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Marburg, Freitag, 5. Januar 1877.
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Bungen der Wahlkandidaten über die zu erreichenden Fortschritte, Berbefferungen und Wohlthaten für das Volk täuschen lassen, sondern die Bewerber vor Allem darauf ansehen und prüfen, ob sie Willen» und nach ihrer Sinne»- Art im Stande find, in aufrichtiger und vertrauensvoller Gemeinschaft mit der Regierung de» Kaiser» an de» Reiche» Gedeihen und Wohlfahrt zu arbeiten. (Prov.-Corresp.)
sagen, daß e» vielleicht gerade von seiner Stimme abhängt, ob ein Mann de» friedlichen und besonnen Schaffen», oder ein Mann des unfruchtbaren politischen Streiten» gewählt wird, und wiederum ob nicht diese» einen Manne» Stimme im Reichstage gerade den Ausschlag in wichtigen Fragen für oder gegen eine heilsame Maß egel gießt
Je ernster nun die Zeiten für die Gesammtheit und für jeden Einzelnen sind, desto dringender ist die Pflicht für jeden gewissenhaften Mann im deutschen Volke, sich an den Wahlen eifrig zu betheiligen und nicht blo» mit seiner eigenen Stimme, sondern auch mit all seinem Einflüsse und Ansehen dahin zu wirken, daß unserem Kaiser die Förderung der Reichsintereffen und des Volkswohls in Gemeinschaft mit einer besonnenen und wohlmeinenden R^ichSvertretung möglich gemacht werde.
Es ist jüngst darauf hingewiesen worden, daß eS sich in den nächsten Reichstags Sessionen ganz besonders um Fragen de» wirthschaftlichen Wohls unseres Volkes handeln weide: nicht als ob völlig neue Bahnen im Gegensätze zu den Grundauffaffungen, von welchen unsere wirthschastliche Entwickelung seit Jahrzehnten ausgegangen sei, einzufchlagen wären, — wohl aber gilt es, auf Grund der neueren prak- t scheu Erfahrungen die Bedürfniffe deS Volkswohls in allen Beziehungen in sorgliche Erwägung zu ziehen, den erkannten Mißständen und Verirrungen auf dem gewerblichen Gebiete soweit möglich Abhülfe zu verschaffen; — cS gilt ferner, die Anforderungen der Reichsintereffen auf dem wirthschaftlichen Gebiete mit den Bedü fniffen der Landes Verwaltungen in Einklang zu bringen, — vor Allem aber den Gefahren, welche aus revolutionären sozialen Bewegungen für das Gesammtwohl zu erwachsen drohen, rechtzeitig die vereinte Macht aller erhaltenden Kräfte der Nation entgegenzustellen.
Alle Bestrebungen aus Klärung und Wiederbefestigung unserer wirthschaftlichen und sozialen Verhältnisse aber können, wie gesagt, nur dann einen Erfolg haben, wenn in der Mehrheit deS Reichstages ein klarbewußter und entschiedener Wille zu vertrauensvollem Zusammenwirken mit der Regierung vorhanden ist.
Wie aller wahrhaste Fortschritt der Gesetzgebung im Norddeutschen Bunde und tm Deutschen Reiche nur durch Die regierungsfreundliche Mehrheit aus konservativen und gemäßigt liberalen Elementen gesichert worden ist, so wird auch irgend eine Verbesserung und heilsame Ergänzung der wirthschaftlichen Gesetzgebung um so sicherer und eher er reicht werden, je mehr der neue Reichstag au» Männern besteht, welche von vorn herein und grundsätzlich den ernsten Willen zu gemeinsamem Schaffen für das Volkswohl und nicht die Neigung und Last zur Opposition und zum Kampfe gegen die Regierungen mttbringeu.
Die Regierung unsere» Kaiser» hat in jeder Beziehung fort und fort bewiesen, daß ihr vor Allem die treue Sorge für da» Wohl deS Volkes in allen Schichten am Herzen liegt. Wer daher bei den Wahlen das wirkliche Volkswohl fördern will, der wird sich nicht durch große Verhei
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IV Kühne» Wagen.
Der Frühling war in» Land gekommen, ein Frühling mit Blüthen und Knospen, mit Nachtigallenfang und blauen Lü'lcn, ein echte» fröhliche» Auferstehen aller Lebenskraft vom Winterschlafe. Nicht nur draußen in Wald und Feld regte sich alle» in neuem Lebensmuihe, auch in die Menschenseele zog der Lenzeodem belebend ein und weckte neue Hoffnung, gab Trost für jede» Leid. Am geöffneten Fenster de» kleinen, un» bekannten Stübchen» saß Marie, hren Knaben auf dem Schooße, der jubelnd den vorüberschießenden Schwalben nachschaute.
Auf den Wangen der jungen Frau lag die Röthe ihrer früheren gesunden Tage, ihre Augen strahlten und ein wonnige» Wohld.Hagen durchströmte sie, wie hatie da» Leben doch wieder an Reiz gewonnen, seit sie so nahe Daran gewesen e» zu verlieren. Sowie sie damals von ihrer Krankheit genesen, habe ihre Seele mit der langsam wie serkehrevden Körperkraft auch sogl ich den sl on längstgehegten Plan, Reinhold auszusuchen, wiederergrrffen Sie
Durch die Verlängerung des Waffenstillstandes zwischen der Türkei und Montenegro-Serbien bis zum 1. März ist da» Verhäitniß zwischen der Türkei und Rußland nicht berührt worden. Rußland hat nur unter der serbischen Flagge gegen die Türkei gekämpft und ist daher durch den Waffenstillstand nicht behindert, zu jeder beliebigen Zeit gegen die Türkei lcszuschlagen. Die friedlichen Aussichten, mit denen das alte Jahr noch schloß, haben nicht die mindeste Berechtigung. Im Gegentheile verspricht da» Jahr 1877 viel blutiger zu werden, als sein Vorgänger. Die Vorbereitungen haben Rußland zu viel gekostet, al» daß eS nunmehr zu einer Lösung der OrientkristS, welche einem vollständigen FiaSeo gleich käme, feine Zustimmung geben könnte. Wir würden zwar eine solche Lektion dem Pan- slaviSmuS herzlich gerne gönnen, aber wir bezweifeln ernstlich die Geneigtheit Rußlands, in diesem Stadium der Angelegenheit eine solche Lektion hinzunchmen. General Jg- natieff soll gesagt haben, er würde für seine Nachgiebigkeit in St. P-lersburg gesteinigt werden, er kann nicht nach- geben, so wenig, wie e» Midhat Pascha kann Welche Löiung bleibt da noch übrig, al» die kriegerische -
Wir zweifelten, daß die Pforte die Vorschläge der Mächte bereit» ablehnen würde. Die Ablehnung ist indeß erfolgt und liegt darin, daß die Pforte in ihren der Eon- ferenz unterbreiteten Eegenvorschläg n jene gänzlich ignorirt. Jisolge dessen soll bei dem General Jgnalirff eine ve- ralhung der Conferenzmitglieder stattgrsundln haben und eine Verlegung der Eonferenz nach Athen oder Spitza in Aussicht genommen worden fein. Da» scheint ein österreichisches BuskunstSmiitel zu sein, denn der deutscde Bundestag höchstseligen Angedenkens hat im Jahre 1866 ähnliche Wanderungen gemacht. Wir zweifeln indeß sehr, ob sich die Mehrzahl der Mitglieder in die Rolle eine» fahrenden Diplomaten fügen wird.
Jedenfalls bestätigt sich die A- sicht, He wir unmittel*
salSschweren Briefe zur Post zu befördern.
Der Morgen de» nächsten Tage» war schon ziemlich weit vorgerückt, al« der Prediger leisen Schritte» die Treppe zu Marien» Stübchen hinanstieg. Die übermenschliche Ausregung der verfloffenen Nacht hatte auf seine Stirne
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Thür klinke faßte; wird seine Faffung Stand halten der Todten g genüber?
Da hört er drin de» Kindes Stimme, er öffnet die Thür und starren Auge» überfliegt sein Blick den kleinen Raum. Wie gestern sitzt die alte Pfl gerin am Krankenbett, doch heute mit heiterer, glücklicher Miene, und vom Bette hebt die Kranke die schmale, blaffe Hand um ihn zu begrüßen. Bi» zum Tode erschöpft zwar steht das wachsbleiche Gesicht au», aber in den Augen liegt Bewußt fein, sie erkennt ihn und flüstert „mein Wohlthäter*.
Glückselig springt ihm Max entgegen, die Mutter Hai heute wieder zu ihm gesprochen und die alte Wirthin hat ihm gesagt, daß der liebe Gott ihm fein Mütterchen wieder geschenkt habe.
Der Prediger sieht daS alles mit einem Blick und fein Antl tz ist bleicher a » das der Kranken dort, er weist des Kindes Liebkosung, da» sich ihn genähert und seine Hand ergriffen hat, sanft zurück, e» duldet ihn h er nicht; zu der Frauen Befremden verläßt er daS Zimmer stumm, wie er gekommen und schlägt wankenden Schritte» den Weg nach sein-r Wohnung ein.
Al» er in feinem Zimmer angekommen, löste sich der Bann, der ihn befangen. Von wilden Gewiss nSqualen gefoltert schritt er auf und ab — sein Sohn war gerettet, aber um welchen Preis? Er hatte seine Ehre dahingegeben, eine ganze Familie um ihr Glück und ihre Zukunft gebracht — und konnte nicht zurück, wie er auch sann und sann. Der Tod war mitleidig an der vorübergegangen der er schon da» Leben abgesprochen. — —--—
A« die Wähler i» Gtadt «vd Land.
Am 10. Januar soll daS deutsche Volk von Neuem daS höchste Recht auSüben, da» ihm durch die Verfaffung de» deutschen Reiche» gewährt ist, da» Recht der Wahl zur Reichsvertretung und damit der unmittelbaren Einwirkung auf die weitere Entwickelung und Gestaltung unserer ge- fammten öffentlichen Zustände.
Die wirkliche Ausübung de» Wahlrecht» ist hiernach zugleich die höchste Pflicht jede» Patrioten, eine Pfl cht gegen die Gesammlheit, wie gegen sich selbst. Wenn die ReichSverfaffung die Mitentscheivung über die wichtigsten Interessen der Gesammtheit in die Hände der Wähler ge legt hat, so hat e» nur in dem Vertrauen geschehen können, daß gerade die einsichtigen und ernsten Patrioten von diesem Rechte auch wirklich Gebrauch machen werden.
E» gibt eine große Zahl von ehrenwerthen Leuten in Stadt und Land, die mit dem Wählen nichts zu thun haben wollen, weil sie sich durch da» Parteitreiben, wie e» dabei hervortritt, abgestoßen fühlen. Diese Leute mögen, wie gesagt, sonst durchaus ehrenwerth {ein, — aber in dem einen Punkte lassen sie eS doch an dem rechten Ernst und an der rechten Treue fehlen und tragen selbst ein gut Theil
AlS gegen Mittag die besorgte Gattin, drr schon am Morgen das verstörte Aussehen ihre» Manne» aufgefallen war, in fein Zimmer trat, sand sie ihn bewußtlos am Boden liegen. Ein Schlaganfall hatte ihn getroffen, und trotz aller angewandten Mittel ging eS rafch dem Ende entgegen. Nur einmal k.hrte da» Bewußtsein auf einen Augenblick zurück und Marie . . . Max . . . alle» . . . alles.....mutuLlnb, hauchte er feinen letzten Äthern
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der Schuld, daß bei den Wahlen die bösen Leidenschasten der Parteijucht mehr Macht gewinnen, al» die Vernunft und die ernste Sorge um da» Volkswohl.
Viele unter jenen Lässigen denken und sagen: de» Rei cheS und de» Volkes Wohl seien ja in de» Kaisers und de» Fürsten BiSmarck Händen wohl und sicher aufgehoben, — diesen könne man die Sorge für de» Reiches Gedeihen auch weiter mit allem Vertrauen überlasten. Aus diesem Vertrauen machen sie sich ein bequeme« Ruhekisten, und aus vermeintlicher Treue gegen den Kaiser versäumen sie, ihre Pflichten gegen denselben zu erfüllen, um ihm da» Regieren zum Heile deS Volkes möglich zu machen.
Gewiß — unser Kaiser dem eS vor Allem zu danken ist, daß das deutsche Reich in ungeahnter Macht und Kraft wiedererstanden ist, wird es tm Verein mit den ver kündeten Regierungen an treuer Fürsorge, an ernster und gewissenhafter Arbeit für de» Reiche« Ansehen und für de« Volkes Wohl auch weiter nicht fehlen lasten. Aber der Kaiser und die Regierungen können nach den Voraussetzungen und Bedingungen unseres VerfastungSiebenS durch ihre Fürsorge allein, da» öffentliche Wohl und Gedeihen nicht sördern, — sie wüsten auf die willige und thätige Mitwirkung aller guten Kräfte im Volke selbst rechnen, wenn e« ihnen zumal in schwierigen Zeiten, wie die jetzigen stad gelingen soll, den wahrhaften Bedürfnisten und benötigten Wünschen der Bevölkerung Befriedigung zu 6er« schaffen.
Bei den Wahlen zum Reichstage ist noch mehr albet den Landtagswahlen die Mitcntscheieung über die Geschicke de« Vaterlandes in die Hand jede« einzelnen Wählers gelegt; jede Stimme hat eine unmittelbare Einwirkung auf den Ausfall der Wahl, und jeder Wähler muß sich
Lnzeigen nimmt entgegen: die «Leditton d. Blatte» sowie bte Amwneen-Bureanx von 0. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jiger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Fuhre uns nicht in Bcrsuchunz!
Erzählung von B- Hollweg.
(Fortsetzung.)
Mit zitternder Hand langte er ein Blatt Papier hervor und begann an Reinhold zu schreiben. Er theilteihm mit, daß der kleine Max bald nach deS Vaters Abreise gestorben, der Gram um Gatten und Kind habe zusehends an Marien» Lebensfaden genagt, und vor wenigen Wochen habe mau auch sie zur Ruhe getragen. Mit dem Ver sprechen, da« Geld seiner Bestimmung gemäß anzuwenden verband er den tausendfachen Dank im Namen feiner Orts- armen und fügte Mariens Todtenschein hinzu.---
Dann begann er einen anderen Brief zu schreiben — nur wenige Worte — et legte das Geld hinein, couvertirte, siegelte und schrieb die Adreste, that baffelbe bei dem ersten — und lehnte sich erschöpit in seinen Sorgenstuhl zurück. Wie war ihm doch so erdrückend zu Muthe, wo er hätte erleichtert aufathmen sollen.
Er sagte sich noch einmal, wie e» ja so am Besten und der einzige RettungSweg fei, gelobte sich feierlich, Mariens verwaiste« Kind in fein Haus, an Kindesstatt anzunehmen und erhob sich, um noch in dieser Stunde die beiden schick
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Der Landtag der Monarchie wird zum 12. Januar berufen und voraussichtlich von dem König eröffnet werden. Mit Rücksicht auf die nothgedrungen nur kurze Dauer dieser ersten Session wird demselben außer dem Staats* Haushalts-Etat und dem Gesetzentwurf übet die Vorbereitung für den höheren Verwaltungsdienst (über welchen bereit« in der vorigen Session bis auf einen wesentlichen Punkt die Vereinbarung erreicht war) nut eine Reihe von dringenden, aber minder erheblichen Gesetzen vorgelegt werden.
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«metgen nimmt entgegen: MtBrpebttton d. Blatte», (0®ie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtaflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Stein & Bögler in rta-M. Berlin, Leiv» In «; Rudolf Stoffe I’ tn'SBerlm, Frankfurt a. M. re.
^Erscheint täglich nutzer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wvchentlichen Beilage „Slefhritte» Eonutag»»latt" durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen 3H Hart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« 3 Wart 50 Pf«, (epi. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für n der Expedition zu erlhellende Auskunft und Annahme von »reffen werden 35 Pf», berechnet.