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Jliarfturg, Sonntag, 3. Dcccmbcr 1876.

XL Jahrgang.

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Ihr zur Seite saß der expreß aus Berlin hergebetene

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Hausarzt, dessen Rechnung die Brautmutter längst ohne öpser eine» WirlhschastSstückeS berichtigt hatte und diesem

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aber gewöhnlich brachte schon der erste Sorgentag den Briefboten mit einem ungewöhnlich beschwerten Trostbriese von unbekannter Hand in daS Haus. Arme Handwerker, denen die erste Auslage zu einem lohnenden Geschäftsbe­triebe fehlten, erhielten anonym die dazu erforderlichen Summen; kurzum, die neue Frau Amtmännin, die, wie man sie nannte, welche sich zu diesen Arten ihrer Wohl- thätigkeit eigendS Agenten hielt, suchte aus alle Weise un» gesehen die Wunden zu heilen, welche Verhältnisie und Zufall ihre ärmeren Mitmenschen schlugen.Dann", sagte sie ost lächelnd zu dem sie in diesem Treiben stets ermun­ternden Gatten,cs wäre unwürdig, würden wir diesen, noch nicht einmal auf ganz reinem Wege erlangtem Reich thum egoistisch in eigenem Nutzen verprassen."Ganz damit einverstanden, Schätzchen," pflegte EliaS mit obliga­ter Kußbegleitung zu erwidern.Aber mich dünkt, wir haben die reichen Fabrikanten durch Annahme dieser, ihrer freiwillig angcbotencn Steuer nicht ärmer gemacht, wäh teiib air jetzt manchen Armen die Mittel zu künstigcn Wohlstand damit verleihen."

Pl. af- er­ba­ut, ug ter !en sel

Ebenbild Wandels, dem Schlafe sich überlasten. Meister Elias selbst saß auf einer zierlichen Gartenbank dicht am Stamme deS BaumeS und hatte schäkernd die sich darob erzürnt stellende Emilie auf seinen Schooß gezogen, deren Bemühungen, sich dieser zärtlichen Umstrickung zu entziehen, immer ohne Erfolg blieben, schon deßhalb, weil ihr dieselbe im Ernste viel zu angenehm war. .Ohne selbst gesehen zu werden, war cS von hier aus dem jungen Manne möglich, die ganze Straße zu überbl'cken, auf der seine Wagen, hoch mit Heu belastet, ab und zu fuhren, geleitet von einem Inspektor, der dem neuen Gutsbesitzer schon bedeutende Kenntniß in der Landwirthschast beigebracht hatte. Den­noch wat es dem schäkernden Gatten entgangen, daß schon seit längerer Zeit drei Herren, die, wie er, anständig aber, leicht gekleidet waren, hinter der Hecke standen, welche sich dem Eiseugitter anschloß, und ihn aufmerksam belorgnettirten. Dieselben mußten endlich zu einem Enlschluste gekommen sein, denn sie betraten jetzt, auch von EliaS bemerkt, den Garten, und erbaten sich, bei dem Eigenthümer destelben angelangt, in höflichster Form für einige Minuten Privat Audienz.

EliaS verließ also mit den Fremden die Familiengruppe und begab sich mit ihnen in sein Kabinet. Nach einer Verhandlung, welche ohngesähr eine Viertelstunde währte, geleitete Freund Wandel die Gäste höflichst wieder nach dem Ausgange seiner Besitzung. DaS sarkastische Lächeln, welches bei seinem Wiedercrscheinen unter dem Baume seine Mundwinkel umsp.elte, verwandelte sich in ein homerisches Lachen Aller, als EliaS, von seinem W ibchen dazu aufge­fordert, dicslM den Inhalt des PrivatgesprächeS wittheiüe.

Jene drei Herren waren nichts weniger, als Bevoll­mächtigte einer in Bildung begriffenen amerikanischen Aktien- Gcsellschaft. Dieselben waren beauftragt, unter allen Um­ständen den Aufenthalt des ehemaligen Inhaber« der Klei«

Auf diese angenehme Art war den Neuvermählten ein Jahr verflossen und die ganze Familie befand sich soeben in den, durch ein eisernes geschmackvolles Gitter von der Straße getrennten Vorgarten des HauseS, unter einer von einem mächtigen alten Kastanienbaum gebildeten natürli­chen Laube. Die beiden Mütter deS Paares, von denen jede ein Zimmer im Seitenflügel deS Herrschaftsgebäudes bewohnten, hatten in dieser Zeit innige Freundschaft ge­schlossen, und waren soeben in ängstlicher gegenseitiger Ue- bietung bemüht, die Fliegen zu verscheuchen, welche sich der kleinen eleganten Korbwiege zu nähern droheten, in welcher ein ungemein dicker, rothbäckiger Junge das leibhaftige

viSkutirte den von Preußen im BundeSrathe eingcbrachten Antrag betr. die Erhebung von BuSgleichungSabgaben. Die großen konstitutionellen Bedenken, welche diesem Entwürfe entgegenstehen, wurden nicht verkannt. Man war allgemein der Ansicht, daß es nicht möglich sei, der Regierung die verlangte diskretionäre Bcfugniß in diesem generellen Um­fange und auf die Dauer zu verleihen. Dagegen wurde für möglich gehalten, den Gesetzentwurf auf bestimmt zu bezeichnende und für eine feste Frist zu beschränken. Näher formulirt wurde indeß dieser Gedanke noch nicht; man entschloß sich vielmehr, wie die Petitionökommission, alles Weitere zu vertagen, bis das Schicksal des Gesetzentwurfs im BundeSrathe bekannt geworden. Nach der Stimmung der Majorität deS Reichstags ist indeß zu erwarten, daß die Vorlage auch nicht in irgend einer Modifikation An­nahme finden wird. Durch kaiserliche Verordnung find die Wahlen zum Reichstage auf den 10. Januar d. I. anberaumt, denselben Termin, an welchem vor drei Jahren die gegenwärtig noch versammelte Volksvertretung g wählt ist.

In Frankreich ist eine Ministerkrisis schnell ent­standen und wie es scheint, eben so rasch beseitigt. Zunächst hatte nur Herr Dufaure seine Entlassung eingereicht, weil er in der Abgeordnetenkammer bei der Berathung deS Kultusbudgets, namentlich mit beantragten Aufbesserungen, am 27. November auf Widerstand und Abweisungen in der Kammer gestoßen war, so daß er auSries: man behandele ihn geradezu wie einen Feind. Hierauf hatten sich auch die anderen Minister dcm Minister Präsidium angeschlossen. Der Marschall Präsident nahm jedoch das EntlaffungSgesuch nicht an, da er vor dem Schluffe der Budgetverhandlungen sehr ungern auf eine Vei änderungen seines Kabnets eingehen möchte.

Die italienischen Kammern waren in ihren bishe­rigen Sitzungcn fast ausschließlich mit Büreau- und Ans- fchußwahlen beschäftigt. Der BudgetauSschuß ist gewählt, aber wie die Opinione sagt, ist eS unwahrscheinlich, daß er auch nur zur Berathung geschweige denn zur Vorlage seines Budgetberichts gelangt, bevor das neue Finanzjahr beginnt. DieOpinione" macht daher den Vorschlag, den Beginn des Finanzjahres vom 1. Januar auf den 1. April zu verlegen, damit der Staatsvoranschlag zum Vorau« durchbcrathen und bewilligt werden könne und die Noth- Wendigkeit provisorischer Budgetbewilligungen endlich ent­falle.

In der spanischen Abgeordnetenkammer wurde am 24. d. MtS. der Minister deS Acußern über einen Artikel deS Madrider BlattesEl Parlaaento", welcher detaillirte Angaben über einen gewissen deutsch-spanischen Vertrag enthielt, interpellirt. Der Minister erklärte, daß jene An­gaben ganz und gar unbegründet seien und fügte bei, Spanien habe kein unmittelbares Interesse an den

neben der BräutigamSmutter placirt, doch als lustiger Brü­ter schon vor der Ceremonie des TrauaktS mit einem kleinen kpitz versehen, sah man ihn bald hinter diesem, bald hinter jmrm der Gäste, um mit ihnen immer von Neuem auf die Gesundheit de« jungen PaareS zu toasten. Soeben befand a sich bei dem Doctor der Kanzleiräthin, diesem mit den Mitten daS Glas aufnöthigeud:Trinken wir auf das

8ohl der durch Ihre Kunst dem Leben erhaltenen jungen Mau, Meister Heilküostlerl"

Nicht doch" erwiederte lächelnd der Doctor, sein GlaS Pgreifend und auf Elias deutend,trinken wir auf dessen M. Er war dieser Arzt für Alles, der da half, wo Peine Kunst ein Ende hatte."

L Ein aus Stettin requirirteS MnfikkorpS leitete die Mfelmustk, sowie die des nachher folgenden Balles.

I In dem Städtchen D .. schien von da an ein unsicht- Wrer, aber um so segensreicher wirkender Engel sich nieder- Massen zu haben, denn jede bittere Noth war au« dem- Men wie gebannL

Ein Taglöhner z B., dessen Verdienst immer nur Mp für den gegeuwärtigen Tag zureichte, wurde krank,

Die Kletdermühle.

Humoristische Erzählung von C. Stimmet.

(Schluß).

land in einen Krieg verwickelt ist, desto besser für Deutsch­land."Daß ein kleiner Krieg Rußland beträchtlich schwächen, ein großer Krieg es wahrscheinlich ins Verderben stürzen würde, und aus diesem Grunde demnach, weit da­von entfernt, ein friedliches Ende der gegenwärtigen Ver­wickelungen herbeizuwünschen, ist ein Krieg der Wunsch Deutschlands" und folglich ist der Zweck BismarcksRuß- land zu ermuntern ins Feld zu rücken." Heißt dies nicht, dem Fürsten Bismarck und Teutschland die diabolischsten Absichten zuzuschreiben? ES heißt einfach, Deutschland zu sagen:Ihr seid eine Nation von Lügnern und Bismarck ist der Fürst der Lügner. Ihr wollt nicht neutral sein, wie Ihr sagt, sondern Ihr wünscht wirklich ein nachbar­liches Volk ins Verderben zu stürzen, damit Ihr den Vor theil einheimsen könnt."Ist nicht eine solche Befür­wortung der türkischen Sache würdig eines Journals, ge­schriebenvon Genllemen für Gentlemcn" ? "

Der Reichstag hat etwa dir Hälfte der Strafprozeß ordnung in zweiter Lesung durchberathen. Die Entschlie ßungen des Hauses bildeten fast ohne Ausnahme eine Sank tion der Kommissionsbeschlüffe und in sehr wichtigen Punkten eine Weigerung, den Anschauungen der verbündeten Re gierungen beizutreten. DieProvinzial-Korrespondenz" neben demReichs-Anzeiger", das einzige authentische Regierungs Organ bespricht nunmehr die Gefahren für die Reichsjastizgesetze und hebt hervor, eS seien mehrfach Be­schlüsse gefaßt deren Annahme für die Bundesregierungen nach ihrer lleberzcugung von den Bedingungen deS öffent­lichen Wohles geradezu unmöglich sei. Die Regierungen dürsten und würden die nationale Rechtseinheit nicht mit Zugeständnissen erkaufen, durch welche die Rechtssicherheit erschüttert würde. DaS ministerielle Blatt giebt dem Wunsche Ausdruck, daß nicht die Punkte des Zwiespaltes immer weiter gehäuft würden; schon jetzt bedürfte eS der ernstesten Arbeit und vertrauensvoller Verständigung vor der entgültigen Beschlußnahme, um eine schließliche Ver­einbarung zu sichern. Der SesstonSbeschluß, meint die Prov. Corr.", werde kaum vor dem 20. Dezember er­folgen. Ein besonders betonter Stein des Anstoßes für die Regierung ist der Beschluß deS Reichstags, die Preß- vergehen vor die Schwurgerichte zu verweisen. Obwohl wir nicht zweifeln dürfen, daß das HauS auch in dritter Lesung sich in diesem Sinne ausspricht, so kann man es doch als gewiß annehmen, daß die Majorität in diesem Punkte nicht mehr zwei Driteel der Stimmen besitzen wird. Es wird vielmehr die Minorilät um etwa 50 Stimmen gestärkt werden. In den letzten Tagen ist dem Bundes­rath ein Gesetzentwurf betr. die Retorsionszölle zugegangen. Im Reichstage hat nun eine von dem Abg. Dr. Löwe berufene freie Versammlung von Abgeordneten stattgesunden, welche daS Fortbestehen der Eisenzölle befürworten. Man

Politische Woche». Ucßerficht.

Die diplomatische Situation hat sich-in der L feien Woche nicht geändert, aber sie hat sich wesentlich geklärt. Ko viel scheint sicher zu sein, daß England die Occupation eines TheileS der Türkei jedenfalls aber mit Ausnahme ton Konstantinopel durch Rußland nicht als einen jkriegSsall betrachte» wird. Man wird sich erinnern, daß Kaiser Alexander in seinen Erkürungen an Lord Loftus nur davon gesprochen hat, daß er nicht daran denke, Kon­stantinopel zu besetzen. Damit hat sich Rußland hinsicht­lich der slavischen Provinzen jeden Schrit Vorbehalten. So lange sich Rußland in diesen Grenzen hält, wird England jedwede Operation gegen Rußland unterlassen, aber es wird an demselben Tage, an dem die russischen Truppen in der lürkei erschienen, diejenigen Positionen zu decken suchen, »eiche sür die Verbindung mit Indien wichtig sind. Schwer­lich wird bann aber Oesterreich-Ungarn ein müßiger Zu­schauer bleiben, sondern eS wird ebensallS ein Faustpfand in Besitz ergreifen, dessen eS zur Wahrung seiner Interessen bedarf. Somit dürfen wir die begründete Hoffnung hegen, daß der scheinbar unvermeidliche Krieg zunächst auf die Türkei und Rußland beschränkt bleibt. Rußland wird in Bulgarien die gesammte türkische Streitmacht sich gegen­über stehen sehen. Lord Salisbury hat inzwischen seine kontinentale Rundreise beendet und ist nunmehr auf dem Wege nach Konstantinopel. Wenn er die Aufgabe hatte, 1 die Konstellation der Kontinentmächte zu verrücken, so wird k et seine Mission als mchMckt erachten müssen. Dies 1 dürfte aber lea Erfolg haben, daß Engiang endlich eine bestimmte Stellung in der Angelegenheit faßt und seinen in OperationS - Plan nich auf unrichtige Voraussetzungen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von ® L. Daube & Eo. in Frankfurt a. M.; Jägerstche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete- menet in Berlin; Carl Schütz, ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

tmetgen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blatte», tagte die Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & So. in Hassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; S' lein &. Vogler in rt a. M, Berlin, Leiv- n «; Rudolf Moste

^Berlin, Frankfurt a. M. 2t.

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gründet.

In welcher Weise man in England die Position sfbvUschlandS würdigt, lehrt folgende Auslassung desEcho" HtMÜber der deutschfeindlichenPall Mall Gazette" :Die «otürkrsche Partei in England ist nicht allein besiegt und »tschämt, sondern sie wendet sich gegen ihren Gegner in einer etwas boshaften Weise. Jetzt, nachdem Fürst Bis- oarck gesagt, Deutschland werde eine Haltung strikter Neu trolität in Bezug auf den Streit zwischen Rußland und der Türkei beobachten, wird uns von einem Londoner Abend- Blatte gesagt, daß Deutschland nur zu sehen wünsche, daß Rußland sich in einen Krieg verwickele, damit ersteres ir­gend einen Vortheil gewinne. Nicht allein wird dem Für­sten BiSmarck nicht geglaubt, sondern seine Erklärung wirb beidreht und es wird ihr eine ganz andere Deutung bei gelegt, al« die, welche beabsichtigt wurde. Fürst Bismarck sagte, er wünsche die streitige Frage durch friedliche Mittel geschlichtet zu sehen.Sie meinen dies nicht" sagt dies.s Abendblatt und e« argumentirt so:Je eher Ruß-

Erscheint täglich außer de« Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageSänftrirteS «onntag»»latt" durch bie Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mart, durch bte Postämter beS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf,, (eil. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zelle 10 Pfa. Für tn bet Expedition zu ertheilenbe Auskunft unb Annahme von Äbreffen werben 35 Pfg. berechnet.

i folgte endlich der Bürgermeister, sowie die ganze, etwa Herzig Personen zählende Gesellschaft. Das ehemalige «unstgtwerk der Kleidermühle von beten dnfliber Exi­stenz jedoch nur die intimsten Familienglieder jkenmniß ll, t hatten Meister Kornfeld war nebst Familie gleich links