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Marburg, Donnerstag, 11. Januar 1877.
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nach Belgien ist vielfach in dem Sinne gedeutet worden, als sei derselbe mit der Mission betraut, die belgische Regierung für die OccupationSidee günstig zu stimmen. Diese Angabe ist jedoch vollständig unbegründet. Die Reise deS Herrn Christophle ist jeder diplomatischen Mission voll- tändig fremd. Zur Zeit befindet sich derselbe in Holland, um das dortige Kanalsystem in Augenschein zu nehmen.
In den politischen und militärischen Kreisen beschäftigt man sich vielfach mit der Frage, welche Jahreszeit für die russische Armee die geeignetste sein würde zur Eröffnung der Kampagne an dem Pruth und der Donau. Die einen entscheiden sich für den Winter, die anderen für den Frühling. Jndesien beide Jahreszeiten haben ihre großen Nach- theile für die russische Unternehmung. Der Winter bringt unpasiirbare Wege und setzt die Soldaten einer empfind, lichen Kälte auS; aber die gefrorenen Flüsie gewähren eine leichte Pasiage und die Kälte bildet eia Präservativ gegen gefährliche Fieber; der Frühling befördert in den sumpfigen Gegenden die Verbreitung der Epidemien, welche eine Armee dezimirea. In den Feldzügen von 1828,1829 und 1854 haben die Rusieu und Franzosen in dieser Beziehung Erfahrungen gemacht. Wir ziehen daraus den Schluß, daß Rußland, falls es militärisch bereit ist, mit der Er- Öffnung der Feindseligkeiten nicht bis zum Frühling warten wird.
weisen hat. — Bei dem Bundesamt sür das Heimath- wesen find in dem am 1. December 1876 abgelaufenen
---- Berlin, 9. Januar. Bestem Vernehmen nach hat Se. Maj. der König nunmehr definitiv beschlosien, den Landtag in eigener Person zu eröffnen. Obwohl der Kreis der Vorlagen welche dem neugewählten Landtage in seiner ersten Session unterbreitet «erden sollen, ziemlich eingeschränkt worden ist, so wird doch die Thronrede aus
Ja Konstantinopel hat sich Nicht» von Bedeutung ge ändert Lord Salisbury soll noch einen neuen Versuch gemacht haben, um eine Verständigung zwischen den Mächten und der Pforte herbcizusühren. Diese Versuche haben in- deß nur wenig Aussicht auf Erfolg. Zwischen so schroffen Gegensätzen, wie sie die jetzige Politik der Pforte und die Rußland» bilden, ist eine Ausgleichung kaum denkbar. Ucb> rtgen» hat Lord Salisbury gleich seinem russischen Collegen bereit» für die Abreise gesorgt, indem er fich ein Dampfschiff miethete.
seinen letzten Willen aufsetzen sollte, ein braver Mann und gab uns noch rechtzeitig einen Wink. Um das Vermögen zu retten, blieb uns nichts Anderes übrig, als in aller Stille unsere Maßregeln zu treffen. Wir brmächtigtea uns dieser im Dienste unserer Gegner stehen den Dame und brachten sie hierher, während wir das Lager des Sterbenden von Gliedern unserer Familie bewachen ließen. Auf diese Weise haben wir di« Jntriguantin unschädlich g>macht und einen Strich durch die Rechnung habsüchtiger Menschen gezogen. In drei Tagen werden wir, wie gesagt, unsere Begleiterin in aller Stille wieder ab« holen, denn dann ist der Tod unseres Verwandten zuversichtlich erfolgt.*
^bie Rache rinrr Fra«.
Erzählung von Karl von Kessel. .
(Fortsetzung.)
Zu seinem Erstaunen bemerkte er jetzt einen verschloffenen Wagen drffen herannahen er auf dem weichen sandigen Loden nicht gewahr geworden war, und neben demselben standen mehrere in Mäntel gehüllte Männer.
Der Schmuggler war ein beherzter Mann, wie dies sein gefahrvolle« Gerwerbe mit sich brachte und im Ucbrigen hing auch zu jeder Zeit eia geladenes Gewehr an der Wand. Dies riß er jetzt herunter und indem er den Fensterladen noch etwas weiter herraufstieß, fragte er mit fester Stimme:
»Was wollen fir noch zu dieser späten Stunde und »er sind Sie?" —
„Sie haben nichts zu fürchten, lautete die Antwort, »wir sind hierher gekommen, um von Ihnen einen Dienst zu fordern und wenn sie unseren Wünschen entsprechen, so sollen Sie reichlich belohnt werden.* —
Peter Kluge überlegte einen Augenblick. Einen Gewinn hatte er sich nie gern entgehen lasten und daß Räuber nicht in einer Kutsche vorgefahren kommen würden, dies schien ihm ziemlich klar. Aber er hörte in diesem Augenblick auch gleichzeitig den leise auSgestvßenen Schrei einer Frau aus dem Innern des Wagens, und dies benahm ihm vollends jeden Verdacht, denn nun wurde es ihm klar, daß r» sich hier nur um eine Privatangelegenheit handelte, bei welcher man seine Hülfe beanspruchte.
Aber vorsichtig blieb er doch. Das Gewehr noch immer in der Hand, öffnete er sitzt das Fenster und sagte:
„Ich kann Sie nur allmählig einlasten, es ist Nacht ttnd Sie find mir unbekannt, aber ich denke, ich habe es
mit ehrlichen Leuten zu thun und so hoffe ich, wir werden nnS schließlich schon verständigen.*
„Gut, machen Sie nur schnell,* lautete dir etwas ungeduldige Antwort.
Fünf Minuten daraus stand der Fremde im Zimmer. ES war ein Mann mit einem cntschlostenen Gesicht, welches theilweise ein Vollbart bedeckte, aber seine Kleidung sowohl wie seine Haltung deuteten darauf hin, daß er den höheren Ständen angehörte.
„Nun, womit kann ich dienen?* fragte der Schmuggler, welcher jjefct jeden Verdacht einer bösen Absicht ausgab und und besten Gesicht nunmehr Spannung und Neugier auS- drückte.
„Können Sie eine junge Dame auf drei Tage bei sich ausnehmen?"
„Eine junge Dame? — Hm, es käme darauf an."
„Nun bemerkte der Fremde diesen Wink verstehend, „Sie sollen dabei ein hübsches Stück Geld verdienen. Diese mit Gold gefüllte Börse gehört Ihnen, sobald Sie sich unserem Verlangen geneigt zeigen."
Peter Kluge hatte niemals an GewistenSscrupeln gelitten und in diesem Falle berechnete er, daß, wenn er auf das Anerbieten des Unbekannten ringehe, er auf einmal im Stande wäre fein bisheriges Gewerbe aufzugcben und die Pläne,, welche er sich für die Zukunft zurechtgclegt hatte, auszuführen. Mehr des Scheines halber, als auS Unentschlossenheit, bemerkte dr daher mit einem pfilsig-n Lächeln:
„Nun mein Han» ist ja eine Herberge und wenn deS Dämchen Lust hat hier einige Tage in stiller Zurückgezogenheit zu verweilen, so könuete ich ihr wohl einen Aufenthalt anbieten, wo sie von Niemand gesehen und gehört würde. Aber vorher muß ich die Gewißheit haben, daß ich mit dem Strafgesetzbuch in keine Conflicte gerathe."
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Unser Kaiser hat dem Magistrat von Berlin das nach iolamde Dankschreiben auf besten Glückwünsche zum neuen Jahre zugehea lasten: „Ich danke dem Magistrat erfreuten Lrrzen« für die Mir zum Beginn des Jahres gewidmeten Wünsche und erwidere dieselben mit der Versicherung, daß Ich das stete Bestreben deS Magistrats im Verein mit der vürgerschastSvertretung, das Gedeihen der Stadt Berlin »u sördern, mit anerkennender Theilnahme Der folge. Unter ben in der Adresse aufgestellten Gesichtspunkten blicke Ich bet der Jahreswende gern auf den si-benzigjährtgen Zett« r,um zurück, während besten Ich den Degen des vatertän. dtfchm Heeres getragen habe. Dabei stellt sich Mir nicht allein die günstig« Wandlung, welche der preußische Staat and mit ihm da« in seiner Einigung nunmehr beharrlich fortschreitende Deutsche Reich innerlich wie äußerlich erfahren hat, sondern auch der mächtige Ausschwung vor Bugen, mit welchem da« Gemeindewesen Berlins der großen Entwickelung de« Ganzen gefolgt ist. Die Bedeu ung desselben läßt sich durch eine zeitweise Störung ebenso wenig herabdrücken, al« seine berechtigte Bewegung sich auf die Dauer einer Hemmung unterwerfen wird. Obwohl daher dir Gegenwart kein überall erfreuliche« Bild darbietet, so darf doch Berlin ohne schwere Befürchtungen in die Zukunft blicken. Wenn namentlich für die Fortdauer deS Friedens Besorgniß gehegt wird, so habe Ich Grund zu der Hoffnung, daß Meine unablässigen Bemühungen, jede Störung deffelben wenigstens weit ab von den Jnteresten des Vaterlandes zu halten, nicht ohne Erfolg bleiben werden.
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der Berlin-Dresdener Eisinbahngesellschaft abgeschlossene Vertrag wegen Uebernahme des Betriebs rc. ist bekanntlich nach §. 13 nicht perfekt geworden, weil in der vorigen Landtagssession eine Beschlußfassung der Landesvertretung Über denselben nicht herbeigeführt werden konnte. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, sind Schritte wegen neuerlichen Abschlusses eines solchen Betrieböüberlastung Vertrages von der Staatsregierung eingeleitet. — Beim Reichstage ist in der verfloffenen Session eine Petition eiugelaufen, welche dahin zu wirken bittet, daß der Wechselstempelsteuertarif, welcher bekanntlich die Stempelbeträge in der Thalerwährung an- giebt, dem neuen Reichsmünzsystem akkomodirt werde. Darauf hat der Abgeordnete Gombart bei der ElatSbe- rathung die Regierung interpellirt, ob eine derartige Vorlage in Vorbereitung oder doch beabsichtigt sei. Eine Antwort ist damals nicht erfolgt. Wir glauben nunmehr mitlheilen zu dürfen, daß die Revision deS Tarifs allerdings bereits in Angriff genommen worden ist. Eine bezügliche Vorlage darf für die nächste ReichStagSfefston bestimmt erwartet werden.
Hamburg, 6. Jan. In der „Hamburger Tribüne* veröffentlicht em früherer Sotialdemokrat, ein Hamburger Arbeiter im Alter von 50 Jahren, dem man sonach einige Besonnenheit zutrauen darf, in schlichten Worten einen Brief über das Treiben der socialistischen Agitatoren und der Führer. Der Einsender behauptet nämlich gegenüber der — irgendwo in einem socialdemokratischen Blatte gestandenen Notiz, daß die „Führer der Arbeiter* an der Weinprobe des Reichstages nicht Theil genommen, weil man sich einen solchen Luxus nie g statte, — daß gerade erst jüngst Hasenclever, Haffelmann und andere „Führer*, die sich stets mit ihrer Aufopferung für die Sache brüsteten, aus Vereinsgeldern über 100 Thaler für Champagner „zum persönlichen Gebrauch" auSgegebeu Hilten. Die betreffende Versammlung sei zwar über eine solche Verschwendung sehr empört gewesen und habe die Rechtsertigung HasencleverS verlangt, indeß habe derselbe bisher zu einer solchen keine Zeil gefunden!
Münster, 4. Jan. Tie staatliche Verwaltung de«
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t ««zeigen nimmt entgegen: niii ^Expedition b. Blatte», vlC« reWje die Annoncen-Bureaux . 636(W ,on 16- Dietrich & So. ui önfiel und Hannover: Dd- XT Dittrich in Frankfurt a. M.; ---- Stein & Vogler rn
Merlin, Frankfurt a. M. rr.
XfAcint tüalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wvchentlichen Beilage „Jlluftrirte» EouutagSvlatt" durch die Expedition (Koch'sche ^ch »uchd!uckeVei) bezogen 3i Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« 3 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - JnsertumSaebübr für di- gespaltene Zeile 10 Pf«.
w Für in der Expedition zu «rtheilrnde Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«, berechnet.__________________
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1888. - Retour- jeprei» »ampftr sagien, äischer I-Agent
Dem Borgeheu Deutschland« in Betreff der Pariser anderen Gesichtspunkten nicht zu den wenigst intereffanten Weltausstellung werden sich ollem Anscheine nach auch gehören, welche Msere parlamentarische Geschichte aufzu- Schweden, Norwegen und die Schweiz anschlkßen. " ' ‘ ‘
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt o. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Sete» ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- ~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Eine Reise de» französischen BautenministerS Christophle Geschäftsjahre 340 Spruchsachen gegen 329 im Vorjahre eingegangen. Mit den aus dem Vorjahre unerledigt übernommenen Spruchsachen (20) waren im Ganzen 360 Sachen zu bearbeiten, von welchen durch Zurücknahme de« Rechtsmittel« 8, durch Erkenniniß oder Beweisresolut n 25 Sitzungen 297, zusammen 305, bi« zum Schluffe des Geschäftsjahres zur Erledigung gelangten und 55 unerledigt blieben. — Das neue Reichsamt für Elsaß- Lothringen, welches mit dem 1. d. Mts. ins Leben getreten ist, führt die offizielle Benennung „Reichskanzleramt für Elsaß-Lothringen." — Der am 18. Juni v. I. zwischen der preußischen StaatSregi-rung und dem AufsichtSraih«
„Durchaus nicht. Wir jwohnen jenstlis der Grenze und Ihr HauS liegt so abgelegen, daß unsere Begleiterin selbst bann nicht den mit ihr bei stockfinsterer Nacht zurückgelegten Weg würde angeben können, wenn wir außerdem nicht die Vorsicht angewendet hätten, ihr die Augen zu verbinden.
„Aber ich muß doch wiffen, waS der Grund dieser sonderbaren Entführung ist."
„Auch darüber wollen wir gegen Sie kein Gehelmniß machen. Ein naher Verwandet von nnS liegt schon seit mehreren Tagen im Sterben, sein Tod wird aber nach dem Ausspruch deS Arzte« binnen achtundvierzig Stunden erfolgen. Nun, dieses junge Mädchen, welche« wir mit un« führen, ist ein Werkzeug habsüchtiger Menschen. Sie werden sehen, daß sie sehr schön ist, aber sie ist ebenso ränkvoll wie verschlagen. Auf Veranlassung der Erb- schlttcher kam sie in da« Hau« des alten schwachen Mannes , um ihn in seinen letzten Stunden zur Absaffung eine« Testament« zn veranlassen, wodurch sein große« V«r-
Da« deutsche Reich steht heute vor einer wichtigen Eutin such scheidung. Heute finden die Wahlen zum Reichstage statt, Nähen pnd da« Volk hat zu entscheiden, welchen Gang die innere [8i Politik deS Reiches gehen soll. Es wird sich fragen, ob -----i eine Majorität zu Stande kommt, mit der die Regierung, die gemäßigten Fortschritten nicht abgeneigt ist, vor Allem „ aber bestrebt ist, das Gebäude des Reiches im Innern auS- zubauen, Hand in Hand gehen kann. Für die nächste Zeit wird nur eine solche Majorität ersprießlich mitten können, welch« zwar die Regierung soweit al« möglich unterstützt, fich aber doch auch eine selbstständige Stellung bewahrt. Diese Aufgabe kann leine Partei erfüllen, welch« der Regierung »priori mit Mißtrauen entgegentritt. Eine solche Majorität würde Alle« Schöne, erstreben, aber Nichts erreichen.
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