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xii. Jatrgaig

Marburg, Sonnabend, 20. Januar 1877

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ab; nichtsdestoweniger hofft man den Frieden zu erhalten.

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wie möglich auf das Vorgefallene vorzubereilen. Dann begann er an Bender einen Brief aufzusetzen, in welchem er demselben ganz offen das mittheilte, waS er soeben er­fahren hatte und hinzufügte, daß er gewiß begreifen werde, wie unter diesen Umständen sein Erscheinen im Hause nicht mehr wünschenSwerth sei.

Tief stöhnte unser Bekannter auf und preßte seine Hände gewaltsam auf das von Schmerz bis zum Springen volle Herz, als er die verhängntßvollen Zeilen las. Er richtete seinen Blick in einer Weise gen Himmel, als wolle er fragen: wodurch habe ich es verdient, daß sich ein solcher Fluch an meine Fersen heftet? dann brach er moralisch zusammen und sank auf einen Stuhl und starrte im düsteren Trän» men vor sich hin, bis Stunde auf Stunde verronnen war und hiermit auch seine Besinnung wieder einigermaßen zu« rückgekehrt war. Erst tief in der Nacht war er mit einem

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an Hedwig gerichteten Schreiben fertig, in welchem er von derselben Abschied nahm und sie in rührenden Worten bat, die Betheuerungen seiner Unschuld nicht zurückzuweisen, fo

Tochter cinzuhändigen. Hedwig war großmüthig genug darauf zu antworten. In edeler und zarter Weise sagte sie, daß wenn ihm dies Trost gewähren könne, so möge er die Versicherung hinnehmen, daß sie an ein so furchtbares

gegend galt sie sogar bereits als halb verlobt, denn der Vertreter des Ortsvorstandes und deflen voraussichtlicher Nachfolger hatte sich schon seit mehreren Jahren um ihre Gunst eifrig bemüht, und Herr Laurenz fand keinen Grund, den Bewerbungen des wohlhabenden FreierS entgegen zu treten. Seit dem Erscheinen Bender'S im Hause änderte stch da» bisherige Verhältniß aber plötzlich. Schon im ersten Augenblick hatte sich das junge Mädchen zu unserem Bekannten hingezogen gefühlt, bei näherem Umgang waren diese Sympathien gewachsen, allmälig entwickelte sich bei Beiden eine warme innige Zuneigung zu einander. Die natürliche Folge davon war, daß Lindenberg jetzt von Hedwig mit Kälte behandelt, und von seinem Nebenbuhler gänzlich in den Hintergrund gedrängt wurde. Er besaß eben von Natur kein zartfühlendes Herz, und die Besürch lang, sich den Gegenstand seiner Wünsche nun plötzlich durch Bender entrissen zu sehen, erfüllte ihn gegen diesen mit Haß und Rachegedanken, die sich noch steigerten, als Papa Laurenz achselzuckend erklärte, er habe gar keinen Grund an seinem Nachbar etwas auszusetzen und schließ­lich liege die Entscheidung in seiner Tochter Hand. Dumpf brütend zog sich Lindenberg zurück, erneuerte Versuche, sich Hedwig zu nähern, warm gescheitert und grollend hielt er stch sür'S Erste fast ganz von der Familie fern. Aber in stinem Herzen loderte und kochte es fett; Tag und Nacht

ziehungen zu pflegen. — In der allgemeinen politischen Lage ist nichts geändert.

Pera, 18. Jan. Es bestätigt stch, daß die Vertreter Englands, Oesterreichs, Deutschlands, Italiens und auch Rußlands, wenn ste abreisen — eine Absicht, die im Falle der Ablehnung der letzten Vorschläge unerschütterlich er­scheint — ihre Geschäftsträger zuiücklassen werden. Eng- lischerseitS glaubt man daraus, daß auch Rußland demnach die diplomatischen Beziehungen nicht abbrechen werde, schließen zu dürfen, daß eS nicht zum Kriege kommen würde.

Paris, 18. Jan. Privatdepeschen aus Konstantinopel deuten an, daß die Türkei wohl in der Frage der Provin­zialgouverneure [?], nicht aber in der UeberwachungSkom- misston nachgeben wird, daß aber die Abreise der Bot­schafter immer noch wahrscheinlich ist.

Wien, 18. Jan. DaS „Telegr. Correspondmz-Burean" meldet auS Konstantinopel, 17. Jan., AbendS: Die Si­tuation ist unverändert, man glaubt, der morgen stattfin- embe »Große Rath" werde die bekannten zwei Punte ab-

von seiner Hand verübtes Verbrechen nicht glaube, was ja überdem nicht erwiesen sei, aber, so sehr ihr Herz auch darunter lebe, ein weiterer gegenseitiger Verkehr sei nicht mellr möglich und ste flehe nur zu Gott, daß derselbe diese dunkle Geschichte einst zu seiner Rechtsertignng aufklären möge. —

Lindenberg erhielt aber auch ein Schreiben von dem alten Laurenz, in welchem er ersucht wurde, das Haus einer in tiefe Trauer versetzten Famttie nicht »ehr zu be­treten. — (Forts, folgt.)

Pariser Blätter wollen erführen haben, die italienische Regierung hätte die Erhebung der Regentschaft Tunis zu einem Fürstenthum von ähnlich.unabhängiger Stellung, wie Rumänien, angeregt.

Zur Orientfrage stnd folgende Telegramme eingetroffen: Konstantinopel, 17. Jan. Die vom „Daily Te­legraph" gebrachte Mittheilung, daß die Türkei die Vor schlüge der Mächte annehme und der Sultan stch in dieser Richtung gegen den Marquis v. Salisbury geäußert habe, wird als unrichtig bezeichnet. Die Beschlüffe des hohen Raths der Pforte stehen noch auö; die regierenden Staats­männer äußern sich wie bisher im ablehnenden Slime. — Die Regierung will den Betrag von 7 Milliorien Pfd. Sterl. Papiergeld, deren Emission jüngst angeordnet war, nicht in Umlauf setzen, zur Zeit vielmehr die bereits circu lirenden 3 Millionen Papiergeld nur um 1 oder 2 Mil­lionen vermehren. — Zwischen Serbien und der Türkei ist eine Uebereinkunst wegen gegenseitiger Auslieferung ihrer Kriegsgefangenen abgeschloffen worden. — Der Sultan hat den persischen Gesandten empfangen und dabei ausgesprochen, daß eS seine Absicht fei, mit Persien die freundlichsten Be

Die Berliner Börsenzeitunz bemerkt zu der EtatSrede des Herrn Finanzministers u. a.: Der farbige Ton frü­herer EtatSexpossS habe einem düsteren Grau Platz gemacht. Das ganze Jahr hindurch, meinte der Finanzminister, hat rin schwerer Druck auf Handel und Industrie gelastet. Zuerst hat ein gewaltiger Orkan die Forsten verwüstet, sodann traten große Uebersa-wemmungen ein und endlich wurden die Dämme der Nogat - Niederung durchbrochen. Der Herr Finanzminister hätte diese UnglückSsälle mehr generalistren sollen. Nicht bloß die Forsten, sondern das gesammte Land, Wald und Feld, Hütte und HauS, stnd von einem gewaltigen Orkan durchschüitelt worden, der vom Osten bis zum Westen und vom Süden bis zum Norden die preußischen Fluren durchzogen hat und nicht nur einzelne Provinzen, sondern das ganze Land hat in Folge der Ueberschwemmung mit fremden Fabrikaten schwer leiden müssen und endlich sind nicht nur Dämme der Nogat- Niederung, sondern die gesammten Dämme, welche bisher daS Bürgerthum und den bürgerlichen Staat schützend um« geben hatten, in Folge der siegreichen Agitation der Sozial­demokratie nicht unerheblich beschädigt worden."

Befriedigt spricht sich dagegen die Nattonalzeitnug über ’ die EtatSrede aus. Ueberrascht werden könnl man nicht

Die Stäche einer Fra«.

Erzählung von Karl von Kessel.

(Fortsetzung.)

durch den urkundlichen Nachweis, daß die wohlgeordnete Finanzlage Preußens keinen Stoß in Folge der schl mmen Zeiten erlitten habe. „Dennoch empfinden wir Alle ein wohlberechtigtes Gefühl der Befriedigung bei der Kcnntniß« nähme von Mittheilungcn, wie sie gestern der preußische Finanzminister im «bgeorduetenhause bei der Vorlegung des Budgets für das neue Etatsjahr machte. Denn wir ent­nehmen daraus eine Bestätigung unserer von pessimistischer Färbung freien Auffaffuug über die wirthschaftliche Lage des Landes, sowie einen starken Anhalt für die Hoffnung auf eine zunehmende Gesundung des durch die überstandene Krisis allerdings noch erheblich geschwächten Organismus."

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Lagerdaricht.

In Folge des Ablebens der Frau Prinzessin Carl ist die Feier des KrönungS- und OrdenSfesteS vorläufig bis zum 28. Januar aufgeschoben.

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Deutsches Reich.

Berlin, 18. Jan. Die „Post" ist heute mit Trauer- rand erschienen unv bringt an ihrer Spitze folgenden Nach­ruf : Ein schmerzliches Ereigniß hat die Kaiserliche Familie mit tiefer Trauer erfüllt, die von dem ganzen Lande mit aufrichtigem und warmem Mitgefühl getheilt wird. Heute Morgen um 7 Uhr 50 Minuten, am 18. Januar dem sonst mit so freudigen Geiühlen begangenen Jahrestage des Preußischen Königthums und des Deutschen Kaiser­reichs, den heute Morgen die auf dem Kriegsministerium wehenden Fahnen begrüßten, ist ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin Karl in Gegenwart Ihrer Majestät der Kaiserin, der Prinzen und Prinzessinnen, sowie aller hier anwesenden hohen Verwandten sanft entschlafen. Die Hoff­nungen auf eine günstigere Wendung der Krankheit, denen man sich eine Zeit lang glaubte hingeben zu dürfen, haben stch nicht erfüllt. Nach einet kurzen scheinbaren Besserung trat bald eine Steigerung der schmerzhaften Symptome ein, welche die trübsten Besorgniffe über den Verlauf der Krankheit rechtfertigten. Die verewigte Prinzessin, Marie Luise Alexandrine, die älteste Tochter des im Jahre 1853 verstorbenen Großherzogs Carl Friedrich, von Sachsen- Weimar und der Großherzogin Marie Paulowna, der Tochter des Kaisers Paul von Rußland, die Enkelin des unvergeßlichen Karl August, war geboren am 3. Februar 1808, vermählt seit dem 27. Mai 1827 mit Sr. König!. Hoheit dem Prinzen Kari von Preußen. Geboren und heranwachsend in Umgebungen, welche der zur höchsten Blüthe entfaltete Genius der Deutschen Dichtkunst, sür alle Zeiten geweiht und mit dem Scheine eines unvergänglichen Glanzes umwoben-, hat die Hohe Frau die Eriunerungen und Eindrücke der Jugend durch ihre ganze Lebenszeit fest gehalten und in der Pflege alles Guten und Schönen ihren 'eblen weiblichen Sinn bethätigt.. Ein reiches und McklicheS Loos ward ihr zu Theil in der neuen Heimath, in welche ste an der Seite des geliebten ritterlichen Ge­mahls eintrat. Ein enges Band gegenseitiger Verehrung und herzlicher Zuneigung umschloß den fürstlichen Familien­kreis, dem ste fortan angehörte, und in dem sie balv auch d e jüngere Schwester begrüßte. Fast 50 Jahre nahm sie empfänglichen Sinnes Theil an Allem, was daS Herrscher­haus, was daS Land berührte. Die Tage der Erhebung, in denen die Kraft des preußischen Staates eine neue Ordnung der Dinge anbahnte, gewährte dem vaterländischen

ES beruht wohl auf keiner bloßen Annahme, wenn die Behauptung aufstellen, daß Fälle bestehen, wo stch enge harmonische geistige Uebereinstimmung zweier Ge- müther gleich beim ersten Zusammentreffen zu erkennen gibt. Hedwig hatte bisher ein stilles harmloses Leben geführt und war durch Nichts beunruhigt worden. In der Um

„Arme Hevwig I" seufzte der alte Mann, nachdem et den Brief mit zitternder Hand gelesen hatte, „arme Hed­wig, das ist ein schwerer Schlag für Dich und Gort möge Dir Kraft geben, denselben zu ertragen I —"

„Nun, ich gehöre nicht zu den Unversönlichen", warf Lindenberg ein, „ein junges Mädchen kann stch täuschen und was geschehen ist, bin ich. zu vergessen bereit. —"

„Fm's Erste dank ich Ihnen für ihre Mittheilungen," bemeekte Laurenz kalt, „meine weiteren Entschließungen be­halte ich mir vor", und damit verbeugte et sich und verließ das Zimmer, es dem Ankläger überlaffend, den Rückzug ebenfalls verblüfft anzutreten.

Das Erste waS er that war, daß er seine Frau in das Geheimniß zog und diese bat, die Tochter so schonend

und Klotz zu stimmen. Einverstanden!" Nun hat daö Bild der Berliner Wahlen erst seinen naturgemäßen Ab­schluß gefunden. Wann wird wohl in den Parlaments- Häusern diese Verbrüderung stch bemerklich zu machen be­sinnen? Dauernd wird ste auch da nicht auSbleiben können.

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sann er darüber nach, ob dem Fremden denn durch gar Nichts beizukommen sei.

Wochen waren hierüber vergangen, als et eines TageS mit leuchtenden Augen vor dem alten Laurenz erschien und triumphirend ein amtliches Schreiben hervorzog. „Nun, jetzt werden Sie wohl von Ihrem Wahne geheilt werden, wenn Sie sehen, was für eine Natter Sie an Ihrem Busen genährt haben," tief er höhnisch. —

Laurenz horchte hoch auf. „Wie meinen Sie das?" fragte er gespann. —

„Nun dieser Fremde, dieser hergelaufene Mensch — ich habe ihm nie recht getraut — und jetzt steht eS hier schwarz auf weiß, daß er eines Mordes beschuldigt ist, wegen deffen er sich nicht zu reinigen vermocht hat? —"

„Wie, Bender wäre eines Mordes beschuldigt?" preßte der Alte heraus — „unmöglich! ich kann und will an eine solche Beschuldigung nicht eher glauben, bis ich die

Beweise dafür Habel"

„Nun hier sind dieselben," warf Lindenberg ein. „Lesen

Sie das Schreiben des Bürgermeisters von Wolfenburg, sehr vielleicht auch der Schein gegen ihn sprechen möge, es ist eine Erwiderung auf eine amtliche Anfrage von mir I Diese Zeilen überschickte er dem alten Laurenz und bat ihn, und an der Wahrheit desselben also nicht zu zweifeln.—"l dieselben als ein letztes Zeichen des Wohlwollens seiner

Anzeige« nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie dre Annoncen-Bureanr von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger*sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 31. Stete» ♦ menet in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Sri&eint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllufttirteS Loutttagdblatt" durch die örpedrtto» (Kochfche Buchdruckerei) bergen 21 Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf«. (e$L Bestellgebühr). — JnferttonSgebühr für die gespaltene Zecke 10 Pf«.

• Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pk». berechnet.

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»2,40 b.

onbern für die Kandidaten der FortschtittSpartti Hirsch lehnen. Wenn die türkischen Bevollmächtigten am Sonn- ~ ' abend eine negative Antwort ertheilen, reisen die Botschafter

Inzergen nimmt entgegen:

Expedition d. Blatte», ,omie die Annoncen-Bureaux »on A. Dietrich & Co. in ««fiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; i-masmstein & Vogler in Lmthrrt a- M, Berlin, Leip» Söln ic; Rudolf Moffe tflyertin, Frankfurt a. M. rc.

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Für die Berliner Stichwahlen ptoklamirt die „Ger- , wanta" die Erwählten der Fortschrittspartei als ihre Kan didaten. Sie schreibt: „Wie wir hören, gedenken viele von Denen, welche am 10. Januar dem Freiherr« von Schorlemer oder Herrn Bierberg die Stimme gegeben haben, bei der für den 26. d. in Aussicht genommenen engeren I Wahl nicht für den RegietungSkandidaten v. Forckenbeck,^