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xn. Jahrgang

Marburg, Dienstag, 23. Januar 1877

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Jolportirt, eS müsse doch wohl an der Sache Etwas sein, da die Redakteure derReichsglocke" nicht wegen J8m eumdung, wo der Angeklagte den Wahrheitsbeweis führen kann, sondern wegen Beleidigung angeklagt seien, und diese- Geschwätz trat mit solcher Sicherheit aus, daß selbst höchst brave und unbedingt wahrheitsliebende Männer dadurch eine Zeit lang stutzig gemacht wurden. Jetzt hat nun der Prozeß die Wendung genommen, daß der Staatsanwalt seinerseits die Vernehmung von Zeugen über die Wahrheit der Behauptung gefordert hat, während die angeklagten Redakteure aus den Zeugenbeweis verzichteten, und in Folge davon einer ihrer Vertheidiger in voller Indignation über Menschen, welche die insamften Verleumdungen verbreiteten, ohne irgend den Wahrheitsbeweis führen zu können, fein VertheidtgungSamt niederlegte. Vier Zeugen, der Kommer- zienrath v. Bleichröder, der frühere Staatsminister von Bernuth, Herr v. Hansemann und Präsident Philipsborn haben eidlich bekundet, daß die Bethetligung des Reichs­kanzlers bei der Centralbodencredit - Gesellschaft mit einer Million Thaler eine leere Eifindung, resp. daß ihnen nie­mals im Entferntesten Etwas über eine solche Betheiligung

bekannt geworden sei. WaS sagt nun die frondirende hohe Gesellschaft, welche sich nicht schämte, auf das nichtswür­digste Schmutzblatt, das jemals in Deutschland die Presse verunehrte, zu abonniren und besten Verleumdungen zum Tischgespräch zu machen? In unserem deutschen Wesen besteht ein gefährlicher Zug der kleinlichen mißgünstigen Kritik, und , dieser Zug ist nirgends stärker als in denjenigen Berliner Kreisen, welche augenblicklich nicht am Regiment sind."

Am Sonnabend fand in Berlin die gerichtliche Ver­handlung gegen Dr. Rudolf Mayer statt, welcher befchul- vigt ist, durch einen Artikel in der socialpolitischen Correfpon denz vom 5 Oktober den Fürsten Bismarck beleidigt zu haben. Der Angeklagte erbot stch, den Beweis der Wahr­heit feiner Angaben anzutreten, indem er auf das Zeug- niß der Herren v. Blankenburg, Bleichröder, Kartorff und Belhmann rekurirte. Der Gerichtshof beschloß hierauf die Zulastung des Antrages auf Beweiserhebung und die Frei- lastung des Angeklagten aus der Haft gegen Cautiou.

WormS gelenkt. Der Erzbischof Willigt» in Mainz, an­geblich der Sohn eines RadmacherS, von welchem das be­kannte Rad im Stadtwappen herrühren soll, in Wirklich­keit ohne Zweifel ein Freund und Genosse der schon oben erwähnten großen Baumeister, wurde das Haupt einer weithin berühmten Schule, aus welcher Burchard, der nachmalige gelehrte und kunstverständige Bischof von WormS hervorging. Willigis beförderte zunächst diesen Burchard zum Probst deS St. VietorstifteS in Mainz, dann empfahl er ihn dem Kaiser Otto III., welcher ihm sein besonderes Vertrauen schenkte und nach dem Tode deS ihm innig befreundeten Bruders Franco unserem Burchard den Bischofssitz von WormS verlieh. Dies wär ein höchst wichtiges Ereigniß für die ganze weitere Entwickelung des deutschen StädtewesenS, aus welche der weise Burchard einen tief eingreifenden Einfluß übte. AlS er nach seiner Salbung in WormS einzog, fand er die Stadt verödet, in deren Mauern Wölfe und Räuber hausten. Er begann

und auSgeführt haben, aber auch im Innern finden wir hier jenes bedeutungsvolle Symbol der deutschen Meister auf der Wand des DomeS dargestellt, das Colofialbild des großen Christoph, einer mystischen Darstellung der christ- ltchen Baubrüderschast, deren Genossen stch als Glieder des

Im Sommer dieses JahreS wird in Amsterdam eine kunstgewerbliche Ausstellung stattfinden. Bei derselben kön­nen stch auch deutsche Industrielle in der Form der Be­werbung um 25 Geldpreise von 100 bis 1000 Gulden

Seren Hauptstationen. Die Verbindung des RheineS und Donau durch den Altmühl- und Rezat Canal ward in ? fogtiff genommen.

i Nach Carls Tode kamen die heftigen Kämpfe mit den wgatn und Normanen, ferner das mächtige Wirken und Balten der sächsischen Kaiser, Heinrichs des StädteerbauerS Otto des Großen, durch besten feiogebildete Gemalin ; Wvphonia byzantinische Meister mit den lombardischen £®mmadni in Berührung gebracht wurden, deren Einwir auf unsere Cuitur sehr wichtig wurde. Dann aber

; ein Stillstand in der deutschen Entwickelung ein, bis dem elften Jahrhundert eine neue Zeit begann. Unfett Aufmerksamkeit wird zunächst auf Mainz und

ZafiHtoW.

Die Beisetzung der Leiche der Frau Prinzessin Karl »Kd mit Rücksicht aus die Jahreszeit nicht im Dom, son­der« in der Schloßkapelle stattfinden. In der Nacht vom Sonntag auf Montag soll die Leiche nach dem Schloß übergeführt und dort am Montag von 124 Uhr im ge­schlossenen Paradesarge ausgestellt werden. Am Dienstag 11 Uhr wird der Trauer Gottesdienst gehalten und erfolgt sodann in der Nacht vom Dienstag aus Mittwoch dir Ueber- sührung der Leiche nach Charlottenburg, von wo aus dem­nächst, gemäß dem kundgegekenen Willen der Verewigten, K aller Stille dir Beisetzung in der Kirche zu Nikolskoje dei Potsdam vorgenomuien wird. Prinz Karl wird stch yn Mittwoch in Begleitung der landgräflich hessischen" milie nach Wiesbaden und von da nach Italien begeben. Grcßsürst Wladimir trifft Sonntag srüh 6 Uhr in Berlin rin und steigt im russischen Botschafterhotel ob.

In dem Etat der Unterrichts-Verwaltung werden 80,000 Mark als Zuschüste zur Unterhaltung höherer Mädchen­schulen gefordert mit der Bemerkung: Der Fonds ist er­forderlich, um namentlich an Orten, wo durch die Aus­führung des Ordensgesetzes ein Bedürfntß dazu entstanden , Gemeinden und Privaten zur Erhaltung höherer Mäd­chenschulen Bethülfe zu gewähren.

Die Anzahl der für das Jahr 1876 in Preußen zur jklastensteuer veranlagten Personen beträgt im Ganzen 4.998,228 mit einem Steuerbetrag von 44,943,363 Mk. Zur klasstfizirten Einkommensteuer find herangezogen 157,076 Personen mit 31,054,554 M., darunter in der höchsten 75. Stufe (Steuersatz 84,600 M.) eint Person im Re­gierungsbezirke Düsseldorf, wahrscheinlich Krupp in Esten, im Regierungsbezirk Oppeln eine Person mit 70,200 M. (? Graf Henckel), im Regierungsbezirk Wiesbaden eine Person mit 66,600 M. (Rothschild), ferner im RegierungS- Sezirk Wiesbaden eine Person mit 64,800 M., dann kommen Berlin mit je einer Person 45,000 und 43,200.

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Mbeint täglich außer den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit dn wöchentliche BeilaseMusste» «onutagSölatt" durch die Spedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen Sh Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Wart 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden S5 Pf,, berechnet.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte, sowie die Annoncen-Bureaux von ® 2- Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß-

ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Die Entwickelung bet britische» Städte mit bef,»betet Rücksicht auf bie Blüte von Nürnberg.

8ertrag des Herrn Regierungs- und Bauraths Cuno. Gehalten im Verein für nassauische Geschichts- und Alterthumskunde in Wiesbaden.

(Fortsetzung.)

(bei : und d zu lniv.- L [136 f

«metaen nimmt entgegen: uTgärtittoM d. Blattes, S»ie dir Aimoncen-Bureaux S». Dietrich & Co. m «.«el und Hannover; Th. Aich in Frank^tt a.M.; «inj B°glcr m d^ckfurta.M.,»erlm Lern- Köln re; Rudolf Moste '^Berlin, Franksutt a. M. re.

Geh.-Rath Lüders entgegen.

Da die Konstantinopeler Conferenz am Sonnabmd nun wirklich ihre Schlußsitzung gehalten hat, so dürfte die AnsichtWas nun? in den Vordergrund treten, daß der Krieg nicht sofort ausbrechen werde, ist wahrscheinlich, vielmehr dürften die drei Kaisermächte sich über weitere Maßregeln erst verständigen. In diesem Sinne wird wohl auch die erwähnte JnstruklionS-Depesche Gortschakoff'S auf­zufasten (ein, deren Existenz vomPester Lloyd" bestätigt witb derselbe spricht sogar von einem Rundschreiben. Klar und deutlich saßt dasN. W. T." die Situation in olgende Mittheilung zusammen: DaS Petersburger Cabinet )atte bekanntlich die Idee einer Oecupation der insurgirten türkischen Provinzen angeregt, und zwar war der russische Vorschlag dahin gegangen, Oesterreich solle Bosnien be­setzen, während russische Truppen Bulgarien oecupirm wür­ben. Der Zweck der Oecupation warb bahtn präcifirt, baß bie Pacifieation vermittelst der Durchführung von Reformen bewirkt werden könnte. Die Großmächte, vor allem Oester­reich, erklärten damals, dieser Proposttion nicht zustimmen zu können. Darauf tauchte der englifche Vorschlag aus, man solle die Resormfrage auf einer europäischen, in Kon­stantinopel abzuhaltendm Conserenz zu regeln versuchen. Graf Schuwaloff gab auf Befehl des Fürsten Gortschakoff gleich die Erklärung ab, daß zwar Rußlands Vertreter sich auf der Conferenz einfinden werden, daß aber die kaiser­liche Regierung der Ansicht sei, die Berathuugen der Diplo­maten werden die gewünschten Resultate nicht liefern, die türkischen Staatsmänner werden, aller Wahrfcheinlichkeit nach, diplomatischen Vorstellungen kein Gehör schenken. Nun hat der Verlauf der Conferenz die Berechtigung dieser Ansicht unumstößlich dorgethan. Mit Berufung auf diese Thatsache proponirt nun Rußland, die Großmächte sollen seinen ursprünglichen Plan, den es zeitweise sollen ließ, wieder ausnihrnen und mit eigenen materiellen Mitteln jene Reformen durchführen, welche die Conferenz beschlosten hat. Oesterreich solle die Beschlüste der Conferenz in Bosnien und der Herzegowina realisiren, während Rußland diefelben in Bulgarien durchführen werde. Der Petersburger Hof läßt dabei durchblicken, daß, falls der zum zweiten Male gestellte Antrag abermals nicht angenommen werden sollte, Rußland stch an'S Werk machen werde, um in Bulgarien jene Zustände zu begründen, die ganz Europa al» noth wendig erkannt habe, lieber diese Proposttion nun wird unter den Großmächten jetzt eifrig verhandelt. Uebtt daS

kirche begonnen und nach der Thronbesteigung deS Kaisers Conrad, des Schülers von Burghard, eine weitere Reihe wichtiger Werke auSgeführt. Man berichtet uns, daß Bi­schof Burghardt stch auf einer einsamen Rheininsel ein besonderes Oratorium hatte einrichte» lasten, wohin er sich oft zurückzog, um in der Stille mit seinen Meistern, den Commacini, seine großartigen Pläne zu berathen oder tiefe Forschungen über das Wesen der Dinge anzustellen und ;stch im Gebet vor seinem Gott wieder zu sammeln. Von seinem erleuchteten Geistesblick zeigt folgender uns urkund­lich überlieferter Ausspruch des weißen Mannes:Mistet Brüder, daß Jeder, welcher Gott fürchtet und Gerechtigkeit übt, ihm angenehm ist, nicht allein der Mönch, sondern auch der CanonicuS und der Laie."

ES ist hiernach begreiflich, daß sein frühret Schüler, der salische Kaiser Conrad II., ihn so hoch verehrte und sein Wohlwollen zugleich auf die wiederhergestellte Stadt übertrug. Diesen günstigen Verhältnissen ist eS ohne Zweifel zu danken, daß in der Bürgerschaft von WormS stch ein so ausgezeichnet kernhasteS Wesen entfallen konnte, daß die Etavt auf dem Gebiete deS Geistes und der Jn-

Dnrch die deutschen Wälder wanderten von Gau zu 6au die christlichen Heidenboten, namentlich Iren und Atgelsachsen, um Klöster zu stiften. Der heilige Kilian, dn Ire, zog am Main herauf nach Würzburg, Bonifacius »»« Fulda, St. Emmeran von Regensburg aus. Es i «Ifianden die Stifter zu Erfurt, Eichstädt, Fritzlar, Paffau

! «vd Salzburg, in Frankfurt a. M. Karls Königspfalz, do« wo aus die Sachsenzüge ausgeführt wurden, ferner " ® dem sächsischen altheidnischen Bauerngebiete acht Bis­

tümer, Osnabrück, Minden, Bremen, Verden, Halbnstadt Paderborn, Münster und Hildesheim. DaS Fischerdorf Sternen erhielt durch Bischof Willibrod die erste hölzerne Peterskirche, in Hamburg ließ Karl die Burg erbauen, wurden königliche Heerstraßen von der Mündung der Abe bi» in das Avarenland mit königlichem Geleite her- ßefiellt, Bardewik, Magdeburg, Erfurt, Forchheim, Lorch

wurde von ber ftlique der Unzufriedenen eifrig daS Gerücht I Reg.-Rath LüderS im Ministerium für Handel, Gewerbe kolportirt, e« wüste doch wohl an der Sache Etwas fein, und öffentliche Arbeiten und der erste Direktor des deutschen Gewerbemuseums in Berlin, Grünow. Anmeldungen nimmt

sofort den Wiederaufbau der verfallenen Mauern, die ge­flüchteten Bürger kehrten zurück, eS wurde an der Stelle, wo einst die Burgunderkönige Günther und Gieseler ge­thront hatten, eine stattliche Bischofsburg gegründet unb . .

ein Enkel deS wilden Herzogs, der nachmalige Kaisers zuerst am Rhein der Sitz einer eigentlichen Bauschule Conrad gewonnen, welcher die friedliche Entfaltung deS (Hüttengenostmschast) wurde, in welcher die Bedeutung der bürgerlichen Gemeinwesens mächtig förderte. Kaiser engen Verbindung aller Bundesglieder zu einer großen, geach- Heinrich II schenkte die Herzogsburg dem Bischöfe, welcher teten Corporation mit den höchsten idealen Zielen ihren sie zerstörte und auS den Steinen'Kirche und Kloster zu symbolischen Ausdruck gefunden hat Das herrliche Meister- St. Paul erbaute als Denkmal der christlichen Freiheit.'werk des Wormser Domes zeugt schon durch seine äußere Worms erhob sich nun stetig aus seiner Verödung, der " 7 k"- u"~

eifrige Bischof und Baumeister arbeitete unermüdlich i Väter, welche in jener Zeil den großartigen Plan entworfen lich weiter. Auf den Fundamenten der alten Basilika'»»d a»«a»küürt hahon aber an* im cinnmt finben mir entstand sehr rasch der herrliche St. PeterS-Dom aus einem Guß. Die Bürger frohndtten unentgeldlich, die Hoshörigen und Handwerker gegen geringe Entschädigung.

Kaiser Heinrich der U. weihte selbst ben noch unfertigen,.. T ------ .... ----------,, . .

Dom; e» wurde bann der Lau der Martins- und Andrea»- j großen Leibes der erlösten Menschheit anfahen, besten ver-

DieTrübüne" sagt in einer Besprechung des bekannten Prozesses wider dieReichsglocke" eben so geistreich als zutreffend:In der Zeit von 180713 beschwert sich einmal Niebuhr bitter überbas elende und faule Geschwätz", selcheS in Berlin getrieben werde. Das Unglück, meint er, mache die Menschen nicht bester, sondern schlechter. Heute, wo der Staat daS größte Glück erfahren hat, wenn .... w

«ch die wirthschafilichen Zustände an vielen Gebrechen Holl. (ca. 170 bis 1700 Mark) beteiligen. Dem Amster- leiben, ist eS gerade so, wie zur Zeit Niebuhr'S. $)a | bamer Comits sind für Preußen beigetreten der Geheime