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Marburg, Sonntag, 14. Januar 1877.

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eine goldene Brücke fände; im Ganzen haben weder die friedlichen noch kriegerischen Aussichten in der verflossenen Woche an Wahrscheinlichkeit gewonnen.

Reiches Hauptstadt Berlin geben wir nachstehend

Auszüge aus der reichshauptstädtischen Presse:

DaSBerliner Tageblatt" nimmt keinen Anstand zu bekennen, in Berlin haben die Sorialdemokraten

größten Theile des ConfercnzprogrammS gegenüber ableh nend, und fast möchte es scheinen, als suche sie absichtlich einen Zusammenstoß herbeizusühren; die Delegirten anderer­seits haben in wesentlichen Theilen ihres ursprünglichen Planes nachgegeben, doch sind nicht einmal die wenigst be­strittenen Punkte, die Grenzregelung für Serbien und Mon­tenegro und die Bildung eines einheimischen Gendarmerie« CoipS unter fremden Osfizieren, rückhaltslos von der Pforte angenommen worden. Midhat, der Vertreter der Unabhängigkeit des türkischen Reichs, hat mit starken Gegen­strömungen zu kämpfen, doch ist von seinem Rücktritt schon lange nicht mehr die Rede. Von Rußland wird vielfach

Vermögens eingesetzt hatte. Anna war jetzt achtundzranzig Jahre alt und wenn sich auch iyre Körpersormen etwas verändert hatten, so durfte doch ihre äußere Erscheinung noch immer als eine sehr ansprechende bezeichnet werden. In stolzer Ruhe lebte sie in ihrem Tusculum, Besuche em­pfangend unv diese bei befreundeten Familien erwidernd; kalt und überlegend, wie sie immer gewesen war und in der Kunst wohl bewandert, ihre innersten Gedanken geschickt zu verbergen.

Run lagen die Verhältnisse so, daß es in dem nahen Städtchen keineswegs an einem Kreise junger Männer mangelte, welche naturgemäß ihre Blicke verlangend auf die junge und reiche Wittwe richteten. Da war zunächst der Forstkandidat Wippern, der Kaufmann Setting, der Gutsbesitzer Bender und der Baumeistert Egert. Da diese zwei Letzteren in unserer Erzählung eine hervorragende Rotte spielen, so möge es gestattet sein, unS mit ihnen etwas näher zu beschäftigen.

Bender mochte etwa sechsundzwanzig Jahre zählen und befand sich im Besitz eines schuldenfreien Gutes, dcffen Werth n an immer auf dreißigtauseno Thaler veranschlagen konnte.

ES war ein schöner Mann mit breiter Brust und brei­ten Schultern, mit einem blonden Vollbart und ein paar großen blauen Augen, in welchen sich ganz unverkennbar Offenheit und Herzensgüte abspiegelt n. Er war auch der Liebling aller seiner Bekannten, aber er hatte zwei Fehler; seine aussprudelnde Natur gab sich oft durch Unüberl gt- heiten und Leichtsinn zu erkennen und befände >s dem weib­lichen Geschlecht gegenüber kam eS ihm gar nicht darauf an, sich häufig in unwahren Prahlereien zu ergehen.

Der Baumeister Egert war ein Mensch, welchen man mehr in den Wirthshäusern, wie bei seinem Geschäft an traf. Er führte einen unordentlichen Lebenswandel, das heißt, er verbrauchte viel mehr, wie er einnahm und stecke in Folge dessen tief in Schulden. Wo er zu seinen meist

gen Do« r.

Kayt! 877.

Politische Wochen - Ueberficht.

Unser Kaiser erfreut sich fortwährend des besten Wohl­befindens und hat gestern die erste Session des am 30. Oetob-r v. I neugewählten preußischen Landtags perjön lich eröffnet. Am Mittwoch haben in ganz Deutschland ple Reichstagswahlen Statt gesunden nach einer sehr leb­haften Wahlbewegung. Wenn schon hier und da mehr eine Verschiebung nach Links stattgefunden hat, so glauben wir, d,S Wahlergebniß für den Reichstag wird in der Haupt- fache dasselbe sein, wie daS Ecgebniß deS 30. October v. I. für das preußische Abgeordnetenhaus, nämlich die Bestätigung des ComprorniffeS vom Herbst 1867 und das Verbleiben des parlamentarischen Ausschlags bei den ge­müßigten Liberalen. Am Sonntag wird die amtliche Er­mittlung und Verkündigung deö Ergebnisses sür särnrnt- liche Wahlkreise erfolgen. In Baden haben Verhandlungen zwischen der Staatsregierung und der erzbischöflichen Curie zu Freiburg zu einer Verständigung geführt, welche es dem Großherzog möglich gemacht hat, den lückenhaft gewordenen katholischen OberstiftungSrath zu ergänzen.

In der habsburgischen Monarchie steht derAus- gleich" zwischen den beiden Reichshälften noch immer im Stadium der Verfahrenheit und Trostlosigkeit; aber wenn es wieder zurVerschiebung", von der in den letzten Tagen die Rede war, statt zur endlichen Austragung der Sache kommen sollte, so wird zumeist der Bankfrage, sodann aber auch der Berathung über den neuen österreichisch ungarischen Handelsvertrag mit Deutschland die Schuld beigemeffen. Am 6. d. Mts. fand übrig ns in Pest eine neue Berathung in der Ansgleichsfrage Statt.

Von Seiten des schweizerischen BundeSratheS sind Einladungen zur Beschickung einer zweiten internationalen Gotthard-Conferknz an die deutsche und die italienische Re­gierung kurz vor Neujahr abgegangen. Der Zusammen­tritt der Eonferenz sott Ende Januar oder Anfangs Februar erfolgen.

Die bei den jüngsten italienischen Parlaments­wahlen durchgesattenen Exminister ViSeonti-Venosta und S. Bon haben durch zwei Ergänzungswahlen nun doch einen

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bisher für unglaublich gehaltenen Triumph gefeiert. Fortschrittspartei und was mehr ist, die liberale Sache wurde in der deutschen Reichshauptstadt von eklatanter Nie-

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Zu dem social demokratischen Wahlresultat in des deutschen einige

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Siete» menet in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

«nuetgen nimmt entgegen:

Expedition d. Blatte», ujuie die Annoncen-Bureaux «m Th- Dietrich & Co. in aaflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; fiaafenftein & Vogler tn Öfurt a- M-, Berlin, Leip. £ Mn «; Rudolf Moste m Berlin, Frankfurt a. !1)L ic.

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Sitz auf Monte Citorio erhalten.

Am 9. Januar wurde in Versailles die ordentliche Session für 1877 ohne Botschaft und in der Deputieren lammet sogar föhne Anrede des Alterspräsidenten eröffnet und der frühere Präsident Grvvy wiedcrgewählt. Im Senate hielt Gauthier de Rumilly als Alterspräsident eine Rede über die Stellung beider Kammern zur Budgctsrage, die in einer Lobrede auf den Präsidenten der Republik und I behauptet ob mit Recht oder Unrecht, möge dahingestellt da» Cabinet Simon gipfelte; Audiffret - Par guter wurde s bleiben, daß sich gern zurückziehen würde, wenn eS

SrfAeint täglich außer den Wecktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlnstrirteS Lou«tag»tzlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 24 Warf, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Warf 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - JnsenionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

/ Für in der Expedition zu eckheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

Verlage betroffen. Die Ursache der Niederlage findet daS Blatt theils in der Persönlichkeit einiger der aufge­stellten fortschrittlichen Candidaten theilS in der Selbst­überhebung des Wahlkomiio's, welches den Nationalliberalen das Bündniß gekündigt hatte.

DieVolkszeitung" steht den Hauptgrund der Nieder­lage der Fortschrittspartei in ihrer auS Übergroßer Sieges­gewißheit hervorgegangenen Lässigkeit, nicht aber in ihrer entschiedenen Stellungnahme gegenüber dem Compromiß und den Nationalliberalen.

DieVossische Zeitung" sucht nach einer Entschul­digung der Niederlage und findet sie in derunglück­seligen Compromißwirthschaft", die den Parlamentarismus, wie ihn die Nationalliberalen und Fürst Bismarck verstehen, bei dem Volke so sehr discreditirt habe,daß es nicht Wunder nehmen kann, wenn jetzt ein großer Theil des­selben auch durch die eindringlichsten Mahnungen nicht be­wegt werden kann seinen öffentlichen Pflichten nachzukommen, und ein anderer Theil im Unmuth über langjähriges ver­gebliches Ringen seiner Vertreter nach einer freiheitlicheren Gestaltung unseres staatlichen Lebens den Werbungen der sozialistischen Partei nicht hat widerstehen können. Die gemäßigte Demokratie hat dort, wo sie ihre festeste Burg zu haben glaubte, am 10. Januar eine schwere Niederlage erlitten, aber die Regierung und die konservativen Parteien thun nicht gut daran, zu jubeln, daß in das stärkste Boll werk (!) gegen die Sozialdemokratie e ne Bresche gelegt ist."

Nach derKreuzzeitung" ist die Frage jetzt:Werden die Regierungen und die Parteien aus welche ste sich bis­her stützten, angesichts des geistigen Zustandes, der sich in solchen Wahlen kundgibt, aus dem Wege fortfahren, den Gesetzgebung und Verwaltung in Staat und Kirche in den letzten Jahren gegangen sind? Wird man noch ferner das allgemeine und gleiche Wahlrecht für das beste Wahlsystem erachten und die Gedanken, die ihm zu Grunde liegen, ganz unpraktischen Spekulationen Geld auftreiben konnte, that er es, ohne dabei mit Gewissenhaftigkeit zu Werke zu gehen, denn das Wiedergeben war ihm Nebensache, und eine Menge Wechsel befanden sich von ihm in Cirkulation, so daß er sich eigentlich immer am Rande des Bankerotts befand, ohne darüber eben viele Scrupel zu empfinden. Mit einem Wort, er galt als ein gewissenloser Manu, Dem jede moralische Unterlage fehlte, allein er besaß das Talent, sich durch ein dreistes Auftreten und durch ein großsprecherisches Heroordrängen ein gewisses Renommee erworben zu haben, und so behauptete er feinen Platz unter den jüngeren unverheiratheten männlichen Tonangeber Wol- lenberg's, welche über seine Privatverhältnisse hinwegsahen, so lange nicht etwas wirklich Unehrenhaftes gegen ihn vorlag.

Der Baumeister sowohl, wie Eduard Bender hatten Zutritt in dem Hause unserer Bekannten, so wie diese überhaupt Besuche empfing und es nicht ungern sah, wenn sich die heirathsfähigen jungen Herren zu dem Zweck um sie tummelten, ihr ihre Huldigungen darzubringen. ES war nicht in Abrede zu stellen, daß die achtuudzwanzig- jährige Witwe ihre Freiheit dazu benutzte, um durch ein Spiel ter Jutrigue ihre Bewerber in ewiger Bewegung zu halten, denn glaubte sich der Eine heute von ihr vorge­zogen, so stieß sie ihn morgen wieder kalt zurück,, daß er jede Illusion aufgeben mußte, Nur hier und da schien eS mitunter, als wenn sich in dem Herzen der jungen Frau etwas mehr als Gewöhnliches für den stattlichen, stet» heiteren und lebensfrohen Eduard Bender tege^ ihr Lächeln war ihm gegenüber wirklich mitunter aufmunternb und in ihrem Luge lag dann etwas, waS dieser kalten, sonst un- durchvringlichen Natur Leben und Ausdruck gab. Freilich versäumte der junge Gutsbesitzer auch nicht, auS solchen scheinbaren Begünstigungen nach seiner leichtfertigen Weise , im Kreise seiner Bekannten Kapital zu machen. So manche neckische Hindeutung beantwortete er durch ein geheimnitz»

I Die Rache einer Fran.

Erzählung von Karl von Kessel.

(Fortsetzung.)

Mit einer Geschicklichkeit, die mancher anderen Frau zu empfehlen wäre, wußte Anna schnell die schwachen Sei­ten ihres ManneS herauszufinden und da ste es an Auf­merksamkeiten und an einem liebevollen Benehmen gegen ihn nicht fehlen ließ, so machte ste sich ihm bald unent­behrlich und erlangte eine vollständige Herrschaft über ihn. Zuerst vermochte sie ihn dazu, sich in seiner Kleidung elegant zu halten und stets in feiner reiner Wäsche zu erscheinen. Dann ging ste einen Schritt weiter und wählte Personen, deren Bildung und'Lebensverhältnisse diese be­rechtigten, sich zu ben Honorationen der Umgegend zu zählen. Herr Riehle, Überall mit Zuvorkommenheit aus­genommen, fand daran Geschmack und die kluge Frau ver­stand eS trefflich, seinen Ehrgeiz, ihren Wünschen gemäß, anzuregen. Sie hielt ihm seinen Reichthum entgegen und bemerkte, daß, wenn man durch denselben die Mittel be fitze, fich eine hervorragende gesellschaftliche Stellung zu erwerben, man eS als eine Vernachlässigung gegen sich selbst f ansehen müsse, wenn man dies nicht thue. ES hielt nicht schwer, den lenksamen Mühleubesttzcr von der Wahrheit dieser Worte zu überzeugen, ja, um seiner Frau seine volle Uebereinftimmung mit ihren Ansichten darzuthun, über­raschte er ste eine» Tages plötzlich durch die Nachricht, da» alte zur Mühle gehörende HauS sage ihm nicht mehr zu, er habe beschloffen, ihr eine hübsche Villa bauen zu Llaflen und auch den Garten mit dem daranstoßenden Wäldchen wolle er zu Parkanlagen umwandeln laffen.

Zehn Jahre dauerte diese Vernunftehe zur Zufrieden Helt beider Theile, als der Tod Herrn Riehle plötzlich aus dieser Welt abrief, nachdem er seine Frau vorher durch testamentarische Verfügung zur Universalerbiu seines großen

wieder zum Präsidenten gewählt. Der Conseilspräsident I hat sich wohl gehütet, durch eine Botschaft Gambetta Ge­legenheit zu AuSlaffungen zu bieten, die er noch mehr wie seine Mehrheit in der Kammer sülchtet. Die Freunde von ThierS haben im Auge bis 1880 zu laoiren, deßhalb Gam­betta kurz zu halten und ihm nicht wieder in der Budget Commission die erste Geige zu laffen.

Die erste spanische Legislaturperiode unter der Re­gierung des Königs Alfons ist am 5. d. M. durch könig­liche Verfügung geschloffen worden, nachdem sich die letzten Sitzungen ausschließlich mit der bevorstehenden Aushebung der Dictatur beschäftigt hatten. Der Colonialminister Ayala wird seinen Posten auS Gesundheitsrücksichten wahrscheinlich an Silvela abtreten.

Die Nachrichten von der Conferenz in Konstantinopel, welche das Publikum zwischen Furcht und Hoffnung schwanken ließen, mußten in England sich mit ganz außer gewöhnlichen Witterungserscheinungen in die öffentliche Auf merkjamkeit theilen. AuS allen Theilen des JnselreicheS kamen Jammerberichte über den Schaden, den Sturm und Regenguß den Feldern, dem Vieh und dem Gesundheits­zustände der Menschen zufügen. Sonst ganz gut geborgene Städte sehen sich gegenwärtig wie Venedig an. Das lan­desübliche Fuhrwerk hat Ruder- und Segelbooten Platz gemacht. An vielen Stellen sind, die Eisenbahnen durch Erdrutschungen und Ueberflutuvgen unfehlbar geworden.

Der dänische Reichstag ist am 9. d. M. wieder zu­sammengetreten und daS Folkething hat seine bisherigen Präsidenten Krabbe, I. H. Hansen und HögSbro wieder­gewählt.

Arn 4. d. M. fand die fünfte, am 8. die sechste Sitzung der Conferenz in Konstantinopel Statt; am 6. waren die Delegirten zudem in nicht offizieller Vereinigung bei Jgna- ileff zusammen gekommen und die nächste Sitzung ist auf den 11. anberaumt worden. Tie Türkei verhält sich dem