Marburg, Dienstag, 19. Deccmber 1876.
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aus der Kommission, wo sie eine Behandlung zu erfahren scheine, welche die Erstattung eines Berichtes noch in der gegenwärtigen Session geradezu unmöglich mache. Man hö e von lebhaften Streitigkeiten in der Kommission und dergl. Der Abg. von Unruh (Magdeburg) bemerkte da rauf als Vorsitzender der Kommission, daß die Kommission auf's Angestrengteste arbeite, täglich eine Morgen« und eine Abendsttzung halte. Mehr könne man von einer Kommis» ston nicht verlangen. Der Abg. Richter (Hagen) erklärte, den Zweck dec Mittheilung des Abg. Lucius nicht zu begreifen. Der Antrag könne doch nur als solcher auf die Tagesordnung gestellt und nicht so ohne Weiteres zur Be jprechung gebracht werden. Der Abg. Bamberger gab der Besprechung einen akuten Charakter, indem er eine sehr heftige Bemerkung über die Mittheilung des Abg. Lucius machte und besten Kritik der Kommijstonsoerhandlungen eine „Ueberhebung" nannte. Dieser Ausdruck wurde von dem Präsidenten von Forckenbeck gerügt, der indessen auch den Abg. Lucius unterbrach, als dieser sich anschickte, dem Vorredner gegenüber sich eine Genuzthuung vorzubehalten. — Wir glaubten, diesen kleinen Zwischenfall an dieser Stelle erwähnen zu sollen. Abzuwarten bleibt, ob eS der Abg. Lucius wirklich für gut befinden wird, den erwähnten, total auSstchtslofen Antrag einzubrtngen.
fetzung, daß bis dahin auch das Gerichtskosten-Gesetz zu Stande gekommen ist.
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Der chilenischen Deputirteukammer ist ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, nach welchem im Jahre 1877 die gegenwärtig in Chile bestehenden E ngangSzölle einen Zuschlag von lOpCt. erfahren, ebenso legt sie ein Zoll von lOpCt, auf eine Reihe der bisher eingangsfreien Artikel. Auch ferner unbelastet bleibt noch immer ein großer Thcil, auS dem wir folgende hervorhebcn: Feuerlöschapparate, lebende Thiere, gottesdienstliche oder für Regierung oder Gesandtschaften bestimmte Artikel, Steinkohlen, Karten und Pläne, geographische Apparate, Guano, physikalische, chiruigische rc. Instrumente, Druckpresten nebst Zubehör, Schieferstifte, Gegenstände zum Zeichenunterricht, Minenpulver, Sämereien rc.
Stadt versetzt, durch deren altersgraue Gasten wir ihn schreiten sehen.
Gotthold Leberecht Treuherz ist das Muster eines könig- lichen Beamten, pünktlich im Dienst, frei von Schulden, seine Personalakten sind rein, so rein, daß der gestrenge Herr Direktor, dem er soeben seine gehorsamste Aufwartung gemacht, fast die Stirn darüber gerunzelt: unter seiner Verwaltung kommt das nicht vor; da gleichen die Personalakten schwarzen Büchern, strotzend von Rügen, Verweisen, Ordnungsstrafen und wie die Zeichen des Mißfallens behördlicher Chefs in ihren Steigerungen fast noch genannt werden mögen.
Unser Held, von dem wir zur Vervollständigung des Signalements noch vermelden wollen, daß er in einigen Tagen in das beneidcnswerthe Alter von zwei und zwanzig Jahren tritt und ein in schönster Entwickelung begriffenes blondes Schnurrbärtchen auf der Oberlippe trägt, zieht ein Papier aus der Tasche. Es enthält Wohnungsadresten, die er sich vor seinem Gange zum gestrengen Herrn Direkior, als er hem morgen mit der Post angelandt, in der Expedition des „Wochen- unv JntelligenzblatteS* abgeholt. Nachdem er dieselben sorgfältig gesichtet, blinzt er an der nächsten Ecke — unser Freund leidet bedenklich an Kurzsichtigkeit — nach den Straßenmauern und setzt sich in Trab.
U berlaffen wir ihn einstweilen seinem Schicksal und den kleinen Abenteuern, die der Fluch der Kurzsichtigkeit in seinem Gefolge zu führen pflegt, und machen wir inzwischen eine andere Bekanntschaft.
Wir brauchen nicht gar wett zu gehen, so beschreiten wir die Brüdergafle. Aus dem geöffneten Fenster eines der mit den Giebeln der Straße zugcwendetm alten, aber sehr respektabel aussehenden Häuser ragt ein Pfeifenrohr mit einem Mcerschaumkopf, auS dem so dicke Rauchwolken aussteigen, daß man kaum daS alte, wunderliche Gesicht zu erkennen vermag, das darüber herausschaut, trotz des nicht
Die nationalliberale Frak.ion deS Reichstages ist Sonnabend Abend nach Schluß der Plenarsitzung zu einer Frak- tionsberathung zusammengetreten. Es handelt sich dabei um den Kompromiß in der Frage der Justizgesetze. Es heißt, daß die Majorität in dem Punkte des Zeugnißzwanges bei den früheren Beschlüssen bleiben, in den übrigen Punkten aber der Regierung nachgeben will. — Die Session wird, wie man heute allgemein annimmt, noch vor Weihnachten geschloffen.
In dieser Sitzung faßte die Fraktion nach zweistündiger Debatte mit allen gegen 4 Stimmen den Beschluß, dem Compromiß über die Justizgesetze, welchen Miquel, Lasker und Bennigsen mit der Regierung vereinbart haben, zuzustimmen. Nach diesem Compromiß fallen alle bishe rigen Reichstagsbeschtüffe über die Preffe; die Verweisung der Preßdelikie an die Schwurgerichte bleibt den resp. Landesregierungen Vorbehalten. Die Verfolgbarkeit der Beamten foll von der Zustimmung des Verwaltungsgerichts-
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Und er schüttelte die weißen Schneeflocken von seinem Nauen Ueberzieher, die bei seinem Austritt auf die Straße btt Wind darauf gewirbelt, als werfe er damit die Grillen Md trüben Gedanken von sich ab.
Der Held unserer wahren Geschichte ist der königliche EreiSgertchiS Salarten-Kaffendiätarius, Aktuar erster Klaffe Wt der Qualifikation für das Kaffen- und RechnungS- Msen Gottholv Lebcrecht Treuhcrz, mit heutigem Datum, M. den 1. Januar 18 .an daS Kreisgericht der guten
*) Nachdruck nicht gestattet.
Xür das erste Quartal 1877 werden von allen g Postanstalteu Bestellungen auf die
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Die Exp. d. Oberh. Zeit.
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»aseSdrrtcht.
Der BundeSrath hat in seiner Sitzung vom 23. v. MS. beschloffen: 1) In den Grundsätzen für die Fixation der Brausteuer erhalten die Bestimmungen unter 13, II 2 nnb II 4 folgende veränderte Fassung: I. 3. Die Fixr- tionsvrrträge werden in der Regel längstens auf Jahres- Dauer abgeschloffen. Ausnahmsweise ist der Vertragsschluß auch für einen kürzeren Zeitraum zulässig II. 2. Die Fixation kann sich aus je 5 Jahre erstrecken. IL 4. zweites Alinea. Die Anträge sind regelmäßig spätestens 6 Wochen vor dem Zeitpunkte, mit welchem die Fixation oder deren Erneuerung beginnen soll, anzubringen. 2) Für den Fall, daß behufs des U-bergangeS zu einer dem Rechnungsjahr entsprechenden Fixationsperiove für die Brauer vom 1. April bis 31. März Fixationsverträge für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 1877 oder für den Zeitraum vom 1. Januar 1877 bis zum 31. März 1878 geschloff n werden sollten, bleibt eS jeder Regierung Merlaffen, dahin Anordnung zu treffen, daß Die ohne Nach- kdersteuerung stxirten Stauet am Schluß des Quartals 1. Hrnuar bis 31. März 1877 eine Deklaration ihrer Bor- ,»he an Bier unvj Würze einzureichen und stch einer SestandSausnahme zu unterwersen haben, welche statt der ursprünglichen Aufnahme bei demnächsttzer Lösung deS FixationSoerhältniffes maßgebend ist. — Der Bundesrath hat in derselben Sitzung ferner beschlossen: Die in Bezug auf HalSkragen aus Seinen und Papier hervorgetretene Lerschiedenheit des KlasstfikationSverfahrenS dahin zu entscheiden, daß HalSkragen mit einer Zwischen oder Unter läge von Papier, deren Schauseite auS leinenem Zeugstoff besteht, nach Nr. 18e des Tarifs mit 30 Mark für den Centner zu verzollen sind.
Don Zua« wider Wille«.*)
Humoreske von W. v. Strachwitz.
„Morgen früh also finden Sie sich pünktlich auf dem Bericht ein, wo ich Sie vetpflichten werde." Eine harte, viangenehme Stimme herrschte diese Worte aus dem Hintergründe eines kleinen Gemaches von einem Pult her, an »elchem ein mittelgroßer, untersetzter Mann stehend schrieb. Ob die Stimme diesem Manne gehörte, hätte man kaum bestimmt behaupten können. Die groben Züge blieben unbeweglich, daS strenge Auge blickte auf das Papier vor sich hin; der Sprecher schien gar nicht mehr an den jungen Mann an der Thüre da vorn zu denken, an welchen seine Borte gerichtet waren, und dieser hielt eS deßhalb für das Eeraihenfle, sich mit einer stummen Verbeugung auS dem wh irnlicheu Gemach zurückzuziehen.
„’ne nette Gegend!" murmelte er vor stch hin, als er wf dem Vorflur den Uebenoet über den Frack zog und Ne weißen Handschuhe abstreifte. „Die schönen Tage von dranjuez scheinen nun wohl für mich vorüber zu sein. Ein sittlicher NeujahrSaufang, dieser Empfang! DaS also ist Nr Mann, in dessen Hände ein Theil meines Schicksals St längere oder kürzere Zeit gelegt ist. Jndeß
Freut euch d<S Lebens,
Srscheint täglich außer den Werttagen nach Eoim» und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchenüichen Beilage „JluftrirteS LonntagSßlatt" durch die Expedition (Koch'sche Luchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Aimabme von Adreffen werden S5 Pf«, berechnet. v
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Dntqchr, Reich.
Berit», 16. Dec. Die vertraulichen Verhandlungen über gemeinsam zu stellende Anträge zu den Justizgesetzen dauern fort und geben wir unS noch der Hoffnung hin, schreibt die „Post", daß ein Ausweg gefunden wird um dieses große Gesetzgebungswerk zu Stande zu bringen. Wenn überhaupt eine Majorität zu Stande zu bringen ist, so wird sie wie in allen politischen nationalen Fragen gebildet werden Hüffen durch ein geschloffenes Zusammengehen der nationalliberalen Fraktion Mit den Fraktionen der Rechten. — Die „Nationalzeitung" sucht nachzuweisen, daß stch die gegenwärtige Krisis von den früheren parlamentarischen Krisen im norddeutschen mnd im deutschen Reichstage wesentlich unterscheide. Selbst bei der norddeutschen Verfaffung und den Militärgesetzen habe e» sich nur um vereinzelte Machtfragen gehandelt. In der gegenwärtigen Krisis handle cs sich „um die ganze Frage der Fortführung der Reichsidee oder um die Proklamirung der Aera der Stellung, wenn nicht der Umkehr." „Die Rechtseinheit, das Reichsgericht, schließt sie, sind mehr wie funkelnde Steine, welche der Kaiserkrone der Hohen- zollern ihren Glanz verleihen, eS sind neue und feste Band«, die stch um daS junge Reich schlingen. Was bedeuten alle die kleinen Rechnungen von Machtvcrlust und Gewinn gegen diesen so großen, so gewichtigen Posten, diesen inneren Machtzuwachs des Reiches l Wir unsererseits würden die Staatskunst nicht verstehen, welche über der minutiösen Verfolgung der Machtbefugnisse deS Staatsanwälte» und kleinen Rechtsformen die sgroße historische Thatsache, der eben angenehmen Luftzuges, der ihm die kalten Schneeflocken entgegentreibt. Immer schneller und dicker wirbeln die Dampfwolken empor, dumpfe» Grollen mahl stch dahinter bemerklich und nun bricht's los.
»Kreuz Bomben und Granaten l Wa» muß fo'n alter Kriegsknecht alles erleben. Ist das ein Neujahrswetter? Könnten meiner Seele die Frösche quaken. Es gibt gar keinen rechtschaffenen Winter mehr. Ja, als wir mit Vater Blücher über den Rhein gingen, das war ’ne NeujuhrSnacht. Aber heutzutage — I und da sehe Einer das junge Volk! Wickeln sich ein in ihre Cachenez, und wie das dumme, neue Zeug alles heißt, daß man kaum einen ehrlichen Christen» wenschen dahinter erkennen kann und Ueberzieher müffen sein, und große Pelze, und Ueberschuhe, und Doppel- fenster, luftdichte Thüren, und weiß der Teufel, was sie alles noch erfinden werden. Und so'ne miserable Gesellschaft redet von Freiheit und Selbstregierung und will seiner Majestät unfetm allergnädigsten Kö.ttg und Herrn" — der alte Haudegen lüftete sein Käppchen — in’» Handwerk pfuschen und Gesetze machen!---Wo nur die Grethe
bleibt? Die Kirche muß doch zu Ende sein. Habe meinem guten Kinde zum Neujahr noch nicht die Hand gedrückt. Das arme unerfahrene Kind — es wird wohl nun bald das letzte Mal fein. Hätte sie gern vor meinem Ende versorgt und glücklich gesehen — sie verdient’», ist noch vom alten Schrot und Korn, keine modische Zierpuppe. Na, wie Gott will! — da kommt sie ja um die Ecke."
Der Alte schloß daS Fenster und setzie sich in feinem Lehnsessel zurecht. Wenige Minuten daraus öffnete sich die Thür und die Erwartete trat ein, ein altjüngferliches, kleines Fräulein mit zusammengeschrumpftem, gutmütigem Gesicht, daS man schon vor einem Dccenium mit ben Eingangsworten des Mantelliedes zu begrüßen berechtigt war, trotz btt rauhen Jahreszeit leicht gelleibet, wie Papa e» gern sah, und blau und halb erstarrt vom Frost, doch herzlich lächelub." ' ’
Hofes über Amtsüberschreitungen abhängen. Competenz Gerichte sollen durch landesherrliche Verordnung errichtet In der Sonnabend-Sitzung des Reichstages sand nach I werden. Das Monopol des Staatsanwalts wird nach dem Erschöpfung der Tagesordnung eine etwas erregte Geschäss-1 rheinischen Verfahren dahin modifizirt, daß eS zulässig wird.
ordnungsdebatte statt. Der Abg Lucius (Erfurt) kündigte I Als Einführungstermin der Gesetze soll der 1. Qclober einen Antrag an auf Zurückziehung der „Relorstonsbill" (!) 11880 im Gesetz ausgenommen werden. Unter der BorauS-
Weil noch das Lämpchen glüht!
■ Der heut noch bin ich frei, das Heut gehört noch mit 1"