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JRarßurg, Freitag, 15. December 1876.

XI. Jairgaii.

OberheMeIeitung

28. Mai 1870 für den deutschen Reichstag I en. Auch dem Geschworenen sollen 5Mark«

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Die Mammuth» Höhle.

Von Paul Oeker.

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Höhle überdeckt, hat feit dem Jahre 1809, dem Jahre der Entdeckung dieser terra incognita, schon oft seine Besitzer gewechselt. Gegenwärtig steht eS, wie jene, durch den

Anwendung finden. Auch Diäten zugebilligt werden.

diSlocirendc, sprengende Wirkungskraft wie gefrorene« Wafler besitzt, haben auf die innere Gestaltung und Um­wandlung der Höhle bedeutenden Einfluß geübt. Oft finden sich Stalaktiten, und Alabastcrrofetten beisammen, ein Beweis daß das Wafler, welches erstere geschaffen, vor Jahrhunderten zu fließen aufgehört, denn Gipsformationen sind in feuchter Atmosphäre nicht statthaft. Auch Salpe­tererde besitzt die Höhle in ungeheurer Menge. Die hier angelegten und während der Kriegsjahre 1812-14 bear­beiteten Salpeterwerke, deckten den Bedarf der Bundesre­gierung, bis nach dem Friedensfchluß der bei weitem billi- gere Salpeter des ostindifchen Markte« Eingang fand. Gerade jene FabrikationSepijode gab den Anlaß zur Er­forschung und Wegbarmachung der Höhle. Der Krämer« geist hob wieder einmal den Schleier des KoSmo«. Die «blagerungen von Kies, Sand und Schlamm in ein­zelnen Alleen, einstmaligen Flußbetten, bezeichnen den rapi- den langsamen Lauf oder das Stillstehen und die Richtung der längst verschwundenen Wafler. Die noch übrigen we- nigen waflergifüllten Kanäle und Bassins stehen mit einem seitenarm des Ohio, dem außerhalb vorbeifließenden Green River, dessen llfergestaltung gleichfalls den allmäligen Pro­zeß mühsamer Aushöhlung des Flußbettes dokumeutirt, in unterirdischer Verbindung. Wenn seine Wafler im Früh, fahre anschwellen, so findet eine gleichzeitige, oft 46 Fuß übet den gewohnten Waflerstand steigende Ueberfluthung ter Höhle statt. Diese dunkeln, stygischen Flüfle bergen überdies in ihrem Schooße eine große Naturmerkwürdigkeit, die augenlosen Fische, Bachkrcbse, Krabben, Frösche. Den Untersuchungen wifleuschaftlicher Autoritäten, u. ». der deutschen Gelehrten Tellkampf und I. Müller, zufolge,

tung der Höhle erfordert drei bis vier Tage, außerdem aber bieten mehrere kleine Glieder einer über die ganze Nachbarschaft verzweigten Höhlenfamilie, welche jene«, ihr würdiges Haupt aus allen Seiten umdrängen, noch beson­deres Jnterefle, und die ur und hinterwäldlerische Frische des KentuckysorsteS trägt nicht wenig dazu bei, den Som mertouristen zu einem längeren Verweilen zu veranlaflen. Nur zweihundert Schritt vom Hotel befindet sich der Ein­gang zur Höhle, ein unheimlich gähnendes, fast gothisch überwölbtes Höllenthor, versteckt in jLher Schluchisenkung, in welche ein seiner, klarer Wasserstrahl in monotonem Takischlag herablräufelt. Bevor wir das Innere betreten, seien mir einige Worte über die Bildung unv geologische Beschaffenheit der Höhle erlaubt. Seit Aeonen hat die Natur daran gearbeitet. Eines zwiefachen, chemischen und mechanischen ProzefleS Harste sich bedient. Vornehmlich der lö­senden Einwirkung kohlensäuerhaltigen Wafler« auf den Kalk stein oder kohlensauer n Kalk, au« welchem die Höhle besteht, befördert durch die Verbindung mit laufendem Wafler. So entstanden alle jene breiten, einst waflerdurchströmten

Hotel des Orts, ein geräumiger, luftiger Holzbau, nach südländischer Bauart von Prächtig langen Gallerten und Veranden umgeben, schon seit Jahren unter der umsichtigen Verwaltung eine« Herrn A. Miller. Eine Durchwande-

»»aetgra nimmt entgegen: die eqwbttton d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von L- Daube & So. in

Zu dem Entwürfe einet Strafprozeßordnung haben die sozialdemokratischen Abgeordneten Hoflelmaun, Bebel den Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: Einen dritten Abschnitt in das siebente Buch aufzunehmen mit der UeberschristEntschädigung". Nach dem ersten Para­graphen dieses neuen Abschnittes würde eimm Angeschuldigten, welcher in Untersuchungshaft genommen wurde und gegen den entweder da« Verfahren eingestellt oder der freigespro­chen worden ist, für die ihm in Folge der UntersuchungS haft entstandenen nachtheiligen Folgen au« der StaatSkafle eine Entschädigung für jeden Tag der Dauer d.r Unter- suchungöhaft in der Höhe von drei bi« fünfzehn Mark zu gewähren fein. Ebenso würde nach dem zweiten Paragraph einem zur Strafhaft Verurtheilten, welcher in Folge Wie­deraufnahme eines durch rechtskräftiges Etkenntniß geschlosi jenen Verfahrens freigesprochen worden ist, für die ihm in Aolge der Strajhaft entstandenen nachtheiligen Folgen aus ver StaatSkafle eine Endfchävigung für jeden Tag der Dauer der Strafhaft in der Höhe von drei bis fünfzehn Mark zu gewähren fein. Die beiden anderen Paragraphen bestimmen, daß die Entschädigungen auch dem Erben zu gewähren sind, während sich der Staat hinsichtlich der Kosten an denjenigen schadlos halten kann, der aus Vorsatz oder Fahrlässigkeit die Hast veranlaßt ober verlängert hat.

Der Schluß der Reichstags - Session dürfte sich nach Meinung derPt.-C." bis zum 21. oder 22. d. M. verzögern.

Zwischen dem deutschen Reiche und Luxemburg ist am 11. Oktober 1876 eine Uebereinkuunft über die Herstellung und den Betrieb einer Eisenbahn von Esch a. d. Alzette nach Rüssingen und Audun le Tiche, und von Rüssingen nach Rebingen adgeschloflen worden. Diese Uebereinkunft ist ratifizirt und hat die Auswechselung der Ratifikations­urkunden staltgefunden.

Nach einer Mittheilung der französischen Postverwal- tnng legt das am 5. jeden Monats von Bordeaux nach Südamerika abgehende französische Dampfschiff einstweilen nicht in brasilianischen Häfen an. Briefsendungen nach Brasilien finden in Folge dessen bis auf Weiteres von Bordeaux nur Weiterbeförderung am 20. jeden Monats (mittelst französischer Schiffe), sowie am 16., 30. Dezem- der 1876, 13., 27. Januar 1877 und so fort jeden 2. Sonnabend (mittelst englischer Schiffe).

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Deutsche« Reich.

Berit«, 13. Dec. Auch die heutigeProv.« Corresp." widmet der großen Tagessrage, die alle Gemüthev in Spannung erhält, ihre leitenden Betrachtungen, sie ver­weist aus die gedrückte Stimmung, welche sich nach dem Bekannlwerden der Differenzen zwischen Bundeörath und Reichstag in ter Presse kundgiebt. Dem gegenüber hält das halbamtliche Blatt an der vertrauensvollen Ansicht fest und spricht die Ueberzeugung aus, daß im Reichstag die Kraft zum positiven Schaffen auch bei Abschluß eines dem Ziele jo nahe geführten Werkes, wie die Justizgejetze, nicht versagen wird. Dieses Vertrauen stützt sich auf die schon vielfach vertretene und geteilte Anschauung, daß die Stel- ung des Reichstages zu dem Justizreformwerke in der dritten ßefung ein total anderer fei, als in der zweiten Lesung und daß keine moralische Nöthigung vorliege, an den gefaßten Beschlüflen der zweiten Beiathung auch in dritter festzu- halten. Bei der letzten Entscheidung steigen die Rücksichten aus eine praktische Durchführung. Der Justizminister hat

Die deutsche St. Petersburger Zeitung widmet den Erklärungen des Fürsten BiSmatck im deutschen Reichstage einen längeren Leitartikel. Dermehr als ungeschickten" Interpellation Richter und ihrer Motivirung stellt sie die Aenßerungen des Fürsten Bismarck mit folgenden Worten gegenüber:Diesem unerfreulichen Bilde in der ersten po­litischen Körperschaft Deutschland« gegenüber heben sich um s» leuchtender die Züge ob, mit denen der Fürst BiSrnarck die deutsche Politik inmitten der die ganze Welt mit schwerer Sorge erfüllenden Lage des Augenblicks zeichnete. Der leitende Staatsmann Deutschlands ließ sich durch ein Par- teimaniver glücklicherweise nicht in seiner Aufgabe beirren, feinet unter der Hülle des BerufSamteS bisher in aller Stille geübten fegensvollen Arbeit durch die Oeffentlichkeit erst die rechte Wirkung und Kraft zu verleihen. Daß da« deutsche Volk in seiner Auffaflung dem berufenen Führer folgt, dafür legte der Gras Bethusy-Huc durch feine Rede im Namen der Vertreter des Volks in entsprechender und würdiger Form ein beredtes Zeugniß ab." Der Schluß der Betrachtungen des Blattes lautet:Die Erklärungen deS deutschen Reichskanzlers geben nach Form und Inhalt der Welt die Gewähr über die Friedenspolitik des deutschen Volkes und des neuen deutschen Staates. Der vielge­schmähte Militarismus steht in diesem Sinne im Dienste der Humanität und Kultur und seinem Gewicht wird e« hoffentlich gelingen, die neue Sage abzuwenden, welche ohne ein starkes, neutrale« Deutschland wahrscheinlich heute schon eingetreten sein würde."

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Gänge, jene, wie kunstvoll auSgemfißelten und glattpo- litten, Nischen und Alkoven, in denen man noch jetzt

Spalten, durch welche da« Wafler einst langsam heraus- blinden Fische (amblyopsis speläcu8)'fiatt des Auges'nut getropft, entdecken kann. Aber auch die Effloreöcenz schwe- eine Schicht Pigment, von 1/16 Zoll Größe, darunter eine felfouter Soda ober Glaubersalzes und bte Krystallisaticn farblose Haut unb ganz unentwickelte Ansätze be« Sehnerv«, schwefelfaureu Kalke« ober Gipses (Alabaster, Selenit), Sie gehören zur Klafle bet Viviparua, bringen also leben« welcher letztere, in Felsspalten verkommend, genau dieselbe dige Junge zur Welt unb entleeren die Speise au« einet

ftflt tu bet Expedition zu ettbetlenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werben 35 Pf«, berechnet. ' 8 P ö V*

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition b. Blatte», imgie bte Ännoncen-Bureaux ton Th. Dietrich & Eo. in ftaffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Hänfenstem & Vogler in HÜrnksurt a M, Berlin, Leip- itg, Löln it; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. tc.

ragesLericht.

Zu dem Schreiben de« Reichskanzlers vom 12. t., »eld.ee dem Präsidium des Reichstages die Beschlüfle des vundeSrathe« gegenüber der zweiten Lesung bet Justizge- setze mittheilt, heißt eS ber Bundesrath sei bestrebt, gegen­über den Beschlüflen deS Reichstags in ber zweiten Lesung die Differenzpunkte auf ein so gering wie mögliches Maß zurückzuführen unb habe bei vielen Punkten, obgleich die- felben zu begtünbetm Sebentn Veranlassung gegeben hätten, verzichtet, biese Bedenken weiter zu verfolgen. An­dererseits seien die verbündeten Regierungen verpflichtet, in -rem Entgegenkommen diejenigen Grenzen einzuhalten, deren Ueberschreitung als Gefährdung der ihrer Obhut vorzugsweise anvertrauten öffentlichen Interessen erscheinen müßte. Der Reichskanzler hofft, es werde auf Grunv dieser Beschlüfle de« BundeSrathe« gelingen, das große nationale Werk der deutschen Justizreform gedeihlich abzu­schließen. Nachdem bet Präsident deS Reichstages obiges Schreiben beS Reichskanzlers verlesen, beschloß baS HauS mf den Vorschlag des Präsidenten, die dritte Berathung der Justizgesetze auf einige Tage zu verschieben.

Die BundeStathSbeschlüfle in Bezug auf die Justizge sttze werden so eben offiziell bekannt. Für unannehmbar I »erden erklärt in der Eiviiprozcßotdnung unb ConcutS vrbnung 16 Beschlüfle bet zweiten Lesung. In ber Ge- tichtSvetsaflung gelten für unannehmbar bie §§ 17, 69, 77, bezüglich bet Besetzung ber Strafkammer in bet Be msungSinstanz, ferner §. 81 ber Titel 11 übet bie An- »altschast; EinführungSgesetz bie 1, 10, 16, 22,-25; in Strafprozesse §. 71 Absatz 2, §. 23 Absatz 3, 64, 100, 111 Absatz 1 und 4, 149 Absatz 3, und

M9176. Im EinfühtungSgejetze wird die Weglaflung it Nr. 2 vor §. 5 für unannehmbar erklärt.

r 3u dem Entwürfe eines GerichtSversaffung«gefetze« iben die Sozialdemokraten eine Reihe von AbänderungS »trägen eingebracht, welche in neun Punkten eine Ab- Hmmung nothwendig machen. Die Anträge bett, das ämt er Schöffen unb G-schworenen. Der fungkenbe Schöffe »ll 5 Mark Diäten erhalten; die Wahl des Schöffen soll nicht durch einen Ausschuß sondern durch die Einwohner eS AprtSgerichtSbezirk erfolgen. Wahlberechtigt soll jeder imische sein, der da« fünfundzwanzigste Lebensjahr über hritten unb sechs Monate in bet Gemeinbe seinen Wohnsitz 6t. BIS zur näheren Regelung burch ein Gesetz sollen 6 Uebeigen bie. Bestimmungen be« Wahlgesetzes für den! mtschen Reichstag vom 31. Mai 1869 unb be« Wahl s

M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schltß- let in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Zur Herzen Kentucky's, beSalten blutigen Bodens," Touristenverkehr für bie Eigenthümer äußerst ergiebige icht erreichbar mit bet von Loulsville nach Nashville lau- Schatzgtube unb das in Verbindung damit errichtete einzige oben Bahn, befindet sich eines der grandiosen Meister-ip-ni-i rtaa i..uu» a.i.a...x

leite bet Natur, bie größte Höhle bet Welt. Die größte, cht e schönst« I Nicht ein durchweg unterirdischer Stal cktenwald ober Krystallpalost, ein zauberhaftes Feenge imniß im blendenden Farbenschimmer, wie deren auch aropa besitzt, sondern eine Mammuthschöpsung in vor- legtnb einfarbigem, rauhem Gestein, ein in bie Tiefen tt Erbe eingckerkerteS Felfengebirge mit wunderbaren Bil- «gen, Gipfeln, Grotten, Abgründen, Waflerkanälen, eine iefenftabt wechselreichster Architektur, deren Labyrinth trüm- itbe)5etct Straßen unb Avenuen in seinen Zickzack- und »eckenförmigen Windungen dem Dädalischen nich.S nach- bt. Hat doch bie Natur überhaupt mehr imponirend anmuthenb, mehr wild und grotesk, als ruhig und «nonisch die Scenerie dieses Welttheils gestaltet. Die iagatasälle und die EannonS der Felsengebitge, der Batet 6 Ströme und die Marnmuthhöhle ihre mächtige Fülle 6«hrt durchgehend« des wirksamen Kontrastes idyllischer ^lichkeit, zarterer, heilerer Tönung. Ein Wachsen in'S »rmeßliche, ein Lauf in« Unendliche, eine höchste Potenz mentater Gewalt muß für die Abwesenheit weichet Fot dlyrik entschädigen. Unb jene Bedingungen unb mehr h erfüllt bie Marnmuthhöhle vollstänbig. Sie e streckt 1 unter ber Etboberfläche bi« zu einer Tiefe von 320 6 UV bildet 5 verschiedene, oft übereinander laufende! kckwerke. Ihre bis jetzt erforschten Gänge haben eine ifammtlänge von 75 Meilen, während bie Ausdehnung das angrenzende Felsenlaub burchbohrenden und ab« wdunterbrochenen Tunnel nicht einmal annähernd ge fct werden kann. Das stattliche Grundeigenthum von W Acre« waldigen Hügellandes, welche« da« Gebiet der