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Iffd 7. onS. bon- rsten ocke.

Brief. 102

2.

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Marburg, Sonnabend, 13. Januar 1877.

fiT. IO.

XII. )ahrgMl.

«girtfltn nimmt entgegen: »^Hxpeditio» b. Blattei, (täte die Annoncen-Bureaur

Th. Dietrich & So. in d-ffd und Hannover; Th Mrich in Frankfurt a. M.; AMfenftein & Bögler in Jurffurt a. M, Berlin, Leiv- ,u, SSln re; Rudolf Möge ^Berlin, Frankfurt a. M. re.

Werhtjlislhe Intung.

Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blatte» sowie die Annoneen-Bureaur von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.f JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Sarl Schuß­ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktage» nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilageälnlhrtrtrt EomUaaSblatt" durch die Srvedition (StoAf Bu-fdruckereif bezogen 84 «ark,urch die Postämter des Deutschen Reiche- 8 Karl 50 Pf«. (efL SkMg&). - Äion^eSg bie gehaltene ZeUe lO Pf, * 8ür tn bet Ekpedrtron zu ertheilende Auskunft nnb Annahme von Adreffen werden 25 Pf§. berechnet. V,e

Lase»vertchL

Am Sonnabend, den 13. d. MtS. werden, wie wir hören, in Berlin Konfetengen von Vertretern des Handels mb der Industrie über die Eisenbahn - Tartffrage stattfin- btn. Die Verhandlungen und Beschlüsse dieser Konferenzen sollen dann einer bald darauf einzuberufenden Versammlung wn Vertretern der Eisenbahnverwaltungen zu weiteren Be- kSthungen und Resolutionen unterbreitet werden.

Der Präsident des Reichseisenbahnamtes, Herr May­bach, hat sich derMagdeb. Ztg." zufolge entfchlosien, den Staatsdienst zu verlassen und eine reich dottrte Stellung lei Herrn Krupp in Esten anzunehmen.

DaS Direktorium des deutschen Apotheker-Vereins hat iei dem BundeSrathe eine Petition für Abstellung des Ge­heimmittel »Verkehrs eingereicht. In der Petition werden folgende Anträge gestellt: 1. in Betreff der Bewilligung zur Zubereitung von Geheimwitteln einheitliche, für das ganze deutsche Reich geltende Bestimmungen zu ertasten; 2. in Zukunft kein Geheimmittel zum öffentlichen Verkaufe Anlassen, welches nicht vorher von dem ReichSgesundheitS ernte begutachtet worden ist und endlich 3. die in verschie­denen deutschen Ländern genehmigten Geheimmittel einer Äeviston zu unterwerfm und den al» werthlos oder schäd lich befundenen, den öffentlichen Verkauf zu versagen.

Ein Berliner Korrespondent telegraphirt derDaily Xew8":England und Deutschland «erden wahrscheinlich Kriegsschiffe nach den Philippinen-Inseln senden zum Zweck eine» gemeinsamen Vorgehens gegen die ärgerlichen Hin­dernisse , die Spanien ihrem Handel mit dem SuluS in den Weg stellt. Die Oberhoheit Spaniens über die Sulu- Zoselnhwird bekanntlich von Deutschland nicht anerkannt."

Die Pforte hat mm doch, gegenüber dem Fürstenthum Rumänien mildere Seiten aufgefpanut und erklärt, daß daffelbe nicht zum Geltungsgebiete der türkischen Verfastung »höre. Ob sich damit Rumänien zufrieden geben, ob es nicht vielmehrGarantieen" verlangen wird? Die Er- Qitung der Pforte wird kaum kräftig genug fein, um die luftegung in Rumänien zu beschwichtigen.

Aus Kairo erhält dieWestern Morning News" un- lmn 1. d. MtS. eine alarmirende Schilderung der Lage tu Dinge in Egypten. Der frühere egyptische Finanz knister, der jüngst entlasten wurde, bekleidete auch einen Posten unter dem Sultan. Seine Entlastung erregt das Mißfallen der Pforte und dem Khedive wurde eine De­iche gesandt, welche peremtorisch forderte, daß er nach

Die Rache einet Fra«.

Erzählung von Karl von Kessel.

(Fortsetzung.)

Der Baron schwamm in Wonne und war kindisch genug, k6 für Wahrheit zu nehmen. Aber auch Mademoiselle Wie lächelte stillvergnügt und ihr Herz klopfte so un- Püm, wie in den ersten Jahren ihrer Jugendzeit. Auch fr ar ein Billet mit der bedeutsamen Unterschrift:Sch.." »gesteckt worden, besten Inhalt die bitterste Reue eines wissen Jemand gegen eine gewisse Jemand on den Tag |te und schließlich die dringende Bitte aussprach, morgen iend acht Uhr also eine halbe Stunde früher wie Mr von Feldern in dem abgelegenen Pavillon zu Wheinen, um dem anonymen Schreiber sie werde wohl Men wer e« fei Gelegenheit zu geben, zu den Füßen Mer angebeteten Julie Verzeihung für alles Uebele, was M ihr angechan habe, zu erflehen.

I Am anderen Tage saß dieangebetete Julie" wie auf Mhlen und auch der Baron zeigte eine außergewöhnliche ptafr. Um sieben Uhr erschien sie vor demselben und We, ob er noch etwas anzuordnen habe, denn sie fühle M unwohl und wünsche sich bei Zeiten zur Ruhe zu be Men. Herrn von Feldern kam dies sehr erwünscht und Weich er sonst mit feiner Haushälterin sehr wenig Um fhee zu machen pflegte, so drückte er ihr doch diesmal W höflichen Worten fein Bedauern aus und wünschte ihr

* gute Nacht. Beide wollten sich loS sein und Beide Uten sich von einander nicht beobachten lasten. Eine frtelstunde später hüllte Mademoiselle Julie ihr Haupt eine große Kaputze und schlüpfte in die finstere Nacht »aus. Bald befand fie sich mitten im Park und bald irrt« ihr der Pavillon entgegen. Ein jungfräulicher

Konstantinopel komme und dem Sultan persönlich seine Gründe für die Entlastung des Ministers erklären solle. Der Khedive schrieb nach Abhaltung eines stürmischen Mi­nisterraths zurück, man möge ihm in Anbetracht seines Al­ters und feiner körperlichen Schwäche, sowie der ungere­gelten Zustände in seinem Lande eine so lange Reise erlösten, mit dem Hinzufügen, daß er bereit sei, zu Gunsten seines Sohnes abzudanken, wenn die Pforte mit feiner Verwaltung unzufrieden fei. Die Pforte erwiderte, der Sultan fei nicht abgeneigt, die angebotene Abdankung zu acceptiren, aber er wüste sich die Wahl seines Nachfolgers Vorbehalten. In Kairo hat die Affaire beträchtliche Aufregung erzeugt.

Dextfche, Reich.

Berit«, 11. Jan. Nach einer offiziellen Notiz steht in der morgen beginnenden Landtagssesston auch die Vorlage über die Umwandlung deS Zeughauses in eine RuhmeShalle wieder in Aussicht. Wenn übrigens weiter gesagt wird:Das in der vorigen Session erhobene Be­denken, daß das Zeughaus Reichseigenihum fei und daher nicht für preußische Zwecke verwendet werden könne, ist, wie man hört, durch ein Uebereinkom«en erledigt", so müssen wir dem entgegensetzen, daß jenes Bedenken das geringfügigste unter allen ist, die angeführt werden konnten. In einem Augenblicke, wo der Finanzminister in allen Zweigen der Verwaltung die größte Sparsamkeit empfiehlt mag es vielleicht nicht angezeigt sein, 6 Millionen Mark für ein Projekt zu opfern, das durch Aufschub nichts cer litten, sondern nur gewinnen hnn. Auf ein anderes Bedenken hat der Abg. Windhotst (Bielefeld) am 15 Mai sehr treffend hingewiesen. Die eigenen Worte;des nationalliberalen Abgeordneten lauten:Das schönste Denkmal unseres Heeres und seiner Thaten ist die Errich­tung deS deutschen Reiches selbst, welches fest und uner­schütterlich ruhen soll ans dem einen, mächtigen Kaiserthum auf der einheitlichen Heeresorganisation, auf dem Paria- mente und auf der einheitlichen Gesetzgebung, die wir ja noch fertig zu stellen im Begriff sind. An diesen Gund- säulen unseres Reiches dürfen wir nicht rütteln. ES ist vielmehr unsere Pflicht, jeden, selbst auch den leisesten Verdacht von uns abzuwenden, als wenn wir, die leitende Macht, nicht im Stande wären, UNS dem großen Gedanken der Einheit unterzuordnen; es würde ein schwerer Fehler sein, wenn gerade Preußen stch zu Maßregeln verleiten ließe, jwelche geeignet erscheinen könnten, die alten, kaum vernarbten Wunden wieder aufzureißen, und die alten, glücklich beseitigten Gegensätze aufs Neue wachzurufen. Was soll man aber dazu sagen, wenn jetzt uns eine Vor­lage gebracht wird, die fünf Jahre nach der Errichtung des deutschen Kaiserreichs, fünf Jahre, nachdem die deutsche

Seufzer entschlüpfte nochmals ihrer Brust, dann öffnete sie die verhängnißvolle Thüre und im nächsten Augenblick saß sie, aufmerksam lauschend, in die Ecke des kleinen SophaS gedrückt, um den reumüthigen Schmincke in der aufgeregtesten Stimmung zu erwarten.

Oh wie langsam verfließt unter solchen Umständen eine halbe Stunde I.. Endlich der Busen von Made­moiselle Julie hob sich höher endlich vernahm sie Män nertritte, eine Hand legte sich auf die Klinke der Thüre, diese öffnete stch und eine Gestalt tappte in der Finsterniß suchend auf sie zu.

Ach der arme Schmincke, was mußte et im Bewußtsein der von ihm gegen fie verübten Schuld inzwischen gelitten haben und war da» von ihm im Briefe abgelegte Bekennt- niß nicht schon eine genügend harte Strafe für ihn ge­wesen 1 ; . . DaS Herz der alten Jungfer floß von Sen­timentalität übet, eine Großmuth foncer Gleichen bemäch­tigte stch ihrer und mit dem lispelnden Ausruf:Oh Sie Treuloser, welchen Schmerz haben Sie mir bereitet, aber es fei Ihnen hiermit Alles verziehen!" sank sie in ein paar auSgebreltete Atme, welche fie zwar anfangs kräftig um faßten, die sie aber sogleich wieder losließen, während die Stimme des Barons polternd und fluchend dazwischen tönte. Mademoiselle Julie stieß einen Schrei des Schreckens aus und flüchtete in die entfernteste Ecke des Pavillons, wäh­rend der Freiherr, noch immer schnaubend, rasch eine Kerze anzündete und ihr mit dieser inq Gesicht leuchtete.

Was zum Teufel", donnerte er ingrimmig heraus, wie kommen Sie hierher? Ich schere wich den Kukuk um ihre Liebesabenteuer, aber das ist mir doch außer dem Soaß und kurz und gut erklären Sie stch, was Sie hier­her geführt hatl"

Die bestürzte alte Dame hielt beschämt die Hände vor das Gesicht.Es war eine Mystifikation," stöhnte sie,

Nation zum ersten Male wieder fich zufammengefaßt hat, stch ihrer Größe wieder bewußt geworden ist, von einer preußischen Nation spricht, die, wenn sie jemals existirt hätte, jetzt jedenfalls verschwunden fein würde, wenn fünf Jahre nach der Zeit, als die deutschen Heere aus allen Staaten unseres Vaterlandes gemeinschaftlich auf den fron- zöstschen Schlachtfeldern gekämpft, geblutet und gesiegt haben, jetzt wieder in der Hauptstadt des deutschen Reichs, Inder Hauptstadt des ersten Staate» Deutschlands eine RuhmeS­halle, ein Ehrenzeichen errichten will für eine preußische Armee, die wir als exlstlrend nicht mehr anerkennen können?"

Karlsruhe, 10. Jan. In Vollzug des aus dem letzten Landtage zu Stande gekommenen PfarrdotatonSgesetzeS haben die evangelischen Pfarrer die Aufbefferung noch auf Weihnachten ausbezahlt erhalten, und zwar für das Jahr vom 1. November 1875 bis dahin 1876. Von 386 eine selbstständige Seelsorge ausübenden protestantischen Geist­lichen deS Landes si ch 287 aufgebeffert worden. Was die katholische Kirche betrifft, so ist nur für den altkatholi­schen Theil derselben und zwar vom Bischof ReinkenS, die vom Gesetz geforderte schriftliche Erklärung wegen Befolgung der Staalsgesetze abgegeben worden; eS sind jedoch die den Vollzug des Gesetzes vorbereitenden Arbeiten hier noch nicht völlig zum Abschluß gelangt Für den die vatikanischen Dekrete anerkennenden Theil der katholischen Kirche hat da« erzbischöfliche Eapitelvicariat zu Freiburg, indem eS die Ausstellung des Reverses verweigerte, auf die Gewährungen deS Dotationsgesetzes förmlich Verzicht geleistet. Für diesen Theil kommen daher nur die für einen derartigen Fall vorgesehenen dauernden Bestimmungen in §. 14 deS Gesetzes (bezüglich des Pfründeeinkommens) in Anwendung. Auch die Regelung der Gebühren für Verfehung erledigter katholischer Pfründen ist bereits erfolgt.

München, 10. Jan. Zur Wahl Schlacht, die heute Vormittag begann, hatten stch in München die liberale, ultramontane und focialdemokratische Partei aus's Trefflichste gerüstet. Schon feit einigen Tagen prangten an allen Straßen Ecken die Wahlaufrufe der Liberalen und Svkial' Demokraten, während die Ultramontanen, denen der öffent­liche Anschlag ihres Wahlaufrufs polizeilich untersagt worden war, nur die Namen ihrer Candidaien, Frhr. v. Ow und Pfarrer Westermayer, durch Anschlag bekannt machten. Die Betheiligung der Liberalen und Socialdemo­kraten war ziemlich lebhaft, von Seiten der Ultramontanen dagegen In München I eine sehr schwache, was wohl zum Theil eine Folge der Aufforderung Dr. Slgl's zur Wahl- Enthaltung fein dürste. Nachmittags 4 Uhr war die Wahl des Frhn. v. Stauffenberg für München I bereits in 20 Bezirken gesichert

Metz, 8. Jan. Der hiesige Gemeinderath hat dem Vernehmen nach in einer vorgestern Nachmittag adgehal- ja eine Mystifikation, da» wird mir jetzt volländig klar, und auch Sie, Herr Freiherr, sind, wie ich fürchte, von demselben Dämon mystificirt worden."

I da schlag doch das Wetter drein! ich glaube wirk- lich, Sie können Recht haben. Die Schlange k Aber die­ser und Jener soll mich holen, wenn ich e» ihr nicht an« streiche!"

Damit polterte der Baron die Treppe hinunter und überließ eS feiner Haushälterin, ebenfalls beschämt und Grimm im Herzen, den Rückweg nach dem Schlöffe ein« zuschlagen.

Seitdem war bittere Feindschaft zwischen den beiden Nachbarn. Papa Kluge versuchte zwar den Diplomaten zu spielen .und zu vermitteln, ober Anna hob stolz den Kops und sagte, sie freue sich, die Unverschämtheit eines alten Gecken in dieser Weise abgefertigt zu haben, und ob Herr von Feldern zürne ober nicht zürne, das fei ihr sehr gleichgültig.

Drei Monate später verbreitete sich plötzlich die Nach­richt, daß Anna Kluge verlobt sei und einen sehr reichen Mann heiraihe, und dieses Gerücht war wirklich ein be« gründete». Von der achtzehnjährigen Schönen war über ihre Zukunft entschieden worden und auch diesmal war e» wieder ihr kalter Verstand gewesen, welcher ihr Herz be­herrscht und den Ausschlag gegeben hatte. Herr Stiehle war der Besitzer eines großartigen Mühlenwerks mit den dazu gehörenden ausgedehnten Läidereien und betrieb außer- cem einen starken Getreidehandel. Dleftr letztere führte ihn vielfach mit Peter Kluge und dessen Tochter zusammen, unv obgleich der reiche Mann meist mit ton Schmutz be» spritzten hohen Stiefeln und mit zerknitteter Wäsche er­schien, so wurde er von Anna doch stets mit einem freund­liche» Lächeln empfangen und mit großer Aufmerksamkeit behandelt. Ihre zur vollen Entwickelung gelangte Schön,!