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Marburg, Sonnabend, 23 December 1876.
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hat Pascha's zum Großvezir die richtige ist. Bermulhtich
weichen und eine Zgnorirung der Bemühungen der Großmächte erblicken, und darin würde schließlich eine Heraus« forderung Rußlands liegen. Schwierig ist noch die Frage, welcher Staat Truppen zur Okkupation hergebm würde; bis jetzt hat sich noch keiner dazu bereit erklärt; auch die Kostenfrage würde Schwierigkeiten machen, so daß schließlich entweder die Besetzung Bulgariens durch russische Truppen wird erfolgen mästen, wenn nicht England mit seinem Borschlage, eine Polizei und GenSdarmerie, die aus allerhand fremden Truppen gebildet wäre, nach Bulgarien zu schicken, durchdringen sollte.
Am andern Morgen erwachte Gotthold in gehobener Stimmung. Die Entscheidung stand vor der Thür.
Schon zeitig begann er seinen äußeren Menschen der Bedeutung des Tages gemäß vorzubereiten. Frau Rumpel hatte einen schlimmen Stand, Nichts konnte sie ihrem sonst so geduldigen Zimmerherrn h:ute recht machen.
Die Stiefeln wanderten zweimal zmück ehe sie Gnade vor seinen Äugen fanden, jedes Stäubchen am Leibrock wurde bemängelt. Je näher die Stunde rückte, desto unruhiger wurde es in ihm. Bon Gretchen, nach deren Fenster er so manchen Blick warf, war nicht- zu sehen; bangte ihr vor der Entscheidung? —
Schlag 11 bedeckte Gotlholo sein Haupt mit dem un-
HerauS tritt, glutrolhen Gesichts, mit funkelnden Au gen, wuthschnaubend, der Leibhaftige, der leibhaftige Direktor nämlich. — Lautlos jeden Einzelnen der Umstehenden mit seinen Blicken durchbohrnd, niederschmetternd, vernichtend, schreitet er durch den Halbkreis zur Hofthür hinaus. —
Lautloser noch als herein zogen die jungen Alliirten hinter ihm drein.
Des LöwenwirthS Gesicht hatte bedeutend an Rundung verloren und neigte sich dem Länglichen zu.
In den Bureaus war eS an diesem Nachmittag unheimlich ruhig und wenn der Direktorialbote eines derselben betrat, ruckten die Sünder die Köpfe.
Jndeß ereignete sich Nichts.
Und als die Attentäter wie verabredet, und auch Kahlow, der von der Testamentsreise, zu der ihn der Direktor kurz vor Mittag depultrt, zurück war, am Abend im Löwen erst gar kleinlaut beisammen saßen, hielt der Löwenwirth doch Wort die Bowle wurde geleert und der Harm vertrunken.
»entfiel Kei|.
Berlin, 21. Dec. In der Untersuchung gegen einen Schulvorsteher, welcher einen ihm untergeordneten Gemeindelehrer mehrmals beleidigt hatte, sprach da- Obertribunal in seinem Erkenntniß vom 24. November d. I. folgende Sätze aus: 1) Bei der Beleidigung eines öffentlich angestellten Lehrers ist die Königliche Bezirksregierung zur Stellung des erforderlichen Strafantrages berechtigt. 2) Die ehrenkränkende dienstliche Anzeige über einen öffentlichen Lehrer Seitens des Schulvorstehers an die vorgesetzte Behörde ist nur dann strafbar, wenn die Absicht zu beleidigen, festgestellt ist. Dagegen genügt nicht das Bewußtsein des ehrenkränkenden Inhalts der dienstlichen Anzeige zum Thatbestande eines rechtswidrigen Angriffes, auf die Ehre der angezeigten Person, auch ist die Annahme der Leichtfertigkeie der Anzeige nicht geeignet, die fehlende Feststellung der beleidigenden Absicht zu ersetzen. 3) In einer Untersuchung wegen Beleidigung ist der Beleidigte als Zeuge nicht unzulässig; welchen Glauben aber die Richter ihrem Zeugniß schenken wollen, steht zu ihrer freien, aus dem Inbegriff der Verhandlungen erschöpften Ucberzeugung. — Der Verein sür deutsche Rechtschreibung beginnt nunmehr praktische Vorschläge zu machen, die nebst Begründung dem Geh. RegierungSrath Profeffor Dr. Bonitz mit der Bitte mitgelheilt werden sollen: dieselben bei Gelegenheit der noch ausstehenden dritten Lesung der Beschlüffe der orthographischen Konferenz zu berücksichtigen. In der Versammlung vom 20. dS., d e iuredestehender Verein in dem Schultheißschen Lokale (Neue JakobSstraßr) unter Vorsitz des Professors Dr. Michaelis avhielt, wurde nach langer, lebhafter Debatte auf Antrag des Herrn Dr. Henri« resolvirt: „Die Einheit und Einfachheit der deutschen Schreibweise ist dadurch herbeizuführen, daß an der jetzt herrschenden Schreibung der Wörter dasjenige geändert und gebeffert wird, was unserer Aussprache widerspricht, und zugleich an der Abstammung und Verwandtschaft der Mieter als falsch erkannt wird." Ferner wurde
an einer der Thüren wies ihn zurecht. Ein alter grau- töpfiger Diener in militärischer Haltung nahm seine Karte in Empfang und bat bald darauf den jungen Herrn einzutreten.
„Nur herein, junger Freund, immer herrein 1* unterstützte von innen eine poltern» Stimme diese Aufforderung " Nun gab eS kein zurückweichen mehr, der Würfel war gefallen. Zagend überschritt Goithold die Schwelle. Auf seinem gewohnten, harten Lchnseffel am Fenster saß in einem stark verschossenen, ehemals türkisch gemusterten Schlafrock, in dichte Tabakswolken gehüllt, der „alte Kriegsknecht", vergnüglich schmunzelnd und mit aller ihm zu Gebote stehenden Höflichkeit unfern Helden zum Niederlasseu einladend. „Na, junger Freund, machen Sie'- sich bequem, wir sind ja alte Bekannte." Letztere Behauptung schien zwar unserem Gotthold etwas gewagt, er hielt eS aber für bester, den kitzelichen Punkt mit Stillschweigen zu übergehen.
Der Alte musterte Gottholds auf Besonderes deutenden feierlichen Anzug und sein Schmunzeln wurde immer vergnüglicher. „Nun junger Freund, was verschafft mir denn das Vergnügen?" „Verehrtester Herr Major," begann Gotthold schüchtern — „Donnerwetter, junger Mann, keine Umstände, immer frisch von der Leber weg mit einem alten Kriegsknecht gesprochen!"
„Sehr geehrter Herr Major," begann Gotthold wieder stockend, „meine Stellung" —
„Paperlapapp, mein Freund, wir können nicht alle Soldaten sein, und Sie tragen ja in gewissem Sinne auch de- Königs Rock. Machen Sie nur bald Ihren Astestor —*
„Verzeihung, Herr Major, ich bin Subalterubeamter." „Subalternbeamter?! Tob und Teuiel, — Subalternbeamter?" der Alte schien einen ErstickungSansall zu bekommen. „Hm, ja, ja so, was ich sagen wollte, ein Su-
/ur das erste Quartal 1877 werden von allen
£ Postanstalten Bestellungen auf die
Bberhtssische Zeitung
zebst deren Gratisbeilage
Mujlrirtes Somstagsblatt
«tgegengenommen.
Auf dem Lande nehmen die Landpostboten öestellungen entgegen.
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
»asesdertcht.
Der „Reichs-Anzeiger" bezeichnet die auch von uns gebrachte Nachricht als unbegründet, wonach der preußische Zustizminister bei den Verhandlungen mit den Abgg. von Zennigsen, LaSker und Miquel über die Justizgesetze Zu zeständnisfe bezüglich der Bestimmungen über die Preste gemacht habe, welche nachher der Reichskanzler wieder zu lückgenommen habe. Der „Reichs-Anzeiger" meldet ferner die Ernennung des bisherigen AppellationSgerichtS«Präsidenten in Marienwerder v. Glaubitz zum Direktor im In llzministerium.
Der Wahlverein der Deutschen Konservativen veröffentlichte soeben fein 6. Flugblatt. Die Mitglieder deS Vor- mandes deS Wahlvereins der deutschen Konservativen traten sm 8. d. M. in Berlin zu ihrer ersten Sitzung zusammen, »eiche aus ollen Theilen des Reichs besucht war, und über »eiche dieses Flugblatt Folgendes berichtet: „ES handelte ßch vor Allem darum, eine einheitliche Norm für die wei jete Entfaltung der VereinSthäligkeil festzustellen, wenn Dch naturgemäß die Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse und Perhältnifle im Einzelnen verschiedene Behandlung crfor- fcxte. In der längeren mit großer Sorgfalt geflogenen Lerathung hierüber gewährten namentlich die Berichte über hie Thätigkeit deS Vereins und seiner Mitglieder ein in- «reflanteS Bild. In hohem Grade erfreulich lauteten die Mittheilungen aus Baden, Hesten, Würtemberg, wo der ionservative Geist der Bevölkerung voll erwacht ist und sich lebhaft regt, wie überhaupt in allen Theilen des Vaterlandes das konservative Bewußtsein namentlich in den
firfÄeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS EomttagS-latt" durch die Ombition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
sowie bte Annoneen-Bureaux von ®. L- Daube & 6o. in Frankfurt a. M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» ♦ ' meyer in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
tung unseres Vereins energisch einzutreten. Seitens des! Vorstandes wurde der Erlaß eines Wahlaufrufs beschlossen, der nochmals ein Gefammtbild unserer Bestrebungen geben soll. Die lebhafteste Befriedigung zeigte sich von allen Seiten darüber, daß eS gelungen ist, für ein kräftiges Zusammenwirken die erforderlichen Normen zu finden; die Stärke unserer Partei wächst mächtig in dem Gefühl gewonnener Einheit. Man hat sich von vornherein die Schwierigkeit der Aufgabe nicht verhehlt, welche die Partei sich gestellt hat; man ist sich von vornherein bewußt gewesen, daß eö bei der Lage der Verhältniffe nicht möglich sein wird, ja nicht einmal erwünscht wäre, schnelle und glänzende Triumphe zu feiern; mit um so größerer Freude darf darauf hingewiefen werden, daß alle innerhalb des Vorstandes erfolgten Mittheilungen zu fester zuversichtlicher Hoffnung auf einen Erfolg unserer Bestrebungen für die Zukunft berechtigen." Ein weiterer Aufsatz deS Flugblattes gibt Andeutungen Über den MovuS zur Bilvung von lokalen Wahlvereinen; weitere Artikel berichten über die Fort schritte der konservativen Bewegung in Sachsen, über die Stellung der konservativen Partei zu den Justizgesetzen u.s. w.
Die Vorkonferenz hat nun ihre letzte Sitzung gehalten, Sonnabend soll die Plenarkonferenz mit Zuziehung Der türkischen Bevollmächtigten beginnen. ES fragt sich, ob die Einigkeit unter den Mächten auf der Vorkonferenz hergestellt ist, so daß eS sich jetzt nur darum handeln würde, ob die Pforte sich den Vereinbarungen unterwirft. Vorausgesetzt, die Okkupation durch neutrale Truppen sei im Prinzip beschloffen, so würde eine Weigerung der Pforte, Die Okkupation geschehen zu lasten, wohl wieder Rußland auf die frühere Forderung, die Okkupation selbst zu bewerkstellige» zurückbringen. Offenbar wird England jeden Druck auf die Pforte auSzuüben suchen, um sie zu verhiu Vern, daß sie vaS mühevoll zusammengebrachte Gewebe der Vorkonferenz nicht eigenmähtig zerreißt. Die Times droht schon mit einer Jsolirung und mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen seitens Englands, und fügt hinzu, daß England im Fall einer Weigerung der Pforte schließlich auch nichts ThatsächlicheS gegen die russische Okkupation einzuwenden haben wcrve; nur der Bosporus soll geschützt werden, wenn er wirklich bedroht würde. Der Wechsel im Großvezirat wird in Wiener diplomatischen Kreisen al- eine Herausforderung Rußlands, zum mindesten als ein unfreundliches Sympwn angesehen. Wir muffen abwarten, welche Auslegung von der Bedeutung der Ernennung Mid-
Dsn Juan wider Willen.
Humoreske von W. v. Strachwitz.
(Fortsetzung.)
„Hochzuverehrender Herr Direktor! Lange genug hat Zhre Tyrannei schwer auf uns gelastet. Heut hat das gütige Geschick sie in unsere Hand gegeben, Sie hören den Ausdruck der Gesinnuogeu meiner Getreuen. Wollen Sie kopituliren, wollen Sie Frieden mit uns schließen, wollen 6ie sich unseren Bedingungen unterwerfen, wie eö dem besiegten zukommt, bann, aber nur dann bewilligen wir Zhnen ehrenvollen Abzug."
„Unverschämter, Aufrührer, daS sollen Sie büßen!"
„Wir fordern: Unumwundene Anerkennung und Achtung loserer Menschenrechte, Kassirung aller jemals gegen Einen der Unsrigen ergangenen Strasverfügungen, und heut Abend -Ependung einer zweiten Bowle, sobald die von uvserm ! Freund und Gönner bereits in Aussicht gestellte dito ver- Mgt ist."
M „Machen Sie auf!" wüthet eS zurück.
l „Schwören Sie Urfehde, Herr Direktor!"
„Tod und Teufel! so macken Sie doch auf, ehe die i Bareaufiunben wieder beginnen 1 Es ist gut, ich will Alles zkrgiffen, aber machen Sie auf!"
„Meine Getreuen, wir bewilligen dem tapferen Verteidiger den Abzug mit allen kriegerisch'n Ehren und linier klingendem Spiel. Erheben Sie Ihre Stimmen zu ’ taem harmonischen Hoch!"
Die Instrumente werden in Bereitschaft gesetzt, Goti- jolb tritt an die Thür und ergreift den Drücker.
L „EinS, zwei, drei!"
1 „ES lebe -!"
Die Thür springt weit aus — Ensetzen ergreift die i Versammelten, daß fie lautlos verstummen und schier er» ' bleicht zurückweichen.
balternbeamter kann ja auch ein Mädchen glücklich — ob vermeidlichen Eylinder, schritt seine 3 Stiegen hinab unb; mir wohl so 'n verfluchter französischer Chasseur im Halse schweren Herzen- die Stufen gegenüber hinauf. Ein Schild stecken geblieben ist, daß ich mich gar nicht recht «USdrücken
•»eigen nimmt entgegen: gt Expedition d. Blatte-, wie die Annoneen-Bureaux jn Th- Dietrich & Eo. in «fiel und Hannover; Lh. Ketrich in Frankfurt a M ; taafenftein & Vogler in Snlfurt a- M, Berlin, Steif» L Eöln re; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfurt tu M. re.
Steifen der ländlichen Bevölkerung nur einer Ermunterung dedurft zu haben scheint. ES wird nunmehr, wie von allen (Seiten anerkannt wurde, die Hauptaufgabe fein, durch leb hafte lokale Thätigkeit die glücklich angeregte Bewegung zu! wird sie zu allererst die Veröffentlichung der Verfassung fördern, durch Wort und Schrift für die weitere Verbrei-s zur Folge haben; hierin könnte man allerdings ein AuS-