r. 389.
JHorßurg, Sonnabend, 9. December 1876.
XL Iflhrgiflg.
thig sei, zu einer Okkuptrung Bulgariens zu schreiten. AuS den aus St. Petersburg eingelaufenen Mittheilungen erhellt, daß die Mobilmachung vollkommen gelungen ist. Dennoch scheint festzustehen, daß dieser Erfolg in nichts die Dispositionen der öffentlichen Meinung und der Regierung in Rußland modifizirt hat; man will für jede Eventualität gerüstet sein, aber man würde mit Befriedigung jede friedliche Losung annehmen, vorausgesetzt, daß sie ernsthaft und wirksam ist. Viele Personen, welche bisher noch an der Möglichkeit einer solchen Lösung zweifeln, beginnen daran zu glauben."
»entfiel Reich.
Berlin, 7. Dec Nach dem Reskripte deS Finanzministers und des Ministers des Innern vom 20. Juli 1870 sind die Gemeinden soweit ihnen durch Gesetz die Verpflichtung auferlegt ist, Staatsdienstangelegenheiten ohne Entschädigung oder, wie bei der Veranlagung re. ge« wiffer Steuern, gegen eine Pauschalentschädtgung zu besorgen, auch für verpflichtet zu erachten, alle durch die Korrespon denz in diesen Angelegenheiten entstehenden Portokosten zu übernehmen. Eme solche Staatsdienstangelegenheit ist nach einem Spezialerlaß der beiden genannten Minister vom 31. Oktober d. I. die den Gemeinden bezw. den Inhabern selbstständiger Gutsbezirke nach § 13 des Gebäudesteuergesetzes vom 21. Mai 1861 obliegende unentgeltliche Beschaffung der zur Ausführung des VeranlagungSgeschästeS erforderlichen Vorarbeiten, und kann eS hiernach keinem Zweifel unterliegen, daß die durch die Uebersendung dieser Vorarbeiten, wie Gebäudesteuerbeschreibungen re., an die Katastercontroleure entstehenden Portokosten den betreffen Den Gemeinden bezw. Inhabern selbstständiger Gutsbezirke zur Last fallen. Das Gleiche gilt von den nach § 12 zu b. der Fortschreibungsanweisung I. (Ministcrtalbl. s. d. t. B. 1865. S. 227) seitens der Bürgermeister zu führenden und den Katastercontroleuren einzureichenden Anmelderegistern über die Veränverungen im Bestände und Werlhe der Liegenschaften und Gebäude. Rur in Betreff derjenigen Postsendungen, welche dadurch entstehen, daß seitens des KatastercontroleurS den betreffenden Grundeigenlhümern Eröffnungen über die in den Grund- und Gebäudesteuerbüchern fortzuschreibenden, zur Kenntniß des Katastercon- troleurs gekommenen EigenthumSveränderungen gemacht werden, und die somit als ausschließlich durch das Inte- reffe der Staatsverwaltung veranlaßt angesehen werden können, ist eS zulässig, das Porto, und zwar sowohl für die Eröffnung selbst als auch für die etwaige Rücksendung deS Behändigungsscheines, auf die StaatSkaffe zu übernehmen. — Ausländische ungestempelte oder mit gefälschten Stempeln versehene Prämienpapiere sind nach einem Erkenntniß deS
ReichS-OberhandelSgerichts, IL Senats, vom 27. September d. I. und nach einem Erkenntniß des III. Senats desselben Gerichtshofes vom 5. Oktober d. I. für den Effektenhandel als eine ganz andere Gattung anzusehen, als die gestempelten gleichartigen Prämienpapiere. Liefert der Verkäufer dem Käufer, ohne eine ausdrücklich dahingehende Verabredung der Kontrahenten, ungestempelte, oder mit gefälschten Stempeln versehene Prämienpapiere, so ist dies nicht als die Lieferung einer fehlerhaften, sondern als die Lieferung einer ganz anderen Waare zu betrachten, und der Käufer kann die Lieferung richtig gestempelter Papiere fordern, auch wenn er die für fehlerhafte Waaren festgesetzte Verjährungsfrist von 6 Monaten (Art. 349 deS Handelsgesetzbuches) hat verstreichen laffen, ohne dem Verkäufer von den Falsifikaten Anzeige zu machen.
Darmstadt, 6. Dec. Heute trat dahier die Landes- Synode zusammen. Rach Wahl eine« neuen Sekretärs an Stelle von Schaub, und zwar des DomänenrathS Emmerling mit 42 Stimmen gegen 7, die auf Dr. Schröder fielen, während die übrigen fich zersplitterten, wurde die Wahl eines neuen Mitgliedes des GesetzgebungS-AuS- schuffeS vorgenommen, an Stelle des Kanzlers Wasser- schteben, die mit 27 Stimmen auf Dr. Curtmann fiel. Zur ersten ernstlichen Discusston gab dann die Vorlage des OberconsistoriumS über die Einnahmen und Ausgaben des evangelischen Central Kirchenfonds für 1877—79 Ver- anlaffung, wobei eS sich um die Fragen handelte, ob sie überhaupt bewilligt werden solle, und auf wie viel Jahre, also über das ganze kirchliche Budget. Dabei kam auch die ganze^Frage über die Kirchensteuer wieder in die Debatte und wurde abermals von den verschiedenen Standpunkten beleuchtet, mit Rücksicht auf die dagegen entstandene Bewegung. Gegen die Vorlage deS OberconsistoriumS war von Dr. Schröder der Antrag gestellt, das Budget nur auf ein Jahr zu bewilligen. Aber sowohl dieser Antrag, als auch ein vermittelnder auf zwei Jahre, wurde von der Majorität abgelehnt, während die General-Abstimmung über das Budget im Ganzen noch aussteht.
Karlsruhe, 6. Dec. Daß unter dem neuen badischen Ministerium die Neigung besteht, den Ktrchenstreit nicht zu verschärfen, dafür sprechen die Verhandlungen, welche in den letzten Tagen in Karlsruhe zwischen einem Bevollmächtigten des erzbischöflichen KapitelvikariatS und dem Ministerium deS Innern gepflogen worden find. Das Ergebniß derselben ist zwar noch nicht bekannt, doch verlautet, man habe sich über die Person eines Präsidenten deS katholischen OberstiftsratheS verständigt; Ministerial- Rath Winnefeld soll sür diese schon längere Zeit vakante Stelle beiderseits destgnirt fein. Auch über die Feststellung der Gehalte der ungemein zahlreichen Pfanverweser soll eine Übereinkunft getroffen worden sein. Der „B. Beob.
^ebKncben®ur?al i 1 A ♦ f | > 4
IM OmrheMe Mtung
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureauk von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jägerffche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete« meyer in Berlin; Sari Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlustrtrte» LonntagSdlatt" durch die Srpeditton (H0ch'fche Buchdruckerei) bezogen Warf, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Pf«. (ejL Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
Mr in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.
Lasesdertcht.
Der BundeSrath hat in seiner jüngsten Sitzung be- offen, die Einladung der französischen Staatsregierung Betheiligung an der Ausstellung zu Paris im Jahre ablehnend zu beantworten.
; Wie dir „Post" bemerkt, haben die freikonservativen Miste des parlamentarischen Diners beim Fürsten Bis »rck „sich nicht für berechtigt gehalten, die in vertrautem rivatkreise gefallenen Mittheilungen, als welche sie alle evherungen des Kanzlers ouffaßten, der Ocffentlichkeit zu «geben und die ebenso betheiligtrn Mitglieder der Centrums- raktion haben fich die gleiche Reserve auferlegt." — That- che ist eS, daß eine Uebereinkunft behufs Geheimhaltung « bezüglich einzelner Aeußerungen des Reichskanzlers -ftrht. ___________________
j Für die Folge wird stch in den orientalischen Angele- tzmheiten die Aufmerksamkeit aller Politiker wieder auf faige Zeit nach Konstantinopel lenken, wo morgen die Sorbesprechungen der Botschafter und Spezialbevollmäch- ttm beginnen sollen. Diesen Vorbesprechungen soll am Wenstag erst die Vorkonferenz folgen; weder an jenen noch n dieser wird die Türket theilnehmen. Wahrscheinlich wird ie Frage der Verlängerung des Waffenstillstandes gleich 1 den Vordergrund treten; Salisbury wird nach Wiener »Litern sogleich einen dahingehenden Antrag stellen. AuS pnstantinopel meldet man dem „N. W. Abendblatt": An k Bewilligung einer Verlängerung des Waffenstillstandes l nur in dem Falle zu denken, wenn ein solcher Waffen- illstand auf wettere drittehalb Monate in Vorschlag ge rächt würde. D e Proklamirung. der Versaffung kann Ntz WiberrathenS einiger Mächte täglich erwartet «erden.
Der „Nord" veröffentlicht in Form eines vom 5. Dec. Jtatfrten Berliner Telegramms das nachfolgende Bulletin Brr daS politische Befinden Europas: „Zufolge der aus Birte, Berlin, Wien und Rom empfangenen Informationen weint Lord Salisbury dort den besten Eindruck hervor- wbracht zu haben, und man stimmt allgemein darin über- fa, ihn sehr friedlich und von versöhnlichen Dispositionen chelt zu finden, keineswegs türkcnfreundltch, im Gegentheil kn Christen sympatisch, aber ruhig und selbst kalt im ssuSdruck seiner Sympathicen. Ohne stch eine Illusion über « ihn erwartenden Schwierigkeiten zu machen, wird er m seine Ausgabe ohne vorgefaßte Meinung gehen, man «int, daß er auf weilen (larges) Konzessionen mit wirk- - Men und dauerhaften Garantieen für die Christen be- tzchen wird; er scheint fest zu hoffen, daß die Konferenz p einer friedlichen Lösung führen wird, ohne daß eS nö-
Soldatenglütk.
Eine Dorfgeschichte von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
Sanft schloß der Sohn das arme niedergedrückte Weib in seine Arme. „Beruhigt Euch", bat er, „Ihr sollt keine iioch leiden, treue Freunde und vor Allem Margarethe «den sür Euch sorgen. Und ich bin ja nicht der Ein- W, welcher heute aus den Armen der Seinigen geriffen «rd, und schließlich trifft auch nicht jede Kugel und so- *it saßet Muth und hofft auf ein glückliche« Wieder- eben —M
„Das gebe Gott!" stöhnte die alte Frau.
Im Dorfe war inzwischen auch durch die Zeitungen kttite die Nachricht eingetroffen, daß der Kaiser ber Fran- chn an Deutschland den Krieg erklärt habe. Gleich Her- Nm Eschbach hatte noch eine weitere Zahl junger Leute & Einberufungsordre erhalten und am anderen Morgen Erließ ein ganz stattliches Contingeut unter dem Gesänge ^triotischer Lieder den Ort, um dem Rufe des Vaterlandes 1 folgen und um stch um die alten ruhmbewährten Fahnen 1 sammeln. Gern hätte stch unser Bekannter den Kamelen angeschloffen, aber ohne Abschied wollte er von SDlat- ftvhe nicht scheiden. Selbst auf die Gefahr hin, sich * deren Vater nochmals beleidigt und mit Schmähungen iahäust zu sehen, beschloß er diesmal unmittelbar bei ftselben anzusprechen. ES mar ein gewisser Trotz über * gekommen, welcher ihm daS stolze Bewußtsein einflößte, •B das Vaterland ihn zu dessen Vettheidtgung gleich so cken Tausend Anderen aufgefordert habe und daS Be- Osein, sein Blut und sein Leben demselben zur Bersü- stellen, erhöhte sein Selbstverttauen. Mit stolz! Mbenrm Kopfe, in fester grabet Haltung schritt er auf
die Wohnung des alten Maldener zu und war nicht wenig erstaunt, als ihn dieser diesmal nicht allein höflich, sondern mit .einem gewissen Wohlwollen empfing. Allerdings beruhten die Ursachen diese- veränderten auffallenden Benehmens auf selbstsüchtigen Gründen.
Ganz unerwartet war des alten Wunsch, den jungen Mann oite der Nähe seiner Tochter zu entfernen, in Erfüllung gegangen und das Schicksal ... ja, wer konnte eS wissen — sand Hermann Eschbach auf dem Schlachtfelde einen ehrenvollen Tod, nun dann mochte er sanft in fremder Erde ruhen, aber sür ihn, den reichen Mann, war er dann nicht mehr vorhanden und Margarethe — nun, die würde sich am Ende wohl auch in das Unvermeidliche finden und stch dann gehorsam seinen Wünschen fügen.
Dies mochten ungefähr die Gedanken des alten Maldener fein, als Hermann Eschbach zu ihm herantrat und stch vor ihm verbeugte.
„Ich komme, um mich auch bei Euch zu verabschieden," begann er, „der Krieg ist erklärt und ich bin zu meinem Regiment einberufen."
Diesmal hörte der Pachter den jungen Mann nicht allein ruhig an, sondern ein pharisäisches Lächeln umspielte sogar seinen Mund.
„Gott sei mich Euch", erwiderte er heuchlerisch, „und wenn Ihr Etwas bedürfen solltet — ich bin gern bereit, Euch einen guten Zehipsennig mit auf den Weg zu geben. —*
Dem jungen Mann trat da- Blut inte Gesicht — auch noch im letzten Augenblick ließ der reiche Mann ihn seine Armuth fühlen.
„Teßhalb bin ich nicht hierher gekommen," bemerkte er sich stolz cwporrichtend, und sich an Margarethe wendend und dieser die Hand entgegenstreckend fuhr er fort:
„Auch Euch sage ich ein herzliche- Lebewohl. „Ge
denkt meiner auch in der Ferne und vergeßt meine alte Mutter nicht. —"
Dem jungen Mädchen traten die Thräoen in die Augen, aber eS kämpfte dieselben muthtg nieder und die Hand in die Herrmanns legend, antwortete es mit bewegter Stimme:
„Lebt wohl und vertrauet auf Gott, eine innere Stimme sagt mir, daß wir uns wieder sehen werden, Eure Mutter soll keine Roth leibcn und gereicht es Euch zum Tröste, so nehmt die Versicherung mit aus den Weg, daß ich weder dem jungen Zeltner noch irgend einem andern Manne meine Hand reiche."
Das war dem alten Waldner doch zu viel. Da- phartsäische Lächeln um seinen Mund verschwand und statt dessen zog sich seine Stirn finster zusammen.
„Genug!" rief et, und ein böser Blick traf die Tochter — genug dieser Albernheiten l . : Ihr könnt gehen Herrmann Eschbach, ich wüßte wirklich nicht, daß ich Euch noch Etwas zu sagen hätte. —"
„Glaubte gern", erwiderte dieser, „und ausdrängen ist zudem auch nicht meine Sache. Also Gott befohlen, auf em fröhliches Wiedersehen! —
Diese Worte sprach der junge Mann mit einem kalten spöttischen Lächeln auf den Lippen, während ihm der Abschied von Margarethe doch in Wahrheit das Herz zusammen- schnürte. Aber er folgte dem Geheiß und ging, nachdem er mit der Letzteren noch einen innigen Blick ausgetauscht hatte. Eine Stunde später entwand er stch auch den Armen seiner Mntter, welche, das Geficht in den Händen verborgen, laut schluchzte, und dann verließ er entschlossen das kleine Häuschen, die Richtung nach der Stadt ein» schlagend, wo sein Truppentheil in Garnison lag.---
In ununterbrochnen Zügen führte die Eisenbahn Regimenter und Bataillone dem Rheine zu, denn bet Feind