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Marburg, Donnerstag, 18. Januar 1877.
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I Kaffe! 1877.
Die „Corr. Slefani" schreibt: „Vor einigen Tagen haben wir die Nachricht gegeben, daß unter den von Kardinal Antonelli hinterlaßenen Papieren einige Briefe des Grafen Cavour gefunden worden sind. Die „Unita Cat- tclica“ versuchte, dieser Notiz jede Wichtigkeit abzusprechen und schrieb, daß die Existenz eines Briefwechsels der beiden Staate. änr.er mitcinancer notorisch war und reproduzirte
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gehen uns über die Präsidentenwahl im Abgeordnetenhause folgende Bemerkungen zu: Der so völlig unerwartete Ver lauf der Präsidentenwahlen im Abgeordnetenhause iß zu bezeichnend, als daß man darüber so schnell hinwegsehen könnte. Bennigsen, Klotz, Bethusy: wer hätte vor wenigen Tagen es noch gewagt, der öffentlichen Meinung die Behauptung zu bieten, daß diese drei Herren die erkorenen Präsidenten des Hausts sein würden? Man würde Jeden der dieses Wagntß unternommen, billig gefragt haben, ob er die Zeitungen der letzten vier Wochen nicht gelesen oder auch sonst Nichts von vem heftigen Kampfe zwischen Fort schltttlern und Nationalliberalen gehört habe. Und doch ist eö heute unumstößliche Wahrheit, daß Nationalliberale und Fortschrittler sich rcumüthig an die Brust gesunken und das große Bersöhnungsopfer dadurch gefeiert haben, daß HLnel durch Beschluß seiner eigenen Fraktion geopfert und Klotz auf den Stuhl des ersten Vicepräsidenten erhoben ist. Was wird das Land zu diesem Schauspiel sagen? Wo hat das Kompromiß über die Justizgesetze nun noch einen Schein innerer Wahrheit? War es wirklich die innere Ueberzeugung der nationalliberalen Partei, als sie für die Justizgesetze schließlich stimmte, oder hatte die Fortschrittspartei Recht, als sie den Nationalliberalen hohnlachend entgegenries, sie übten einen Verrath an den ersten Grundsätzen des Liberalismus, wenn sie dem Kompromiffe zustimmten? Das Land wird entscheiden. Die Wahlkomödte ist vorüber. Die Wahl von Klotz zum ersten Vicepräst. deuten ist die Quittung der Nationalliberalen für diejenigen gemäßigt konservativen Wähler, welche den fortschrittlichen Ring der Hauptstadt durch die Unterstützung der Wahl des Herrn v. Forckenbeck zu zerbrechen die Hand geboten haben. Und was glaubt die nationalliberale Partei dadurch erreicht zu haben, daß sie aus den Reihen der erklärten Gegner jder Regierung sich den ersten Vicepräst- denten erwählte? Glaubt sie damit ihre Stellung zur Regierung und überhaupt ihre Regierungsfähigkeit bewiesen zu haben? Das Gegentheil liegt vor Aller Augen. Die conservative Partei kann u it diesem Resultate zufrieden sein. Man wtrd sich in gewißen Kreisen über die Zuverlässigkeit der Nationalliberalen keiner Täuschung mehr hin- geben dürfen.
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„Weil Sie ein vollständig ruinirter Mensch sind und Ihr Rus tief untergraben ist. Aber es gibt noch einen anderen Weg der Verständigung zwischen unö. Ich weiß, daß Sie sich hier in der Gegend nicht mehr werden lange halten können, denn die Schulden wachsen Ihnen über den Kops und in einer solchen Lage braucht man Geld."
„Ja, Geld ist eine schöne Sache,* warf Egert in einer Weise hin, die eben für fein Ehrgefühl kein besonderes Zeugniß ablegte.
„Nun, es kommt mir auf ein paar hundert Thaler nicht an, denn ich will mich an Demjenigen gründlich rächen, welcher mich in so unverschämter Weise beleidigt hat. —*
„Und ich soll Ihnen dabei als Werkzeug dienen? —*
„Allerdings* —
„Für welchen Preis? —*
„Bestimmen Sie denselben. —*
„Nun, ich denke fünfhundert Thaler ist nicht zu viel,* grinzte der Baumeister mit der Miene eines gewiffenlosen Schurken. „Es feil* erwiderte die Müllerin, „aber Sie verkaufen sitz mir dann auch bedingungslos.* —
„Meinetwegen 1 Meine Zukunstspläne stört dies nicht.*
Eine Stunde später verließ Egert dte Villa. Was zwischen ihm und der Besitzerin derselben verabredet worden war, wird den Lesern im weiteren Verlauf dieser Erzählung klar werden.
Inzwischen nahte der Tag heran, wo sich Bender über die Ausführung seiner Welte im „grünen Tannenbaum* legitimiren und die Beweise dafür beibtingen sollte. Sorglos und leichtsinnig wie er war, hatte er die anfänglichen Gewiffensscrupel über seine Handlungsweise längst durch die Annahme niedergekämpft, die Wittwe werde ja niemals über den Hergang der Sache etwas erfahren und überdem fei ja der Raub einer Locke nichts Schlimmes. Zur Rechtfertigung der Müllerin wollte er hinzusetzen, daß bet dem ganzen Abenteuer deren Ehre unverletzt geblieben wäre. —
Der Förster machte ein ernstes Gesicht, und sagte, er hoffe, daß der im Rausche verabredete Scherz nicht zur Ausführung gekommen sei, der Baumeister und der Forst- kandidat aber lachten hell auf und meinten, dann müßten sie die Sache allerdings als eine Prahlerei sonder Gleichen erklären und eine solche Blamage möchten sie nicht auf sich nehmen. —
Hierdurch herauSgefordert blickte Bender triumphirend im Kreise umher, seine Eitelkeit konnte solche Worte nicht ertragen und indem er mit einem Lächeln der lleberlegen- heil einen sorgsam eingewickelten Gegenstand hervorzog, rief er:
„Geduld meine Herren, ich denke, bevor Sie solche Amßerungen thun, müßen Sie doch erst abwarten, in welcher Weise ich mich zu legitimiren vermag l Also die Müllerin in Ehren — und darum bitte ich sehr — aber hier diese Gegenstände ... nun ich meine, ich habe die Wette gewonnen und der Champagner wird wohl nun auf Ihre Kosten getrunken werden. — *
Mit diesen Worten breitete er die Locke und das Strumpfband vor den überraschten Blicken°seiner Bekannten aus und lehnte sich dann mit dem Ausoruck befriedigter Eitelkeit und einem triumphireudeu Lächeln in seinen Stuhl zurück.
Der Forstkandidat war ganz verblüfft. „Träume oder wache ich*, rief er, „wie haben Sie dieses Wunder fertig bekommen? —"
„Ja, wie habe ich das fertig bekommen*, prahlte Bender, „Sie werden doch am Ende nicht verlangen, daß ich den über diese delikate Angelegenheit ausgebreiteten Schleier in profaner Weife lüften foll? —*
„Sie sind ja ein wahrer Don Juan*, warf der Baumeister ein, „ich hielt wirklich Frau Riehle bisher für eine Vestalin. —*
„Na, das kann sie ja auch fein*, erwiderte unser Bekannter. „für ihre Ehre trete ich ein. —*
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Dir Rache einet Frau.
Erzählung von Karl von Kessel.
(Fortsetzung.)
Einige Tage später sand sich der Baumeister bei ihr zum Besuch ein. Er verbeugte sich noch einmal so geschmeidig wie sonst und versuchte seinem Gesicht einen möglichst gefälligen Ausdruck zu geben.
Die Müllerin empfing ihn kalt, aber Egert ließ sich dadurch nicht irre machen.
„Alles steht Ihnen schön,* begann er verbindlich, „selbst dieser Ausdruck des Verdrußes, welcher heute unverkennbar aus Ihrem Gesicht herauszulesen ist. —"
„Was Sie für eine feine Beobachtungsgabe besitzen,* entgegnete Anna frostig.
„Alle« interefstrt mich an Ihnen. Aber, mein Gott,* fahr er heraus, „da fehlt ja eine Ihrer schönen Locken!" Unsere Bekannte sah den Sprecher fcharf an. „Allerdings fehlt eine,* bemerkte sie zwar ruhig aber stark betont, „und ich sage eS Ihnen auf ben Kopf zu, Sie wißen in Betreff dieser Angelegenheit mehr, als Sie mir glauben machen vollen. —*
„Nun, und wenn ich nun hierher gekommen wäre, um ähuen den Namen deßen zu nennen, welcher dieses schändliche Attentat gegen Sie vollbracht hat? —*
Die.Wittwe fuhr empor: „Kein Preis wäre mir dafür in hoch.* —
„Run,* sagte der Baumeister, indem et eine schmachtende Miene annahm, „Sie wißen ja, wie sehr ich Sie derehre, welche Gefühle Sie mir eingeflößt haben.
Frau Anna zog die Stirn kraus. „Verfallen Sie nicht In Albernheiten,* bemerkte sie mit fast zurückstoßender Strenge, „zwischen Ihnen und mit besteht eine Kluft, Idelche Sie so gut wie ich kennen * —
„Aber wie so?" stieß Egert stotternd heraus.
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Lagesbertcht.
Nm vergangenen Dienstag hat, der „Nat.-Ztg." zu- solge, tut Reichskanzleramt eine Berathnng von Beamten letzteren und Mitgliedern des Reichögesundhei,SamteS Statt gefunden, in welcher eine wesentliche Umgestaltung projectirten Entwurfs eines Leichenschaugesetzes vorge-
gemmtn wurde. Das Schema für die Leichenschau wird wahrscheinlich ans dem Gesetze fortfallen und der Ver- ealtnng überlaßen werden. Die näheren Fortsetzungen find indeßen noch weiterer Erwägung Vorbehalten.
Wie die „Wes. Ztg.* hört, wird die Generalversamm- lieg der Delegieren der deutschen Eisenbahnverwaltung am 29, d. zusammentreten, um sich über die Abänderungen des ,uf der Dresdener Konferenz im August v. I vereinbarten LarissystemS schlüssig zu machen, von welchen der Bundesrath die Einführung diS Systems auf den deutschen Bahnen abhängig gemacht hat. Die wichtigsten Abänderungen sind die Beschränkung der Spezialtarife auf 3 (anstatt 4) und der Verzicht auf die Maximaltarifsätze, an Stelle deren die Regierungen die Höhe der Gütertarife, möglichst unter Beseitigung der provisorischen Frachtznschläge, endgültig feststellen sollen.
In einer Besprechung de» Ergebnisses der Reichstags wählen bezeichnet die Nationalzeitung als charakterlstisch zwei in den Vordergrund tretende Erfahrungen, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. Die Zahlen- BerhLltniße der für die Kandidaten der verschiedenen Parteien abgegebenen Stimmen weisen auf eine Verschiebung bet in bet Bevölkerung herischenben Tendenz nach links. Namentlich die Sozialbernokratie hat nicht blos absolut, jonbern unter Berücksichtigung bet int Allgemeinen erheblich stärkeren Wahlbetheilignug auch relativ eine wesentlich größere Zahl von Wählern gestellt, als vor btei Jahren Dagegen ergebe die Summe der Reichstagsmandate int Großen und Ganzen eine Vermehrung der Konservativen, hauptsächlich auf Kosten der Fortschrittspartei, die ihrerseits mit einer gerade entgegengesetzten Erwartung in die Wahlbewegung eingetreten war. Der hierin begründete scheinbare Widerspruch erkläre sich durch die Verschiedenheit in der Größe der Wahlkreise und in der stattgehabten Wahlbetheiligung. ES wurde hierdurch möglich, konserva live Kandidaten mit einer absolut viel geringeren Stimmen- zahl durchzubrtngen, als die Sozialdemokraten zu ihren Siegen bedurften.
Von befreundeter Seite, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.",
ition Co.
als BeweitS einige bereits vor mehreren Jahren veröffentlichte Briefe. Nachdem wir neulich weitere Erkundigungen eingezogen haben, können wir versichern, daß die unter den Briefschaften des Kardinals aufgefunbenen nicht bie bereits veröffentlichten finb. Die Briefe beS Grafen Cavour an den Kardinal beziehen sich auf ein von italienischen Ministern ausgehendes Projekt, die Beziehungen des Staates zur Kirche zu regeln und enthalten unter anderen Vorschlägen auch den, dem heiligen Stuhl ein festzusetzendes Territorium zu laßen. Diese Briefe sind durchaus privat. Im Vatikan ist man sehr neugierig zu erfahren, was der Kardinal geantwortet hat, aber bis jetzt hat man nicht die Konzepte der betreffenden Antworten gefunden.
Die Pariser „Correspondance de la preße conservatrice* (Corr. Mansard) gehört zu den bonapartistischen Organen, welche eS wagen, gegen die Weltausstellung von 1878 offen Front zu machen. Heute bringt dieselbe einen bemerkenS- werthen Artikel, der für die deutschen Industriellen lehrreich sein dürfte, welche sich mit der Haltung der deutschen Reichsregierung in dieser Angelegenheit nicht befreunden wollen. Die Korrespondenz beschäftigt sich zunächst mit der offiziösen Note, welche die Meldung der „Köln. Ztg.", daß Schweden die Betheiligung bei der Weltausstellung abgelehnt habe, für vollständig unrichtig erklärt. Zwischen den Zeilen der gouoernementalen Prosa sei zu lesen, daß Schweden feine Betheiligung nicht angekündigt habe und es sei daher nicht anzunehmen, daß es sich beteiligen werde. Oesterreich, welches sich seiner eigenen Ausstellung erinnere, habe auch gar keine Lust, sein Geld auf dem MarSselde ohne Nutzen auszugeben. Rußland aber habe andere Dinge iM Kopf; der Mangel an Geld lege ihm in der orientalischen Frage Zurückhaltung auf. In Betreff der Türkei habe ein republikanisches Blatt gemeldet, daß dieselbe beschloßen habe, an der Ausstellung theilzunehmen, wenn sie nicht durch den Ausbruch eines Krieges daran verhindert werde. Da aber der Krieg unvermeidlich fei, fo würden wohl die Produkte der Türkei nicht auf der Ausstellung figuriren. Es blieben also nur 7 europäische Staaten übrig: England, Belgien, Holland, Italien, Griechenland, Spanien und Portugal. Selbst Frankreich jcheine — nach einer offiziösen Reklame betr. die Verlängerung des Anmelde- TerminS zu schließen — keine rechte Begeisterung für das internationale Tournier zu zeigen. Das sei traurig für die französische Republik, mais c’est comme <;a! — Das Projekt, welches entworfen wurde, um Deutschland auf dem Gebiete der Industrie zu demüthigen, scheint demnach gänzlich in eine Demüthigung Frankreichs umschlagen zu wollen.
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