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JRatßurg, SonnoSenb, 2. December 1876.

xi. Jahrgang

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bloße Komödie ist, um sie in den Augen Europa'S als überaus freisinnig und weitgehend erscheinen zu laffen.

Die Physische kräftige Natur EmilimS hatte freilich end« ’ 1 lich über deren Krankheit den Sieg errungen, aber innerlich, obgleich niemals die leiseste Klage über ihre Lippen kam, mußte das arme Kind doch schwer leiden. Ihr sonst so gesund geröthetcS, jetzt wachsbleiches Gesichtchen, in welche» die Mutter oft seufzend und verstohlen blickte, war um die Mundwinkel durch einen unverkennbaren Zug tiefen Schmerzes so deutlicher Zeuge inneren Wehes, daß eS da« Mitgefühl eines jeden Beobachtenden unwillkürlich wecken mußte.

Aber die den ganzen vergangenen Winter andauernde Krankheit EmilimS hatte auch auf die äußern Berhältnifle dieser kleinen Familie sehr nachtheilig gewirkt. Die Mutter hatte als Krankenpflegerin ihres Kindes alle Hände voll zu thun, und war daher nicht im Stande, einigen Zuschuß zu der geringen Pension zu verdienen. Die täglichen Arz­neien auö der Apotheke sollten bezahlt werden, und sie

5. Der Arzt für Alles.

Es war ein schöner Sommernachmittag, als die Kauz« lelräthin wieder am Fenster gegenüber ihrer an einer Sticke­rei arbeitenden Tochter mit «usbeflerung eines Wirthschaft- stückeö sich beschästigt befand. Die liebe Sonne, welche so rein und freundlich in das bescheidene Stübchen leuchtete, war nicht im Stande die Atmosphäre der Schwermuch zu zerstreuen, welche augenscheinlich um Mutter und Tochter sich gelagert hatte.

paßenden Mustern anzefüllt, jedoch den Äugen des Publi­kums unzugänglich blieb, auszusuchen, glatt zu legen, und mittelst einer Art Rechenglatt auf das AuSlegebrett hinaus- zuschieben, von welchem EliaS Wandel ihn entnahm und stolz den G-prellten überreichte. Commissionäre, natürlich nicht ahnend zu welchem Zwicke, sorgten für stete Complet tirung des geheimen HinierlagerS, während die Rohstoffe, welche in die Maschine kamen, täglich wieder glatt aufge­stapelt, folglich nie vergriffen wurden. Das Klappen der Mühle, welches durch das Drehen des Schwungrades her- beigeführt wurde, verdeckte prächtig jedes etwaige Geräusch, welches durch die Operationen des Kornfeld etwa herbei­geführt wurde.

Die aufgefundenen Eisenräder und sonstigen Utensilien waren von EliaS ohne jede Wahl aufgekauft, und nur deßhalb vorhanden, um die Täuschung möglichst vollkommen zu machen.

ES ergießt sich hieraus, daß die ganze Kleidermühle nicht« als Humbug, noch dazu pommerscher Humbug war/

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bk Hände, nachdem sie sahen, wie prompt die Firma Wan-l den sonst so schlauen Amerikanern jedoch so natürlich auf. del u. Co. handelte, I gebunden, daß viele von denselben noch beute an den einf».

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & 6o. in Frantfutt tu M.: Jäaer'sche Buchhandlung in Frankfutt tu M.; Jnvalidendank, A- Rete» meyer in Berlin; Earl Schütz- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

Dentschet Reich.

Berit«, 30. Nov. Bor einiger Zeit hat ein Oberge­richt auf Antrag des bctheiligten Vaters die Berichtigung der in das StandcSregister eingetragenen Vornamen eines dem letzteren geborenen Sohnes mit Rücksicht darauf an­geordnet, daß bereits einem früher geborenen Sohne des selben Vaters ganz die nämlichen Vornamen beigelegt worden waren. Wie der Minister des Innern den Ober­präsidenten rc. durch ein Cirkularreskripl vom 5. d. M. mitgetheilt, hat indcffen in dem hierüber an den Justiz­minister erstatteten Bericht das gedachte Obergericht bemerkt: „Es erkenne, in Uebereinstimmung mit dem Reskripte vom 29. Mai 1875 den Satz: „Eingetragene Vornamen können, auch innerhalb der vom Gesetze gewährten zwei­monatlichen Eintragungsfrist, weder durch die Zufügung weiterer Vornamen, noch durch die Eintragung anderer Vor­namen geändert werden, eö müßte denn die Eintragung unrichtig bewirkt fein*, für durchaus richtig an, und es habe die in Rede stehende Eintragung nur deshalb ange­ordnet, weil es nach Lage des Falles zu der Ansicht gelangt sei, daß der betreffenden Eintragung in der Thal ein Irr- thum auf Seiten des den Geburtsfall anzeigenden Vaters zu Grunde gelegen habe." Hiernach liege zu einer Abän­derung des Reskripts vom 29 Mai 1875 ein Anlaß nicht vor. — Mit Taubstummen ist bei Ausnahme standesamt­licher Akte, nach einem Cirkularerlaß des Ministers des Innern vom 8. d. M., schriftlich zu verhandeln, und eö ist ihnen die gemachte Eintragung zum Durchlesen und Unterschreiben hinzugeben. Auch ist alsdann — unter Durchstreichung des Wortes „Vorgelesen* in den Vordrucken ein besonderer Vermerk über das beobachtete Verfahren hinzuzusügen. Nur, wenn der Taubstumme auch des Le­sens unkundig ist, wird statt deffen — entsprechend den Vorschriften in §. 7 Theil II. Titel 3 der Allgemeinen Gerichtsordnung — ein der Zeichensprache der Taubstum­men Kundiger zugezogen werden müssen und, daß die« ge-. schehen, in dem Protokolle zu vermerken sein. Nach dem­selben Reskript ist es für unzulässig zu erachten, daß ein Standesbeamter sich selbst die Anzeige über die in seiner Familie vorgekommenen GeburtS - und Sterbefälle mache und darüber unter Abänderung der gedruckten EinleitungS- worte des vorgeschriebenen Formulars eiu Protokoll auf­nehme, da das Gesetz zur Ausnahme jedes gültigen Protokolls zwei Personen erfordert, den das Protokoll aufnehmenden Standesbeamten und den vor demselben Behufs Erstattung der Anzeige Erscheinenden.

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Ausland.

Wie», 30. Nov. Aus Konstantinopel wird gemel­det: In Bagdad ist die Pest ausgebrochen. Der euro­päische GesundheiiSlath protestirte bisher vergebens gegen fernere Aushebungen für die europäische Armee der Türkei.

Genua, 24. Nov. Eine Trauerbotschaft durcheilte gestern Abend unsere Stadt, welche nicht nur Genua, sondern auch das übrige Italien erschüttern wird. Der Herzog von Galliera verschied in seinem 74. Jahre in Folge eines rheumatischen FieberS. Als die Nachricht von seiner schwe­ren Erkrankung unter das Volk drang, sah man dichte Schaaren nach dem herzoglichen Palaste wandern und dort still und ängstlich auf jede weitere Kunde über den Verlauf der Krankheit harren. Das Leben GallieraS hat diese Theilnahmc der Italiener verdient; denn sein Wirken kann in jedem Sinne ein eminent patriotisches genannt werden. Die hervorragendste That, zu der ihn sein immenses Ver­mögen befähigte, war seine Unterstützung der Hafenbauten Genuas, die zu den kostpieligsten gehören, die auSgeführt wurden. Von den 20 Millionen, die er zu diesem Zwecke gab, erwartet man, daß sie durch ihre Veranlagung eine neue Epoche für den in den letzten Jahrhunderten tief gesunkenen Handel Genuas, erwirken werden. Für die heutige wirthschastlichc Lage Italiens ist der Tod de« Her- zogs ein schwer ersetzlicher Verlust, denn in seinen letzten Jahren wurden mit ihm Unterhandlungen angeknüpft be­züglich finanzieller Unterstützung der Staatsbahnen und des Tiber-RegulirungsprojekteS, Pläne, die für das wirth. schaftliche Gedeihen Italiens von kaum minder großer Wich­tigkeit stad, als die Hasenanlagen für Genua. AuS dem Gros der Bevölkerung haben große staatliche Unternehmun­gen in Italien nie ausreichenden Fonds ziehen können; was aus diesem Gebiete geschah, ward durch Hülse von „Millionen- fürsten.* Herzog von Galliera hinterläßt ein Vermögen von etwa 180,000,000 Lire.

Parts, 29. Nov. Der „Temps* findet in einem bemerkenSwerihen Artikel über das Verhältniß der Mehr­heit zur Regierung, daß die Bedingungen des parlamm- irischen Regiments nicht erfüllt werden; dieselben verlangen ein verantwortliches Ministerium und eine Mehrheit welche dieses Ministerium unterstützt, so lange eS angeht; die gegenwärtige Mehrheit sei ungeduldig, hastig und entziehe ihre Unterstützung ohne genügenden Grund. „Geduld ist die erste Tugend des Politikers, und nie ist die Geduld so nöthig gewesen, wie eben j.tzk.* Der Fehler, den die Liberalen begehen, liegt nach .dem TempS darin, daß fie die Intransigenten als einen unlösbaren Theil der Majori­tät betrachten; die Intransigenten haben sich losgesagt von den Übrigen Republikanern, man laste fie außer Acht und vertraue nicht einem urradikalen Redner die Behandlung einer so heiklen Frage, wie die Beziehungen des Cleru«

Anzeigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blatte», igelt die Annoncen-Bureailk Kn Th. Dietrich & Eo. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfutt a. M ; Aaafenftein & Vogler in Lankfutt a. M, Berlin, Leip» lti, Eöln ic; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfutt a. M. re.

W Der „Reichs-Anzeiger* vom 30. November publizirt folgende kaiserliche Verordnung: Wir Wilhelm, von Gottes Waden, Deutscher Kaiser, König von Preußen re. ver­end! erbnen auf Grund der Bestimmung im § 14 deS Wahl- )24 Gesetzes vom 31. Mai 1869, im Namen de» Reichs, was folgt: „Die Wahlen zum Reichstag find am 10. Januar “ 1877 vorzunehmen.*

AuS Bayern sind 11 Petitionen (von Nürnberg, Bam berg, Würzburg, Fürth, Weißenburg a. S., Amberg, fite »ach, Regensburg, Dinkelsbühl, Neustadt a. A.) an den steichStag gelangt, in denen die Bitte ausgesprochen wird, an den Beschlüsten der Justizkommission in Betreff der Verweisung der Preßvcrgehen an die Schwurgerichte, des ZeugnißzwangeS und des Berufungsrechtes deS Angeklagten ststzuhalten.

Inzwischen ist In Konstantinopel eine sMinisterkrisis 'unz dngetreten, durch welche die projektirte Publikation derBer- ete» stssung verschoben wird; der Großvezier legte sein Veto 884 tiegen die Verfassung ein, weil dann eine Einschränkung ■ des KhalifatS zu erblicken fei. Die Verfassung ist also richt bloS für die Großmächte unannehmbar, man müßte tarn glauben (was nicht unwahrscheinlich), daß derWider- Ibr. $anb gegen die Verfassung seitens des GrotzvezierS eine

Die Kleldermühle.

Humoristische Erzählung von C. Stimmet.

(Fortsetzung.)

S)em Publikum ging nun wirklich die Geduld aus; eS den Laden, aber, o wehl die neue Maschine war nicht verschwunden, aber total zerstört. Die blau T’“® Bretter waren, wenn auch zerhackt und zerbrochen, Schanden, das ganze Eisenzeug, bestehend aus Rädern und g««n aller möglichen Galiber waren da, aber die berühm- Mechaniker, welche nach und nach herbeiströmten, vvchtm nicht aus diesem ChaoS von Eisen und Brettern annähernd eine Kleidermühle vorzustellen, vielwe- ^jusammenzustellm.

L®lonate vergingen, ehe sich die aus ihren EtfindungS- so stolzen Amerikaner mit dem Gedanken zu versöhnen i2®l3<bten, daß diese Mechanik der durch Deutschen ersun- Maschine für sie in Zukunft ein Geheimniß bleiben

die Nähmafchinmsabrikanten rieben sich vergnügt

y"ebbrud e /eil L F Quartal mrt der wöchentlichen Berlage „zrnftrirteS eonntag»»latt" durch die «rpeditiou («och'sche

«uchdruckerey bezogen 34 Warf, bur^ bte Postämter be« Deutschen Reiches 3 «ark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). - JnsettionSgebtihr für die gespaltene Zelle 10 Pf«.

Für ru der Sxpedrtwn ,u etthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet?

brzar drS Marburger vaterländischen FranrnvereinS, vom 1—3 Dezember 1876.

C) kommet, Freunde alle, bringt warme Herzen mit! jy Bringt Lieb zum Liebeswerke I 's ist unsre inn'ge Bitt! Ar seht wie Menschenliebe, hier sinnig thätig war, mit kunstvoll schönen Gaben, zu schmücken den Bazar. Wer wüßt' nicht, daß auf Wechsel das Wachsen ist gestellt, ro tauschet ein die Gaben, für recht — ja recht viel Geld! «vhl haben wir, taxiret, wie es billig, doch ich weiß, Ar laßt Euch nicht beschränken — durch einen Ladenpreis. Ar gebt mit vollen Händen, Ihr gebt mit großem Herz, daß in Weihnachtsfreude verstumme jeder Schmerz.

heil, igen

«6er ad;! hätten die Herren gewußt, daß sie bei dieserlgen Existenz einer wahrhaftigen Kleidermühle glauben Affai e die am meisten Gep-ellien waren, ihr Triumphlä-', Für EliaS hatte indeß sein CombinationStalent' das chetn wäre der tiessten Beschämung gewichen. |@ute, daß er jetzt überall als gemachter Mann auftreten

Das Innere der famosen Kleibermühle nämlich, für, konnte, wovon er, wie sich zeigen wird, auch in Ankunft welche Elias und sein Freund in traulicher Unterhaltung —A7 8 ™ S«runft

einfach die Bezeichnung „Geldwühle* gebrauchten, hatte nie einen anderen Mechanismus besessen, als unfern Freund Kornfeld. — Dieser, der durch seine Drahtgazengitter ge­nau beobachten konnte, waS im Laden vorging, hatte nur möglichst schnell nach dem Muster deS hineinplaeirlen Des­sins den gefütterten Artikel nach der Nummer aus dem, mittlS einer Thür mit der Maschine in Verbindung stehen­den .Hintern Zimmer, welches mit fertiger Garderobe in

Die neuesten Petersburger Nachrichten ziehen wieder dne dicke, schwarze Wolke vor dm jüngst etwas friedlicher leuchtenden Horizont, obgleich sie allerdings für Diejenigen gar nichts Neues bringen, welche bisher an der Ansicht festgehalten haben, daß Rußland seine letzten Ziele gegen ble Türkei unverändert im Auge behalte. Unter diesen Umständen hat Alles, was sonst über die Konferenz ver­lautet, nur ein untergeordnetes Inte-esse, wie z. B. wenn die Blätter sich mit der Frage deS Vorsitzes und dem Lo­kal, in dem die Konferenz abgehalten werden soll, beschäs-

' iigen. Wie die Flandre liberale meldet, würde die Kon- slrenz in dem PalaiS deS russischen Botschafters stattfinden. Beneral Jgnatiew würde, wie die Preffe hervorhebt, als - Doyen auch daS Ehrenamt des Vorsitzes in Anspruch , «hmen dürfen. Da aber auch die Spezialbevollmächtigten ^chgrüche auf die Ehre des Präsidiums erheben, so soll , f0, « in Konstantinopel auf den genialen Gedanken gekommen teitf®* das Präsidium alterniren zu laffen. Wahrscheinlich lQUre: tkb die Konferenz am 7. oder 8. d. M. zusammentreten. .( Nach einer von der „Neuen Freien Presse* wiederge- 60. grienen Aevßerung Savset Pascha'S will die Pforte lieber —- auf die Theitnahme an der Konsermz verzichten, als die Zulassung eines serbischen oder montmegrinischen Vertreters