XII. ZahrjMg.
3Hat6urg, Dienstag, 9. Januar 1877.
ien nimmt entgegen:
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sind die letzten Reserven einberusen.
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Die Ernennung Khalil Sherif Pascha« zum türkischen
votschafter sür Berlin ist, wie die „Rat.-Ztg." hört, gegen! Andere haben sojortige UnabhLngigkeitSerktLmng und Stel ba« sonstige Herkommen ohne vorherige Anfrage darüber, j lung Rumänien« unter den Schutz Rußland« vorgeschlagen
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Berliner Correspondenzen besprechen den bevorstehenden Abschluß der Arbeiten über da« Unterrichtsgesetz und bemerken dazu, daß dieselben sich den früheren Schätzungen zuwider in da« neue Jahr ausgedehnt hätten. In unter- richteten Kreisen hat man diese Schätzungen nie getheilt. Derjenige Theil de« Un-errichtSgesetze«, welcher noch be rachen wird, nämlich der über die Lasten der Volksschule, ist der schwierigste und umsasiendste, und kein Kundiger hat den raschen Abschluß dcsielben für möglich gehalten. Nach erfolgter vorläufiger Feststellung im KuituSminifterium «erden erst die schriftlichen und kommisiartfchen Verhandlungen mit den übrigen beteiligten R-florts beginnen und dann erst die Beratungen des Staatsministeriums folgen, die bei den besonderen Gesichtspunkten, von denen au« namentlich der Minister de« Innern und der Finanzminister die Frage behandeln müflen, so schwieriger Natur sind, wie kaum bei einem anderen Gesetze. Bei aller Energie, welche sowohl der Minister Falk selber al« auch die Direktoren Und Räthe auf die Arbeit verwenden, darf es schon al« ein bedeutender Erfolg betrachtet werden, wenn der Entwurf bi« zur nächsten Herbstsesfion sertiggestellt werden kann.
tr gu» -.«wen nimmt entgegen. ifria »Wedttton d. Blatte«, ® die Amwncen-Bureaux Dietrich L Co. in
Atginungsralh H der, die Geheimen Räthe Aschenborn und Schultz, die RegierungSräthe Meitzen, Lieber und Surchard und der Regierung« Assessor Schrank.
bestätigt sich, daß die Pforte in ihrem Expos«, in der Donnerstag« Sitzung der Konferenz verlesen
berührt.
E« bestätigt sich, daß in Folge der von französischen Zeitungen gemachten „Enthüllungen" bezüglich angeblicher Verträge, welche Frankreich iw Jahre 1870 der italienischen Regierung vorgcschlagcn haben soll, die schweizerische Re- gteung freundschaftliche Erklärungen von der italienischen Regierung verlangt hat und zwar mit Rücksicht auf die angcdeutete Grenzberichtigung im Kanton Tesiin. Au« diesem Grunde Mont eine offiziöse Korrespondenz de« „Diriito" ganz besonder« „die Beziehungen aufrichtiger und loyaler Freundschaft z-rischen Italien und der Schweiz, welche immer herzlich waren und e« j-tzt mehr als je find." Der Schluß des im Uebrigen nur ein sehr formelles Dementi enthaltenden Kommunique lautet wörtlich: „Wie die Schweiz weiß, daß sie im neuen Italien eine aufrich tige und uneigennützige Freundin hat, so begreift Italien den Werth für seine politischen und militärischen Jntercsien dieser guten Nachbarschaft eine« freien und seine iuternu- tionalen Pflichten erfüllenden Lande«, wie die schweizerische Eidgenosienschoft es ist/
Der französsische Ministerpräsident Simon reorganistrt den Verwaltungsapparat, da« „Journal offiziell" publicirt die Verabschiedung von acht und die Ernnennung von 6 neuen Präfekten. Auch die Begnadigung von 54 wegen de« Eommuneaufstande« Verurtheilten, meldet dasielbe Blatt.
La-esdericht.
Die am 1. Januar in'« Leben getretene Finanz-Abthei-
D«qche» Mich.
Berlin, 6. Januar. Der „Sl-Anz" schreibt: Tie zuerst von einem französischen klerikalen Blatte, demnächst von polnischen Zeitungen verbreiteten ausführlichen Angaben über ein Schreiben, in welchem Se. Majestät der Kaiser und König Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland von einem Krige gegen die Türkei unter Darlegung der Schwierigkeiten desielben abgerathen habe, sind vollständig erfunden; Se. Majestät haben nie ein Schreiben diese« oder eine« ähnlichen Inhaltes an den Kaiser Alexander gerichtet. Als Anlaß zu der Erfindung scheint der Umstand benutzt morden zu se n, daß Der Kaiser Al.xander zum GeorgSseste Sr. Majestät dem Kaiser und König telegraphisch einen Gruß gesandt, in welchem die Hoffnung, daß ihm ein Krieg erspart werde, ausgedrückt war, und daß Se. Majestät in der aus demselben Wege übersandten dankenden Antwort sich dieser Hoffnung angeschlvff.n haben.
Die in diesen Tagen erschienene Ausgabe des Handbuchs über den Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1877 ergiebt in Form und Inhalt mannigfache Verschiedenheiten gegen die früheren Jahre. Durch engeren Druck, größeren Ausnutzung des Raums, Veränderung der Typen für die Bezeichnung der ausländischen Orden ist die äußere Form nicht nur eine gefälligere geworden, sondern auch einem weiteren Anwachsen der Bogen- und Seitenzahl deS noch immer umfänglichen Werkes vorgebeugt. Die letztere beträgt gegen 1012 S. im Jahre 1873/74; 1108 S. Im Jahre 1875; 1083 S. im Jahre 1876, im laufenden Jahre nur 991 S., obwohl der Inhalt nebm einigen, weniger erheblichen Beschränkungen, mehrfache Erweiterungen und nützliche Ergänzungen erfahren hat. Die Beschränkungen sind herbeigesührt dadurch, daß in Folge der regelmäßigen Ausgabe eines Handbuch« sür da« Deutsche Reich Alle« dasjenige fortzulaffen war, was nicht rein preußische Institutionen betrifft, oder mit der preußischen Verwaltung in einem untrennbaren Zusammenhänge steht; Erweiterungen traten ein durch die Aufnahme der auf Grund der Gesetzgebung der jüngsten Jahre in Wirksamkeit getretenen neuen staatlichen, provinziellen und kommunalen Behörden und Verwaltungsorgane.
Hamburg, 6. Jan. Von Helgoland wurde heute Vormittag gemeldet: Der Dampfer „Saxonia" ist gestern bei Helgoland auf den Grund gerochen; Versuche, denselben flott zu machen, sind fehlgeschlagen. Paffagiere und Mann- fchast wurden wohlbehalten ans Land gesetzt. Da« ringe*
die Hauptbeschlüsse der Lorkonserenz definitiv ab- und auf ihrem negativen Standpunkt stehen ge- ift. Der Abbruch der Konferenz erfolgte darum noch nicht sofort, weil die Bevollmächtigten erst am Mon tag der Pforte eine gemeinsame (inzwischen feflzustellende) Antwort überreichen wollen, an die sich immer noch eine weitere Erörterung anschließen kann. Sehr bedenklich scheint der Zwischenfall mit Rumänien zu sein, über denselben bringt die „Post" solgendeS Telegramm: „In Bukarest ist ungeheuere Aufregung, weil Safvet Pascha dem Minister Bratianu erklärt hat, die Psorte werde von Rumänien die Anerkennung, Proklamiruug und faktische Einführung der türktschen Verfaffung fordern. Die Kammermehrheit in Bukarest verlangt ein sofortige« Ultimatum an die Pforte,
31n) g bei »hn.
[flng be« Reichskanzleramtes, an deren Spitze der vor welligen Tagen zum Direktor im Reichskanzleramte ernannte Mrterige Geheime Ober»Regierungsrath Dr. Michaeli« gellt wurde, ist nunmehr vollständig konstituirt. Der-
Uen find die sämmtlichm Etats, Kaffen- und RechnungS- [34 stuhen, die Münz- und Lanksachcn, die Zoll- und Steuersachen, die ReichSschulden-, die Reichs - EigenthumSsachen, bie Verwaltung des Reick« - Jnvalftenfond« und die Verwaltung der Inhaber-Papiere mit Prämien übertragen
ob er dem deutschen Kabinet genehm sei, erfolgt. Die Nach. I Alle rumänischen Truppen haben Marschordre erhalten, auch richt von dieser Ernennung hat in Berlin in Rückficht auf »sind die letzten Reserven einberufen.
die Mannten Antecedentien desselben nicht sehr angenehm -------—-----------------------------------------------
Anzeigen nimmt entgegen: bie EÄebitton b. Blattei sowie bte Annoncen-Bureaux von <8 L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ter in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
tffteint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wdchentlichen Beilage ,JIn*rtttei EsnttMMlatt" durch die «xpedMon («och'sche Buchdruckerei) bezogen Äst Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« S Wart 50 Pf«. (ejL Bestellgebühr). — JnserttonSarbühr für bie gespaltene Serie 10 Vs,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf«, berechnet.
eilen, Da« neue Reichsjustiz Amt ist mit seiner Konstituirung, ____ Regelung des Geschäftsganges, Vettheilung der Decernate rc. beschäftigt. Die Ernennung deS Geh. Rathes Hanauer zum Direktor als Nachfolger de« Herrn von AmSbetg ist bereit« erfolgt.
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Eden" Al« Decernenten sind vom 1. Januar in die llpn Rnanz-Abtheilung eingetreten die Herren Geheimer Ober-
und Hannover; Th. rietridt in Frankfurt a- M.; ^»scnstein & Bögler in Wfurt a. M, Berlin, Leip- Eöln rc; Rudolf Moste enb jL»läerlin, Frankfurt a. M. ic.
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Humoreske von W. v. Strachwitz.
mit Schmerzen, ein wenig, fast gar nicht. Er liebt mich, von Herzen, mit Schmerzen —* Minchen schwingt die Feder, bie sie ihrem Orakel, dem Flügel einer seiften (San«, entrissen, triumphirend über ihrem jungfräulichen Haupt — „mit Schmerzen I Ja, sieben Jahre bient er schon um mich, wie Jakob um Rahe!, ich bin bierunb» dreißig darüber geworden — freilich habe ich mich sehr gut conservil tl und sein Haar wird auch schon dünner. Der arme Mensch, wa« mag er leiden, ich muß seiner Echüchlernheit etwas zu Hülfe kommen. Lange genug habe sch sür de» Herrn Commerzienrath gekocht, um endlich auch h den eigenen Topf guck n zu können
Wilhelm muß einen hübschen Groschen zurückgelegt haben in den langen Jahren bei seiner Sparsamkeit, und ich habe mich auch nicht vergeffen; wenn ich zusammen* rechne, wa« ich in der Sparkasse habe, fünf Bücher habe ich voll eingezahlt, macht fünfhundert und ein« mit achtzig Und ein« mit vierzig —
Wenn ich nur wüßte, was da« mit dem Phinchen zu bedeuten hat, daß er mitunter gar fo zärtlich mit ihr thut, baß ich wahrhaftig eifersüchtig werden könnte; 's ist zwar < n junges, dummes Ding, hat nichts, taugt nichts, aber traue Einer den Männern."
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Der Gegenstand dieser Betrachtungen geht indeß auf dem Trottoir vor dem Hause de« Herrn CommerzienrathS auf und ab. Die GaSlaternen werfen ihr flackerndes Licht °uf ftischgefallenen Schnee, es ist kurz vor Weihnachten. Die Kälte bringt empfindlich durch seinen Oberrock, daß zusammenschauert und sich fester den wollenen Shaw! 801 bie Ohren zieht.
„Es muß ein Ende nehmen mit der langweiligen Jung-
*) Nachdruck verboten.
gesellenwirthschast," murmelt er vor sich hin. „Wenn Andere nach getaner Arbeit in ihr gemülhliches, warme« Stübchen einkehreo, wenn sie ein warmer Schlafrock, ein Paar gewärmte Hausschuhe, eine warme Suppe empfangen, renne ich auf der Straße hin und her, um nicht ganz zu erstarren, bis das Feuer, das ich mir selbst gemacht, das kalte Loch ein bischen durchwärmt hat.
Wenn ich nur wüßte, welche eigentlich; Minchen, meine siebenjährige Flamme, hat schon was HübsieS auf bie hohe Kante gestellt, 'S ist wahr, und eine tüchtige Wirthtn ist sie, ein Beefsteak macht sie, so saftig, daß Einem daS Wasser im Munde bei der Erinnerung daran zusammenlSuft, und treu ist sie mir gewesen — sieben Jahre. Aber Phinchen, daS junge, niedliche, dralle Ding mit den pechschwarzen feurigen Augen, — wenn die Einen anlacht, ja, da läuft ihm halt auch daS Wasser im Munde zusammen, wie bei MinchenS Beefsteak. Und sie hat keinen Ansatz zu einem Schnurr und Kinnbart und keine grauen Haare — freilich hat sie auch keine Sparkassenbücher; aber sie hat ein Mündchen zum Küssen, und daS hat Minchen nicht. Ach, Minchen, Phinchen, ich stehe zwischen Such wie der Sjei zwischen den beiden Heubündeln l
Ich will losen, ich w-ll die Knöpfe zählen. Minchen, Phinchen, Minchen, Phinchen — na, wa« ist da«? da fehlt ja gar ein Knopf. Nun bin Ich wieder so klug als vorher. Es soll nicht fein, ich soll heut noch nicht zum Entschlüsse kommen. Dä« Schichal will eS so und wer weiß, wozu es gut ist.
Ter Herr Commerzimrath werden ja auch diesmal Minchen wieder ein LotterielooS zum Weihnachtsgeschenk machen; wer weih benn, sie hat zwar sieben Jahre gespielt unb nicktS gewonnen, aber was lange währt, wirb enbllch doch gut. Warten wir also bie Ziehung ab. Gewinnt sie, so ist'S Minchen, gibt'S wirser nichts, so helrathe Ich Phinchen, bis dahin machen wir beiden den Hof."
Unternehmend „Und ein Kind mit runder Brust" vor
stch hinträllernd, ersteigt Wilhelm bie Treppe zur commer- zienräthllchen Küche.
„Guten Abenb, Minchen," grüßt er süß lächelnd, „kann doch nicht nach Hause gehen, ohne mich nach Ihrem werthen Befinden zu erkundigen."
„Guten Abend, Wilhelm! Ach du lieber Gott, wie sehen Sie auS, ja ganz braun unb blau vor Frost. Kommen Sie, setzen Sie stch an ben warmen Ofen, ich habe schon ben Stuhl sür Sie zurecht gerückt, ich wußte ja, daß Sie noch nach Ihrem Minchen sehen würden. Ich habe auch schon ein Beefsteak für Sie geklopft, ja, da liegt« schon im Tiegel, nur noch rin paar Minuten." Der Dust der bratenden Zwiebel riecht Wilhelm« Nase gar lieblich, der Mund wässert ihm. MinchenS Aktien fteigen
„Sie gutes Minchen", sagt er gerührt, „wa« müssen Sie einmal einen Mann glücklich machen."
„Na, da langen Sie tüchiig zu," flüstert Minchen mit ihrem holdseligsten Lächeln, indem sie fein Lieblingsgericht vor ihn hinfetzt, ein Meisterstück der Kochkunst. Sie rückt sich einen Stuhl an seine Seite unb betrachtet mit Genug- thuung bie fabelhafte Thätigkeit seiner Kinnbacken. Er wirst ihr bann unb wann einen bai lbaren Blick zu.
„Sie gute« Minchen!" wieberholt er, enblich Gabel unb Messer au« ber Hand legend, da eS nicht« mehr für sie zu thnn flieht „Wie könnte ich den beneiden, den Sie einmal mit Ihrer Hand beglücken werden. — Ei, guten Abend, allerfchönstes Phinchen, freue mich Sie wohl zu sehen," unterbricht er sich mit ziemlich unverholenem Entzücken dem eintretenden Stubenmädchen entgegeneilend.
„Danke, Herr Wilhelm, sie befinden stch doch auch nach Wunsch?"
„O, allerliebste« Phinchen, wie können Sie so fragen ? Wen Sie mit Ihren wonnereichen Augen anblicken, der müßte ein Herz von Stein haben, könnte er ihrem verführerischen Eindruck widerstehen —"
„Ach, gehen Sie, Sie Schmeichler