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Sr. S.

Marburg, Sonntag, 7. Januar 1877.

xii. Jahrgang.

OberheUlhe Ieituna

Politische Woche» - Ueterficht.

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Die Conferenzvorschläge

wina, neue politische Abgränzung der Bulgare«, Ernennung

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Die PsarrerSwittwe führte -ihn in das kleine Zimmer, er erstaunte über die ärmliche Einrichtung, über die in die Augen fallende Dürftigkeit, die sich überall zeigte. Hatte der Verstorbene denn nicht besser für seine Hinterbliebene Familie gesorgt und hatte doch, wenn Reinhold seine Ahnung

In Dänemark bereitet sich eine Lösung des Wider­streites vor, der nun schon seit Jahren zwischen der Re­gierung und der Mehrheit des Folkethings bestanden hat. Da das Finanzgesetz bei der Schroffheit, mit der sich beide Parteien gegenüberstehen, durchaus keine Aussicht hat, ver­einbart zu werden, und ohne Budget nun einmal nicht regiert werden darf, hat der König sich geneigt erklärt, zwe Führer der Opposition, die Herren Krabbe und Bojsen, aber auch nur diese, in den Rath der Krone aufzunehmen. Wenn die Herren I. A. Hansen und Berg daraus bestehen sollten, ebenfalls zu Ministern erhoben zu werden, so würde an ihrer Hartköpfigkeit dieser vom Könige selbst gemachte VersöhnungSvcrsuch scheitern müssen.

Dem Zusammentritt der Conferenz am 23. Dezember sind weitere Sitzungen am 28., 30. Dec. und 1. Januar gefolgt, über deren Ergebniß indeffen noch eine ziemliche Unklarheit herrscht. Die Pforte hat auf die Bekanntgebung der Vorkonferenz-Vorschläge hin noch am Abend des 28 einen Gegenplan überreicht, der einige Zugeständniffe macht, immerhin aber noch einen weiten Spielraum zwischen dem Standpunkt der Pforte und jenem der Conferenz aufweist und die besonders an der Börse zu Tage getretenen starken Friedenshoffnungen als nicht vollkommen gerechtfertigt er­scheinen läßt. Rußland steht an der Schwelle seines Zieles als der Bevollmächtigte Europas handeln zu können; die Pforte kann dem beständigen Hinweis auf die für das ganze Reich gültige, von der Conferenz indeffen wenig beachtete Verfaflung immer noch nicht ganz entsagen. Die Conferenz bezeigt nicht die geringste Lust, nach zwei Jahren zur Be gutachtung der eingeführten Reformen abermals zusammen- zutrqen, und soll sogar bei fortdauernder Hartnäckigkeit

mächtigten Marquis v. Salisbury sind in der verfloffenen Woche die mannigfaltigsten und widersprechendsten Nach­richten umgelaufen. Bald sollte er der Pforte gleichsam Arm in Arm mit Jgnatieff, drohend mit einer Art Ulti­matum gegenüber getreten fein, bald nur dem Sultan in freundschaftlicher Unterredung, wenn auch im festen Tone, wohlwollende Rathschläge unterbreitet haben. Die Meldung, daß die englische Flotte aus der Bestka Bai abberufen und im Piräeus vor Anker gegangen ist, war anfänglich derart gedeutet, daß England entschlossen fei, jedwede Stützung der Türkei aufzugeben, spätere Nachrichten tndeß wollten jene Maßregel nur durch maritime Rücksichten veranlaßt erklären. Am 1. Januar hat unter großartigen Feierlich ketten in allen größeren Städten Indiens die Proklamirung der Königin Victoria zur Kaiserin von Indien Statt ge­funden.

haben freilich, welche Folgen seine Thal heraufbeschworen, in welche Wirrntß sie ihn gestürzt, konnte er ja nie ge­ahnt haben.

Er bat die Wittwe, so ruhig ihm das bet seiner Er- regung möglich war, ihm alles, was sie von Marten wiffe, alles, was im Zusammenhang mit ihrem verstorbenen Manne stehe, hauptsächlich, ob derselbe niemals einen Brief von ihm (Reinhold) erhalten habe, mitzutheilen.

Bei den letzten Worten stürzte ein Thränenstrom aus den Augen der alten Frau. Mit leiser, oft von Schluch- zea unterbrochener Stimme erzählte sie dem neben ihr fitzenden, athemlos zuhörenden Manne, wie ein halbes Jahr nach dem Tode ihres Mannes, als sie die Pfarr­wohnung verlaffen und den Schreibtisch des Verstorbenen erkauft, sie in dem geheimen Fache desselben, fest zusammen gewickelt zwei Briefe gefunden habe: den einen von der Hand ihres Sohnes, ein furchtbares Schuldbekenntniß, den andern von Reinhold Anders, der von einer Summe von 300 Thalern gesprochen, die er seinem Weibe zuweise, da­mit sie die Reise zu ihm unternehme.

Ihr Mann mußte ein Mittel gefunden haben, dem un­glücklichen Sohne zu helfen, das sagte sie sich, indem sie des Sohnes Verhalten am Begräbniß des Vaters sich ver- gegenwärtigte, nicht Schmerz allein um den Tod deS Da- Hingeschiedenen hatte aus seinen bleichen, verzerrten Zügen gesprochen, nein. Reue, tiefe Reue, und das unauslöschliche

Die Conferenzbevollmächtigten find noch immer in Constantinopel und werden auf allgemeines Verlangen nochmals eineallerletzte" Berathung abhalten, da die letzte" (s. unten London) nur ein zweifelhaftes Resultat geliefert hat. Sie sind aber gleichzeitig für die Abreise gerüstet. Alle Welt ist entrüstet über die türkische Miß­achtung Europas. Wir begreifen das offen gestanden nicht Die Türkei kennt keinen andern Trieb der Selbsterhaltung Sie wird den Willen Europas nur dann refpectiren, wenn

tionen für dieselbe, Ausarbeitung eines Gesetzbuches in den betreffenden Landessprachen, Absetzung willkürlicher Beamten, Besatzung durch neutrale Truppen, Zustimmung der Mächte zu der Ernennung der Gouverneure, Steuerreform, Lösung der Tscherkeffenfrage und Bildung einer Nationalversamm­lung. Alles in Allem ein so starkes Menu, daß auch der beste Magen es schwerlich verdauen dürfte. Der Waffen­stillstand zwischen der Türkei und ihren Vasallen ist vom 1. Januar bis zum 1. März verlängert worden.

wurde, Jemandem nur ein hartes Wort zu sagen, er ge- lobte sich, den Eienden zu entlarven und keine Schonung zu üben, es treffe auch, wen es wolle.

Er ließ das Kind in Elisabeths Schutze zurück und begab sich mit seltsamen Gefühlen auf die Reise nach jenem Dörfchen, von dem er einst so schweren Herzens geschieden. Mit wunderbaren Gefühlen ging er die bekannten Wege, die Leute, die ihm begegneten und die er grüßte, kannten ihn kaum und sahen ihm verwundert nach.

Entschloffenen Schrittes ging er am Pfarrhause vor­über, der jetzige Pfarrer, erst wenige Wochen im Amte, konnte ja von der Sache nichts wiflen, er lenkte seine Schritte dem kleinen Häuschen zu, das die Wittwe des früheren Pfarrers jetzt bewohnte. Eine alte Frau, der man eS anfah, wie viel sie gelitten, öffnete ihm, eine flüch tige Röthe zog über ihr stilles Gesicht, als sie ihn näher in'S Auge faßte, sie nannte ihn staunend bei feinem Namen unwillkürlich, ob er sich gleich den Grund davon nicht sagen konnte bestärkte ihn dies in dem Argwohn, daß hier und nirgends anders der Knoten feines VerhängniffeS geschürzt worden sei.

Der Neujahrs-Empfang in Versailles und im Elyss: ging ohne jeden bemerkenSwerthe» Vorfall in üblicher Weise vorüber. Das Publikum verhielt sich kalt und achtlos; denn die Zeiten sind nicht mehr, wo Napoleon am Neu- jahrSmorgea mit Einem Wort einen europäischen Kriegs- drand emporblteS. Wie das Neujahrsgeschäft in Paris grzeigt hat, macht auch in Frankreich die GeschäftSftockung sich nach und nach fühlbar; Ministerpräsident Simon trö-

Reinhold unterbrach die Weinende.

Und was ist auö ihm geworden, ist er umgekehrt von

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Fuhre »nS nicht in Versuchung!

Erzählung von B. Hollweg.

(Schluß).

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Die Nachricht, daß in Regierungskreisen die Absicht bestehe, den Reichstag und den preußischen Landtag eine Zeit lang nebeneinander tagen zu lassen hat sich glückli­cherweise nicht bestätigt. Die Regierungen beabsichtigen, die beiden Legislaturen, sowohl was die Zeit als den Be- rathungsstoff anbelangt, etwas knapp zu halten. Außer den Etats sollen nur die dringlichsten Vorlagen gemacht werden und bis Ostern soll bereits die parlamentarische Saison geschloffen werden. Wir halten die Mittheilungen die aus offiziöser Quelle stammen, lediglich für eine Mah­nung an den Reichstag mit seiner Zeit sparsam zu fein, was dieser ohnehin mit Rücksicht auf seine Diätenlostgkeit zu thun gewohnt ist.

DerKölnischen Zeitung" wird von Berlin geschrieben: Vor einigen Wochen schon sind uns Andeutungen zuge­kommen, daß der russische Kaiser dem deutschen Fcldmarschall von Manteuffel, der ja den Titel eines russischen Feld- marschallS führt, den Antrag gemacht habe, den Oberbefehl des russischen Heeres in der Türkei zu übernehmen. Man­teuffel habe den Antrag nicht von der Hand gewiesen, es fei ihm aber in Berlin bedeutet worden, eS stände bei ihm, den ehrenvollen Antrag des Kaisers von Rußland anzu- nehmen, doch muffe er in diesem Fall aus dem Verband der deutschen Armee und auch aus dem preußischen Un- terthanenverbande scheiden. Diese Antwort soll auch allen denjenigen Offizieren ertheilt worden sein, die sich nach der Möglichkeit erkundigten, russische Dienste unter Manteuffel anzunehmen. Wir geben diese Nachricht, weil sie ohne Zweifel viel besprochen wird, müssen aber natürlich Kölnischen Zeitung" dafür die Verantwortung überlassen.

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Der erste Tag des neuen Jahres war zugleich der Tag ___ des flebenzigjährigen militärischen Dienstjubiläums unseres - KaisersWilhelm deS Siegreichen", der stebenzigsten Wie­derkehr des TageS, an welchem der vielgeprüfte Vater, Wilhelm III., den Prinzen Wilhelm im zarten Knabenalter als Sccondelieutenant in die Reihen feines Heeres aufnahm, jenes Heeres, welches in dem Kaiser dereinst das Vorbild aller soldatischen Tugenden und den Schöpfer jener neuen Ordnungen erblicken sollte, die, in Kamps und Sieg be- »ährt, Preußens Ruhm erhöhen, Deutschlands Größe neu und fest begründen halfen! Der Kaiser, in seiner großen Bescheidenheit, ließ das Fest offiziell nur als militärisches begehen; ober die ganze Bevölkerung nicht bloß der Haupt­stadt, sondern in allen Theilen be« Reichs feierte den Tag von Herzen mit und zwar im Geist um den allverehrten Herrscher versammelt. Die politischen Ereignisse im Reiche wucentriren sich auf das Eine, die ReichstazSwahl, die am nächsten Mittwoch stattfinden wird.

iMttgen nimmt entgegen: ,ie «rpedttton b. Blatte», etoie die Annoncen-Bureaux ,an Th. Dietrich & Co- in affet und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasmstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip- (ifl, 6öln k; Rudolf Moste ^Berlin, Frankfurt a. M. :t.

Goldener Morgensonnenschein lag auf der alten Stadt dd ihrer Umgebung, auch die Stätte deS Todes, der Kirchhof, erhielt durch sein veiklärendes Licht ein freund- cheS Aussehen. Hell glitzerte die Sonne in tausenden vn Thautropfen, die an Blumen und Gräsern hingen, sie Regelte sich auch in den Thränen der drei Menschen, die Ntt weinend ein offenes Grab umstanden, in welches der it Blumen überdeckte Sarg soeben eingesenkt worden war. ler Arm deS hohen blaffen ManneS umschlang die wei- tnde Frauengestalt an seiner Seite, die andere Hand hielt U Händchen eines frischen, rosigen Knaben, dessen Augen vhl nur, weil er das Weinen der Andern sah, das vrständniß dessen, was um ihn her vorging, lag seiner »blichen Seele noch zu fern von Thränen überströmten .Sein Schmerz hinberte ihn nicht, bas holde Gesicht 6 jungen Frau fort und fort anzufchaum, endlich wagte k die Frage:Hast Du denn meine Mama auch gekannt, 4 Du so sehr um sie weinst? Laut auffchluchzend schloß G. Elisabeth an ihr Herz, ja, sagte sie leise, ich habe sie rannt und werde halten, was ich ihr gelobt: Dir eine hie Mutter zu sein.

Reinhold, der mit Elisabeth so zu fegen seine Hoch- greise nach Europa angetreten hatie, um ihr seine deutsche tinati) zu zeigen, hatte keine Ruhe mehr, bis er erfahren, !t so unheilbringend in sein Geschick und daS deS armen opferten Weibe« eingegriffen hatte. Er wollte Marien Hm, er, km e« sonst in seiner Gutmüthigkeit schwn

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Aimoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Eo. in Frankfurt a. M.: Jäger'scht Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz. ~ ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Die Stellung, welche von dem österreichischen C-binet der durch die Verkündigung der ottomanischen Ver­fassung und die neuerdings zu Tage getretene feste Haltung der Pforte veränderten Lage gegenüber eingenommen wird, läßt sich nicht klar erkennen. Die österreichischen Vertreter stud bis jetzt aus den Verhandlungen der Conferenz nie- ,«alS in den Vordergrund getreten, sondern hatten sich, »ie eS scheint, auf ihre ursprüngliche Weisung, etwaige Vorschläge nur ad referendum zu nehmen, beschränkt. Mehrfach taucht wieder da« Gerücht auf, daß man in Wien beabsichtige, bei Ausbruch eine» russisch-türkischen Krieges Bosnien oder Serbien zu besetzen, doch ist bis heute eine Bestätigung dafür nicht eingetroffen.

Der Papst hat den Monsignore Cattoni zum Nuntius in Madrid ernannt.

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98 stete bei dem Empfange der Verwaltungsbeamten der Künste 247 8ob Gewerbe die Hauptstadt damit, daß sie, die früher daS in Ltellvichein der leichtfertigen Touristenwelt gewesen, fortan 46 ltn Jüngern der Künste und Wissenschaften als das Mekka 131

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" » MtO0dO9°.r ldne nach fremdem Gute aus- Bewußtsein, daß er selbst den Tod desjenigen verschuldet gestreckt? Die alte Frau ergriff zuerst bas Wort, sie sprach der ihm allezeit ein gütiger Vater gewesen war ' hm seinen Dank aus, baß er gekommen unb fügte hinzu, Reinholb unterbrach bie Weinenbe

fte wiffe, was ihn hergetrieben. L...___cr umfltieDII DDn

. horchte hoch auf, sollte eS ihm so leicht wer- seinem unseligen Wege, war baS Opfer, das ihr Mann

den, sollte der Sterbende seiner Frau vielleicht alles erklärt; ihm brachte, wenigstens nicht umsonst?

« Abendlandes d enen solle. Sin ernsterer Zug geht inj Seitens der Pfotte eine Verlegung ihres Sitzes nach Athen ? ÄVasL k°nt °U$ b e ^ographie, in Aussicht genommen haben. Die Conferenzvorschläge sonst das Schreckbild der Franzofen war und vermeint- gipfeln tn folgenden Punkten: Friedenfchluß mit den Va- den preußischen Siegen so viel mitwirkte, auf dem fallen, neue Organisation von Bosnien und der Herzego.

o nlT ®lna- ^ue politische Abgränzung der Bulgare., Ernennung Hebet das Auftreten des englischen Conferenzbevoll- einer internationalen UeberwachungSkommisston, Jnstruk-