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Akarkurg, Frettag, 22. December 1876.

xl Iahrgarg.

St. 300

Obcchc^islhc Jrilung

A

Deutsche« «ritz.

Berlin, 20. Dec. Fürst BiSmarck's finanzpolitische

sach dem Hofe zu ebener Erde gelegenen Kassenzimmeis Erfindliche Thür wird zugeworsen, eine kurze, untersetzte, bärtige Gestalt betritt ve- Hof und eilt den am andern

Bedauern getrübt wird, nicht auch den wirklichen Direktor einmal dingfest machen zu können, beschließt die lustige Tafelrunde in corpore zum Empfang desHerrn Direk» tor6" auszuziehen. Der dicke Wirth schließt sich den fidelen Gejellen an. Schnell hat sich die kleine Gesellschaft als Musikbande ausgerüstet mit Ofenschaufeln, alten eisernen Töpfen, einer alten Heisern Trompete, die ein durchgebrann­ter MusikuS dem Herrn Wirth als theureS Andenken hin terlasien, einer nicht eben klangvollen Gullarre, was sich alles leicht unter den Ucberziehern verbergen läßt, und fort grhtS.

Der Gefangene, bei seinem Versuch die verhängniß volle Thür von Innen zu öffnen, ist die, durch eine kleine Oeffnung von außen nach innen geleitete, an der außen befindlichen Haspe befestigte Strippe, mittels deren allein der AnstaltSbrsucher die Klinke zu heben und damit die Thür zu öffnen vermag,ausgerissen" war inzwischen durch die Aussicht, in dem, hinsichtlich seiner Ausstattung nur auf kürzere Anwesenheit berechneten Raume zwei volle Stunden, bis zum Wiederbeginn der Bureaustunden, aus­harren zu müffen und sich dann noch dem Fluche der .Lächerlichkeit ausgesetzt zu sehen, nicht eben in rosige Stim mung versetzt. Und doch mußte er sich mit dem Gedanken daran vertraut machen. Der nach der Straße zu durch das Gerichtsgebäude, von den übrigen drei Seiten durch hohe Mauern abgeschlossene Hof wurde wahrscheinlich bis dahin durch keines Menschen Fuß betreten, wenn nicht etwa dem im Vorderhause wohnenden, alten, tauben Kastellan das Bedürfniß einer Erleichterung herbeisühren sollte. Von Zeit zu Zeit rüttelt er wie rasend an der Thür, um dann wieder minutenlang zu lauschen.

In dem Augenblick, als ein erneuter Wuthausbruch im Käfig erfolgt, öffnet sich leise die Hofthür, behutsamen Schrittes ziehen, einer hinter dem andern, unsere jungen Freunde herein, den Schluß des Zuges bildet der dicke Wirth, dessen behagliche kleine Aeuglem in dem kugelrunden

Rede im Reichstage gelegentlich der Richter'schen Anfrage wegen der Erhöhung der russischen Zölle findet den ent­schiedensten Beifall beimEconomist", dem hervorragendsten Ftnanzblatte Englands. Die wesentlichste Bedeutung der Rede welche dem Scharfblicke des Kanzlers um so mehr Ehre wache, als er sich auf einem Felde zeige, in dem Männer seines Schlages gemeiniglich nicht besonders klar­blickend zu sein pflegen findet die Wochenschrift in der entschiedenen Verurtheilung einer Politik, welche politische Verwickelungen einer anderen Regierung zur Erpressung von Zugeständniffen auf volkswirthschastlichem Gebiete zu benutzen sucht. Ob der Reichskanzler auch vorübergehendm Repreffalien im Zollverein abhold sei oder nicht, würden seine Vorwürfe gegen Richter, daß derselbe ihm im Voraus ein solches HülfSmittel durch Constatirung der Abneigung des Reichstages abgeschnitten, zwar zweifelhaft erscheinen lasten.Economist" glaubt indeß, diese Vorwürfe seien offenbar nur oratorijcher Natur. Vielleicht, wenn die russische Regierung selbst einen Vorwand gewünscht hätte, um aus einer falschen Stellung herauszukommen, möchte Fürst Bismarck geneigt gewesen sein, ihr durch Einrichtung deutscher Retorsionszölle solch' einen Vorwand zu liefern nicht aber würde er aus eigener Neigung zu solch' einer Maßregel seine Zuflucht nehmen, da seine ganze Rede klar zeige, wie sehr er von der Werth- und Dauerlostgkett er­zwungener Zugeständnisse durchdrungen sei.Die Rebe war durch und durch eine FreihandelSrede", urtheiltEco­nomist" und sagt dann weiter:Freihandel ist keine volkS- thümliche Theorie, selbst nicht in Deutschland, und seine Grundsätze sind im Wesen so abweichend von den leitenden politischen Gesichtspunkten der Männer, deren Geist sich hauptsächlich mit Aus- und Ausbau großer Reiche besaßt, daß eS unmöglich ist, dem Manne eine gewisse Weite deS Gesichtskreises abzustreiten, der, während er sich vorwiegend mit Gegenständen der letzterwähnten Art abgibt, fest die Grundlehren erfasten kann, auf denen die volkswirthschaft- lichen Wahrheiten beruhen." Die Worte, in welchen Fürst Bismarck die Ausnutzung schwieriger Lagen fremder Staaten zu finanziellen Zugeständnisten verurtheilte, führt das Blatt buchstäblich an, da sieso charakteristisch offen und klar sind, daß sie der Aufzeichnung wohl werth zu Nutz und Frommen aller kleingeistigen Staatsmänner, welche tn die Versuchung geratheu könnten, solchen Vortheil auf solche Kosten zu suchen." Die Nachtheile deS bekämpften Systems zergliedert derEconomist" dann dahin, daß erstens die enormen Vortheile jedenfalls nur zeitweilig sein würden, und dann zweitens der betroffene Staat ihm abgerungene Zugeständniffe als schädlich und nicht wohlthätig für sein eigenes Selbst anzuseheu geneigt sein müsse und folglich

i Zur das erste Quartal 1877 werden von allen

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Die Exp. d. Oberh. Zeit.

Kopf vor Vergnügen glänzen. Geräuschlos bildet sich ein Halbkreis um die Thür derMausefalle". DieInstru­mente" der improvistrten Kapelle machen das Stimmen unnöthig.Eins, zwei drei l" flüstert der Dirigent, und

Hier sitz' ich auf Rasen mit Veilchen umkcänzt" erschallt'« auS den Kehlen der Musikanten unter gedämpfter Begleitung der Instrumente.

Ein ,Gebrüll wie das eines gereizten Löwen ist die Antwort aus dem Käfig, die wuchtigen Schläge von innen drohen die Thür zu sprengen. Der dicke Wirthkann nicht mehr", er lacht, daß ihm die Hellen Thränen über die Backen rinnen.

Oeffnen Sie sofort! Welche unerhörte Frechheit, meine für Sie geheiligte Person in solch lästerlicher Weise anzu- tasten!" schallt heraus.

Bravo, Herr Direktor! Bravo, Kahlow, altes HauS! Hier bleiben! Zulage kriegen!" schallt'S zurück.

Herrgott! wenn wir den leibhaftigen Direktor einmal so in der Klemme hätten, den Menschenquäler!" heißt eS. So verbrennen wir ihn wenigstens im Bilde, die Geister der von ihm Erschlagenen schreien nach Rache! ruft pathe- tisch ein Anderer,das ist der Eumeniden Chor!" ein Dritter.

Drinnen fortgesetztes Wüthen und Toben.Ich werde ein grausiges Exewpel statuiren, das ist ja offene Rebellion, Hochverrath, Majestätsbeleidigung l"

Der dicke Wirth ist aus die im Hofe stehende Wasser- tonne, er kann sich nicht mehr aufrecht halten.Nee, Di­rekterchen, Sie sind gottvoll," ächzt er,heut Abend meine Herren sind Sie alle mitsammen zur Bowle eingeladen; Direkterchen, Sie trugen den Ehrenplatz, aber vormachen müssen Sie mir daö heut Abend noch mal!"

Silentium! hebt unserer wahrhaftigen Geschichte wackerer Held gegen ferne Genossen,hochzuverehrender Herr Direktor I" ge^en die unter fortwährenden rasenden Schlägen erzitternde Thür gewendet an.

stautinopel) ist etwas zu allgemein und unverständlich. Man wird daran sesthalten müssen, daß Ruschdi Pascha noch ganz vor Kurzem gegen einigezu freisinnige" Be­stimmungen der projektirten türkischen Verfassung protestirte. Ferner ist von Midhat Pascha bekannt, daß er den Mächten gegenüber für die weitgehendste Conzession plaidirt, um dem Kriege zu entgehen, den dieser Staatsmann als das größte Unglück betrachtet, das jetzt das türkische Reich treffen könnte. Der Wechsel im Großvezirath würde also Aussicht auf Nachgiebigkeit seitens der Pforte eröffnen können. Aus Berlin telegraphirt mau derKöln. Ztg.": Die Einigung der Konferenzmächte wird keineswegs bezweifelt bezüglich des internationalen Protokolls, wahrscheinlich wird sie auch erzielt Über eine europäische Aufsichtsbehörde in irgend einer Form. AIS sicher gilt sie wegen der Ernennung christlicher Gouverneure, über deren Ausdauer die Ansichten noch aus­einander gehen. Die Verlängerung der Waffenruhe auf sechs bis acht Wochen, wird als bevorstehend signalistrt. DemDaily Telegraph" meldet man aus Konstantinopel: Rußland gab jedwede Absicht einer russischen Occupation der Bulgarei auf und schlug dafür eine zeitweilige belgische vor. Sämmtliche Gesandte billigten letzteren Vorschlag, auch Salisbury, jedoch vorbehaltlich der Zustimmung des britischen Kabinets. Die Pforte will angeblich alle gor derungen, ausgenommen irgendwelche Occupation, bewilligen." Es muß als fraglich bezeichnet werden, ob Rußland wirk- ich auf eine Occupation durch eigene Truppen verzichtet. lFerner sei erwähnt, daß der russische Botschafter in London, Graf Schuwalvff, sich von dort nach Brüffel begeben hat, vermuthlich hängt seine Reise mit dem Vorschlag der Occu- pation durch belgische Truppen zusammen. Es heißt, daß der vorgestern stattgehabte englische Kabinetsrath diesen Vorschlag acceptirt hat; eine Meinungsäußerung Seitens Belgiens liegt nicht vor.

Ueber die russischen Truppenbewegungen schreibt man aus Kischinkff, 15. December: Die Truppentransporte waren in den letzten Tagen so massenhaft, daß nunmehr nur geringe Nachschübe starifinden dürften. In Folge dessen erhielt der Betriebs-Direktor Witte der Odessa-Kischeneffer Bahn die Erlaubniß, die genannte Linie, sowie jene von Ovessa Granitza für den Waarenverkehr zu eröffnen. Vom 23. d. Mts. ab werden vorläufig zwei Lastzüge täglich ver­kehren. Mit Anfang Januar dürfte aber ganz wahrschein­lich der normale Verkehr aus allen süd russischen Eisenbahnen wieder ausgenommen werden.

Anzeigen nimmt entgegen: die Lzcheditto« d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureauk von 0. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- meyer in Berlin; Sott Schüß-

ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

ftyvui tauitv tpvu/cii vvu vci vcwupmi yciuuci,

*»uter und ungeduldiger wird'S. Gotthold begreift die Sachlage. Se,n Freund Kahlow ist da drüben eingesperrt

Anzeigen nimmt entgegen:

Expedition d. Blatte», futoie die Annoncen-Bureaux um Th. Dietrich & So. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; heafenftein & Vogler in fcantfurt a. M, Berlin, Leiv- M, Cöln ic; Rudolf Stoffe , Berlin, Frankfurt a. St. re.

Silbe deS Hofes angebrachten Retiraden zu. ES ist Kahlow dotlhold schlüpft schnell in seinen Uiberrod, ta er- ichollt laute» Pochen von der bewußten Anstalt herüber,

D»n Jüan wider Willen.

Humoreske von W. v. Strachwitz.

(Fortsetzung.)

Schon neigt sich die Zeit der schweren Prüfung ihrem 6nbe zu Sonnabend Mittag, auf den Treppen des Ge- richtsgebäudeS wird eS lebendig, Einer um den Andern <ttt zum Mittagstisch und bald ist eS wie auSgestorben, out Gotthold sitzt über fein Kassenbuch gebeugt, er hat s kaum bemerkt, daß er allein, er wartet auf Kahlow, im Pfeudo-Direktor", in dessen G fellfchaft er im Gast­hof zu spaifen pflegt. Ein Geräusch weckt ihn aus seiner Versunkenheit, die in gleicher Linie mit den Fenstern des

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJlustrirteS LomtlugSdlatt" burch bie Sxpeditton (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen 3i Warf, burch bie Postämter beS Deutschen Reiche» 3 Warf 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zelle 10 Pf». Für in bet Sxpebition zu ertheilenbe Auskunft unb Annahme von Abreffen werden 3H Pfg. berechnet.

LageSdertevr.

DieProv Corresp." schreibt heute zum Schluß eines Artikels Über di» Verständigu ig betreffs der Justizgesetze: ES konnte nicht fehlen, daß daS Werk dieser hochdedeut- samen Verständigung, obwohl dasselbe durchaus nach dem Sion und Geist wahrhaft parlamentarischen Wesens aus gegenseitigem ernsten und gewissenhasten Entgegenkommen zwischen dem Reichstage und den Regierungen beruht, von den entschiedenen Gegnern der Regierung in der Fortschritts­partei und in der ultramontanen Partei als ein blindes Unterwerfen der Mehrheit unter den Regierungswillen be­zeichnet und auögebeutet werden würde. Das deutsche Volk aber in seinen wertesten einsichtigen Schichten wird sich ge­wiß darüber nicht täuschen lassen, auf welcher Seite dies aal die wirkliche Fürsorge unb daS wahre Verdienst um die einheitliche und freiheitliche Entwickelung der Nation zu mnden ist. Seit der Errichtung deS deutschen Reiches ist bie Gesetzgebung, um deren Abschluß es sich handelt, die müßte unb erhabenste nationale That, welche überhaupt Wllbracht worben, unb eS werben kaum Monate vergehen, «ß bie Fortschrittspartei, welche jetzt bie Urheber der Ver- Inbarung verlästert und schmäht, nachträglich in hergebrach er Weise ihren Antheil an den Ehren dieser Schöpfung n Anspruch nehmen wird. Diejenigen Männer innerhalb der Regierungen unb bes Reichstages aber, deren redlichen Mühen es gelungen ist, dem deutschen Volke die einheitliche nationale Gerichtsverfassung unb bas gemeinsame RechtS- dersahren als Weihnachtsgabe zu sichern, bürfen trotz aller Parteiwühlereieu des DankeS und der Anerkennung der Ration gewiß sein.

Der schon vor einiger Zeit angekündigte Wechsel im tückischen Großvezirath ist eingetreten. Midhat Pascha hat die Stelle Ruschdi Paschas eingenommen. Die Art und Weise, wie dies offiziell motivirt wird (vergl. Artikel Kon

Hb harrt der Erlösung. Und unserm Helden steigt ein Halkhasteö Teufelchcn auf den Nacken. Er hat doch die wische Rolle nicht vergessen, die er Jenem gegenüber am borgen seines Eintritts gespielt.

Warte, Freundeten, heut zahl' ich's Dir heim, denkt und aus dem geöffneten F.nfter lacht er schallend hinüber: «Ha, ha, ha, Herr Direktor, haben Sich ja ein schnurriges Speisezimmer gewählt. Na, Profit Mahlzeit! eS gibt heute * Löwen mein L-ibgericht." Im Käfig gegenüber erfolgt ^8 höllischer Wuthausbruch, Gotthold aber schließt lachend

Fenster wieder, und trabt nach dem Löwen, wo es WUe wirklich sein Leibgericht gibt. Den Kollegen dort W er den Fang mit, den er an demDirektor" ge» dacht, und unter ungeheurer Heiterkeit die nur durch das