xii. Zahrgaig.
Jltarßurg, Mittwoch, 17. Januar 1877.
urdt,
Obcrhc^isihk Jritung
zu vkr
uo.
iatb.
Da seht Euch die Deutschen an, die wollen
u
auch betrügen, sind aber zu dumm dazu!
icaS.
V
V
anke.—
it 187?
lss- 28i m Hach zu vn-
Man schreibt der „Pol. Corr." auS Kischeneff: Das aus ausländischen Blättern hierher gedrungene Gerücht, daß der Czar einem deutschen General das Oberkommando der Armee angeboten habe, ist sofort als unglaublich bezeichnet worden. Dagegen verlautet allerdings, daß ein
tSaße!
1877.
Der „Weser-Zeitung" wird auS Kopenhagen telegra- phtrt, daß nicht nur die Betheiligung Schwedens an der Pariser Weltausstellung, sondern auch die Dänemarks zweifelhaft geworden sei.
der unsere Nationalehre aufS Tiefste gekränkt hat. Das wird, welcher den eventuellen Operationen der Armee fol- türkische Pfund hat nämlich verschiedene Course, nach dem gen würde.
g, häft.
iunblidjt eit am
[84
86.41- , 95,6| s
venia,
1. M°j
14}
63
98
247
86
110
46
133
96
Gestern (Montag) sollte in Konstantinopel von den Bevollmächtigten Europas mit Entschiedenheit von der Pforte eine Antwort gefordert werden; für die Antwort selbst scheint man ihr noch eine Frist von drei Tagen lassen zu wollen. Die Konferenzdelegirten haben in der der Pforte vorgelegten Prcposition schon wieder einige Korcessiomn gemacht, aber auch für die Annahme der auf diese Weise sehr gemilderten Vorschläge scheint keine Aussicht vorhan» den zu sein. Mit einem Ultimatum soll die Konferenz nicht schließen, die Konferenz wird einfach, wenn sich ihre Bemühungen als resultatlos erweisen, auseinandergehen.
n-chte,1
wd Sa., fr. 13 prvmy
einen ist eS gleich 100 Piaster Silber, nach dem anderen 144 Piaster Kupfer. Die Zahlmeister haben nun bei, Bezahlung der Lieferungen dem Staate jedes Pfund zu 100 Piaster Kupfer angerechnet, d. h. sie haben von je 6 Talern die sie aus der Kaste genommen, 2 Thaler in ihre Tasche gesteckt. DaS macht monatlich für jeden die Kleinigkeit von 1500 Thlr. Die Geschichte wurde ruchbar und die beiden Betrüger wurden beigesteckt. DaS hat ein heilloses Aufsehen erregt. Die Levantiner triumphiren
Wenn auch die Berichte der ausländischen Preste über eine angebliche Schwenkung der deutschen Orientpolitik das Richtige nicht zu treffen scheinen, so «st es doch unzweifelhaft, daß in all den Gerüchten, welche in der letzten Zeit aufgetaucht sind, ein wenn auch noch so kleines Körnchen Wahrheit steckt. Die Entsendung des LegationSrath S Dr. Busch nach Konstantinopel scheint auf irgend einen Vorgang hinzudeuten, dec noch der Erklärung bedürftig ist. Die Nachricht von der Abberufung des deutschen Botschafters, Freiherrn von Weither, welche der „Reichsanzeiger" kürzlich dementirte, war die oberflächlichste Deutung jenes Vorganges, die a priori wenig glaubwürdig erschien. Die in London zur Zett herrschende Aufregung, welche hier zu Lande schwer verständlich sein muß, linnen wir nur als einen Nachhall jener Panik betrachten, welche in der vorigen Woche Paris in Nervosität versetzte. Thatsächlich hat zu dem ganzen Treiben eine Pariser Depesche der „Times" Anlaß gegeben. Wenn indeß ein hochangesehenes Blatt folgert: „Wir haben schon so oft aus Paris, insbesondere auS der „Agence HavaS" tendenziöse Depeschen in die Well gehen gesehen, daß eS uns nitt sehr wundern würde, wenn hier wiederum einer dieser listig angesponnenen Versuche vorläge, Deutschland auS seiner reservirten diplomatischen Haltung herauSzulocken oder herauszudrängen," so können wir dem nicht beistimmen. Eher möchte in diesem Fall anzunehmen sein, daß man Lärm schlagen will, um irgend einem diplomatischen Schachzuge des Fürsten Bismarck ent gegenzuwtrkcn.
Die „Abreise" deS englischen Botschafters Sir Elliot von Konstantinrpel ist nach Londoner Informationen vertagt. Der Einfluß dieses Diplomaten hat sich in den beiden letzten Sitzungen der Konferenz sehr bemerkbar gemacht und eS ist zum großen Theile seiner Initiative zuzuschreiben, wenn noch einige Chancen für eine friedliche Lösung der $era?<cMungrn geblieben sind. Sir Elliot scheint demnach die Fühlung mit dem Londoner Cabinet wiedergewonnen zu haben.
Da lag die schöne Frau und athmeie schwer und unter ihrer Nachthaube quollen die vollen Locken hervor. Bender blieb einen Augenblick voll Ueberrafchung stehen und betrachtete dies Bild mit Entzücken, aber eine Bewegung, welche die Schlafende mit dem Arm machte, erinnerte ihn daran, daß für ihn jeder Augenblick gezählt sei und leise trat er daher vor und schnitt entschlosten eine der dunklen Locken mit einer Scheere, die er zu diesem Zweck bei sich führte, ab. Dann sah er sich scheu um, denn er suchte noch einen anderen Gegenstand.
Ein zierliches Strumpfband lag auf einem n ben dem Bett stehenden Stuhl, dieses ergreift Cr jetzt und dann schlich er flüchtig, wie ein Dieb, zur Thüre hinaus.
Die That war allerdings gelungen und die Gcwiffcns- biffe, welche sich regten, kämpfte der eitele und leichtsinnige Mann im Gefühl eines vermeinten Triumphes bald nieder.
„Nie irird sie davon etwas erfahren," so suchte er sich zu beruhigen, „und selbst wenn ihr die Sacke zu Oyrcn kommt, liegt es zunächst in ihrem eigenen Interesse, darüber zu schweigen."
Aber er selbst vermochte nicht reinen Mund zu halten. Bei der nächsten Zusammenkunft mit dem Baumeister gab er durch Geberden und Mienen zu erkennen, daß et Etwas auf dem Herzen habe, mit dem er nur mühsam zurückhalte. Egert kannte seinen Gegner und w^ßte, welche Mittel man anwenden mußte, um ihn zum Sprechen zu bringen. Bei einem Glase Wein war aus dem sonst offenen und arglosen Benker Allee heraus zu bekommen, und ehe noch die dritte Flas .e geleert war, kannte er sämmtliche Einzelheit n diese- verwegenen AbentcuerS.
Hause«, hend i, Kamm« Zeitig y
le».
w;
)15
>6}
>31
)2
>44
>6
I4i
>24
174
16
15
IS
15
II
>7
natürlich: „
Die Stäche einer Fra«.
Erzählung von Karl von Kessel.
(Fortsetzung.)
Frau Riehle war eine anständige Frau, welche stets mit großer Strenge auf ihren guten Ruf gehalten hatte, er war von ihr immer mit Wohlwollen behandelt worden, endlich, welche Schwierigkeiten stellten sich der Ausführung einer so abenteuerlichen Wette entgegen l ... Zu verschiedenen Malen faßte er den Entschluß von derselben ganz abzustehen und das festgesetzte Reugeld zu zahlen, aber dann gewann wieder seine Eitelkeit die Oberherrschaft, ei e falsche Schaam, die Quelle mannichfacher Leiden bei vielen Menschen, machte sich auch bei ihm geltend, er vermochte den Gedanken nicht zu ertragen, von seinen Bekannten ausge- lacht und verspottet zu werben. Aber die Ausführung der Wette? . . . Oh, mit Geld läßt sich Manches durchsetzen und er wußte, daS Mädchen, welches die Müllerin eigene zu ihrer Bed enung bestimmt hatte, war hierfür sehr em« pfönglich, und wenn er ihr weis machte, daß cS sich nur um einen harmlosen Scherz handle und ihr dabei einen fünfundzwanzig Tbalerschein in die Hand drückte, so würde ste sich nicht weigern, ihm feinen Wünschen gemäß zu dienen. —
Ist einer finsteren Nacht schlich Edmund Bender durch den zur Mühle gehörenden kleinen Park und näherte sich behutsam der im Schatten der Bäume gelegenen Villa. Dott klopfte er leise an ein Fenster im Erdgeschoß und alsbald öffnete sich vorsichtig eine auf der Gartenseite gelegene Thüre.
micthen, - [102
ie zweit, 1. April [61
Lisette stand vor ihm und hielt eine kleine Lampe in ihren zitternden Händen. —
„Wie steht eS?" fragte unser Bekannter. —
„Die Frau schläft so fest, daß Kanonenschüsse sie nicht erwecken würden. Mein Gott, was habe ich gethanl . . Die Tropfen, welche ich derselben auf Ihr Geheiß ins Wasser schütten mußte, werben ihr doch nicht schaden. —
„Durchaus nicht, sie halten ihr nur die Äugen zu und bei dem Scherz, welchen ich vochabe, ist dies noth- wenbig." —
„Es ist also wirklich nur ein Scherz?" —
„Und zwar ein sehr harmloser. Gehen Sie voran und zeigen Sie mir den Weg "
„Oh", murmelte Lisette, „wenn eS hörauskämel" . . . ober trotzdem stieg sie leise die Treppe hinauf und unser Bekannter folgte.
„Hier", flüsterte daS Mädchen, und zeigte nach einer Thüre, welche, der Verabredung gemäß, nur angelehnt war. —
„Geben Sie die Lampe" sagte Bender, „und erwarten Sie mich auf dem Gange."
„Ach, welche Angst ich habe," stöhnte Lisette abermals, und that Wie ihr geheißen.
Auch dem jungen Manne klopfte das Herz gewaltig und flackernd bewegte sich daS Licht in seiner zitternden Hand.
Aber eS war keine Zeit zu verlieren. Wenn sie erwachen sollte, so lösche ich die Lampe auS, ehe sie zur Besinnung kommt, dachte er, und so faßte er Muth und trat tn daS halberleuchtete Schlafgemach.
e*
102
M
SS 971 Ä
LageSdericht
8- sind nunmehr die Ergebniffe von 380 Wahlen «im Reichstag, welcher inSgefammt 397 Abgeordnete zählt, befannt. Endgültig sind gewählt: 29 Konservative, 105 Rationalliberale, -28 Mitglieder der deutschen Reichspartei, 11 Polen, 19 Mitglieder der Fortschrittspartei, 95 Klerikale, 10 Soeialdemokraten, 6 elsässer Autonomisten, 3 der rlsäffer Prvtestpartei Angehörende, 8 keiner Fraktion An gehörende, unter Letzteren 4 Partikularisten. Bei den 66 engeren Wahlen, welche ersorderlich sind, kommen in Br Uacht: 48 Nationalliberale, 24 Soeialdemokraten, 15 Kon servative, 14 Mitglieder der Fortschrittspartei, 14 Klerikale, 9 Mitglieder bet beutschen ReichSpartei und 8 Partikula risten bezw. Polen.
Die „Tribüne" macht in Betreff bet bevorstehenben Stichwahlen für den Reichstag auf den Umstand aufmerk sam, daß, wenn die Zahl der gewählten sozialdemokratischen Vertreter sich bis auf sünfzihn erheben sollte, die Partei die ihr bis j tzt fehlende Möglichkeit erreicht hätte, selbstständig aufzutreten, d. h. bei jeder Gelegenheit und in jedem Stadium der Verhandlungen eigene Anträge an bad HauS zu richten, für die es nach der GeschSftSorbnung eben der Unterschrift von 15 Mitgliedern bedarf. Niemand würde sie alscann hindern können, ben Reick Stag ganz nach Belieben mit Anträgen zu überschwemmen, über deren jeden nothwendig die Diskussion eröffnet werben un selbst im günstigsten Falle mindestens ein sozialistischer Redner vom Hause angehört werben müßte. DaS Privilegium der parlamentarischen Tribüne, das dem Redner gestattet, waS das Vereinsrecht ihm versagt, würde zum Zweck immer weiterer Volksaufwiegelung bis zur letzten Faser ausgenutzt werden, und daS um so ungestümer, je mehr die letzten Wahlen dm Führern die Ueberzeugung verschafft, daß daS Eisen warm geworden. „Sobald die Anträge der Sozialdemokraten sich erst unter die Drucksachen des Reichstages mischen bfirfen, tritt unleugbar eine neue Phase der Bewegung ein, und zwar eine Phase, die bisher noch in der Geschichte keines konstitutionellen Staates — selbst in Frankreich nur zur Zeit der erklärten Kommuneherrschaft — eine Analogie besäße. Ist eS für das Deutsche Reich in der That so gleichgültig, der erste Staat zu sein, besten Volksvertretung die hirnverbrannten Doktrinen über den Umsturz unserer heutigen Gesellschaft, über die Abschaffung der Armee, des Erbrechts, der Ehe u. bgl. m. nicht nur in gelegentlicher Abwehr geißeln, sondern allen Ernstes auf die Tagesordnung seiner Satzungen setzen soll?" — Zur Beherzigung kann dieses den betreffenden Wählern nicht warm genug empfohlen werden.
Zu unsrrer gestrigen Notiz über Unterschlagungen auf dem Deutschen Geschwader vor Smyrna erhalten wir von
Reich.
— Berlin, 15 Jan. Noch der deutschen Reichsstatistik haben im Jahre 1875 170 Schiffe an deutschen Küsten Unfälle erlitten und zwar 70 an bet Ostseeküste unb 100 an der Nordse-käste. Von ben 152 zu speziellerer Kennt- niß gelangten Unfällen entfallen aus: Stranden 108 (7 ipCt ), Kentern 3 (2pCt) Sinken 13 (8,gpCt.), Kollisionen 18 (11 gpCt), andere Unfälle 10 (6 gpCr). Von 25 Schiffen ist die Zahl der BejatzungSmaanschoft nicht bekannt; auf den übrigen 145 Schiffen waren 1229 Personen an Bord, von denen 691 bei ben Unfällen außer Gefahr geblieben, 59 umS Leben gekommen und 479 aus der Lebensgefahr gerettet wölben sind. Gänzlich verloren gingen von ben Schiffen 78, theilweise Beschädigungen erlitten 54 Sckiffe, 24 blieben m-bes. ädigt und von 13 ist über den AuSgang beS Unfalls für das Schiff nichts bekannt geworden. Beladen waren 118 Schiffe, von den Ladung » derselben gingen 36 gänzlich verloren, 26 wurden zum Theil gerettet und 15 Ladungen wurden theilweise beschädigt obi$ verloren; in den übrigen Fällen blieben dieselben unbeschädigt oder wurden ganz gerettet. Unter den verunglückten Schiffen waren 137 Segelschiffe (davon 96 deutsch-) und 33 Dampsschiffe (davon 14 deutsche). Deutsche Schiffe verunglückten überhaupt zusammen 110, solche fremder Nationen 56 und von 4 Schiffen konnte die Flagge nicht ermittelt werden. Ihren Heimalhobäsen nach gehörten von den verunglückten deutschen Schiffen 8 der Provinz Preußen unb 22 Pommern an; 7 waren in Mecklenburg - Schwerin heimmhSberechtlgt, 1 in Lübeck, 8
OtfAeint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ARuftrirte» Lonntagtdlatt" durch die Expedition (Kochsche Buchdruckerei) bezogen Äh Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Wart 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
old- uni llder für
Bonn.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattet sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & 4o. in Frankfurt a. M.'Jäger sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
«nietgen nimmt entgegen: »ieErpedittvu b. Blatte», (»wie die Annoncen-Bureaux
Zch. Dietrich & Co. in ggftd und Hannover; Th. Djttrich in Frankfurt a- M-; S' stein & Bögler in rt a. M, Berlin, Leip- In ic; Rudolf Moste Berlin, Frankfurt a. Ak. re.
besreundeter Seite folgende directe Mittheilung: „Die Zahl
meister auf unfern Schiffen haben einen Betrug auögeübt, hochgestellter deutscher Militär im HauplquaÖier erwartet
rsch.
mit Ät;