in STr. 287.
Marburg, Donnerstag, 7. December 1876.
XL Jadrgaig.
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tiuttgen nimmt entgegen: * Grpedition b. Blattet, wie die Amwncen-Bureaux :On Tb. Dietrich & Co. in togel und Hannover; Th xietrich in Frankfurt a. M.; rtjafenftein & Vogler in fcantfurt a. M, Berlin, Leiv- L^Eöln ic; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfurt a. Ri. ic.
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Am Sonntag fand unter dem Vorsitz deS Kaisers in Km kaiserlichen Palais eine Konseilsitzung der preußischen Minister statt. Gegenstand der Verhandlungen soll die Beschickung der Pariser Weltausstellung gewesen sein. Die ,Naitonalztg." schreibt darüber: Sämmtliche Minister sollen dagegen votirt, der Kaiser in längerer eingehender Rede alle Petenken für und wider die Beschickung beleuchtet haben. Der Beschluß ist gegen die Beschickung ausgefallen. Uebcr denselben Gegenstand hat gestern eine Sitzung der bez. AuS- schüfl- BundeSrathS stattgefunden; nach der „Weserztg." »ben dieselben beschlossen, beim BundeSrath die Ablehnung der Betheiligung Deutschlands an der Ausstellung zu beitragen. Erwähnt mag noch sein, daß der MarquiS dAbsac nach Berliner Blättern in der Thal den Auftrag jette, bei dem Kaiser und Kronprinzen noch einmal im Kamen deS Präsidenten der französischen Republik die Be- schickung der Weltausstellung zu befürworten.
Am Montag sand eine Berathung des Staatsministeriums toter dem Vorsitz deS Fürsten Bismarck statt. Wie aus. värtigen Blättern telegraphirt wird, betraf dieselbe vorzugsweise die Stellung Preußens im BundeSrath zu den Zustizgesetzen.
Im Jnferatentheil deutscher Blätter figurirt eine Aufforderung deS k. k. Landgerichts an die Anwärter des von dem Freiherrn Franz von Trenk (gestorben auf der Festung Lpielberg in Mähren 1749) gestifteten Majorats. Dem tzrben des kürzlich erledigten Majorats sind die Bedin- zungen auferlegt den katholischen Glauben anzunehmen, - ch in den österreichischen Erblanden seßhaft zu machen l mb bei einer „fremden Potenz" keine Civil- oder Militär- W u nehmen. Wenn der berufene Erbe nach einjäh , Mer Bedenkzeit diese harten Bedingungen zu erfüllen nicht jjmeigt ist, so wird mit dem Vermögen deS Majorats in tiuer kleinen Stadt deS ErzherzogthumS Oesterreich ein Spital für 30 Arme gegründet.
Die Konferenz zu Konstantinopel wird sich, wie heute feststeht, auch mit der Frage der Neutralität Rumäniens zu beschäftigen haben. Die Neutralität der beiden Moldau sürstenthümer steht im Prinzip außer Zweifel, indeß die Beengungen derselben sind in der Konvention von 1858 licht genügend definirt. Die diplomatischen Agenten Ru- vänienS in London und Paris haben mit Erfolg die Auf «lerksamkeit deS Lord Derby und des Herzogs von DeeazeS vf diesen Punkt gelenkt und eS kann als sicher angesehen »erden, daß eine NachtragSbestimmung zu der Konvention »on 1858, wodurch die Neutralität Rumäniens unter die Snantie der Mächte gestellt wird, zustandekommt.
Telegraphisch wird zur orientalischen Frage noch ge meldet auS Petersburg: Die russische Regierung erhielt nunmehr Gewißheit, daß die rumänischen Truppen sich den einmarschirenden Rusien anschließen werden. Höhere russische Offiziere versichern, Rumänien habe sich verpflichtet, mit 52,000 Marn und 100 Kanonen an den Operationen theil zunehmen. — AuS Bukarest: Zwischen Rumänien und Rußland ist eine genau punktirte Marschroute für die nach Bulgarien durchziehenden russischen Truppen vereinbart worden. Die rumänischen Behörden übernehmen gegen so fertige Bezahlung die vollständige Fouragirung der durchziehenden Armee.
Deutsches Reich.
— Berit», 5. Dec. Dem Vernehmen rach soll der Direktor deS Rcichsjustizamtes von Arnsberg, seinem Wunsche bei der bevorstehenden Reorganisation der Reichsämter aus seinem bisherigen Wirkungskreise anSzuscheiden, jetzt einen bestimmteren Ausdruck gegeben haben. Noch ganz kürzlich wurde sehr bestimmt in Abrede gestellt, daß Herr von Amsberg um seine Entlastung nachgesucht habe. Daß ihm dieselbe werde gewährt werden, ist um so weniger zu bezweifeln, als die Mitwirkung des Herrn von Amsberg bei der Berathnng der Justizgefltze im Reichstage maßgebenden Orts nicht befririgt haben soll. — Nach dec vom Reichs- Eisenbahnamt herauSgegebenen Nachweisung wurden im Monat Oktober d. IS. auf den unter 63 verschiedenen Verwaltungen stehenden Eisenbahnen Deutschlands excl. Bayerns mit einer Gesammtlänge von 24 882 7 Kilometern befördert: an fah.planmäßigen Zügen 12,193 C uriec- und Schnell-, 79,599 Personen-, 36,177 gemischte und 72,837 Güterzüge; an außerfahrplanmäßigen Zügen 1345 Personen- und gemischte und 46,373 Güterzüge. Im Ganzen wurden 624,369,582 AlSkilometer bewegt, von denen 165,800,670 Achskilometer auf die fahiplanmäßigen Züge mit Personenbeförderung entfallen. ES verspäteten von den 127,969 fahrplanmäßigen Courier- und Schnell-, Personen- und gemischten Zügen im Ganzen 1855 Züge oder I44 Prozent. — Von diesen Verspätungen wurden jedoch 978 durch das Abwarten verspäteter Anschlußzüge hervorgerufen, so daß durch im eigenen Betriebe der Bahnen liegende Ursachen 877 Verspätungen bei O es Prozent der beförderten Züge entstanden. In Folge der Verspätungen wurden 210 Anschlüsse versäumt. In demselben Monat deS Vorjahres verspäteten auf 59 Bahnen durch im eigenen Betriebe liegende Ursachen 1218 Züge, gleich 6 gz Prozent der beför betten Züge, sonach 0,27 Prozent mehr. — Der Handels Minister hat, im Einvernehmen mit der Verwaltung der Reichs - Eisenbahnen in Elsaß Lothringen angeordnet, daß die Frachtzuschläge, welche bisher bei Transporten von Eisenerzen aus Luxemburg nach Stationen der Saarbrücker
und Rhein Nahe-Bahn erhoben wurden, für die Folge in Wegfall kommen Eine gleiche Anordnung zu Gunsten der Eisenindustrie im Saargebiet ist schon früher in Betreff der ErztranSporte aus Hesten-Nastau getroffen worden. — £ie von den preußischen Eisenbahn-Vorständen im Sommer dieses Jahres dem Handelsministerium zur Genehmigung vorgelegten neuen Tarisbestimmungen find vor Kurzem von der gedachten Behörde der Reichsregierung zur weiteren Veranlastung zugegangen.
Altona, 5. Dez. Wie schnell sich Altona noch immer vergrößert, ergibt sich u. A. daraus, daß im Laufe des Oktobers zu dem am Schluffe des vorhergehenden Monats 81,767,820 M. betragenden Brandkastenwerthe der Gebäude (mit Ausschluß der fiskalischen) für 34 Neubauten und verschiedene nachträgliche Taxirungen ein Zugang von 1,220,930 M. hinzugekommen ist, so daß am 1. November die gesammte Versicherungssumme sich auf 82 988,210 M. gestellt hat. Eine Folge der Vergrößerung ist, daß jetzt zwischen dem Stadtrathe und der Provinzialregierung Verhandlungen über Errichtung einer'vierten Schornsteinfegerstelle, welche einem lange gefühlten Bedütsniß entspricht, gepflogen werden. — Der schon seit Jahren von der hiesigen Militärbehörde betriebene Bau einer Kaserne, für welche auf der Victoria- straße, am nordöstlichen Ende der Stadt von Seiten des MilitärfiSkuS seiner Zeit ein Grundstück angekauft worden, ist der endlichen Ausführung nun ganz nahe gerückt, indem die betreffenden Pläne die Genehmigung deö Kriegsministe- rtumS erhalten haben. Nach einander solle» 3 Kasernen für je ein Bataillon des hier garnisonirenden 1. Türingi- schcn Infanterieregiments Nr. 31 gebaut und in einer derselben zugleich ein Osfizierkastno und Wohnungen für Verwaltungsbeamte angelegt werden. Der Bau soll im Sommer t I. beginnen.
Darmstadt, 4. Dec. Vor dem CastatianShof wurde heute die Nichtigkeitsbeschwerde deS staatlich abgesetzten alt- luthenschen Pfarrers KcauS von Rothenburg, der wegen unbefugter Ausübung eines geistlichen Amtes zu 200 Mk. Geldbuße verurtheilt worden, verhandelt. Der Vertheidi- ger deS Beschuldigten, HosgerichtSadvckat Schödler, vertrat gleich wie Kraus die Ansicht, daß durch dieses Erkenntniß jede Gewiffensfreiheit vernichtet werde, während die Staatsbehörde hauptsächlich mit Rücksicht daraus, daß Kraus nicht aus der Landeskirche ausgetreten, Verwerfung der Nichtigkeitsb.schwerde beantragte. Die Verkündigung des Unheils findet am 11. d. M. statt
München, 2. Dec. Die sogenannte Berichtigung deS „Rege, burger Morgenblattes" bezüglich der Angelegenheit deS P. Ambrosius KaeS von Würzburg die auch in mehrerexBlättter übergegangen ist, und es dürste wohl gestaüet fein, auf selbe zurückzukommen. DaS Organ des streitbaren Bischofs von Regensburg führt darin aus, daß
Die türkische Fra« im Kriege.
(Schluß.)
Zu Beginn deS gegenwärtigen Krieges konnte man W Widdin und Lom-Palanka an jenen Tagen, an Welchen die Eildampfer doaauabwärts zogen, zuweilen Wißere Ansammlungen von verschleierten Frauen wahr- Dchmen, die daS Eintreffen des Schiffes zu erwarten Hirnen. ES waren dies gewöhnlich die Harembewohner irrnchm-r BegS ober begüterter Kaufleute, die von ihrem Herrn und Gebieter zur Sicherung nach von der LandeS- «nze weiter entfernten Plätzen gebracht wurden. Sie «Udcn oder lauerten in gedrängter Gruppe vor bet Agen R und »artetet«! auf das Eintreffen des Schiffes. Jede He Gruppe war von Kawaffen und meist minderjährigen «klaven umgeben, die nach den allzu neugierigen Bulga- ■*» jungen mit Steinen warfen ooer, wenn diese nichts dichten wollten, mit Peitschen schlugen. So enge sich
Frauen auch in dem, von ihrer männlichen Begleitung tilbeten Kreise hielten, so schien es boch, als ob sie unter b wieder abgesonderte Gruppen bildeten, von denen jede hjelne die Berührung mit der andern mied. Jede der rauen hielt und trug bei sich, was ihr am liebsten oder * werthvollsten war. Gewöhnlich war dies ein metalle- • Bauer mit irgend einem ober auch einigen Thiercn titt den also mitgkführten Zweifüßlern war eS der Ka drienvogel, der sich der liebevollsten Aufmerksamkeit zu heuen schien, denn er wat am öftersten zu schauen und km sein Futter au« einer Reihe wunderschön glänzender holen. Unter den Vierfüßlern hingegen schien, was hebtheit an belangt, das Eichhörnchen den weißen Mäu- 1 den Rang ernstlich streitig zu machen. Die Sorgtalt! 1 Damen, unter denen sich sehr viele graziöse und hoch |
gewachsene Gestalten befanden, war zwischen den mitgenommen Thieren und Kleidersalten hielten. Doch während sie, ihre kleinen krabbelnden Lieblinge im Käfige an sich zu locken suchten; beschränkten sie sich bei den Kindern darauf zu wachen, daß sie nicht unter einander in Berüh rung kämen.
Die donauabwärts gerichtete Flucht der vornehmen Harems hatte mit den Siegen bet türkischen Waffen ihr Ende erreicht. Durch einige Wochen waren die wandernden Türkenweiber von der Straße, wo sie in hohen, nach allen Seiten hin wohlabgeschloffcnen Wagen, und vom Dampfboot, wo sie In einem für sie gemieteten und reser- virten Raume ressten, gänzlich verschwundrn. Die Geflüchteten staken irgendwo tief im Lande eingemicthet im Hause eines Geschäftsfreundes oder in dem Han eines zur Ver- miethung seines Hauses gezwungenen vornehmen Bulgaren.
Jetzt bringen die stromaufwärts ziehenden Dampsboote die G> flüchteten wieder ihren Gebietern zurück. Lange vor dem Einlaufen an dem ersehnten Halteplatz cetloffen dann die reisenden Frauen ihre Kajüte und nehmen muthig das Augenfeuer der mitreifenden Giauren auf. Zu einer Berührung zwischen diesen und jenen kommt es jedoch nicht. D e Diener kauern wie ein lebender Saum zu Füßen ihrer Schutzbefohlenen und erheben sich erfi in dem Augenblicke, da die Falltreppe vor der Landungsbrücke niederraffelt. Dann nehmen sie den Knäuel von Weibern zwischen sich und drängen und schieben ihn mit großer Hast dem Ausgange zu. Am Wer tritt Alles vor den Ankömmlingen zurück, die sich nun mit langen eiligen Schritten in dem Gewinde der engsten und verworrendsten Gäßchen verlieren.
Als ich von der Kliffurahöhe bie wunderschöne Straße gegen Risch hinuntersuhr, kam ich an einem stattlichen
, Gebäude vorbei, besten weißes Gemäuer sich hinter einem doppelten Ring von Erlenbüschen und Pappelbäumen barg. Die wohlgepfl gte Straße, die zu dem Hause führt, bie , vielen aus dem freundlichen Grün auftauchenden Wirth- . schaftSgebäude sprachen dafür, daß dies ein Besitztum eines vornehmen Türken sei. Derlei abgesonderte und noch wohl» erhaltene Sitze der einftmal so mächtigen Begs sind heute in diesem Theile deS türkischen Reiches selten genug geworben.
Ich ließ den Wagen halten unb ließ burch meinen Zaptieh fragen, ob mir der Herr daS Betreten seines Gehöftes gestatten wolle. Doch noch ehe bet Abgesanbte in den Schatten bei Bäume getreten war, würbe baS große Thor geräuschvoll geöffnet unb brei Wagen erschienen. Der erste war eine Kalesche nach abendländischer Art, mit Leder gedeckt unb von einem buntgekleideten, auf hohem Bocke sitzenden Kutscher geleitet. An Stelle der Fenster waren braun polirte Holz'äden angebracht, die keinen Laut auS dem Innern deS Wagens nach außen bringen ließen. In raschem Rollen zog das Gefährte vorüber. Der zweite Wagen war eine nach brei Seiten bin mit Leder gedeckte Kibitke, die sich nut schwerfällig, von Ochsen gezogen, vorwärts bewegte. AuS dem dunklen Innern dcS WagcnS drang Geflüster, das sich zuweilen bis zum lauten Schreien steigerte. Der dritte Wagen war einer jener gewöhnlichen hochrädrigen Ochfenkatten, wie sie in der Bulgatei unb in Altserbien zum Verfrachten von Waaren und Getreide verwendet werden, lieber diesen Wagen waten einige Reifen gespannt, übet denen ein schlecht befestigtes schmutziges Leinen flatterte.
AIS dieser letzte Wagen an wir vorübertollte, schwer, lärmend und stöhnend, wie es der langsame Tritt des vorgenannten Zugviehes und daS morsche Gerippe beS Wa-