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Äm nimmt entgegen: editton d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx von Th. Dietrich & Lo. in Mel und Hamwver; LH. Dietrich in Frankfurt a. M.; B* lein & Vogler in rt a- M-. Berlin, Leiv- In :c; Rudolf Moffe Berlin, Frankfurt a. Rt. rc.

Zllarburg, Donnerstag, 4. Januar 1877.

XII. )«hrgaig.

Obcrhkljisihc Jalung.

Lnzetgen nimmt entgegen: die EÄedition d. Blattes sowie bie Annoncen-Bureaur Mn B L Daube & Lo. in Xrantfurt <l M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageSAnftrirteS eonntagsblatt" durch die Ssveditton («och'fche Buchdruckerei) bezogen Sh »art, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S «art 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfertronSgebühr für die gespaltene Zeile 10 ffg.

Mr in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pf«, berechnet.

I La-eOdericht.

Bei dem am Jubiläum des Kaisers im Weißen Saale stattgefundenen Galadiner brachte der Kronprinz des deut schen Reiches und von Preußen folgenden Toast aus: ,Jm Namen des deutschen Volkes und des deutschen Heere» trinke ich auf das Wohl unseres allergnädigsten Kaisers, Königs und Kriegsherrn. Gott segne und erhalte ? Sore Majestät!" Der Kaiser antwortete:Meine Herren, igr ich fordere Sie auf, die Gläser zu ergreifen: Wir trinken ie ä auf das Wohl des Volkes, aus dem das Heer hervorge- i -i "ngen ist!"

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Das Wolff'fche Telegraphenbureau hat ein glänzendes Beispiel von der Leistungsfähigkeit des Telegraphen gegeben. Bor einem halben Jahre dementirte das Bureau in einer Londoner Depesche daS Gerücht von der Abtretung Hel- goland's an Deutschland. DaS telegraphische Dementi hatte vor dem Gerüchte selbst einen Vorsprung von einem halben Jahre, wa« sicherlich nur der Telegraph zu leisten im Stande ist. Hntte dementirt derStandard", daS Organ Lord Beaconfield'SdaS neulich wieder aufgetauchte Ge­rücht" und fügt hinzu, eS sei erst jüngst die Frage in Er­wägung gewesen, die Insel in einen besseren VertheidigungS- zustand zu versetzen.

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Ein osfiziöscS Telegramm aus Madrid bestätigt die Mittheilungen über Differenzen zwischen dem päpstlichen Stuhle und der spanischen Regierung, stellt jedoch in Ab rede, daß König AlfonS aus Anlaß derselben ein eigen­händiges Schreiben an den Papst gerichtet habe. Die Corresp. Stefani" kann dagegen auf Grund eingezogcner Erkundigungen die Existenz des fraglichen Briefes wieder­holt bestätigen, mit dem 8«netten, daß der P^pst von demselben in Gegenwart mehrerer Prälaten gesprochen hat. Wie eS scheint, hat der Vatikan die sofortige Wiederbe- setzung der Nuntiatur auch von der Abberufung deS spa- >ischen Gesandten beim Quirinal, Grafen Coello abhängig gemacht, der seit der Affaire der spanischen Pilger im Va­tikan in besonderer Mißgunst steht. Herr CanovaS bei Castillo soll dem Karbinal Simeoni telegraphisch gemelbet haben, daß Graf Coellowegen seiner nicht korrekten Haltung gegenüber den spanischen Pilgern" abberufen werde. Andererseits ist nunmehr die Ernennung de« früheren Nun tiuS in Brüssel Giacomo Cattani zum Nuntius Seiner katholischen Majestät von Spanien eine offizielle Thatsache. >. uS alledem aber geht hervor, daß die Regierung des Königs Alfons rin gefügiges Werkzeug des Vatikan's ist.

DieCorrefpondenz vom Sunde" bringt zum Jahres­schlüsse folgendes Klagelied über die Stagnation der nord-

schleSwigschen Frage:Die einzige internationale Frage, welche Dänemark berührt, die nordschleSwigsche steht am Ende des Jahres auf demselben Punkte, auf dem der An­fang sie traf. Dänemark hat keinen Schritt thun können, um Preußen zu der Erfüllung seiner vertragsmäßigen Ver­pflichtung zu veranlassen und Preußen hat seinerseits ge- than, als ob der Artikel V. des Prager Friedens gar nicht bestände. Gleichzeitig haben die preußischen Behörden in Schleswig ihr Beste- gelhan, um das Dänenthum zu unterdrücken und zu nergeln. Die Versetzung deS Re­gierungspräsidenten Bitter brachte nicht die von den dänischen NordschleSwigern gewünschte Veränderung, daS System blieb bestehen und die Verdeutschung wird so rücksichtslos betrieben als je. Doch stellt die Bevölkerung allen diesen Bestrebungen von oben ein unerschütterliches Festhalten an dem alten dänischen Vaterlande der dänischen Sprache und Nationalität entgegen und die am 27. October v. IS. ab- gehaltenen Wahlen für daS preußische Abgeordnetenhaus zeigten, daß die dänischen NordschleSwiger noch immer die Hoffnung einer gerechten Auseinandersetzung zwischen Preußen und Dänemarck festhalten. Wie 1875 haben auch 1876 mehrere dänische Patrioten Gesängnißstrafe leiden müssen."

Die deutsche RechtSetnhett scheint in Südamerika ein Gegenstück erhalten zu sollen. Am 9. Dezember ist in Lima ein Juristenkongreß zusammengetteten, der für die gejammten südamerikanischen Republiken ein einheitliches Strafrecht beschließen soll. Der südamerikanischen Rechts- Einheit drohen indeß ganz andere Gefahren, wie sie die deutsche glücklich überwunden hat. Wie dieDeutschen Nachrichten" aus Valparaiso melden, scheint der ganze Plan von vornherein den TodeSkeim im Busen zu tragen, weil jeder einzelne der paktirenden Staaten für sich in Anspruch nehmen wird, die besten und einzig würdigen Vorschläge zu machen. Chile hat hierin bereits vor mehr als einem halben Jahre den Anfang gemacht, indem es als den rich tigen Weg zu einer gedeihlichen Einigung die Zugrunde­legung des chilenischen Strafrechts dringend empfahl.

Sntfftd »sich.

Berlin, 2. Jan. Das kaiserlich deutsche Gesund­heitsamt wird unter dem Titel:Veröffentlichungen des kaiserlich deutschen Gesundheitsamtes" vom Januar 1877 ab eine Wochenschrift herausgeben, die alle diejenigen that- sächlichen Mittheilungen von allgemeinerem Interesse ent­halten wird, welche dem Gesundheitsamt bezüglich der Er- krankungs- und Sterblichkeitsverhältnisse im In- und Aus­lände zu Gebote stehen, insbesondere einen regelmäßigen wöchentlichen Nachweis der Sterblichkeit in den deutschen Städten von 15,000 oder mehr Einwohnern und in den

großen Städten des Auslandes zugleich mit einer Witte- rungsüberstcht über die verschiedenen Kltmakreife Deutsch­lands für jede Berichtswoche. Außer diesen auf die Er- krankungS- und SterblichkeitSverhältnisse, auf den Gang der Epidemien im In- und Auslande, sowie auf den Wit­terungsverlauf bezüglichen fortlaufenden Mittheilungen wer­den in den Kreis der Veröffentlichungen auch alle sanitär rischen Gesetze und Verordnungen gezogen werden, welche im Deutschen Reiche oder in den deutschen Einzelstaaten zur Einführung gelangen, sowie diejenigen neuen Ein­richtungen zur öffentlichen Gesundheitspflege und Fottschritte der sanitärischen Gesetzgebung und Verwaltung im AuS- lande, welche einer allgemeinen Beachtung werth erscheinen. Wissenschaftliche Ausführungen oder Controversm liegen vorläufig außerhalb deS Zweckbereiches dieser Veröffent­lichungen. Dagegen werden alle thatsächlichen, auf sani- tirische Zustände oder Vorgänge im Deutschen Reiche be­züglichen Mittheilungen aus zuverlässigen, insbesondere ärztlichen Berichts quellen zur eventuellen Verwerthung gern entgegengenommen. Die evangelischen Geistlichen haben, wie man derMagdeburgischen Zeitung" mittheilt, seit Einsührung deS CivilstandSgesetzeS eine so erhebliche ma­terielle Einbuße erlitten, daß sich die Lage sehr vieler Pastoren geradezu kritisch gestaltet. Als vor Jahren die Gehälter der Standesbeamten zum Theil wesentlich erhöht wurden, blieben die Geistlichen unberücksichtigt; eS hatte sich bis dahin die Vorstellung erhalten, ein Pfarrer wäre ein gut sttuirter Mann und feine Lage im Verhältniß zu den richterlichen und Verwaltungsbeamten eine geradezu benridenswerthe. Die inzwischen vorgenomwenen Erhe­bungen haben ergeben, daß so ziemlich das Gegentheil der Fall ist, und nun hat das CivilstandSgesetz die außeror­dentlichen Einnahmen sehr vieler Pfarrer beinahe auf Null reducirt, die außerordentlichen Einnahmen spielen aber bei dem in der Regel äußerst dürftigen Fixum eine Hauptrolle. Der Ausfall ist sehr viel bedeutender, als die statistischen Angaben über den Prozentsatz der Taufen und Trauungen vermuthen lassen, denn allerdings ist namentlich auf dem Lande die Sitte beibehalten, alle Brautpaare auch der Kirche zuzusühren und die Kinder vom Geistlichen taufen zu lassen. Allein an vielen Orten sagen die Bauern: seit Einführung deS CivilstandSgesetzeS gehen wir zum Pastor, weil der Pastor eS wünscht und weil wir'« mit dem Pastor nicht verderben mögen, aber für Trauung und Taufe hat er nichts mehr zu fordern und weil kein Rechtsanspruch vor­handen ist, so zahlen wir auch nicht. Müßten wir zahlen, so ließen wir den Pfarrer außer Acht. Die Geistlichen, denen ja allerdings daran gelegen ist, daß kein Nupturient und kein Neugeborener außerhalb der Kirche bleibe, nöthigen die Gemeindemitglieder zu Taufe und Trauung, aber sie arbeiten ohne Entschädigung, und nach Tausenden stnd die

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mer trat, fand sie dieselbe bewußtlos, fast in derselben Stellung, wie sie sie den Abend vorher verlassen. Auf ihr Rufen erschien nach wenigen Minuten ihre Tochter und Beider Bemühungen gelang eS, bie Kranke i»S Bett und nach einiger Zeit auch ins Bewußtsein zurück zu bringen, beide aber sagten sich auch sofort, daß hier eine ernstliche Krankheit im Anzuge sei. Und leider war dem so, Ma> rienS erschöpfte Kräfte schienen kaum der Gewalt des Fie-

Stunde.

ES war am neunten Tage nach Mariens Erkrankung. Mit wenig verheißendem Achselzucken und rathloser Miene hatte soeben der Bader das Zimmer verlassen, zu Füßen des BetteS saß die alle Wirthtn Mariens treue Pflegerin, und hielt auf ihrem Schoße den kleinen Max, mit leiser Stimme seine kindlichen Aeußerungen beschwichtigend. Er wollte durchaus von der Mutter sich ein Bild erklären lassen das ihm derHerr Pastor" geschenkt, er konnte nicht be­greifen, daß sie nicht mit ihm sprach, ihn nicht liebkoste, wie er c8 gewohnt war, sondern von ihm unverständlichen Dingen sprach. Ja, die Aermste kannte Niemand wehr

Die kleine Lampe höher schraubend und bald Stich an Stich fügend, bald mit fieberglänzenden Augen vor sich hin starrend, merkte sie eS nicht, daß Mitternacht längst vor­über, daß ihre Glieder Todeskälte durchrieselte, ja daß die Lampe verlöschte und der heulende Sturm das kleine HauS zu erschüttern drohte.

AIS am andern Morgen die Wirthin in Mariens Zim-

und Trosttosigkett etngekeyrt zu sein. Bereite fett vielen lagen fühlte sie sich matt und krank; ein quälender Schmerz »Hi Kopfe peinigte sie, während Eiseskälte und Fiebergluth «3 ihren Adern tobten; die alte Frau, bei der sie wohnte, «id die die meiste Zeit bei ihr zubrachte, schüttelte bedenk-

Führe unS nicht in Versuchung!

Erzählung von B. Hollweg.

(Fortsetzung.)

Ungläubig halte der Geistliche aufgesehen; war eS möglich, daß Jemand auf solche abenteuerliche Idee kommen könnte?

Wie ost hatte er eS nicht schon gegen Marie anSge- sprachen, daß Reinhold sicher tobt fein müßte, wie wäre sonst fein Stillschweigen zu erklären gewesen? Marie aber konnte daran nicht glauben, sie meinte zu fühlen, daß er noch lebe und erklärte sich daS Ausbleiben jeder Nachricht nur dadurch, daß die Briefe verloren gegangen feien. Und

Üch den Kopf.

Stunde auf Stunde war verronnen, Marie faß immer »och in trübem Sinnen, vor sich den schon tausendmal ge- 5jenen Brief ihres Mannes. Sie konnte ihn schon längst, ll-ngst auswendig, er war fast zerlesen und von ihren Thränen durchweicht. Heute schien ihr die Hoffnung, je »jeder mit Reinholv vereint zu sein, ein Trug, ein uner» .Üllbare« Etwas. Sie nahm das Kind, das auf ihrem Schoße eingeschlafen war, und legte es in fein vettchen, für sich selbst an Ruhe dachte sie nicht. Sie wollte sich Jar Arbeit zwingen es war ja die ganzen Tage her jo 'enig geworden.

nun war ein so harter, strenger Winter hereingebrochen, draußen war alles zu Schnee und Eis erstarrt und ob- ,, .. ...

»ohl es Marien nicht an Arbeit, also auch an Verdienst bers trotzen zu können, das über sie hereinbrach. Der Nicht mangelte, schien auch in ihrem kleinen Stübchen Muth herzugerufene Bader deö Dorfes einen Arzt au8 einer -id Trostlosigkeit eingekehrt zu sein. Berett8 seit vielen mehr ober weniger entlegenen Stadt holen zu lassen, ist ... a- nx....u». ...k..,«. ff»i p mdjl für solch arme Dorfbewohner ein Ding der Un-

' Möglichkeit und hier war ja Niemand, der das euer- gisch gefordert hätte ordnete wohl dies und jenes an doch die Kraukhest stieg zusehends von Stunde zu

nicht einmal ihr heißgeliebtes Kind, fremd rollenden Auges blickte sie umher in dem engen Raume, bald unverständliche Worte stammelnd, bald laut rufend und jammernd, ja der Bader hatte Recht gehabt,die Krisis" war ge­kommen.

Da iffnette sich die Thür und leisen Schritte« herein trat der Prediger, von Max freudig begrüßt. Freundlich unterdrückte er de« Kinde« stürmische Liebkosung, er ließ sich am Lager der Kranken nieder, die mit lautet unheim­licher Stimme eben wieder zu phantastren anfing. Thrä- nen des Mitgefühls traten in seine Bugen, er erkannte in den Händen bas Blatt Papier, eS war der Bries de« Ge­schiedenen; die alte Frau erhob sich geräuschlos:ES geht zu Ende mit ihr, Herr Pastor", sagte sie mit zucken­den Lippen,möchte eS bald vorüber sein." Der Geistliche nickte mit dem Kopse:ja, hier ist keine Hoffnung mehr und eS ist wohl auch da« Beste für sie." Mit leiser Stimme begann er das Vaterunsers, andächtig lispelte die alte Frau e« nach und das Kind faltete die kleinen Händ­chen, wie es ihm die Mutter gelehrt.

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«in Rachtstück.

ES ist Nacht, nur an zwei Orten gewahrt man Licht: im Krankenzimmer dcS bleichen Weibes, die mit dem Tode ringt, und dort herrscht ti.se Stille, und im Studie- zimmer des Geistlichen, hier ringt eine Seele wohl in noch qualvollerem Kampfe.

Bei seiner H imkehr heute Abend wurden ihm zwei Briese übergeben, der eine derselben liegt eröffnet vor ihm er ist wohl geeignet ihn in Verzweiflung zu stürzen.

Sein ältester Sohn wohl von klein auf ein wenig zum Leichtsinn geneigt lernte die Handlung, seine rasche Auffassungsgabe, sein außergewöhnliche« Rechentalent et»

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