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Marburg, Donnerstag. 14. December 1876.

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einige leichie Zugeständniste an den Bundes-

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verbcsierlich (tncorrigible), als man glaube; wenn dies wirklich der Fall wäre, jo würde sich das Reich im Zu­stande einer permanenten Insurrektion befunden haben, während doch seit der Unterzeichnung des Pariser Vertrages, also während tim6 Zeitraumes von 20 Jahren, nur eine sehr geringe Anzahl aufständischer Bewegungen stattgefun­den habe. Die Motive dieser Bewegungen seien bekannt. Ebenso kenne Jedermann den Ursprung und die Entwicke­lung des blutigen Kampfes, von dem Fürst Gortschakoff spreche. Die Pforte sei genöthigt gewesen zu gewaltsamen Mitteln zu greifen, um die Ordnung wieoerheizustellen, um ihre friedlichen Untertanen zu schützen und um die bewaffneten, unberechtigten Angriffe zurückzuweisen. Die Unterdrückung der Unruhen, welchen dir revolutionären Leidenschaften von vornherein den Charakter eines Race- und ReligtonSkampfeS gegeben hätten, habe schmerzliche Opfer gefordert, indessen sei es, sobald die Ordnung wirklich wieder hergestellt wor­den sei, die erste Sorge der Regierung gewesen, nach Mög­lichkeit die unmittelbaren Folgen jener Ereignisse wieder auszugleichen, indem sie die Bevölkerung unterstützte, welche man in'S Elend getrieben hätte, um sich aus ihrer Ver­zweiflung eine Waffe zu schmieden. Weiter habe die Regie­rung für die Bevölkerung dadurch gesorgt, daß sie um- faffende Amnestien bewilligt und der Gerechtigkeit freiem Lauf gelaffen hätte. Erfüllt von der Ueberzeugung, ihre Pflicht getan zu haben, lehne die Pforte die Verantwort- Uchktit für das vergossene Blut ab. Wenn die russische Regierung, wie sie versichere, keine anderen Ziele im Oriente verfolge, als die Verbesserung des LooseS der Christen, so werde di« Nutzlosigkeit der außerordentlichen Rüstungen, welche das Rundschreiben des Fürsten Gortschakoff zu recht­fertigen unternehme, augenscheinlich. Der ottomanischen Regierung liege nichts mehr am Herzen, als den Umfang der Concesstonea, welch« die Mächte bei Abschluß de» Pa- riser Vertrages im Auge gehabt, noch viel «etter auSzu- dehnen. Die von der Pforte versprochenen Reformen wür­den ohne die geringste Verzögerung für da« ganze Reichs- gebiet in Anwendung gebracht werden.

Frau dcS Andreas Zeltner jein so etwas macht sich oft schnell und würde er di« Kraft besitzen, dies zu ertragen? . . . War «S endlich nicht auch möglich, daß der Gram Margarethe aufs Krankenbett geworfen hatte und daß er nun statt einer blühenden Rose eine geknickt« Lilie fand? Alle diese trüben Voraussetzungen kreuzten sich im Gehirn des jungen Mannes und stürzten ihn in ein Meer von Zweifeln und Ungewißheiten. Allmählich schwand die Außenireit vor seinen Blicken und er sah nur noch die düsteren Traumbilder, welche an seinem Geiste vorüberzogen. Plötzlich fühlte er, wie ein paar weibliche Hände seine Augen wie mit einer Binde bedeckten, wie sich ein Kopf sanft an seine Schulter lehnte, wie ein leises Schluchzen zu seinem Ohr drang.

Margarethe! Meine Margarethe!" rief er aufsprin­gend, und alles Leid war vergeffen. Er blickte in die leuchtenden, von ter Freude deS Wiedersehens sirahlenden Augen des Mädchens, er zog eS an sein Herz er drückte «S an sich und gab ihm tausend Echmetchelnamen. Dann flog er in die Arme feiner alten Mutter, die bisher eine stumme aber tiefbewegte Zeugin dieser rührenden Sc, ne gewesen war, unv schließlich kehrten die drei glücklichen Menschen in das Häuschen zurück, um dort ungestört und unbeobachtet ihre Empfindungen auszutauschen und auS Hermann» Munde, das was er erlebt hatte, zu vernehmen unv die Hoffnungen mit ihm zu theileu, welche er mit in Die Heimat brachte.

Ermnihigend mußten die Nachrichten wohl sein, denn die Drei trennten sich endlich mit Gesichtern, in denen sich Zuversicht und daS Vertrauen zu einer besseren Zukunft aussprachen und seit langem schritt Margarethe nicht so

lichen Maschinen, Geräthe, Theile derselben und Lokomo­bilen vom Eingangszoll erst mit dem 1. Januar 1879 in Wirksamkeit tritt. § 2. Welche Maschinen, Geräthe und Theile derselben zu den landwirthschaftlichen gehören, wird durch kaiserliche Verordnung bestimmt,"

Auf den preußischen Staatsbahnen wird mit dem 1. nächsten Monats der seit dem BundeSrathSbeschluffe vom 11. Juni 1874 bis zur Höhe von 20pCt. erhobene Tarif- Zuschlag in Bezug aus einzelne Waarengattungen in Weg­fall kommen. Ein an die Eisenbahncommiffariate erlaffenes Citkular deS Handelsministers bestimmt in diesem Betreff Folgendes:Die Frachtzuschläge, welche bis dahin aus Transporte von Kohlen, Koaks, Eisenerzen, Kalksteinen, Roheisen und Rohstahleisen, Eisenluppen, Brucheisen und altem Eisen erhoben wurden, sollen, und zwar wenn irgend thunlich, bereits vom 1. Januar 1877 ab bei der Aufgabe in Wagenladungen von 10,000 Kilo (200 Gentner) in Wegfall kommen. Nur da, wo die unerhöhten Tarife für Transporte auf Entfernungen unter 75 Kilometer (10 Meilen) niedriger sind, als die auS einem Einheitssätze von 2 Mark pro Ladung (ä 10,000 Kilo) und 7,5 Kilo­meter (1 Meile) unter Anstoß einer Expeditionsgebühr von 5 Mark pro Ladung sich ergebenden Tarifsätze, kann ein Zuschlag in der j.tzt bestehenden Höhe bis auf Weiteres forte, hoben werden, wenn und insoweit dadurch die letzt­erwähnten Tarifsätze nicht überschritten werden."

Zur orientalischen Frage wird berichtet: So einig auch die Mächte und selbst möglir'. erw-ise auch Rußland und England sein werden, jede Vereinbarung scheint an dem Wiede»stand der Pforte scheitern zu wollen. Jedes Projekt einer fremdem Okkupation werde sie, so meldet der Telegraph, als Kriegserklärung betrachten. Die Pforte stellt sich auf den Loden des Pariser Vertrages und hält daran hartnäckig fest. Zugleich hat sie ihre Stellung in einem Rundschreiben niedergelegt. Der Ton befielben ist fast de- und wehmüthig zu nennen, 'aber in der Sache zeigt die Pforte eine merkwürdige Consequenz und Energie in der Ableugnung bestehender Mißstände, eine Blindheit und Selbstgfiälligkeit, ein Jgnoriren des von ganz Europa längst eingenommenen Standpunktes, daß man In der That gespannt fein muß, wie stch diese entgegengesetzten Auffaffungen vereinbaren lasten werden. In dem Rund schreiben welches vom 30. Novbr. datirt und als Antwoit auf die Note des Fürsten Gortschakoff vom 13. November an die Vertreter der Pforte im Auslange gerichtet ist, heißt cS: Es sei begreiflich, daß der Fürst Gortschakoff das Bedürf- niß gefühlt habe, in den Augen Europas die militärischen Vorbereitungen Rußlands zu rechtfertigen. Schwieriger sei eS, den Bemühungen Gerechtigkeit widerfahren zu lasten, welche der russische Reichskanzler aufwende, um der Pforte die ganze Verantwortung der gegenwä>tigen Situation zur Last zu legen. Tie türkische Regierung sei nicht so um

Trutsche» Reich.

* Berlin, 12. Dez. In mehreren Blättern wird mitgethellt, daß im CulluSministerium Vorarbeiten für eine Kirchengemeindeoronung für Schleswig-Holstein gemacht werden. Die» beruht auf emem Juchum. Nachdem di« außerordentliche Provinzial-Synode dieser Provinz gehört war, bestätigte der König am 4. November d. I die Sy­nodalordnung für Schleswig Holstein und wurde dieselbe hierauf in den Amtsblättern publicirt, selbstverständlich unter Vorbehalt der legislativen Genehmigung einzelner Punkte der neuen Kirchenverfaflung I-, dem neuesten Centralblatt für die Unterrichtsverwaltung ist das Erkennt- niß dcS Oberverwaltungsgerichts, ob die Schulbehörden befugt sind, den Unterricht in weiblichen Handarbeiten im-

behende, so heiter und so zufrieden der väterlichen Wohnung zu wie an diesem Abend.

Am anderen Tage, etwa gegen zehn Uhr deS Morgen» stand der alte Maldener in seinem Hofe im schönsten Sonn­tagsstaat und machte ein so zufriedenes Gesicht, wie man es seit Wochen an ihm zu sehen nicht gewohnt war. Er hatte einen besonderen Boten nach der Stadt geschickt und den Wirth zumEinhorn" mit seiner Familie zu stch ein- laden lasten, denn sein Entschluß war gefaßt, er h rtte Alle» überlegt, der thörichten Verblendung der Tochter mußte ein Ende gemacht werden und heute sollte von ihm so ein« ärt Staatsstreich ausgeführt werden er wollte die Sach« über's Knie brechen, er wollte den jungen Andreas ohne Weiteres mit seinem Kinde verloben. Erwartungsvoll blickte er nach der Heerstraße und jedesmal, wenn sich eine Staub­wolke erhob, sagte er, vergnügt in stch hineinlachend:

Jetzt kommen sie in ein paar Stunden ist da» Mädel sein und ist erst da» erste Sträuben vorüber, dann wird sie stch schon fügen, weiß man doch wie die Frauen sind und habe ich's doch selbst in gleicher Weise erfahren."

Dies waren di« Gedanken von Margarethen» Vater, als sich wirklich im raschen Fluge ein Wagen näherte, der nach drm Pachthof ein bog. Aber nicht der Wirth zu« Einhorn" und biff en Sohn saßen darin, sondern einer der ersten Beamten de« Grafen L... und neben diesem nein, daS vermochten die Bugen deS stolzen Manne» kaum zu ertragen neben diesem saß Hermann Eschbach, er, den er tobt ober bvch wenigstens in weiter Ferne glaubte. Wie versteinert stanb Vater Maldener, denn da» wurde ihm klar: «ar Hermann wieder da, so hatte e»

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäge^sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» weher in Berlin; Carl Schütz- (et in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

SildulenglüL.

Eine Dorfgeschichte von Carl von «effel.

(Schluß.)

Hermann hatte aber auch noch einen anderen Grund, shalb er gerade diesen Platz wählte. Von dort fiel sein lick auch gerade auf das Wohnhaus des allen Maldener, dorthin, wo seine Margarethe wohnte, die er nach so 3 Her Trennung nun ebenfalls bald Wiedersehen sollte, r trat hinaus vor das Häuschen, näherte sich dem Brun l und ließ stch auf einem Holzstamme nieder, ein Stamm, - 1 er kurz vor feinem Scheiden gefällt hatte, damit seine etter während feiner Abwesenheit im Winter ein warmes fibdjen habe. E» war ein alter Birnbaum, der längst i ne Früchte mehr getragen hatte. So saß er, die Mili- Mütze neben stch liegend und strich stch das Haar ge 1 lkenooll zurück, denn tiefer Ernst hatte sich seiner plötz- bemächtigt und die bonge Ungewißheit verlieh seinen j gen einen schmerzlichen Ausdruck. Den Kopf in di« le Hand gestützt, die Rechte oberhalb seines Knies ruhend, »nk er bald in Träumereien. Die Mutter war wohl, k Gewißheit hatte er allerdings, aber wie stand eS mit trgarethe, welche den nächsten Platz in seinem Herzen Mhm? Ein Jahr ach ein Jahr konnte viel gein- i haben! .... An der Treue beS Mädchens zweifelte Ächt, aber die Härte de» BaterS machte ihn bange, "nte derselbe sie nicht durch die vielen Mittel, welche 1 zo Gebote standen, doch endlich in Furcht gesetzt haben

«ar ihr dann der Muth geblieben, beharrlich Wider- * zu leisten? . . . Konnte ste nicht schon jetzt die

ich Dorjubeugen ist. Einzelne Beschlüsse deS Reichstags l zweiter Berathung können schon heut« als aufgegeben ezeichnet werden, so die Zustänoigkeit der Schwurgericht« 1 Preßvergehen. Im Großen und Ganzen aber scheint er Reichstag entschloflen, bei den früheren Beschlüssen zu leiben; man ist bet Ueberzeugung, baß bie verbündeten egierungen zwar baö Aeußerste versuchen werden, um ihre leschlüff« in allen Hauptpunkten durchzusetzen, aber man ofst auch, daß sie nicht diese Frucht der Arbeit vieler fahre zu Grund« gehen wollen losten.

Dienstag Mittag um IV2 Uhr trat der BundeSrath »ter dem Vorsitz deS Reichskanzlers Fürsten Bismarck zu teer Plenarsitzung zusammen. Im Reichstage wird am memmen, daß es sich um eine Beschlußfassung über die ostizgesetze gehandelt habe. Bei der Festsetzung der Tages- rbnung für die nächste Sitzung deS Reichstages proponirte wr Abg. Miquel dieselben als ersten Gegenstand der Tages »dnung. Inzwischen konferirte der Präsident v. Forcken «k in vertraulicher Weise mit dem Vic, Präsidenten des tzemßischen Staatsministeriums Camphausen über bie Ab fct deS LunbeSraiheS und verkündete alsdann, daß er, Met bin g6 nicht amtlich, die schriftliche Einreichung der .. LwdesrathSbeschlüfle über di« Justizgesitze in Aussicht Mn könne. Es wurden demnach diese letzteren als erster Wyenstand auf die Tagesordnung gesetzt, jedoch die Absetzung Mrfelben für bie Mittwoch-Sitzung Vorbehalten, falls die Beschlüsse deS BundeSratheS dem Haufe schriftlich vorgelegt «den sollten. Dem Vernehmen nach sollen die von Preu m erhobenen Bedenken im LundeSrathe um einige Punkte f erringen «orten sein.

Die Centrumsfraktion hat sich zum Träger schutzzöllnc- chen Bestrebungen gemacht und stch in ihrer Sitzung vom i. d. MtS. über einen Gesetzentwurf geeinigt, der nun» ehr als Antrag Windthorst und Genosten eingebracht otben ist. Der Entwurf besteht aus zwei Paragraphen, eiche nachstehenden Wortlaut haben:§ 1. Die Be- tamung im § 1. V. des Gesetzes vom 7. Juli 1873, t Abänderung des VereinSzolltarifeS betreffend, wird da n geändert, daß die Befreiung der im § 1 sub. III r. 3 bis incl. 8 deS gedachten Gesetzes aufgeführten eginstäadc mit Ausnahme jedoch der landwirthfchaft-

Lasesdericht.

Wenngleich au» einzelnen Aeußerungen de» ReichS- inzler» entnommen werden kann, daß er der dritten Be ithung bet Reichsjustizgesetze nicht beizuwohnen gedenke, 9 würbe eS boch zu weit gegangen fein, hieraus den Schluß zu ziehen, daß diese rein äußerliche Neutralität iS Fürsten BiSmarck eine wohlwollende ist. Die ReichS- «stizges.tze stehen vor einer ernsten Gefahr, das ist nicht 1 leugnen, und eS läßt sich heute nicht abfehen, ob der-

»rscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen fieitna# liniMrt.« ,a.x>u.

«"chdru-erei) bezogen «4 «ark durch die Prämie? deS Deutfchm Reiches 2 Mark' 50 .JKSW **

Süt tn der Sxpedttron zu ertberlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfß. berechnet. 8 9 0

Anzeigen nimmt entgegen: fr Expedition d. Blatte», «oie die Annoncen-Bureaux 0 Th. Dietrich & Co. in zaffel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a- M ; zafenstein & Bögler in rankfurr a. M Berlin, Leip- g, Cöln ic; Rudolf Moffe 1 Berlin, Frankfurt a. M. rc.