Einzelbild herunterladen
 

XII. ZahlMg.

Marburg, Mittwoch. 10 Januar 1877.

Mr. 7.

QUirr IjrO ifd|r Jätung

XiAmtt tläli» äußer dm Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der -öchentlichen Beilagez»ustrtrte« Louutag»»latt" durch die «xvedition («och'sch« Buchdrutkerri) bezogen 24 Wort, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Wert 50 Pf«, (eil. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zerle 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Ldreffen werden 25 Pf«, berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die G^redition d. Blatte« sowie die Annoncm-Bureaux von G 8- Daube & So. in Kcankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a- M.; Jnoalidendank, 11. Rete» meyer in Berlin; Earl Schüß» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

häfts- [46

len.

«uz eigen nimmt entgegen: ^Hxpedttton d. Blatte«, Smie die Annoncen-Bureaux MO Th. Dietrich L Eo. rn und Hannover; Th

Dietrich in Frankfutt aM; Luiswstein & Vogler in Lonlfutt a. M, Berlin, Leip. ^ Lln k; Rudolf Moffe tziBerlin, Frankfutt a. M. rc.

zienraths unseres hochverehrten Chefs voizustehen, hat seine GenerostlLt ihr ein LotterielevS zu Theil werden lasten.

Dieses LooS, meine Damen und Herren dieses Loos, liebes Minchen,*

Der Redner macht hier eine Künstpause; Minchen lehnt sich bleich in ihren Stuhl zurück, die Gesichter der geehrten Gäste drücken die höchste E>Wartung aus, Phinchen hat sich vorgebcugt, ihre Augen funkeln.

DiefcS LooS, meine veikhrten Herrschasten," fährt Wilhelm begeistert fort,hat zwanzigtausend Thal« gewonnen"

Zwei Aufschreie machen den Redner verstummen; Min­chen, die holde Braut, ist besinnungslos vollends hinten­über gesunken, ihre Augen sind geschlvsten.

Hilfe! schnell Hilfe l* kreischt Wilhelm,die Freude lödtet ste."

Zwanzig behende Kellnerbeine stürzen die Treppe hinab, hinter ihnen her Karl, der lange Bediente, denn an feinet Seite ist auch Phinchen ohnmächtig zusammengcbro- en. Unter den kalten Wasterfluthen, die auf die beiden Un­glücklichen niederrauscheu, gelangt Minchen zuerst wieder zum Leben.

Wilhelm, der vor ihr kniet und sie angstvoll beobachtet, springt empor und will sie entzückt in seine Arme schließen. Sie wehrt ihn mit mattkr Hand ab.Wilhelm," ächzt sie,Wilhelm, ich habe da-LooS verlaust an die da," und sie deutet aus Phinchen.

Ein dritter Schrei hallt durch den Saal. Karl, der lange Bediente gerä.h ins Wanken, daß sich der ganze Wasseiinhalt des Glases in seiner Hand auf einmal übet Pdinchen« Antlitz ergießt. Er schwankt, doch als er be­merkt, daß Phinchen die holden Augen ausschligt, verst ht

er eS mit Geistesgegenwart, den unfreiwilligen Fall in einen Knieefall vor seiner Schönen umzuwandeln.

O, Sie Sie elende Gans, Sie Sie l" wüthet Wilhelm gegen Minchen.

Was", kreischt sie,eine GanS nennst Du mich, und siezen willst Du mich, Du erbärmlicher Mensch? Du hast mich betrogen! Noch heute laste ich mich von Dir schei­den.*

Und sie hüllt sich in einen Shawl und rauscht in stol­zer Entrüstung an ihm vorüber zur Thür hinaus.

Ja wohl, Madame, wir lasten uns scheiden," ruft Wilhelm fihr nach;wegen unüberwindlicher Abneigung. Hinaus! hinaus!" herrscht er den Kellnern zu, die wieder mit vollen Schüsteln und Flaschen herhrieilen.

Hinaus, sage ich Euch!

Meine verehrten Damen und Herren", v endet er sich an die Tischgesellschaft,unter solchen Umständen werden Sie entschuldigen, wenn ich die Tasel für aufgehoben erkläre.

Liebes Phinchen," er hat sich ihr inzwischen genähert und schaut sie gar zärtlich anliebe« Phinchen, so kann man sich täuschen, ich habe mein Herz nicht verstan­den, das mich immer zu Ihnen hinzog.*

Mein Herr", unterbricht ihn der von den Kellnern herbeigerufene Wirih,Sie haben die Aush bung der Tafel befohlen, Sie belieben wohl nun, die Rechnung für die bestellte Tadle b\6te zu berichtigen."

Lieber Wilhelm", lispelt ihm Phinchen mit einem feurigen Blick auS ihren fchwarzen Augen zu,Sie er­lauben wodl, daß ich das Mahl und die Re'nung über­nehme.Meine verehrten Herrschaften," setzt sie mit er­hobener Stimme hinzu,haben Sie die Güte, sich als meine Gäste zu betrachten und ihre P ätze wieder etnzu-

0

La-e-dericht.

Bei den am Montag in Berlin stattgehabten k rchlichen »ah!en fand eine verhältnißmäßig rege Theilnahme statt. ES mögen durchschnittlich 50 Procent der Wahlberechtigten «stimmt haben. Im Allgemeinen siegten in fast sämmt- Udjen Gemeinden die Liberalen mit zwei Drittel Majorität, ährend die extremen Parteien nur in wenigen Kirchspielen . ihre Kandidaten durchsetzten.

igen,

JS zu

DerKöln. Ztg." wird geschrieben: DaS Befinden dr- Fürsten Bismarck, welche« in den letzten Wochen durch- ,u« nicht erfreulich war, hat sich zwar etwas gebestert, oöthigt den Fürsten tndesten noch, das Zimmer zu hüten Mid sich strenger ärztlicher Pflege zu vertrauen.

rci

1874,

«dil.

Eisen- [493 TÄpäl Logis [16

Wie dieN. Pr. Ztg." hört, wird der BundeSrath Ende nächster WoLe in die Berathung des ReichshauS- ha!t»-EtatS für 187778 eintreten. Die meisten ReichS- ReflortS haben die von ihnen aufgestellten EinzelctatS be- rttlS der Finanzablheilung des ReichSkanzleramteS zugehen lassen. Bei der Ausarbeitung deS Etats für das Quartal vom 1. Januar b>S 31. März 1877 wurde die nachiol gende einjährige Etatsperiode mit ins Auge gesaßt, so daß btt nächste EtatSgesetz-Entwurf verhältnißmäßig rasch her-

-innen, gestellt werden kann. Erklärlicher Weise giebt das KriegS- Mnifterium seinen Etat zuletzt ab, weil derselbe als der mnfänglichste die meisten Erhebungen nöthig macht. ES dürste schreibt das genannte Blatt anzunehmen sein, daß der dem neugewählten Reichstag zugehende JahrcSetat Ächt wesentlich von dem letztjährigen abtoeut. Den Uwaigen Mehrsorderungerr, die indessen keineswegs bedeu­tend sein dürsten, stehen voraussichtlich Ersparnisie gegen­über, so daß die ordentlichen Einnahmen in ihrer bisherigen Höhe ausreichen, die ordentlichen Ausgaben zu decken.

Kaffe!

877.

erfteia

nsious Abo« erst« Glocke flale).

Der zwischen Preußen und Waldeck abgeschlosiene SccesstonSvertrag ist bekanntlich von Seite Preußens zum 1. Januar 1878 gekündigt worden. ES ist dies jedoch mit dem Bemerken geschehen, daß durch die Kündigung eine anderwcite vettragSmäßige Regelung deS bisherigen Ver- hältnisses nicht auSgeschlosien sein solle. SS sind nun, wie diefit. Z " erfährt, kürzlich die Verhandlungen behufs AbschlusicS eine« neuen Vertrags damit eingeleilet worden, daß der Fürst von Walbeck die preußische Regierung um Miltheilung der von Preußen sür ersoederlich erachteten Modifikation deS bisherigen VertragSverhältnesseS gebeten hat. Einen Havptgegenstand der Pei Handlungen dürfte die Frage bilden, wie gegenwärtig die LandeSauSgaden Waldeck« bestritten werden sollen. Lurch Artikel 3 dc« seit dem 1. Januar -1868 gültigen AckcsstonS Vertrage«

hatte sich Preußen verpflichtet, diese Ausgaben zu bestreiten. Hierzu bedurfte eS bis zum Jahre 1875 eine« Zuschusses der preußischen StaatSkasie von ungefähr 174,000 Mark per Jahr, und trat bann eine Erhöhung deS Zuschusses auf 240,000 Mark ein. Im Falle einer weiteren Ber» pflichtung Preußens, alle LandesauSgaben Waldecks zu be­streiten, würde voraussichtlich schon bald eine nochmalige Erhöhung des preußischen Zuschusies erfolgen müssen. Hierzu würde aber da« preußische Abgeordnetenhaus, da« eS schon für ungerechtfertigt fand, daß Preußen bisher so beträchtliche Zuschüsse für ein fremreS Ländchen ohne jede Gegenleistung aufgebürdet wurden, seine Zustimmung nicht geben. Den einzigen AuSwcg aus dem Dilemma würde die Heranziehung deS DcmanialvermögenS zu den Kosten dec Verwaltung bieten, und diesen Ausweg dürste auch die preußische Staatsregierung in Vorschlag bringen.

Die Pforte bleibt also dabei, daß die Mächte ihr^ Vorschläge annehmen sollten, aber sie will umgekehrt aus keinen Punkt der Conferenzvorschläge eingehen. Diesen Grad von Starrsinn hat wohl Niemand hinter der Re­gierung de« morschen TmkenreichS gesucht. Daß man deß- halb nach Jemanden sucht, der im Geheimen die Pforte in ihrem Widerstande bestärken könnte, ist ganz in der Na­tur der Sache liegend. Man hat bisher und wohl mit Recht diesen Stützpunkt der Türkei in dem dreieinigen Jn- selreiche mit seiner domintrenden Seemacht gesucht. Wir glauben noch heute, daß England in der Orientfrage ein doppelte« Spiel treibt und bewundern demnach die Keckheit deS englischen RegierungS-OrganS, desStandard", welches perfider Weise Deutschland zum Sündenbock der diploma­tischen Erfolge der englischen Politik stempeln möchte. Die Pforte wisse wohl, so «eint da« Blatt des Herrn DiSrveli, daß Deutschland über eine gründliche Tewüihigung Ruß­lands frohlocken würde. Um offen zu fein, wollen wir gerne zugeben, daß im deutschen Volk stch eine starke Par­tei für russische Erfolge im Orient nicht erwärmen kann, und die Meinung, welche Rußland eine Demüthigung wünscht, eine weitverbreitete ist. Wir müssen aber unter­scheiden zwischen der öffentlichen Meinung und der Politik deS Herrn von Bismarck, der andere Interessen wahrzu- uehmen hat, als uns einbelustigendes Schauspiel" vor­zuführen Die Politik Deutschlands ist eine ehrliche und offene und Fürst Bismarck hat nicht ermangelt, in feinen letzten Reden feine klare Meinung zu sagen. Alle Welt und demnach auch die Pforte kann wissen, daß Deutschland dem russischen Reiche ein sicherer Nachbar ist, der nicht« thun wird, waS den Absichten der Pforte entgegen käme.

Reich.

Berlin, 8. Januar. Um den Wirkungsbereich

der Königlichen Schutzpcckenimpfanstalten in Uebereinstim- munz zu bringen, hat der Minister der geistlichen rc. An­gelegenheiten unterm 28. v. M. u. I. eine Instruktion erlassen, welche den Vorstehern dieser Anstalten bei Aus­führung der damit verbundenen Geschäfte zur Richtschnur dienen soll. Nach derselben ressortirt jede Köwgliche Schutzpockenimpfanstalt von dem betreffenden Oberpräsidium und erstreckt ihre Wirkungsamkeit hauptsächlich auf bin Umfang der Provinz, in welcher ste errichtet ist. Zweck der Anstalt ist: die Obrigkeiten, bezw. tfie Jmpfärzte oder Militärärzte der Provinz für die Einleitung des öffentlichen Jmptgeschäftes, bczw. der Truppeniwpfungen mit dem erforderlichen Bedarf an Schutzpcckenlymphe un­entgeltlich zu versehen. NöihigenfallS sind auf Wunsch baldigst Nachsendungen der Lymphe zu machen. Die Jm- pfungen in der Jmpsanstalt geschehen daS ganze »Jahr hindurch wenigstens einmal wöchentlich. Betreffs der An­träge auf Lympfübersendung von Seiten der Jmpfärzte hat der Minister darauf aufmerksam gemacht, daß der Name deS JwpfarzteS und seines Wohnorts in dem Re- quisttionSfchreiben leserlich geschrieben, auch bei kleineren Städten und Ortschaften der Kreis, in welchem der rcqut- rirende Ja psarzt wohnt, namhaft gemacht und gleichzettig bemerkt wird, ob letzterer dem öffentlichen JmpfgeschSfle vorsteht oder die erbetene Lymphe zu Privatimpsungen be­nutzen will. Um überhaupt die Ansprüche der öffentlichen Jmpfärzte an die Königs en Jwpsar.stalten zu regeln, sollen dieselben wiederholt auf die Verpflichtung hingewie- sen werden, für die geeignete Fortpflanzung und Vermeh­rung der Schutzpockeniymphe selbst Sorge zu tragen, nach­dem das öffentliche Jmpfgeschäft mittels der aus den Königlichen Jmpfanstalten bezogenen Schutzpockenlymphe ordnungsmäßig eingesührt ist Der Entwurf eines Leichenschaugcs.tzes ist, wie verlautet, nunmehr vom ReichSgesundheitSamt durchgearbeitet und dem Reichskanzler überreicht worden. DaS Gesetz hat den Zweck, die noch immer vorhandene Möglichkeit des Leben- dtgbegrabenwetdenS zu beseitigen, die Entdeckung von Ver­brechen gegen da« Leben möglichst zu sichern, die Behörden in den Stand zu setzen, beim Auftreten ansteckender Krank­heiten rechtzeitig durch geeignete Maßregeln die Weitervcr- breitung zu verhüten, und die Grundlage zu bilden für eine praktisch und wissenschaftlich verwerthbare MortaUtätS- statistik, ohne welche die Mcdicinalpolizei an die Lösung der wichtigsten hygienischen Fragen nicht herantceten kann. In Deutschland besteht zur Zeit die obligatorische Leichen­schau aus Grund genügender Bestimmungen nur in einem Theile Bayerns, in Sachsen, Baden und der Provinz Hessen Nassau, während in dem Übrigen Theile Deutschland- ganz unzureichende Vorschriften In Geltung sind. Der Entwurf lehnt sich mit unwesentlichen Abänderungen den Beschlüssen der Kommission zur Vorbereitung einer Reichs-

1/ äst.

103

1<Ä

: 187

tt.51

1026 SS

97

103

247

85

111

131

96

7i

$4

$4

14

34

54

2

l

?!

> i

)

)

)

5

> 88,51

83,8

to. H 94

DaS große LooS.

Humoreske von W. v. Strachwitz.

(Schluß.)

Die vierzehn Tage, die zwischen dem ersten und dritten Aufgebot liegen, sind vergangen. Im schwarzen Adler ist Alles in lebhaftester Bewegung. Es ist gekocht und gebra­ten worden seit drei Tagen. Der Saal ist festlich decorirl, die ringsum aufgestellten, weißbedeckten Tafeln biegen stch fast unter der Last der Blumen und Aufsätze. Ganze Batterien von Weinflaschen sind aufgesahren. Wilhelm und Minchen feiern ihre Hochzeit. Dir Kellner springen eifrig auf und ab, der Wirth überblickt nach einander die Arrangements. Der nächste Augenblick kann die Gäste herbeiführen. Da kamen ste angesahren. Voran das Brautpaar, Wilhelm im Leibrock vom eleganteste n Schnitt, Minchen im weißen seid neu Kleide; Wilhelm hat eS ber, ob solcher Verschwendung erstaunten und geschmeichelten Braut zum Präsent gemacht.

Er kannS. Ihnen folgen Wagen an Wagen die Gäste Phinchen und der lange Bediente und das ganze andere, zahlreiche Personal von CommerzienrathS.

Die Gesellschaft gruppirt stch um die Tische, obenan Braut und Bräutigam. Die Bouillon erscheint, Gläser klingen, die K llner haben nicht Hände genug. Da ergebt sich der glückliche Bräutigam, er schlägt mit dem Messer an sein Glas und die erwartungsvolle Stille tritt ein, die einem Toaste vorauszugehen pflegt. Alle Blicke richten sich gespannt auf den Redner.

Meine Damen und Herren," beginnt er,lassen Sie uns vor Allem Dessen gedenken, der zu meint« theuren Frauchen« und meinem Glücke den solidesten Grund gelegt! Auch vie« Mal wie an jedem Weihnachtsabend, so lange Minchen die Ehre hatte, der Küche dc« Herrn Sommer-