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Marburg, Freitag, 12. Januar 1877.

XII. )«hrgaig.

Berlin, Frankfurt <u M. rc.

5 dvL oller, äsche,

-«el-w nimmt entgegen: J^äeMtie* d- »lattes, die Annoncen-Bureaux - ztz. Dietrich & Co in

»ietrich tn Frankfurt a- M., L »oaler in

ObrrhcUcht Icilung.

Anzeigen nimmt entgegen: dir Spedition d. «latte» sowie bte Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Stete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

frföeint täglich außer den Werktagen nach Somi- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage3Iu|hrtrtee könnt»,»Statt" durch die Sxveditton och'sche

Buchdruckerei) bezogen 2i Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,. (exl. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

ragettertcht.

Die ReichStagSwahlbetheiligung in den Berliner Wahl

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dem Herrenhause warm empfohlen hatte. Herr Schminke

g Gebiete de» preußischen Staats auf eine energische Verfolgung der im § 147 Nr. 3 der deutschen Gewerbe- «dnung vorgesehenen Vergehen (Kurpfuscherei) hinzuweisen.

ersten Blocke, iale).

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! Lonstantinopel in Berlin erwartet werde, findet in em Kommunique des Auswärtigen Amtes endlich ein verlässiges Dementi. Was den Freiherrn von Werther rifft, so war noch gestern in anscheinend offiziöser Weise

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ihm zu Gebote stehenden Mittel der Liebenswürdigkeit in Bewegung, um sich so angenehm wie möglich zu machen. Mitunter erfolgte dann auch eine Einladung an Vater und Tochter zum Diner, bei welchem der Baron in ausge- wählten Redensarten beim perlenden Champagner die Ge­sundheit der Letzteren ausbrachte, wobei sich Peter Kluge, diese Ehre wohl würdigend, tief verneigte, während Anna ihrem Verehrer durch ein verlockendes Lächeln und durch einen ihrer verführerischen Blicke dankte. Weßhalb das junge Mädchen dies, that, findet seine Erklärung darin, weil sich bei seinem früh gereiften Verstände in dessen ehr­geizigem Herzen ein Zukunstsplan gebildet hatte, welcher dahin hinauSlief, in nicht zu ferner Zeit den Rang und Titel des Freiherrn als desien Gemahlin zu theilen. Bei der ihr angeborenen Kälte kümmerte sie weder das Aller ihres Verehrers, noch ließ sie sich durch verschiedene An­spielungen desselben irre machen, aus welchen klar genug hervorging, daß er bei seiner noch immer sinnlichen Natur die Absicht hegre, ihr einen ganz anderen Platz als den einer Gattin an seiner Seite anzuweisen. Durch die Ueber- legenheit ihrcö Geist.S und durch die Macht ihrer Schön- heil hoffte sie den Baron doch schließlich noch zu bekehren und so ihr Ziel zu erreichen. Doch dieser war cS nicht allein, welcher für AmraS Reize entbrannte, sondern auch nach einer anderen Seite hin hatte sie ebenfalls einen Bra d entzündet, über deffen Eutstehen und Umsichgreifen sie aller­dings im Stillen lachte, der ihr aber bisher in ihrer länd­lichen Einsamkeit ein neckischer Zeitvertreib gewesen war, obgleich sie dadurch die Eifersucht und den Argwohn der Haushälterin auf dem Schlöffe erregt halte.

Um ihre musikalischen Uebungen nicht zu vernachlässigen und dieselben noch zu vervollkommnen, war nämlich von ihrem Vater ein junger Lehramtskandidat zu diesem Zweck engagirt worden, welchen auch Mademoiselle Julie aus

seiner ÄoBegcnjtrennen, also evenüiell icn werde.

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FW, von Feldern; da» äußerste Ende seine» Schloß« istck» traf fast mit dem Grund und Boden unseres ®e« **tten zusammen. Der Baron war ein alter, bereits Djigjähriger Junggesell, welcher mit seiner, ebenfalls Sto in den Fünfzigern stehenden Haushälterin in dem

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Berlin, 10. Jan. DieProv.-Corresp." schreibt: Der Landtag der Monarchie wird am Freitag (12) nach vorhergegangenem Gottesdienste im Dome und in der St. HedwigSkirche Mittags um 12 Uhr im Weißen Saale des K. Schlaffes eröffnet werden. Se. Majestät der Kaiser und König will die erste Session der neuen Legislatur­periode, obwohl die anzukündigenden parlamentarischen Auf­gaben von geringerer Bedeutung sein werden, persönlich eröffnen. Die bevorstehende Session kann nur von kurzer Dauer sein, weil demnächst der deutsche Reichstag zu seiner ersten ordentlichen Session und jedenfalls früh genug be rufen werden muß, um den Reichshaushaltsetat vor dem 1. April feststellen zu können. Mit der Verlegung des

Die Küche einet Fra».

Erzählung von Karl von Kessel«, (Fortsetzung.)

Der unmittelbare Nachbar von Peter Kluge

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Die Konferenz hat biS jetzt für den Schluß der Berathun- gen keinen festen Termin festgesetzt. Recht instruktiv zur Würdigung dieser Berichterstattung sind die Meldungen über den rumänischen Zwischenfall. Nach einer Wiener Depesche soll sich Frankreich in der Konferenz nun Rnmänien angenommen haben; nach einer anderen Depesche, welche ebenfalls auf Wien ihren Ursprung zurückführt, die alsdann von einem berliner Korrespondenten der Londoner ,^TirneS" telegraphisch übermittelt worden ist, sollen Oesterreich und Deutschland in Unterhandlungen getreten sein, betreffs der Zweckmäßigkeit einer Förderung des Wunsches der rumäni­schen Regierung, daß ihr Territorium als ein unabhängiger und neutraler Staat erklärt und die rumänische Neutralität in dem möglicherweise eintretenden Konflikt gesichert werde. Die Türkei scheine nicht abgeneigt zu sein die Ideen zu begünstigen. DemObserver* endlich wird direkt aus Constantinopel telegraphirt:ES cirkuliren Gerüchte von einer Annäherung zwischen der Türket und Deutschland zu dem Behufe, aus Rumänien einen unabhängigen Staat unter deutscher Garantie herzustellen, damit er eine Williame Schranke gegen Rußland bilde." Jedenfalls ist in diesen Beispielen das Möglichste in der Verschiedenartigkeit der Kombination geleistet.

DaS Wiener ^Telegr. Eorrefp.. Bureau" meldet aus Konstantinopel von Dienstag Abend: Die nächste Con< ferenzsitzung ist auf Verlangen der türkischen Delegirten auf Donnerstag vertagt. Die Ansicht befestigt sich immer daß die ottomanischen Bevollmächtigten einen neuen Ent­wurf zur Herstellung eines Einvernehmens auf Grundlage der Note Andraffy's vorbereiten. Morgen ist Ministerrath Die Stimmung der Konferenzbevollmächtigten ist durchaus versönlich.

rafft Die Nachricht, daß Halil Cherif Pascha an Stelle von I ulv ßdhem Pascha zum türkischen Botschafter in Berlin ernannt . 1.75 Hi, sowie, daß Freiherr von Werther in den nächsten Tagen

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da Einnahmen und Ausgaben des Reichs in der kommenden Htssivn dem Reichstage wieder in Vorlage gebracht werden sollen. Bermuthlich werden diese beiden obligatorischen Vorlagen auch diesmal nicht zur Erledigung gelangen.

Der Justizministet hat speciell veraulaßt durch Ein Laben mehrerer ärztl cher Vereine und Gesellschasten Ver- mlaffung genommen, die Beamten der Staatsanwaltschaft

\ Die Unzuverlässigkeit der Berichterstattung ____ ...

Rafftl »Malischen Angelegenheiten hat allmählig einen Punkt 877. -weicht, der kaum mehr überschritten werden kann. Na-

-«versallenen Schlöffe hauste. Trotz seiner Jahre war i$*bet für die Freuden des Lebens noch keineswegs un- iMnglich und besonders die Verehrung für das weibliche schlecht hatte et sich bewahrt. Schon ehe Anna in die Wston geschickt wurde, entdeckten die Kennerblicke des dem pichen Genuß noch immer zugeneigten alten Herrn eine ®fle aufblühender Reize an ihr und als sie jetzt in dos gliche HauS zurückkehrte, bemerkte der Baron mit stiller Mrnheit, daß fich dieselben in der ansprechendsten Fülle fallet hatten. Schon früher hatte Herr von Feldern, Al feines aristokratischen Stolzes, mit seinem Nachbar ^ge hier und da oberflächlich verkehrt, wofür sich der wte durch ein unterwürfiges Wesn dankbar zeigte; fett * Rückkehr Annas au« der Pension war aber die bis- A« kalte Zurückhaltung des Freiherrn in ein seht stöh- v* Entgegenkommen übergegangen, welches fich der Tochter Zauber bi» zu einer Galanterie steigerte, die zu auffallend Porträt, um darin nicht einen besonderen Zweck und ? heimliches Ziel zu erkennen. Mehr wie sonst mußte I jetzt feine Wirthschafterin in dem Haufe deS Nachbars 'ihun machen, offenbar mit der Weisung, fich das Ver­ben Annas möglichst zu geronnen; der Park wurde der- 7* zur Disposition gestellt, und wenn die junge Dame 2* in den schattigen Gängen beff eiben lustwandelte er-, vcui Pcnrnyauie warm empsvyren ynrre. Pkrr «u-uuure ** in bet Regel auch Herr von Feldern und setzte alle' konnte nun zwar allerdings als das Muster eines

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Beginns des Etatsjahre- auf den 1. April war von vorn herein die Absicht verknüpft, eine neue und feste Ordnung der parlamentarischen Sessionen eintreten zu lassen, während der Reichstag seine ordentliche Session fortan regelmäßig in den ersten Monaten des Jahres halten soll, wird der Landtag für seine ordentliche Session zunächst auf die letzten Monate angewiesen fein. In diesem Jahre aber mußte der Landtag noch im ersten Quartal zu einer Session be­rufen werden, weil die verfaffungsmäßige alljährliche Be­rufung in dem Zeitraum von November bis zur Mitte Januar mit Rücksicht auf die jüngste Reichstags - Session noch nicht hatte statlfiuden können und demzufolge auch der Staatshaushalts«Etat für das mit dem 1. April be­ginnende Etatsjahr noch nicht festgestellt worden ist. So müffen denn diesmal noch die beiderseitigen Sessionen im ersten Quartale des Jahreö unmittelbar auf einander folgen, mit nächstem Herbst aber soll die weitere regelmäßige parlamentarische Ordnung beginnen. Hieraus ergibt sich die unerläßliche Beschränkung der bevorstehenden LanbtagS- sesston auf daS unbedingt Nothwendige: d. h. im Wesent­lichen auf die Berathung des nächsten Staatshaushalts Etats. Derselbe wird sich, abgesehen von neuen Zuwen­dungen für Zwecke, deren Billigung schwerlich einem Be­denken unterliegen wird, im Allgemeinen durchaus den früheren Etats anschließen und daher an und für sich zu langwierigen Erörterungen kaum Anlaß bieten. Neben der Berathung deffelben wird sich Zeit zur Erledigung einiger Vorlagen finden, welche großemheils nur von provinzieller Bedeutung und in den Provinzial«Landtagen vorberathen sind, theilweise, wie der Gesetzentwurf über die Vorbildung und Befähigung für die höhere Verwaltung, schon früher die beiden Häuser beschäftigt haben und der Vereinbarung nahe geführt waren.

Siegen, 6. Januar. Gestern Morgen 9 Uhr 6*gab sitz, wie man derGerm." berichtet, der hiesige ' Staatsanwalt in Begleitung des Bürgermeisters in die Wohnung unseres Herrn Dechanten, um eine Haus­suchung abzuhalten. Zur Bewachung des HauseS war ein Polizeidiener in der Straße ausgestellt.

Stuttgart, 10. Jan. Dompräbenbar Bauer, Mit­glied des Rottenburger Domkapiiels, ist zum Altkatholi- zismuS übergetreten und wird die allkatholische Pfarrei in Mannheim übernehmen.

München, 8. Januar. Der König hat den vom oberbaierischen Schwurgerichtshofe unterm 10. November v. I. wegen Mordes zum Tode verurtheilten, I8V2 Jahre alten Maurerlehrling I. Rausch von Friedorfing zur lebens­länglichen Zuchthausstrafe begnadigt. Derselbe hatte den im Armenhause zu Friedorfing befindlichen Schmiedegesellen

bescheidenen, säst an Blödigkeit grenzenden jungen Man­nes gelten, aber es fehlten ihm sonst alle Eigen- schäften, um ein weibliches Herz im Sturme zu erobern. Schon sein Aeußeres reizte zum Lachen und die Eckigkeit und Unbeholfenheit, welche bei allen seinen Köiperbewegun- gen hervortrat, vermehrte diesen Reiz noch. Bisher hatte sich Schminke gegen die sentimentalen Augenverdrehungen und daS aufmunternbe Entgegenkommen der alten Haus­hälterin im Schlöffe nicht unempfindlich gezeigt, denn die­selbe hatte sich im Laufe der Zeit (in kleines Kapital erspart, der Baron war Schulpatron und hatte die Lehrer­stelle des Ortes zu vergeben, und bei dem hohen Aller des jetzigen Inhabers dieses Postens konnte die Zeit unmöglich Mehr fern fein, wo derselbe neu besetzt werden mußte. Dies Alle- war von Schminke, welcher nur ein praktisches Lebensziel im Auge hielt, wohl erwogen worben unb ver­anlaßt ihn großmüthig über Vie Jahre von Mabemoiselle Julie hinwegzusehen. Seitbem aber bie Klavierübungen mit Anna begonnen, war er von deren Reizen so geblendet worden, daß eine völlige Veränderung mit ihm vorging. Die Liebe macht blind sagt man, und leider trat dies bei unserem Kandidaten ebenfalls der Fall. Leider sagen wir, denn der Leser wird gleich sehen, daß sich Schminke in seiner Leidenschaft zu allerhand Albernheiten fortreißen ließ. Zu­nächst kam tbm plötzlich in den Sinn, was er tu seiner Bescheidenheit bisher mit Recht nie zu glauben gewagt hatte, tofe ei doch eigentlich ein junger Mann von ganz vor- theilhaftem Aeußeren und ansprechenden Manieren sei und daß deshalb die Möglichkeit gar nicht jo fern liege, bei einigem entschlossenem Austreten auch des Herz von Fräu- lein Anna zu rühren. Freilich munterte ihn die Letztere hierzu durch ihr neckisches Entgegenkommen auf, aber in seiner Verblendung begriff und erkannte er nicht, daß die zur Jntrigue nut zu sehr geneigte junge Dame damit ein herzloses Spiel mit ihm trieb, um sich die Zeit in ihrer Einsamkeit zu verkürzen. Aus diese Weise ging der arme

Heute verlautet, daß die beiden Gesetzentwürfe übet ' Rechnungshof des deutschen Reichs und die Verwaltung

e versichert worden, daß derselbe seine Schritte nicht von k r_, ------- "-----" mit diesen

Milch in den Wiener Depeschen und Korrespondenzen rsionS- Mischer, sranzöstschet und Londoner Blätter wird mit bet Abon- Etlichen Meinung ein keckes Spiel getrieben. Nahezu

lüt Hälfte bis Zweibrittel dieser Mittheilungen, die in bet M mit apodiktischer Gewißheit auftreten, haben keine *re Unterlage, als die Phantasie ihrer Vetfaffet, im Falle ein vages Gerücht. So waren die Meldungen ßch die Konstantinopeler Conserenz an diesem ober jenem Rt ihre letzte Sitzung abhalten würde, total erfunben.

a"Ce* helfen war eine ungewöhnlich lebhafte und eS dürfte die lsche Krählung bet Stimmen ein statistisches Bilb bet vetän- *zz.o- ^ten Parteiverhältnifle ergeben. Es stauben sich in dieser Wäge. Vahl drei Gegner gegenüber, die Candidaten der National- __[66 liberalen, der Fortschrittspartei unb bet Sozialdemokraten, en und WEkenswerlh ist, daß der Wahlaufruf der letzteren nur libanb- »tt den Candidaten der Fortschrittspartei als einen gefähr- ,n. itchen Gegner rechnet.