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Marburg, Sonnabend, 6. Januar 1877,
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Kind, das er da auf seinen Knieen hielt und dessen lind-
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plötzlich mit Todtenblässe überzog, wie sein Auge starren Blickes an dem von ihr bezeichneten Punkte hing und er, sich aufraffend, aus dem Zimmer stürzte. Nach wenigen Augenblicken sah sie noch, wie er auf das arme Weib mit dem Kinde zutrat, wie die Frau, die schon vorher mit einer Ohnmacht gekämpft, besinnungslos umsank, wie er die Bewußtlose und ihr Kind in einen eben vorüberkommenden Wagen hob, ihnen folgte, und wie der Wagen in raschem Trabe davon fuhr. Eine Beute der quälendsten Gedanken sah Elisabeth ihm nach.
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,ktes sollte konstatiren und am Rande des GeburlSaktctz vermerken dürfen.
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Wir stehen jetzt vor einem gewaltigen Räthsel in der orientalischen Frage! Die Nachrichten, die aus Rußland kommen, sind Nicht derart, um uns zu überzeugen, daß Rußland fähig ist, einen Krieg anzufangen. Was geschieht aber, wenn sich von den russischen Forderungen keine erfüllt und die Pforte die Zügel ihres Regiments straffer anzieht als je? Wird sich Rußland mit sehenden Augen in den Abgrund stürzen? Wir denken, daß sich Rußland mehr als einmal besinnen wird, den letzten entscheidenden Schritt zu thun. Aber auch in diesem Falle wäre Rußland fürchterlich geschlagen. Es könnte sich fürder Rußland nicht mehr beikommen lassen, irgendwo einen bestimmenden Einfluß auSzuüken, man müßte jeden wahnwitzig nennen, der behaupten wollte, in St. Petersburg werde daS Züng lein der Wage gelenkt, auf dem das Schicksal Europa's abgewogen wird! In der Thal steht Rußland vor der Alternative, entweder einen Krieg anzufangen, der das ganze Land möglicherweise ruinirt, oder auf dem diplomatischen Gebiete eine geradezu schmachvolle Niederlage zu erleben. Dahin ist Rußland mit seinen panslavistischen Umtrieben gekommen! Und die Türkei? Sie trotzt geradezu den gesammten Mächten, wohl wissend, daß ihr im schlimmsten Falle außer Rußland kein Gegner gegenüberstehen wird. Wenn die Cvnferenz auSeinandergeht, ohne irgend etwas zu erreichen, wird die Türkei jedem auswärtigen Einflüsse unnahbar werden. — Nach dieser Sachlage würden wir es nicht verstehen, wenn die Pforte sich gegen die Conserenz sonderlich nachgiebig zeigen würde. — Rumänien protestirt lebhaft gegen eine Verquickung mit dem otlomanischen Reiche; das Ministerium will von der Pforte eine ebenso feierliche Erklärung, wie eS die Prorlamirung der Verfassung war, daß das Gebiet der Verfassung st« nicht auf Rumänien erstrecke. — Nach einer Wiener Meldung sollen zwischen Deutschland und Oesterreich Verhandlungen betreffend die Neutralifirung Rumäniens, stattgefunden haben.
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In der „Entscheidungsstunde der Konferenz" erörtert die „Nat.-Ztg." die Gründe, welche bisher zur Vertagung der Entscheidung der Krisis mitgewirkl haben, unter denen der Umstand, daß die zunächst intereffirten Mächte materiell nicht genug vorbereitet waren, eine der wichtigsten Stellen einnimmt. Indessen habe man sich dem Ziel der beabsichtigten Vorbereitungen nur in geringem Maße genähert. Oesterreich, ohne einheitlichen politischen Gedanken nach Außen, habe nur in letzter Stunde zu einer nothdürstigen Mobilisirung den Entschluß gesunden. „Rußland hat mit rascherem Entschluß sich gerüstet, aber dabei entdeckt, daß alle seine inneren Reformen, so trefflich sie ersonnen sein mögen, doch keine Zaubertränke waren, die aus einem rohen ungeschlachteten Körper in anderthalb Jahrzehnten einen geschmeidigen Gladiator machen konnten. Die Kräfte des
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In einem freundlichen Stübchen eines mittleren Gasthofes lag Marie auf einem sauberen Bette ausgestreckt, zum Tode erschöpft, doch die blauen Augen leuchteten in überirdischer Seligkeit.
Jmmmer und immer wieder suchte ihr Auge das des wiedergefundenen Gatten, den sie hier, wo ihre Kräfte am Ende, wo Muthlostgkeit über sie gekommen war, nun doch so unvermuthet gefunden. Wie ein Traum erschien es ihr, wie daS Gelingen ihrer Lebensaufgabe, als sie wieder in feint geliebten Augen sah, als sie die Stimme, deren Klang sie all die schwere Zeit her stets zu hören vermeint hatte, sich liebevoll, zitternd fragen hörte: „Marie, mein theures Weib, Du lebst, Du und unser Kind? — Ihre Hand umsaßtte die seine fest, sie umklammerte sie, als ihre Augen sich vor Erschöpfung schlossen und er saß bei ihr und bewachte ihren Schlummer. Da lag sie vor ihm, die so Tiesbe- trauerte, um derentwillen er gearbeitet und gerungen, es war ihr liebes, treues Gesicht, die Züge, deren Bild ihn Tag und Nacht begleitet und doch, wie hatten Noth und Kummer die einstige Schönheit zerstört, daß nur das Auge der Liebe sie noch erkennen konnte. Es war sein süßes
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Führe uuS nicht in Versuchung!
Erzählung von B. Hollweg.
(Fortsetzung.)
Als aber dann nach seiner langen Krankheit seine Sterbestunde kam, als er mich tief und mir die Sorge für Dich, fein nun bald vereinsamtes Kind, übertrug, da gelobte ich ihm, Dir ein treuer Schutz und Schirm zu fein, und mit meinem Leben über Deinem Glück zu wachen. Er legte sterbend unsere Hände in einander und wir erkannten, daß wir nnS liebten, Du mit kindlichen Vertrauen des Vaters letzten Willen ehrmd und ich, indem die Siebe in meinem Herzen von Neuem Wurzel schlug, obgleich ich fie schon längst gestorben wähnte. Du weißt es wohl, daß noch jetzt Stunden kommen, wo ich es nicht über- winden kann, daß mein Weib in Armuth und Dürftigkeit und von Sehnsucht nach mir aufgerieben elend sterben mußte, während meine Zukunft sich immer glücklicher gestaltete — daß die» aber ebm nur Stunden sind in den Monaten reinen, seligen Glückes, die du mein bist. —"" Lange hielten sie sich innig umschlossen, — als Elisabeth sich aus ihres Mannes Jirmen aufrichtete, lag es wieder wie Sonnenschein auf ihrem lieblichen Gesichte.
Ihre Hand strich leise Über die Stirn deS hohen, ernsten Mannes an ihrer Seite und sie flüsterte: „wie theilt doch das Glück feine Gaben fo verschieden aus! Wenn ich mir unsere gesicherte, glückliche Existenz denke, mit allen Glücksgütern ausgestattet und von Liebe verklärt, und mir dagegen jenes arme, bleiche Weib ansehe, die, den hübschen blonden Knaben an der Hand, so elend und gebrochen dort ans den Stufen sitzt, so —"
Ein dumpfer Saut an ihrer Seite unterbrach sie; sich «««endend gewahrte sie, wie da» Antlitz ihres Gatten sich
Dttüstzr» Reich.
<= Berlin, 4. Jan. Der preußische Staatshaushaltsetat pro 1877/78 wird in manchen Einzelheiten Überraschend sein, und zwar durch Ersparungen und Abstreichungen da, wo im allgemeinen Interesse an den Staatssäckel höhere Forderungen gestellt werden müssen. Der Finanzminister hat den einzelnen Ressortministern erklärt, daß für jetzt und in den nächsten Jahren in den Specialetats die erheblichsten Ersparungen Platz greisen müßten. Diese« „6t- sparungSsystem" hat mitunter zu Konsequenzen geführt, welche in den Beamten kreisen, soweit sie in die bezüglichen Angelegenheiten eingeweiht sind, Mißhelligkeiten erregte.
Volke» sind in Rußland schon durch die Vorbereitungen zum Kriege so erschöpft, wie wir eS sonst nur zu sehen gewohnt sind in einem Staate, der eben einen langen und unglücklichen Krieg geführt hat. Die auswärtigen Anleihen mißglückt, die innere zum mindesten sehr zweifelhaft ausgefallen; innerhalb noch nicht eines Jahres an Edelmetall ein Abfluß von etwa 97 Millionen bei einem Zufluß von weniger als 4 Millionen; auf allen Gebieten der Wirth- schaft völlige Lähmung; in Odessa, der Kornkammer, die Furcht vor HungerSnoth wegen der Verkehrsstockung; in dem ganzen Reich die Landwirthschaft in größter Bedräng- niß; in einem geringen Bruchtheil des Reiches und dazu dem wohlhabendsten und kultivirtesten, dem Königreich Polen, allein an Gütern, die zur öffentlichen Versteigerung auS- stehen, 1720 Wahrlich, eS ist kein Zustand, um einen ernstlichen Krieg herbeizuwünschen. Daß ein Krieg mit der Türkei aber ernsthaft würde, sieht man heute zu spät ein, nachdem man vordem liebte, von einem Spaziergang nach Byzanz zu reden." — Die Türkei stehe heute an Truppen mächtiger da, als feit lange. — In dem Machtbewußtfein der Pforte liege augenblicklich die Gefahr der Situation, indem die Pforte;au8 demselben den Muth zum Widerstande gegen die Forderungen der Konferenz schöpft. Zwar haben wir zu oft das Unwahrscheinliche erlebt, um morgen dem Kriege mit Gewißheit entgegenzusehen. „Indessen halten wir auch nach dem oben AuSgesührten noch keine Episode dieser Verwickelungen für so schneidig, als die gegenwärtige."
In Amerika ist kürzlich der erste Anfang der Leichenverbrennung gemacht worden. In Washington in Pen- sylvanien hat ein begeisterter Anhänger der „Feuerbestattung", den ersten zu dem Prozeß nöthigev Ofen auf eigene Kosten bauen lassen und stellt ihn unentgeltlich zur Verfügung. Die Bereinigten Staaten scheinen sich, vermöge ihrer gesetzlichen Einrichtungen, ganz zu einem VersuchSselde der Feuerbestattung zu eignen.
Herzen sprach. Wie Überselig hätte ihn noch vor wenig Monaten der Besitz dieser Beiden gemacht, und j-tzt, — ihn schauderte, wenn er sich seine Sage vergegenwärtigte, seine ehrliche Seele war in einen Conflict gedrängt, wie er sich fürchterlicher nicht denken ließ. Wie war eS möglich? Lag hier ein Jrrthum vor oder — ein Bubenstück? j — Ja, eine Schandihat sonder Gleichen, eine andere Lösung ließ sich kaum denken, und Reinhold gelobte sich hoch und theuer, nicht zu ruhen und zu rasten, bis er entdeckt, wer ihn so grausam um sein Lebensglück betrogen. —
Eine ungestüme Bewegung feiner Hand weckte die Schlummernde, eS war als müsse sie sich erst von Neuem daS Geschehene in'S Gedächtniß zurückrufen, doch ein un- beschreiblich glückliches Lächeln flog über ihr bleiches Gesicht, als sie sah, wie Max so vertraut sich an den Vater anschmiegte. „Sieh, Reinhold," sagte sie, „wie lieb und kmg unser Kino geworden ist, ach es war p mein einziger Trost, wenn mich die Sehnsucht zu verzehren drohte. Sieh, Max, das ist dein lieber Vater, den wir zu suchen auS- gegangen, o wie gerne will ich nun sterben, nun ich weiß, daß unser Kind dann nicht verlaffen sein wird!"
Tieferschüttert borg Reinhold jein Gesicht in den Händen, und Marie erzählte mit leiser Stimme von ihrem einsamen Leben, von ihrer Krankheit und von dem Tode ihres väterlichen Freundes, von ihrem Entschluß, Reinhold auszusuchen und endlich von der Resse selbst. Ohne Miß. geschick hatte sie Hamburg erreicht, hier aber, wo sie aus den Abgang des Schiffes etwa eine Woche warten mußte, hatte sie das Unglück getroffen, in dem kleinen Gasthaufe, in dem sie Herberge genommen, bestohlen zu werden. Die kleine Reifetafche, in der fie auch ihre kleine Laarfchaft verwahrte, war über Nacht spurlos aus ihrem Zimmer verschwunden,
Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedition d. Blatte» sowie bte Amwneen-Bnreanx von G. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägerssche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete- ♦ meper in Berlin; Carl Schüß-
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......, v»« .. v» MM, r...v» ......... ,.... mm. v.||.m ...... Nirgend» war eine Spur des Diebes zu entdecken; was hatte lich harmlose» Geplauder so unendlich beredt zu seinem e» ihr, der fremden armen Frau, geholfen, daß sie laut
Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blatte», foivie die Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & So. in gefiel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Bögler in zümkfurt a- M, Berlm, Leip- L, Söln rc; Rudolf Moffe
In Konsequenz de» Gesetzes vom 3. Juli 1875, wel cheS das Streitverfahren vor den Verwaltungsgerichten regelt, ist ein neue» Regulativ unterm 23. September v. I. erlassen worden.
ES bestätigt sich (wie wir neulich gemeldet), daß die Wegeordnung nicht zu den Gesetzentwürfen gehört, welche bestimmt sind, dem Landtage demnächst vorgelegt zu werben. Der Umstand daß fraglicher Gesetzentwurf mit Rück> sicht aus das Competenzgesetz einer Umarbeitung unterzogen wurde und Gegenstand kommissarischer Berathungen der betheiligten Minister war, scheint daS Gerücht veranlaßt zu Haden, daß die Wegeordnung zur Vorlage bestimmt sei. Wenn im Uebrigen über daS Mehr oder Weniger der Vorlage bestimmte Angaben gemacht werden, so können wir einfach darauf Hinweisen, daß vor jeder Session über daS Maß der Aufgaben und die Dauer der Session Mit- theilungen in Umlauf gesetzt werden, die regelmäßig durch den Verlauf der Session eine gründliche Widerlegung erhalten. Wenn der Gang der Verhandlungen die- gestattet, pflegen sich stets noch Vorlagen einzustellen, die beim Beginn der Session nicht in Aussicht genommen waren.
Die Juristen-Fakultät in Berlin verlieh dem Abgeordneten Miquel wegen seiner hervorragenden Verdienste um die Begründung des neuen Reichsrechtes das Ehren-Dvctvr- Diplom.
Nachdem die Agitation für eine Sanossafeier mißglückt Ist, wird der Papst in diesem Jahre wenigstens ein Tedenm singen lassen zur Ehre des 800jährigen Jahrestages von Kanossa, des 700jährigen der Demüihigung Kaiser Fried rich I vor dem Papst Alexander III. und deS 500jährigen der Rückkehr der Päpste nach Rom nach dem Exil in Avignon.
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I Der Minister deS Inneren hat im Einverständnisse uf bei »lt dem Justizminister unterm 13. v. Mts. einen Special - Bescheid erlassen, nach welchem der für die Aufnahme der Geburtsurkunde zuständige Standesbeamte nach §. 25 des KeichSgifetzeS vom 6. Februar 1875 auch zur Kvnstati- rrnig der erfolgten Anerkennung des betreffenden Kindes berufen ist. Die von ihm hierüber aufgenommene Urkunde ist daher eine öffentliche im Sinne drs § 26 a. a. O. und eS scheint demgemäß auch k-in Grund zu der Annahme vorzuliegen, daß der Standesbeamte die Anerken nicht auch nach bereits erfolgter Aufnahme des GednrtS-