gegen dasselbe zur Verhandlung, nunmehr wegen Beleidigung und Berleum düng des Reichskanzlers. Wiederum war eS ein nur vorgeschobener Redakteur, gegen welchen die Anklage erhoben werden mußte. Derselbe hatte aus dem Gesängniffe eine Abbitte an den Reichskanzler gerichtet, weil er zu spät erkannt habe, daß Gehlsen und 8c e bei ihren Angriffen von den veiweifltchsten Beweggründen geleitet worden — er versprach Umkehr und versicherte den Fürsten seiner Dienft- willigkeit. Da der Brief ohne Antwort blieb, verwandelte- stch die Reue wieder in Trotz, und er beantrag'e zum Be weis der Wahrheit der Anschuldigungen gegen den Kanzler zugelassen zu werden. Die Verhandlung über de» die Verleumdungen enthaltenden Artikel wurde deshalb ausgesetzt — wegen drei anderer Aufsätze aber wurde alSbald weiter
verhandelt.__
sonst häufig in die Dienst räume. Und wen» eS geschieht, ist eS, als fiele ein Sonnenstrahl hinein unb streifte die Gesichter drinnen, daß selbst daS grämlichste fröhlicher schaut.
Seit vierzehn Tagen aber ist sie nicht mehr das muntere Ding wie sonst, so lange ist es auch gerade her, daß der Heinrich Wohlgemuth nach Liegnitz versetzt wurde. Ein schmucker Bursche, wie schon der alte Briefträger sagte. DaS mußte einmal ein hübsches Paar geben unb bie Anna würde künftig der „Frau Poststkretär" keine Schande mache», den» ste war nicht nur ein bildsauberes, sondern auch ein verständiges, gebildetes Mädchen. —
Mit fliegender Hast hat Anna den Umschlag des Briefes gelöst — es ist der erste Liebesbote. Ihre Augen glänzen von Glück und Dankbai leit. „Liebe Anna!" liest sie. Da erlischt ihrer Augen Glanz, sie preßt bie Hand aus baS Herz, unb mit einem leisen, klagenden Schret sinkt ste auf einen Stuhl. „O, Heinrich. Heinrich, wie kannst Du mir das thun, und ich habe Dich so unendlich lieb 1" entringt sich ihrer Brust. Mühsam erhebt sie stch, wie gebrochen wankt ste in das Zimmer zurück zu ihrem AibeitStifchchen, und immer und Immer wieder lieft sie das unglückselige Blatt.
„Liebe Annal Vierzehn Tage der Trennung liegen zwischen unS, für mich eine Zeit qualvolle Kampfe«, deS StreitcS zwischen Gefühl und Verstand. Es ist mir schwer geworden, der Vernunft Gehör zu fchenken, und doch muß es sen. Du kennst meine Liebe zy, Dir. Wir glaubten künftig glücklich vereinigt zu werden. Ruhige Ueberlegung jedoch muß uns das als einen Wohn erkennen lassen. Du bist schön, gut, liebenSwerth, aber — arm; ich hätte den redlichst.» Willen gehabt, Dir das Leben angenehm zu gestalten, aber auch ich bin ohne Vermögen, die Gehälter sind karg, daS Avancement geht langsam. Wir gingen somit einem Lrben voll Entbehrungen und Sorge entgegen. Ich wünsche Dir ein besseres Loos und fürchte die Roth,
„D bereit Gratisbeilage
Mstrirtes Somrtagsblatt
wisch« .Zellen. Um vollständige Exemplare, namentlich och des Sttuftrirtcn Sonntagsblattes, " Esern zu können, ersuchen wir die Bestellungen r bei, sldiast machen zu wollen.
Die Cxped. d. Oberh. Zeitung.
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«w!» Die „Prov. Corresp." sagt in einem Artikel: „Die Ittleumter des Fürste» BiSmarck und ihre stunde" Folgendes:
. In de» letzten Wochen haben stch bie Berliner Gerichte " iLikti'rtolt mit einem Blatte beschäftigt, welches wohl als
B schamloseste aller bisher in Peeuße» erschienenen ^6^ Erde t Mgnisse gelten kann. Daffelbe trug früher ben Namen
,Eisenbahn-Zeitung" unb war ursprünglich gegründet, um _ gh ßen parlamentarische» Vorgängen, welche zur Einsetzung
inet Untersuchungskommisston in Betreff der Eisenbahn- Wessionen führten, an ben Urhebern biefer Maßregel krgdtung zu übe» unb besonders d n Nachweis zu führen, i »ß gerade tn denjenigen Kreisen, welche» dieselben ange- litieti, die gröbsten wirthschaftliche» Ausschreitungen und Mdräuche vorg kommen seien. Mehr und m hr ging daS JIatt dazu über, seine Angriffe und Schmähungen in dieser Mcziehung nicht nut bloS gegen bie finanziellen Unter« s&^mer, sondern mit immer wachsender Schärfe gegen Mit» Mieder der Regierung zu richte», welche angeblich jene AuS- Mreitunge» begünstigt hätten und dabei de» verwerflichste» Beweggründen persönliche» Eigennutzes gefolgt wärm. Im •Jüwtaai Verlaufe wurde vor Allem die Politik unb bie ^Person bis Reichskanzlers Fürsten BiSmarck zum Gegen Mßande ber gehässigsten Angriffe gemacht. Im offenbaren lÄZasammtnhange mit ben Agitationen des Grasen Harry W». Arnim wechselten fortan mit den blos wirlhschaftlichen Splitterungen die boshaftesten Verdächtigungen der gefammten ^^gritaaen und äußeren Politik deS Reichskanzlers und zu- is N gleich die schwersten persönlichen Beschuldigungen desselben
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wohl die Handschrist kennen, die ich viel tausendmal : «s.hen, als er noch bei uns am Schalter saß; 'n schmucker Mensch, recht schade, baß sie ihn nicht hier gelaffe» haben, int wie lange wirb eS dauern, so holt er uns unsere Anna auch noch weg. Won» ist denn bie Hochzeit?"
Erglühend verbirgt Anna den Bries unter der Schürze, tob flüchtet damit scheu in die Küche.
Der Alte sieht ihr lächelnd nach. „Ein Prachtmädel! ÜRan möchte den Wagenmerster um die Tochter und den Herrn Wohlgemuth um den Schatz beneiden," murmelte « vor sich hi» und setzt stch in den gewohnten Trab.
Der Postwagenmeister Koch hat eine Wohnung im Post- SMibe inne; ihm liegen zugleich die Funktionen eines Schließers und Heizers ob, er ist ber Oekonom der Paffa- bürtzube, unb bie jungen, unverheirathelen Postbeamten K'gen ihre Beköstigung von ihm zu beziehen. Anna führt t®. da er verwittwet, mit Hilfe ihrer jüngeren Schwester
Wirthschaft; sie bringt den Jungen Leuten, wenn diese .- g. bk Speist zeit gerade dienstlich beschäftigt, den Kaffee, das Mittag oder Abrndbrod in bie Bureaus und kommt auch