Marburg, Dienstag, 28. November 1876.
! Metaen nimmt entgegen: ÄeMtiox d. Blatte»,
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xi. Zahrgng.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Amwneen-Bureaur von ®. L- Daube & 60. in Kcanlfurt a. M.: ILger'sche LuchhaMung in Frankfurt a. SR.; Jnvalidendank, A. Siete« meper in Berlin; Earl Schütz« ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.
Tit. (+ 11,881,400 Mk). Zusammen 959,023,109 Mk.
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Die Exp. d. Oberh. Zeit.
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bell Rechne ich bazu noch meine gute Kundschaft, btestch hoffentlich, sobald ich als Ehekrüppel Gesellen halte, noch vermehren wirb, so möchte ich Denjenigen sehen, besten Zukunft rosiger leuchtet, als die meine. TS ist wahr," setzte er träumerisch lächelnb, sich mit ber rechten Hanb bie Stirne betupfenb, hinzu, „mich plagten und plagen noch mitunter verteufelte ElfindungSträume, die mir mit einem Male viel, sehr viel Geld eintragen sollten, aber seit ich Emilie im Frühjahr auf einer Omnibustour kennen lernte, verblaßt neben dem Glück, sie zu besitzen, alles Andere. Meine Flugmaschinen, selbstgehende Pumpen, alleinfahrende Wagen, kurzum Alles, worüber ich brütete, um zum Glück zu ge« langen — alles das finde ich in ihrem Besitze noch unendlich übertroffen. Doch die Zeit verstreicht, ich muß mich beeilen, will ich zur verabredeten Zeit au Ott und Stelle fein.*
Nach diesem Selbstgespräch verpackte Meister Wandel seinen Schatz wieder in den Beutel und schob denselben in seinen früheren Beesteck, ordnete noch Dies und Jenes, fog dann noch mit Entzücken die vier Schläge der neuen Uhr ein, welche seinem Ohr die erhabenste Musik dünkten, und betrat endlich in gehobener Stimmung, stolz, zum ersten Male in feinem Leben aus Freierssüßen zu gehen, die Sttaße.
Im vollsten Gefühle feines SelbstwertheS, keck den Cylinder auf das emporgeworfene blond gelockte Haupt gestülpt, schritt der Heirathskan^idat seinem Ziele zu, während er mit vornehmer Tournüre den extra dazu gekauften BambuSstock mit weißer Krücke und Zwinge unaufhörlich die wunberlichsten Figuren beschreiben ließ.
Der Budiker, bei dem sich Meister Wandel schon über zwei Jahre restaurirte, und mit welchem er auf vertraute-
Die Klktdermühle.
Humoristische Erzählung von C. Stimmet.
Herrn [2872
Deutsche» Reich.
— Berlin, 25. Ncv. Heute Mittag 1 Uhr hat ein Ministerrath unter dem Vorsitze des Füisten-ReichSkanzler stattgefunben. — Die Entscheibung in Betreff ber Pariser Weltausstellung von 1878 schließt eine Verantwortung in sich, welche bie Reichsregierung — bmch mancherlei Wahrnehmungen ber letzten Tage belehrt — mit ber Reichsvertretung zu theilen sich beeilen wirb. Unter solchen Umständen war eS natürlich, daß man im Reichstage von einer Interpellation, als der in diesem speziellen Falle
(4- 11,908,040 Mk.).
In der Woche vom 12. bis 18. November 1876 find in den deutschen Münzstätten geprägt worden: Silber- wünzen: 5 Markstücke 303,730 M., 2-Markstücke 3,825,536 Mk., 50-Pfennigstücke 833,850 M., 20. Pfennigstücke 278,135 M.; Nickelmünzen 10-Pfennigstücke 37,488 M., 5 Pfennigstücke 8 020 M.; Kupfermünzen: 2 Pfennigstücke 3,168 Mark. Die Gesammt - Prägung beträgt demnach 1.430,552,900 Mark Goldmünzen, 356,811,909 Mk. 90 Pf. Silbermünzen; 35,149,279 Mk. 45 Pf. Nickelmünzen; 9,303,594 M. 51 Pf. Kupfermünzen.
Mittheilungen von verschiedenen Seiten stimmen mit der nach der der Times gemeldeten telegraphischen Nachricht überein, wonach Fürst Bismarck dem Marquis Salisbury erklärt habe, Deutschland werde neutral bleiben. Nach ber Köln. Zeitung lautet die bezügliche Depesche, Fürst Bismarck habe den Marqais der friedlichen Gesinnungen Deutschlands versichert, Deutschland werde im Kriegsfälle allseitig freundliche Neutralität beobachten. Der Reichskanzler hoffe Friedenswahrung, habe jedoch Salisbury bie Bedrohlichkeit ber Lage nicht verhehlt. Nach dem Daily Telegraph versicherte Fürst Bismarck SaliSbmy der freundlichen Gefühle Deutschlands gegen England; aber Familienbande, innige Beziehungen und Dankbarkeit verböten ein aktives Zusammengehen mit England oder selbst Rathschläge an Rußland. Deutschland werde jedweden Friedensschritt Englands unterstützen, aber im Kriegsfälle strenge Neutralität einhalten und einer Besetzung türkischen Gebiets durch russische Truppen nicht entgegentreten. Hiermit übereinstimmend meldet die Weser Zeitung: In Betreff der SaliSbmy'schen Mission vernimmt man, daß bie Reichsregierung ihre neutrale Haltung auf keinen Fall aufzugeben gedenke. Deutschland würbe nicht interveniren, selbst wenn türkisches Gebiet temporär besetzt werben sollte.
noch eine volle Stunbe zum Ankleiden und Bewundern seiner neuen Herrlichkeiten.
„Ei ei," monologisirte Wandel, indem ein kindlich- fröhliches Lächeln fein intelligentes Gesicht verklärte, „waS wird mein Mütterchen zu so stolzem Reichthum sagen; sie hat dergleichen noch nie gesehen, denn in unferm Hommerschen Heimathsdorfe find selbst des Schulzen Sachen hiergegen Bombast. — Schade nut, daß der Vater schon so früh von dieser Erde mußte, sie hätten beide hier so gute Tage verleben können, denn unbezweifelt wird Emilie, sobald sie erst meine Frau ist, meiner Alten viel Siebes und Gutes erzeigen. — Ich bin nur neugierig, was ihre Mutter, welche mich heute zum ersten Male sehen wird, zu ihrem zukünftigen Schwiegersohn sagen mag. Na, bet häßlichste Kerl bin ich noch lange nicht," setzte er, ben Knoten feiner Cravatte vor dem Spiegel kokett über bem Chemisett otbnenb, hinzu. „UebrigenS habe ich bie Gewißheit, meiner Emilie zu gefallen, unb bas, dünkt mich, ist bie Hauptsache. — Ein allerliebster Tisch," fuhr er fort, die gewundenen Füße dieses Möbels behutsam mit den Fingern überstreichend, — „mein Schätzchen wird sich nebst Frau Mama bei ihrem Gegenbesuch wundern, bei mir Alles so elegant zu finden. Apropos! ich will doch gleich sehen, wie viel mir von meinen Ersparnissen noch zur Bestreitung ber bevorstehenden Hochzeitskosten übrig blieb."
scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für bas Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jluftrtrte» LountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 'k\ Mark, durch die Postämter des Deutschen SieicheS 2 Mark 50 Pf», (eil. Bestellgebühr). — JnfertionSgebübr für die gespaltene Zelle 10 Pf».
Für in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.
1. Liebhaber denkt!
In einet der Hoswohnungen eine» anständigen Hauses
Lagetderichk.
Der „Reichanzeiger" enthält Folgendes: „In öffent- ßhen Blättern ist neuerdings die Behauptung aufgestellt neben, daß der gesammte preußische Episkopat gegen das ßksetz Übet die AusstchtSrechte des Staats bei bet Vet- HgenSverwaltung in den katholischen Diözesen vom 7. Jini b. I. bei ber königlichen Staatsregierung Protest iihoben habe, unb ;baß sich biefem Proteste auch bie aus hrew Amte entlaßenen früheren Bischöfe, sowie bie sämmi« Gen Domkapitel angeschloffen hätten. Dem gegenüber A daraus hingewiesen, daß seitens eines Domkapitels bet tzniglichen Staatsregierung ein betattiger Protest überhaupt nicht zugegangen ist, von ben Bischöfen re. bet preußischen Monarchie und von den auS bem Amte entlassenen chemaligen Bischöfen re. haben einige die unten abgebruetten Schreiben an die königliche Staatsregierung gerichtet. Daß tiefe Schreiben, in denen gegen ein verfassungsmäßig zu Stande gekommenes und gehörig publieirteS Staatsgesetz Verwahrung eingelegt wird, nicht anders behandelt werden tarnten, als daß sie lediglich zu den Akten genommen Mden, versteht sich von selbst. Immerhin ober ist es
ohne Jnteteffe, die Verschiedenartigkeit der Behänd- "MchLnz zu beobachten, welche die einzelnen Protesterheber ber haben angebeihen laßen." Zu biefem Zweck veröf« 37”. ' Rtlicht da» amtliche Blatt die Schreiben ber Bischöfe taube« M- ehemaligen Bischöfe von Limburg, Etmlanb, Kulm, Hildesheim, Fulda, Paderborn, Münster und des ehe« maligen Erzbischoss von Posen unb Gnesen. Die Mitteilung beS Wortlautes müßen wir unS aus räumlichen ihonigS Miksichten versagen unb beschränken unS baranf, mdshutsat zu konstatiren, baß bie Bischöfe von Limburg, len Ermlanb, von Köln unb Hildesheim unter Vetwah-
Dabei zog EliaS aus ber Kachelofenthüt, für ben Sommer das gewöhnliche Versteck feiner Habe an Baarem, ein leiblich straffes Beutelchen hervor unb zählte auf bem Schnupftuch, welches er vorsichtig auf die blankpolirte Platte des TifcheS gebreitet, bie Summe von achtundneunzig Tha- lern in lauter neuen, blanken Einthalerstucken auf. „Zum »»,»«,»»«»»», »>■» um wuiytui « auj verrraure«
Henker l" rief er fröhlich bie Hände reibend unb leuchtenden stem Fuße stand, befand sich zufällig beim Pafstren feine« Auges ben Schatz betrachtend, aus, „es giebt Leute, dies Stammgastes vor feiner Kelletthür, erschrack aber ob ber weniger zum ersten Anfänge besaßen, al« ich, EliaS Wan- ■: vornehm kalten Erwiederung seine« Gruße« derartig, daß
^ihre bischöflichen Aemter frei zu verwalten, zur Ausführung!5,970 Mk.); zwischen 50 und 100 Mk. 879,501 Mk. deS Gesetzes nicht mitwirken zu können. |(-f- 20,670 M ); zu 100 Mark und darüber 957,558,629
Offiziös wird betont, daß der Mitlheilun^ über eine dem BundeSrathe gemachte Vorlage wegen Abänderung einiger Reichs Wahlbezirke von mehreren Blättern eine höhere Be beutung zugeschricben worden sei, als dieselbe thatsächlich besitzt. Es handelt sich keineswegs um eine umfaßende Revision ber Reichswahlbezirke, sondern nur um vereinzelte Aenderungen, bereu Bedürsniß sich in bringenber Weise geltenb gemacht hat.
Der BunbeSrath hat in, feiner Sitzung vom 18. v MtS. beschloßen: in Erweiterung beS Beschlußes bes BundeSrathS, § 476 ber Protokolle von 1874 unb § 440 von 1875, zu genehmigen, baß bie Denaturirung von Ge- werbebestellsalz mit Petroleum, Kienöl ober mit jenen Dena- turirungSmitteln, bereu Anwendung nach ben Bestimmungen vom Jahre 1872 über bie Befreiung beS Vieh unb Ge« werbesalzeS von ber Salzabgabe Ziffer 2c. ausnahmsweise mit Genehmigung ber Direktivbehörben erfolgen kann — unter ber Bebingung in ben Salinen zugelaffeu werbe, baß bas auf die angegebene Weise benaturirte Gewerbe« bestellsalz schon auf ber Saline amtlich verschloßen unb mit einem von bem betreßenben Salzsteueramte auözufer tigenben Transportscheine, in welchem Anzahl, Verpackungsart, Gewicht ber Kolli unb thunlichst kurze Gestellfrist anzugeben ist, versehen, unb daß am Bestimmungsorte bie Prüfung unb Abnahme beS Verschlußes burch einen Steuer beamten bewirkt werbe, unter beßen Aussicht baS Salz in ben Gewerberäumen be« Empfänger« ausgeschüttet werden muß
Die Zölle und gemeinschaftlichen Verbrauchsteuern, sowie andere Einnahmen im deutschen Reich haben für bie Zeit vom 1. Januar bis zum Schlüße bes Monats Okt. 1876 gegen den gleichen Zeitraum beS Vorjahres folgendes Er- • gebniß geliefert: Zölle unb gemeinschaftliche Verbrauchssteuern 193,284,936 Mk. (+ 2,218,809 Mk), Wechsel« stempelsteuer 5,721,917 Mk. (+ 320,059 M.) Post- unb Teiegraphcnverwaltung 95,382,407 Mk. (-s- 2,192,997 Mark), ReichSeisenbahn • Verwaltung 25,952,176 Mark (+ 395,133 Mk.) Die Einnahmen beS laufenben Jahres ber Reichseifenbahnverwaltung ist nach proviforischen Ermittelungen, biejenige bes Vorjahres nach ben befiniliven Feststellungen angegeben.
- Am 31. October 1876 finb an Banknoten im Umlauf [ gewesen unb zwar: in Werthbeträgen zu 50 Mark unb , barunter 584,979 M. (gegen ben September weniger
nmg gegen bie einseitige Beschränkung ber Rechte bet habend Drche in mehr ober weniger entgegenkommender Form . ihre Mitwirkung bei bet Vollziehung des Gesetzes zusagen. Untep BisthumSverweser von Fulda beschränkt sich auf einen liirjen Protest, und die ehemaligen Bischöfe von Pader» leftn Bern, Münster unb ber ehemalige Erzbischof von Gnesen fcrtft hnb Posen erklären, auch wenn sie in bet Sage wären,
inftrllnnnpn für ben Monat Dezember |r|UUUUj|lll werden ans die „Oberhes. ßsche Zeitung" mit ihrer Gratisbeilage II- Mrirtes Sonntagsölatt sowohl von allen Post- gistalten (aus dem Lande von den Landpostboten) g auch von der Unterzeichneten entgegenge-
btt Jägerstraße zu Berlin befanb sich bet Inhaber bet- , Herr Kleidermachermeister EliaS Wandel, in einem mentan sehr glücklichen Zustande. Mit vor Freude ge- chetern Gesichte machte derselbe vor einem funkelnagelneuen trümeau Toilette, aber nach jedem einzelnen Stücke, wel- ö mit lht» et derselben hinzufügte, blieb et in langen Zwischen erlorra Mm bald vor diesem, bald vor jenem Möbel seines -r Exp seinen, nur aus Stube und Kammer bestehenden Domizils, [2874 W6nd unb prüfend stehen, indem er bald die Politur, --" :^lb bie feine Zusammensetzung unb Verzierungen seiner, c-t au« einem Ei geschälten Ausstattung betrachtete.
-Der junge, sechsunbzwanzig Jahre zählenbe Mann, Trzvr. ^z^igeS unb angenehmes Aeußete burchaus nicht 8rde. einen „Ritter von ber Elle" schließen ließ, hatte bazu feinen Grunb; benn wenige Stunden früher, ehe der Möbelwagen vor ber HanStbür hielt, befand sich in dieser Sam- s Häuslichkeit nichts weiter, als die jetzt in den bfe teften W nkel bet Kammer plccirte Pritsche, b. h. ber ( Ahneibertisch, unb bie beiden an demselben lehnenden wai ‘ — Urn Holzstühle, sowie eine mit Gewalt zertrümmerte licatbt f^Eätte, deren Wutmstaßstaub noch in langen Streifen Dielen zierte.
—7* Toilette des augenscheinlich im höchsten Frohsinn
1810- jMebenden Manne« ging deßhalb auL nur sehr langsam
1 statten, aber das blanke Porzellanzifferblatt der netten ^duhr, deren ism ungewohntes „Tiktak" alle Sekunden ie Blicke dorthin zog, zeigte auch erst auf drei Uhr, »tenb er feine erste Visite bei ber zukünftigen Schwieger- auf vier Uhr bestimmt hatte. Ihm blieb mithin