jRarßurg, Mittwoch, 13. December 1876.
XI ZahtMg.
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ObcrhcUchc Jritung
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Berlin, Frankfurt a. M. rc-
Deutsch c» Reich.
ankeren Ministers, weiter zu regieren, kein«lei Aussicht
zur schärferen Accentuirung dcS radikalen Prinzips und
Meichijch - ungarischen Monarchie, der Unverwüstlichkeit
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Villa, cister elfter
j Die neueste „Montags - Revue" schließt, auf die Klärungen Bismarck'S, deren Offenheit, Klarheit und Wichtigkeit sie erörtert, zurückkommend, unter besonderer
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ein neues, wahrlich nicht zu verkümmerndes Lorbeer Reis hinzufügt.
letzten Sonnabend beim Reichskanzler Fürsten Bismarck, auf welcher eine Konversation politischer Natur nicht statt- sand, war wiede»um sehr zahlreich besucht. Von Abgeordneten bemerkte man u. A. v. Puttkammer (Sensburg), v. Sey- dewitz, Dr. Falk, Lasker; von BundcSbevollmächtiglen den Minister Dr. v. Fäustle, v. Stosch, Camphausen, v. Pfrctschncr, v. Bülow, ferner v. PhilippSborn, Dr. Stephan mit Gemahlin, »;e denn überhaupt viele Damen der Abgeordneten an der Soiree theilnahmen. Im Uebrigen waren vorzugsweise hohe Justizbeamte anwesend, so na» mentiich Unierstaatssekretär Friedberg und Director von AmSberg. Der Justizminister Dr. Leonhardt aber war am Erscheinen durch sein alteS Leiden, das Podagra, verhindert. — Aus den Motiven des Gesetzentwurfs, betref. fend die Austiahme einer Anleihe für Zwecke der Selegta- phenverwaltung, welcher heute auf der Tagesordnung dcS Reichstags steht, geht hervor, daß sür 1876 die Anlage von 500 neuen Telegraphenanstalten in Aussicht genommen ist. An unterirdischen Leitungen ist zunächst projektirt: 1. Fortsetzung der Linie Berlin-Halle a. d. Saale über Kaffel und Frankfurt a. M. nach Mainz, bczw. Abzwei- gung von Halle a. d. Saale nach Leipzig (Verbindung der Plätze Berlin, Kaffel, Frankfurt und Mainz; Siche-
Jn Frankreich will die Um oder Neubildung des Ka- binets nicht vom Fleck. ES war von dem Eintritt JuleS Simon's in das Ministerium die Rede; der Marschall sollte eingewilligt haben, diesem Letzteren an Stelle des Herrn de Marcsre das Portefeuille des Innern anzuvertrauen. Herr JuleS Simon, in Betreff seiner Zustimmung von dem Konseilsprästdenten Dufaurc sondirt, hätte sich dahin ausgesprochen, daß er die Dauerhaftigkeit einer Kombination, an welcher der Kriegsminister Berthaut partizi pire, für unmöglich erachte. Noch weit entschiedener lauten die Resolutionen der äußersten Linken, welche auch den Rück tritt Dufaure's verlangen. Wie die Sachen jetzt stehen, hat der Plan des Marschalls Mac Mahon, mit dem Ka- binet Dufaure, ebenfalls nach Ausmerzung des einen oder
besuchte in Erfurt das katholische Progymnastum, trat aber nach deffen Aushebung und Vereinigung mit dem dortigen Simultangymnasium, zu deffen Zöglingen, beiläufig bemerkt, in den 30« Jahren auch der Generallieutenant v. Stiele, der Herzog von Raiibor, der Kardinal Hohenlohe und der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe, gehörten, nicht in daö nun vereinigte Gymnasium ein, sondern in das vorherrschend katholische Gymnasium zu Heiligenstadt, um dann im Jahre 1837 in die vom Direktor Dr. Unger neu begründete Realschule zu Erfurt überzutreten, von welcher aus er sich dem Militärstande widmete. Strecker, jetzt Abdul Kerim, war damals ein behäbiger, lebenslustiger und jovialer, zur Korpulenz geneigter junger Mann, mit dem sich gut umgehen ließ.
denn jedesmal, wenn ich für ihn bete, fühle ich mich beruhigt und gestärki! —"
So schlichen Wochen, so schlichen Monate dahin und der schöne Mai nahte sich beinahe seinem Ende. In die Thäler kehrte der Frühling allmählig ein, die selten Heerden weideten tm hohen Grase und die fl.ißigen Hände der Landleute rührten sich überall. Die Sonne neigte sich beinahe zu Ende, als an einem klaren, von der reinsten Frühlingsluft erfüllten Tage ein einzel' er Wanderer einen Fußweg, welcher aus der Ebene die Höhe hinauf führte, verfolgte. Er trug eine Uniform, welche zwar in Folge des langen Gebrauchs abgenutzt auSsah und dicker Staub bedeckte seine Fußbekleidung — ein Zeichen, daß er einen weiien Weg zurückgelegt hatte, aber auf seiner Brust prangte das eiserne Kreuz und Gesundheit und Zufriedenheit leuch, teten aus seinem Gesicht. Endlich war er auf der Höhe angelangt und dort hielt er einen Augenblick an und blickte mit leuchtenden Angen um sich. Aber schon in der nächsten Minute eilte er wieder wie ein Mensch der sein ersehnte« Ziel nicht früh genug erreichen kann, mit hochfliegender Brust ter Hütte zuj, welche tief unten, dicht am Ufer deS SeeS stand. E ne Secunde blieb er an der Schwelle der kleinen Wohnung stehen und breitete sehnsuchtsvoll seine Arme aus, während Thränen in feine Augen traten. Dann überschritt er rasch den niedrigen Eingang und stand unmittelbar nachher mitten in dem niedrigen Wohnzimmer.
„Mutter! Meine gute liebe Mutt« I" rief er laut, und^ als et keine Antwort erhielt, blickte er besorgt um sich, bald ober heiterte sich sein Antlitz wieder auf, denn da stand ja der Spinnrocken der alten Frau und die boneben
macht ihre Unterstützung des künftigen Kabinets davon abhängig, daß dieses sich auf ein streng republikanisches und parlamentarisches Programm verpflichte. Wie es bei solchen Aspirationen zu einer Einigung zwischen dem Staais- ches und der Kammermehrheit kommen soll, ist schwer abzusehen, und das bereits in die Diskussion geworfene Wort: „Kammerauflösung" könnte über Nacht möglicherweise in daS Bereich ernstlicher Erwägung gezogen werden.
Die Persönlichkeit des türkischen Generalissimus Abdul Kerim Pascha ist neuerdings Gegenstand von ZeitungSmit' theilungen gewesen, denen zufolge Abdul Kerim preußischer Hauptmann a. D. sei und von Rechtswegen Stricker heiße, resp. vor seiner Mohamedanistrung so geheißen habe. Hin- zugesügi wurde, daß ein Vetter deS türktfchen Generalissimus im deutschen Reichstag sitze. Wenn die von der „Germania" eingezogen.en Erkundigungen wahr sind, wonach der Vetter Abdul Kerim Paschas RegierungSsekretär in Erfurt gewesen und ein Sohn deS Paschas daS Eym nastum in Fulda besuche, so ist die „Nordd. Presse" ihrer feite in der Sage, sehr bestimmte Details über den türkischen Generalissimus miltheilen zu können. Abdul Kerim gehörte zu den intimsten Freunden des Redakteurs dieser Zeitung, der auch noch im Besitz einer Autographie des selben ist. Abdul Kerim Pascha ist m Jahre 1821 geboren. Er stammt aus einer streng katholischen Familie,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei sowie dre Annoncen-Bureaux von G L- Daube & 6o. in Frankfurt a. M. - Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; CatlSchüß- ler in Hannover; 6. «chlotte in Bremen.
liegende Spindel zeigte, daß die Arbeit erst vor kurzem unterbrochen worden war — da hing ihr Strohhut, dort ihr Mantel und auf dem Tische lag das aufgeschlagene Gebetbuch. „Gott sei Dank", ries der junge Mann, und eine schwere Lost schien fich von seiner Brust zu wälzen, „ich sehe sie ist wohl und hat für mich gebetet I Sie wird auf dem Felde sein und ich kann sie zurückkehren sehen, wen«
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1876.
KteS und autoritativere« Zeugniß ausgestellt worden; ganz Europa ist dies auf das lebhafteste empfunden tb anerkannt. Oesterreich - Ungarn ist allerdings eine lacht durch sich selbst und nicht auf fremdes Zeugniß l, das überhevt uns aber nicht der Pflicht der Dank «teil gegen den Staatsmann, der aus einem Gegner 6 Monarchie ihr treuer eifriger Freund wurde und damit w unvergleichlichen Rufe feiner staatsmännischen Weisheit
tete er nicht mehr, seitdem derselbe ihm aus den Augen war und so sagte er denn zu seiner Tochter zuversichtlicher als je, obgleich tm schmeichelnden Tone:
„Wenn der Krieg zu Ende ist, so heirathest du, du wirst eine kleine hübjche Frau, nicht wahr mein Herzblatt?
„Ei freilich", entgegnete Margarethe, welche einerseits die Liebe und anderseits die Härte des Vaters l^rstellerisch gemacht hatte, „Alles bleibt so, wie eS abgesprochen wor den ist. —"
Der alte Waldener bemerkte die List nicht, welche in dieser Antwort lag und fuhr noch fort:
„Der Andreas Zeltner ist ein schmucker Bursche und der Gasthof, welchen er einst bekommt, ist auch ein schönes Stück Geld werth. Bin ich auch nicht mehr so reich wie früher, so »erbe ich Dir doch eine Ausstattung mitgeben, welche nichts zu wünschen übrig läßt. —"
Aber der Pachter sprach diese letzten Worte nur ju den vier Wänden. Margarethe hatte stch fortgeschlichen, so wie der Naire Andreas Zeltner über des Vaters Lippen gc kommen war. Sie ließ den Allen, mit dem Fuße stampfend allein und eilte in das Häuschen, welches Hermanns Mutter bewohnte.
„Habt Ihr Nachricht von Eurem Sohn?" fragte sie, und als die alte Frau traurig mit dem Kopfe fchüttelte, üef si-, in Thränen ausbrechend:
„Wollt Ihr mich denn ewig ohne Trost fortgehen lasten — sehr Ihr denn nicht, wie der Gram an meinem Herzen nagt und glaubt Ihr denn, daß ich noch lange fähig fein werde, so'.ch Leid zu tragen? —"
Wenn fich dann die alte grau wegwendete, um ihren
affe!
6.
eigenen Schmerz zu verbergen, dann umschlang das junge Mädchen dieselbe mit den Armen und ries in einem vor Rührung Überfließenden Tone:
„Verzeiht Mütterchen, wenn sch Euch betrübt habe, — ach, ich weiß es uohl, eS ist nicht Eure Schuld, daß Hermann nichts von sich hören läßt, aber Gott wird ihn .....____v____ ,_________7______ .. o__,
beschützen, er wird zurückkehren, um mir meinen Frieden ich mich an dem ®runmn nieder laste, »ieberjugeben I Ja, Gott wird seine Hand über ihn halten, | (Schluß folgt.)
pie die Annoncen-Bureaux p Tb- Dietrich & Co. in M und Hannover; Th. strich in Frankstrrt a- M.; jafenftein & Bögler in
VsttuteyLlüL.
Sine Dorfgeschichte von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
Ein so gütiges Anerbieten war unser Bekannter natur« h nicht Willens auszuschlagen. Er gab freudig seine [uftimmung und fchon am nächsten Morgen begleitete er inen Herrn in einem bequemen Wagen nach Berlin. Da tt Oberst ein menschenfreundlicher Mann war, der keinen >tv z kannte, so faßte Eschbach bald großes Vertrauen zu «njelbcn und in kurzer Zeit erfuhr der Gras die Leidens- gjchichte desselben in allen ihren Einzelnheiten.
„L-sten Sie eö nur gut fein", bemerkte derselbe, „ich »spreche Ihnen, daß stch für Sie ein Brautwerber bei 66 Vater Ihrer Margarethe einstellen soll, dem et so tzt nicht Etwas abzuschlagen wagen wird, aber erst muß r Krieg beendet fein und bis dahin schlagen Sie stch die nrathsgedanken aus dem Kopfe. Sie sind doch sicher, 4 Margarethe Ihnen auch treu bleibt?" fetzte er lächelnd »zu.
„Sie hat eö mir geschworen und sie weiß einen Schwur > halten," erwiderte Eschbach stolz.
„Nun, bann bleiben Sie guten MutheS", bemerkte sein Schützer, am Ende wird sich der Alte noch bei Ihnen kanten müssen, wenn Sie ihm die Tochter abnehmen.
Der junge Mann konnte zwar nicht begreifen, wie dies 8 dem hoffärtigen Charakter des Pachters möglich fein Ite, aber diese freundlichen Worte des Grafen versih ten ich ihre Wirkung nicht, fein Herz fühlte sich erleichtert I mit neuer Freudigkeit blickte er in die Zukunft. —
Dem alten Walden« war eS übrigens inzwischeei auch besonders gut gegangen. Seuchen hatten feinen Vieh- Ad gelichtet, ein Th-il der Ernte war mißraihen. Ties r in den Säckel greifen, um diese Unglückssälle K&et auszugleichen. Aber dies Alles hatte in fernem Mrakter nichts geändert, er war noch immer der mürrische Mstsüchtige Mann von früher, der mit starrem Eigensinn 1 seinen ursprünglichen Plänen festhielt. Ejchbach sürch-
Xafle<beri<t>t.
LSln die Anfangs dieses Jahres eingeführte evangelische chcnverfaffung für die älteren Provinzen der preußischen Anarchie soll stch eine analoge gesetzliche Regelung der »ngelischen Kirchenverfaffung in den übrigen Provinzen fließen. Wie die „81. Corr." mittheilt, ist gegenwärtig «S Kultusministerium mit der Ausarbeitung entsprechender otwürse für die evangelische Kirchenverfaffung in Schics- »g-Holstein und im Bezirk Wiesbaden beschäftigt, welche »rauSstchllich dem Landtag in feinst nächsten Herbstfefsion «gehen werden.
Vor Kurzem wurde ein Rescript des Ministers des flnetn in der Presse erwähnt, wodurch die Beschwerden on Gewerbetreibenden wegen ihrer Heranziehung zur städ- schen Einkommensteuer in einer Stadt, woselbst sie ihre froren fabrtjiren, während sie in einer anderen Stadt ohnen und daselbst ihren eigentlichen Geschäftsbetrieb chen, zurückgewlesen worden waren. Neuerdings (am ; Dezember d. I.) hat der Minister aus Anlaß einer arten Beschwerde in weiterer Ausführung dahin entschie- m, daß die erwähnte Heranziehung zur Einkommensteuer SiNfalls in dem Orte des bloßen Fabrikationsbetriebes ist Doppelbesteuerung nicht zur Folge haben darf. Viel- «chr darf in dem Wohn- und eigentlichen GeschästSort g8 Einkommen zur Kommunalsteuer nicht herangezogen nden, soweit es in dem Fabrikationsorte der Kommunal- Hier unterliegt.
- ^nvothebung seiner Erklärung bezüglich Oesterreichs: Nicht fet ist jemals der Machtsülle und Lebensfähigkeit der
von 951
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__ staatlichen Grundlage, und vor Allem der vöiker- 'Wbtndcndcn Kraft dcS dynastischen Gedankens ein bcru-
Srfcheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS LountagStlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buch drucket ei) bezogen 2; Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Wart 50 Pf,, lexl. Bestellgebühr). - JnferlionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu erlhellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
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, , t Berlin, 11. Dez. Die dritte Lesung der Justizgesetze auf Erfolg. Die Linke hält den Moment für geeignet wird voraussichtlich am Mittwoch beginnen; morgen wird cher Gesetzentwurf, betreffend die Zollekleichtcrungen, auf der Tagesordnung stehen. Betreffs der Justizgesetzc wird übrigens ter Bundesrath morgen noch zu einer Plenarsitzung zusammentreten. — Die parlamentarische Soiiäc am