Sr. 282
JRarßlltg, Freitag, 1. December 1876.
XI. Jahrgang
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Gefahren für die Relch-justiz-efetze
Die zweite Berathung der großm Zustizgesetze geht ihrem Abschlüsse entgegen; die Civilprozeß-Ordnung und daS GerichtSverfafsungSgesktz nebst dem Einführungsgesetze find bereits vollständig durchberathen, die Strafprozehord- nung wird vorausstchtlich bi< zum Schlüsse dieser Woche slebigt werden können.
Die Berathungen sind im Reichstage ebenso wir vor her in der Justizkommisston augenscheinlich von sachlichem Ernst und von dem Bewußtsein der großen Bedeutung des nationalen Werke- getragen; — leidenschaftliche Erörterungen vom Standpunkte de« bloßen politischen Parteiwesens sind dem Berlause der Berathung fremd geblieben und auf keiner Seite ist ein bewußtes Bestreben hervorgetreten, das Gelingen zu vereiteln.
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welche sich an der vierten, der Eingangsthüre gegenüber liegenden Wand, deren volle Höhe und Breite einnehmend, befand. An dem Schwungralhe derselben stand fast andachtsvoll ein Arbeiter, der, sobald der Stoff eines bestellten Stückes durch Elias hineinprakkizirt war, daffelbe in Bewegung setzte. Und oh Wunder! nach kaum fünf- minutenlangem Drehen, bei welchem die Maschine raffelnde Töne wie eine Grützwühle von sich gab, kam da« verlangte Äte dungSstück glatt, sauber, wie der Bogm aus der Drucker-
preffe mittelst einer zweiten Vorrichtung aus der blau ge» strichenen, mit vielfachen Schnörkeieien bedeckten Wunder» maschine tadellos, und dem angepaßten Körper genau con- form zum Vorschein!
Maaß genommen wurde. Nachdem dies geschehen, wurden Stoff, Maaß, Knöpfe, Seide und Borden zu einem Packet
stunden erblickte, hatten in der übrigen Tageszeit vollauf mit dem Einkauf der stets vergriffenen Stoffe zu lhun.
ES gab indeffen auch Leute, welche die neue Erfindung mit den gehässigsten Augen betrachteten. Da waren in erster Linie die Schneider, von denen sich täglich eine arosie Anzahl in dem Lokale einfanden. 88
D ese kritisilten natürlich zum Nachtheil der neuen Arbeit, indem sie beim Prüfen der Nähterei durchaus finden wollten, daß dieselbe nicht so dauerhaft wie die bisherige Maschinen- und Handarbeit sei. Sie ahnten freilich nicht, baß sie dabei in die Lage kommen konnten, ihre eigene, früher gefertigte Arbeit zu bemängeln. — Daö half aber diesen Menschen durchaus Nichts, vorzüglich da sie sich ge» stehen mußten, daß die neue Arbeit genau wie die bisherige ausfiel. Die Nähmaschinenfabrikanten waren ebenfalls über diese Mühle untröstlich, denn es lag auf der Hand, daß ein so riesig schnell arbeitendes Werk sie bald dem Bankerott zuführen mußte. Aber was ließ sich dazu thua? DaS neue Wunderwerk war einmal da, alle Welt konnte sich davon überzeugen!
Eines schönen Tages nun, als Wandel eben wieder dabei war, das so äußerst rentable Geschäft für heute zu schließen, erbaten sich zwei sehr noble Herren, welche der Arbeit des Wundermöbels mehrere Slunden unverwandt gefolgt, bei dem Eigenlhümer desselben für einige Minuten Pnvatgehör. EUaS lud sie höflich ein, unv jetzt wurde unferm Meister eröffnet, daß sämmtliche Nähmafchinenfab- rikanlen Amerika'«, deren Bevollmächtigte die Herren feien » sich verständigt hätten, der Firma EliaS Wandel u. Co'
Dem „Nord" zufolge hat dies Pforte den Großmächten die neue türkische Verfaffung mitgetheilt. Bei Besprechung des Vorschlages, der Türkei für die Ausführung der verheißenen Reformen einen Aufschub zu gewähren, bemerkt der „Nord:" ein derartiger Vorschlag sei unbegreifitch, da Europa gegenwärtig wisse, was von den Reformen der Türkei zu halten sei.
Aus Konstantinopel wird berichlet: Der Sultan befahl die sofortige Errichtung von 97 neuen Bataillonen in Syrien Mesopotamien und Bagdad. Für die Unterbringung britischer Truppen werden in Konstantinopel große Vorkehr rungen getroffen. Die Vertündigung der neuen türkischen Verfaffung wird am Tage der Eröffnung der Conferenz erwartet.
stehen blieben und sie lasen. Nicht lange währte es, so hatte sich das Gewölbe mit Neugierigen gefüllt, deren mit zweifelhaften Mienen erteilten Aufträge Wandel mit der höflichsten Eleganz empfing und zum Erstaunen Aller prompt auöführte.
Der ganze Laden, worin sich diese unerhörten Opera- tionen vollzogen, war auf drei feiner Seiten vom Fußboden bis zur Decke voller Reale, die mit Stoffen aller Farben und Dessins ausgefüllt waren. Den abergläubisch lächelnden Besuchern stand eS frei, sich beliebig nach ihrem Geschmacke zu wählen, worauf ihnen alsdann von Elias
Auge lasten, daß eben dieser Limeoni es die intolerante Auslegung des Art. 11 stitution durchgefetzt hat.
Elias Wandel u. Co. Der mitunterzeichnete Compagnon war Kornfeld, «lfreund Wandels.
in Berlin ist indeß die Hoffnung der engli auf die Erhaltung des Friedens beträchtlich
Die Aletder»nhle.
Humoristische Erzählung von C. Dämmet.
(Fortsetzung.)
Von einer Seite, welche über die Vorgänge beim Va. tikan unterrichtet sein kann, wird uns versichert, daß die Einberufung verschiedener Kardinäle nach Rom mit der Wahl eines Nachfolgers PiuS IX. keineswegs in Zusammenhang steht. Es ist im Vatikan nach dem Tode Anto- nelli'S als ein Bedürfniß angesehen worden, im Vereine mit den einflußreichsten auswärtigen Kardinälen die Lage des heiligen Stuhles zu erwägen. Man behauptet, daß in der hohen Versammlung über die Ziele der päpstlichen Politik ein vollständiges Einverständniß herrscht. Eine Aenderung in der bisherigen Politik des päpstlichen Stuhles wird auch durch die Nachfolge des Kardinal Limeoni als Staatssekretair nicht eintreten. Man
Der letztere, im elegantesten Modekostüme, stand ... ^Eröffnung seines Lokals mit brüsker echt amerikanischer Ipreiztheit in der Thür desselben, und musterte die Bor- ^gehenden, die, durch die riesigen Plakate angelvckt,
Anzeigen nimmt entgegen: die Ey-edtttou d. Blatte« sowie die Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & So. in grantfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete« meyer in Berlin; Sari Schütz« ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
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„Eröffnung der ersten Kletdermühle!"
„Den Unterzeichneten ist eS im Verein mit den tüchtigsten Mechanikern der Gegenwart gelungen, eine Maschine zu conftruiren, welche in noch nicht zehn Minuten im Stande ist, nach Maaß einen vollständigen, V« paffenden Herren «Anzug herzustellen. Alle Gent- fanen, welche sich für düse bi« jetzt für unmöglich ge galtene Erstidung intetefflren, werden höflichst eingeladen, sich mit eigenen Augen von diesem höchsten Wunder der Gegenwart gefälligst zu übei j-ugen.
Newyork im April 18 . ...
Sinern Gerüchte zufolge Hai Lord Salisbury am Abend seiner Ankunft in Berlin den Besuch des Reichskanzlers Fürsten Bismarck erwartet, nachdem er ihn von seiner Anwesenheit hatte benachrichtigen laffen. An Stelle des Reichskanzlers erschien indeß ein — Bote, welcher den Marquis mit einem Schreiben zum Besuch im auswärtigen Amte einlud. Diese Zurechtweisung des englischen Diplomaten in seine richtige Stellung kennzeichnet den Reichskanzler ganz und gar. — Was der. Marquis of Salisbury in Berlin erreicht hat, darüber schweigt die Geschichte. Man glaubt indeß, daß er einen letzten Versuch gemacht hat, die Haltung Deutschlands gegen Rußland zu verändern, mit welchem Glück, wird die nächste Zeit lehren. Seit dem Besuche Salisbury'S in Berlin ist indeß die Hoffnung der engli-
Da« Wiener Tageblatt meldet:
hat mehreren Vertretern gegenüber neuerdings betont^ Rußland könne unmöglich von der Forderung einer Occu- pation Bulgariens Abstand nehmen. Nach einer Meldung aus Konstantinopel wird die Pforte jedwede Form der Oceupation entschieden ablehnen, eventuel sogar auf die Theilnahme an der Konferenz verzichten. — Der Czar wirb am 5. Dezember zur Jnfpizirung der Südarmee in Kischeneff eintreffen. Gerüchtweise verlautet, eine polnische Deputation habe den Marquis von Salisbury gebeten, die Polenfrage auf der Konferenz anzuregen, Der zweite Vertreetr Oesterreichs Baron Caliee wird heute zur Konferenz nach Konstantinopel abreifen.
. . nun herausstellt, beruht die Meldung, Bismarck habe den Botschafter und Conferenz-Bevollmächiigten der Pforte nicht empfangen, auf Wahrheit. Ein Wiener Telegramm des „P. L." meldet diesbezüglich: Edhem Pascha, der Botschafter der Pforte in Berlin, und deren zweiter Bevollmächtigter bet der Conferenz in Konstantinopel, ist in Begleitung seines Sohne« heute früh in Ber lin angekommen und in Grand Hotel abgestiegen. Vor einer Abreise aus Berlin wollte sich der Pascha von dem Fürsten Bismarck verabschieden, wurde jedoch nicht em pfangen. Der Reichskanzler ließ ihm bedeuten, er habe angesichts der Haltung der Pforte keine Beranlaffung, ihn zu empfangen; et möge in Konstantinopel für die größte Mäßigung wirken, damit sich die Pforte allen Befchlüffen der Conferenz füge. Auch in Wien wurde Evhem Pascha weder bei Hofe, noch im auswärtigen Amte empfangen.
Für m bet Expedition ,u ertheileude Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, beteinet 8 ö
wtwortlichkeit für daffelbe geradezu unmöglich ist: die Re» gietungen dürfen und werden selbst das hohe Gut der nationalen Reichseinheit nicht mit Zugeständnissen erkaufen, durch welche nach ihrer gewiffenhaften Ueberzeugung die । Rechtssicherheit erschüttert würde.
Die Regierungen sind sich bewußt, nach der ganzen Vehaudlung Der großen Justizreform die unbefangensten «nd freisinnigsten Gesichtspunkte und das willigste Entgegen- 4 kommen gegen alle in bet Aufgabe selbst begründeten Auf- lafiungen und Wünsche der Reichsvertretung beobachtet zu haben, — aber ihr Entgegenkommen findet eine unbedingte
Und doch ist die Zuversicht de« Gelingens durch die Befchlüffe der letzten Woche keineswegs erhöht worden. Die Punkte ungelösten Widerspruchs zwischen den Bundesregierungen und dem Reichstage haben sich über Erwarten gehäuft, und die abweichenden Befchlüffe sind theilweife mit so bedeutender Mehrheit gefaßt worden, daß ein Abgehen davon in der dritten Lesung kaum in Aussicht zu nehmen ist, während auch die Verbündeten Regierungen nach ihren bestimmten Erklärungen die eingenommene Stellung pflicht- mäßig festhalten zu müffen überzeugt sind.
Von Den Anträgen, welche die Regierungen beim -Beginn der zweiten Lesung gegenüber den KommisstonSbeschlüffen gestellt hatten, sind alle grundsätzlich wichtigen der nnmittel- 6aren Entscheidung de« Reichstages Vorbehalten worden; — nach dem bisherigen Verlaufe aber scheinen grabe jene Anträge, bei welchen e« sich nach der festen Ueberzeugung Iker Bundesregierungen wesentlich „um daS Interesse einer «sicherten und unbehinderten, das allgemeine Wohl wirk- -Hm schützenden Ausübung der Rechtspflege handelt", die ^artete Berücksichtigung nicht zu finden.
, SS sind im Reichstage mehrfach Befchlüffe gefaßt - worsen, deren Annahme für die Bundesregierungen nach ihrer Ueberzeugung von den Bedingungen beS öffentlichen Wohl« und bei dem Bewußtsein ihrer unmittelbaren Ver-
Anzeigen nimmt entgegen: tfe Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanx gon Th- Dietrich & So. in jtaffel und Hannover; Tb Dietrich in Frankfurt a. M.; Sftein L Bögler in rt a. M, Berlin, Leiv« In tc; Rudolf Moste ^Berlin, Frankfurt a. Ak. re.
an der Verantwortlichkeit für die Wahrung des Er konfcrirte Vormittags mit dem dasigen türkischen Bot- staatlrchen Wohls und der staatlichen Sicherheit. schäftet, Aleko Pascha, und reist morgen nach Konstanti-
Wenn daher das wichtige Werk nach den mühevollen! nopel weiter.
und hoffnungsvollen Vorarbeiten nicht noch im letzten ------------
Augenblicke scheitern soll, so ist zunächst zu wünschen, daß nicht die Punkte deS Zwiespalts immer weiter gehäuft werden. Schon bei dem jetzigen Stand der Dinge wird eS der ernstesten Arbeit vertrauensvoller Verständigung vor der endgültigen Befchlußnahme bedürfen, um eine schließ lkche Vereinbarung der bedeutsamen Gesetzgebung zu sichern.
Möge der ernst nationale Geist, welcher den jetzigen Reichstag in seinem vertrauensvollen Zusammenwirken mit den Bundesregierungen seither stet« geleitet hat, sich auch in der glücklichen Durchführung seiner letzten und größten Aufgabe entscheidend bewähren. (Pr. Corresp )
Nicht nur Newyork, nein, ganz Amerika war schnell für diese unerhörte Erfindung begeistert. EliaS Wandel, ..........o. ........... _ullvtl u
t^tzdem er sein Geschäft nut von Morgen« 10 bis Nach-'die Summe von einer Million Dollar in baar iu .äbkn mittag« 4 Uhr geöffnet hielt, hatte, natürlich zu doppelten. wenn dieselbe bereit wäre, die verteufelte Maschine ohne Prüfen, fabelhaften Absatz Er und se,n Freund, welcher, > Jemanden den Mechanismus derselben zu offenbaren, für wunderbar genug, stets mit EliaS in Gemeinschaft das alle Zukunft außer Thätigkeit zu stellen
Lokal verließ, trotzdem man ihn nie während der Geschäfts-' Freund Wandel erbat sich mit dem ihm möglichst vor»
Das dauerte etwa ^vierzehn Tage. Jetzt kamen, vor . Wich Abends, Transporte von mächtigen Ballen, deren . qahalt wiederum Niemand zu Gesicht kam. Endlich, nach- . 608 schon mancher lächelnd den Kopf mit b<r Bemerkung , Blüttelt, daß die« jedenfalls ein Lager von Wunder« ihieren werden mfiffe, that sich stolz der neue Laden auf.
4. Noch nicht bageroefen 1
Den zwei Riefenplakaten, welches bnrch da« Deffnen —„, ».,» 6„ tllltul
Thorflügel jitzt sichtbar wurden, arbeitete die heutige ^vereinigt in die Vorrichtung der Wundermafchine geworfen ksgespreffe tapfer in die Hände. " " 1
Darauf stand mit mächtigen Buchstaben: