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Jllorßucg, Sonnabend, 25 November 1876.

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Die Exp. d. Oberh. Zeit.

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(Verlag von Sam. Lucas in Elberfeld.)

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sorgfältig erwogenen Gründen, und weil er seiner Natur, Erziehung und Erfahrung nach nicht anders kann, aus feinem Kopfe besteht, so möchte man das ganz gern in Den Kauf nehmen, ohne Hoffnung auf ein Resultat mit ihm streiten, nur weil er eS ist unv, weil man sich in Dem einen und dem andern Punkte vielleicht selbst gern überzeugen ließe.

Denn daS merkt man dem Manne aus jeder Zeile seines Buches heraus an, daß er sich trotz mancher Er- fahrung und Enttäuschung, trotz seines etwas grübelnden Wesens recht wohl befindet, wohl selbst dann, wenn er viel allein ist mit seinen Gedanken, in gewisser Hinsicht sogar wohl in solcher Gesellschaft und in solcher Umgebung, die mit seinen verfeinerten Sinnen und seinen aristokratischen Gewohnheiten übel zusaMmenstimmen. Er philosophirt sich dann geschickt au- der Sinnenwelt hinaus, verallgemeinert den bestimmten Fall, rubricirt die gemachte Erfahrung und ordnet sie ein n die Schubfächer seines GedächtnißschreineS, und wenn er damit fertig ist, so weiß er besonnen mit Rath und Thal zur Hand zu gehen und ist um eine Er­fahrung und um ein schönes Gefühl innerster Befriedigung reicher. Wer möchte nicht, daß er das auch so könnte, und wer, der es nicht kann, möchte nicht aus diesem Grunde, daß er sich von dem Autor in vertrauterem Umgänge, im lebendigsten ZdeenauStaufch zu jenen Welt unv Menschen- AnsHauungen bekehren lasten dürste, die diesem so viel innere Selbstbefriedigung schaffen?"

Dm Leiern derPlaudereien" und derRandglossen* würde es sicherlich auch keine große Ueberwindung kosten, die Bekanntschaft des ihnen trotz aller Meinungsverschie­denheit lieb gewordenen Schriftstellers zu suchen; sie wer« den alle überzeugt sein, daß sie nicht nur höflich, sondern herzlich empfangen werden würden, sobald sie sagten, daß eS ihnen ernst sei um daS Leben, ernst um ihre Pflicht

liyeigen nimmt entgegen: die «rpebitio* d. Blattes sowie die Annoncen-Bureout von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frantfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Siete» meyer in Bettln; Carl Echüß- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

gestern in unseren telegraphischen Depeschen mittheilten) auffallend, daß Beaconsfield 8 Tage nach den Aeußerungen des Kaisers Alexander gegen LoftuS noch seine bekannte Rede in Guildholl halten konnte. Auch sei es seltsam, daß die erwähnte Depesche des Lord Loftus 20 Tage lang der Oeffentlichkeit vorenthalten worden sei. In den Vorder­grund treten jetzt die sogenannten eilf russischen Punkte, welche Rußland der Conferenz in Konstantinopel vorlegen wird. Dieselben sind nach dem Pester Lloyd: 1) Allge­meine und strenge Entwaffnung der Muselmannen und Christen in Bosnien, der Herzegowina und Bulgarien. 2) Ausschließung aller nicht eingeborenen Beamten von jeder öffentlichen Funktion und die Einführung deS abso­luten Prinzips der Erwählung der Beamten durch die Gemeinden. 3) Errichtung einer Miliz und einer lokalen Polizei (ZaptiehS) mit Betheiligung der Christen am Dienst, wobei das numerische Zahlenverhältniß bei den Bevölkerungen als Grundlage für die Einreihungen anzu nehmen ist. 4) Zurückziehung der türkischen Truppen in Festungen und in voraus gewählte und bezeichnete Ort» schäften, um jede Berührung der Truppen mit der Bevöl­kerung zu vermeiden. 5) Gänzliche Aushebung der Irre­gulären Truppen und Zurücksendung ter Tscherkessen in die muselmännischen Provinzen deS Reiches. 6) Abschaffung der Veipachtung deS Zehnten und progressive Umwandlung des Zehnten in regelmäßige Steuern mit Repartirung der Steuer durch die Kontribuenten selbst. 7) Einführung und Gebrauch der lokalen Sprache in der Administration und in den Gerichten. 8) Zuziehung kompetenter Männer zur Konferenz, welche Andeutungen zu geben hätten, über die in der Administration vorzunehmenden Reformen. Was Bulgarien betrifft, würde das Exarchat den Arbeiten der offiziellen Räthe prästdiren. 9) Ernennung eines christ­lichen , aus Eingeborenen gewählten Gouverneurs in jeder der drei Provinzen. Der Gouverneur wäre durch die ottomanische Regierung zu ernennen mit Zustimmung der Mächte. Die FunktionSdauer dieses Gouverneurs wäre 5 bis 10 Jahre, ähnlich wie auf dem Libanon. 10) strenge Untersuchung über alle begangenen Greuelthateu und scharfe Bestrafung aller Derer, welche schuldig be­funden würden. Ferner eine Entschädigung an die Fami­lien, welche unter den Folgen der eingetretenen Ereignisse gelitten haben. 11) Einsührnng einer direkten, durch eine Konsulat-Kommission ausgeübten Controle, um die Aus­führung alles dessen zu überwachen, was im Obigen er­wähnt ist. Der Brüsseler Nord bezeichnet dieses Pro­gramm als bis auf einige Abweichungen den thatsächlichen Intentionen Rußlands entsprechend. Rußland werde na­türlich für die Annahme dieses Programms eintreten; in« deß halte es daffelbe nicht für durchaus unabänderlich. Namentlich gelte dies von der Okkupationsfrage.

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«uS Berlin wird vom 23. d. MtS. telegraphisch ge- ndbet: Marquis SaliSbmy hatte heute Vormittag eine lagere Unterredung mit dem Fürsten BiSmarck in dessen Dehnung und wurde um 1 Uhr vom Kaiser empfangen; die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Nachmittags gegen 3 Uhr nahm der britische Minister in seinem Absteige- Quartier, .Hotel Kaiserhof", den Besuch deS Reichskanz InS entgegen und wird auch bei Letzterem biniren.

Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten hat sich in einem Circular-Erlaß vom 8. d. M. damit einver­standen erklärt, daß den Bezirksregierungen und beziehungS- weise Konsistorien, nicht allein die Entscheidung über An­träge von ehemaligen Seminaristen auf gänzlichen oder thrilweisen Erlaß der auf Grund von Ausnahme-Reversen m leistenden Rückzahlungen, sondern auch den Beschluß Über die Einklagung der Rückzahlungen zu Überlassen ist wd von dem Provinzial-Schulkollegium nur die Ausnahme- zkverse sowie die Beträge der zu beanspruchenden Rück­zahlung witzutheilen sind.

Der Reichskanzler hat bei dem Reichstage mittelst Schreiben vom 1. und 6 d. Mts. die Ermächtigung nach- aesucht: 1. zur strafgerichtlichen Verfolgung der in dem Artikel .Tagesbericht" der Nr. 519 derBremerhafener Zeiiung" vom 25. Mai 1876 enthaltenen Beleidigung des Reichstages; 2. zur strafrechtlichen Verfolgung des Bild jauerS Kersten zu Dürrenberg; 3. des Schriftsetzers A. Heinfch; 4. deö BanquierS Clemens Lemmerzahl zu Saal­seid und deS Pfarrers Gustav Adalbert Leonhardt zu Hoheneiche bei Saalfeld, wegen Beleidigung des Reichs­tages. Die GcschSftSordnungSkommifston des Reichstages wird über diese Angelegenheit demnächst mündlichen Bericht «statten. Der Antrag der Kommission geht dahin: Der Reichstag wolle beschließen, die Ermächtigung zur straf- nchtlichen Verfolgung nicht zu ertheiien.

Der brüffellerNord" bespricht die Depesche deS eng­lischen Botschafters Lord LoftuS und findet es (wie wir

Dnltsche» Reich.

Berlin, 23. Nov. lieber die Beteiligung Deutsch­lands an der Pariser Weltausstellung bringtDie Gegen­wart" einen Artikel, dem wir folgende Bruchstücke entiuchinen: Unsere Nachbarn jenseits der Vogesen vergeffen schwer. Die Erinnerung an den großen Erfolg der letzten Pariser Weltausstellung ist frisch im Gedäptniß aller Frcuizosen, und sie sprechen noch heute und häufig von den Tagen, wo alle Großen und Mächtigen der Erde sich in Paris Rendezvous gegeben hatten, um dem Kaiser und seinem Hofe, der Hauptstadt und ihrer Bevölkerung und damit ganz Frankreich ihre Huldigungen darzubringen. Die Fran­zosen waren damals liebenswürdige, zuvorkommende, freund­liche Wirthe; jeder Gast war der besten Ausnahme sicher. Die Franzosen haben nicht gelernt, daß Weltausstellungen seit 1867 in der öffentlichen Meinung gesunken sind. Man bildet sich ein, daß der Nichterfolg, den die Oesterreicher und die Amerikaner zu beklagen haben, nichts weiter als eine Folge von Ungeschicklichkeit sei, deren man sich in Frank­reich niemals schuldig machen würde. Paris, so glaubt man, hat feine alte Anziehungskraft nicht verloren, und man rechnete bis vor Kurzem mit vollständiger Sicherheit darauf, daß eine Einladung von Paris an die Welt, nach der Hauptstadt Frankreichs zu kommen, um dort ein großes friedliches Fest zu feiern, von allen gebetenen Gästen mit Dankbarkeit angenommen werden würde. Die Zurückhal­tung, welche die deutsche Regierung dieser Einladung ent­gegenstellt, hat die Leute zum ersten Male etwas stutzig gemacht. Es fängt an ihnen klar zu werden, daß ein Fest, dessen Unkosten der Gast und nicht bet Wirth bezahlt, eigentlich mehr von jenem als von tiefem gegeben wirb, unb daß Erkenntlichkeit dafür, wenn davon überhaupt die Rebe fein soll, eher dem bezahlenden Gaste als dem Wirth gezollt werden sollte. Wenn man sicher fein könnte, daß die Annahme dieser Einladung zur schnelleren Wiederher­stellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland unb Frankreich beitragen könnte, so wäre es gerathen, bie Stimme beS seit Jahren verletzten NationalgesühlS zum Schweigen zu bringen; aber angesichts beS vollständigen Mißerfolges, den deutsches Entgegenkommen bisher in Frank­reich gefunden hat, würde blinder Optimismus dazu ge­hören, um sich von der Beschickung der Ausstellung ans Deutschland ein solches Resultat zu versprechen. Daß der französischen Preffe die Verantwortlichkeit dieser Sachlage mehr zuzuschreiben ist, als dem großen, anständigen Publi­kum, soll nicht in Abrede gestellt werden, ändert ober an dem Zustande, wie er einmal ist, absolut nichts. Wo Freundschaft kühl zurückgewiesen wird, da soll man sie nicht aufbtSngen wollen. Ein Mann, der sich achtet, geht nicht über die Schwelle eines Hansis, wo man ihn ungern sicht, selbst wenn man ihm dort, bei Gelegenheit irgend eines

Gegentheil man wünscht sich die Gelegenheit dazu recht sehnlich herbei; denn man empfängt durch das Buch den Eindruck, als ob sich's mit feinem Autor recht gut streiten ließe, besser noch als mit dem Buche selbst, das trotz sei­nes leicht dahin fließenden (wir nehmen die Citate aus) PlaudertoneS im Thema oft rascher abbricht, als der Leser es wünscht. DaS ist eine Seltenheit heut zu Tage, und wenn der Verfaffer erzählt, daß er die Wahrheit des- the'schen Wortes:

Aus einer großen Gesellschaft heraus

Ging einst ein stiller Gelehrter nach Haus.

..Man fragte: wie seid ihr zufrieden gewesen?

Wären's Bücher,"" sagt er,ich würd' sie nicht lesen" aus eigener Erfahrung kennen gelernt habe, ebenso aber auch das Gegentheil und froh sei, daß er manchem Autor M seinem Schlafrock und seiner Brille mit seinen Pantoffeln, u. Schrullen UnsehlbarkeitSanwanblungen nicht leibhaftig vor sich zu sehen brauche, so hat er das getrost niederschreiben dürfen, denn aus seinem Buche gewinnt man den Eindruck, als ob man nicht nur den Autor gern leibhasiig vor sich sehen möchte, sondern dann auch um veS Autors willen um so lieber zu seinem Buche zurückkehren würde.

Allerdings sagt man sich auch, daß es nicht leicht sein dürfte, einen Gerhard von Amyntor von seiner einmal ge­faßten Meinung abzubringen, denn er spricht dieselbe mit einer solchen Bestimmth it aus, bleibt sich immer so gleich und zeigt sich stets so entschieden als der Gleiche, daß man sich auf einen harten Kampf ohne große Resultate gefaßt macht. Weil aber die Persönlichkeit, wie sie uns aus dem Buche entgegentritt, trotz ihrer entschiedenen uns in sich geschloffenen, zuweilen sogar etwas absprechenden Wesen«, einen so angenehmen Eindruck, den Eindruck eines Mannes macht, der es überall ernst mit sich und der Welt nimmt, nut aus tiefster Ueberzeugung lobt und tadelt, nur aus

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Ache Zeitung" mit ihrer Gratisbeilage II- Mrirtes Sonntagsölalt sowohl von allen Post- Aalten (auf dem Lande von den Landpostboten) tfö auch von der Unterzeichneten entgegenge-

j von Amyntor, der vor einem Jahre die feine hatte, seinen nicht mit ängstlicher Treue bet Samt nachgebildeteten aber auf genauem Studium der Hatur beruhenden Schilderungen auS allen Kreisen der Gesellschaft von vorn herein die Schärfe dadurch zu neh­men, daß et sieHypochondrische Plaudereien" betitelte, 'tritt mit einer neuen Sammlung ähnlicher origineller Silber vor daS Publikum. Er hätte sein neues Buch recht gutReue Hypochondrische Plaudereien" oderHypochon­drischer Plaudereien neue Folge" nennen und so die Qual brr Wahl sich spaten können, von der et in bet Vorrede erzählt; denn in bet That sind seineRandgloffen zum Suche des Lebens' eine Fortsetzung bet Hypochondrischen Plaudereien", die übrigens auch recht gut unter dem Titel tötten erscheinen können, den das neue Buch trägt. Die Klaubereien* warenRandgloffen zu den Ereigniffen n. htnnenben Fragen" in be« Verfassers unb unser aller Leben, Erklärungen dunkler Textstellen im Lebensbuche, nicht launer erschöpfend, sondern häufig uur plaudernd den Weg ibeutenb, auf welchem in letzter Instanz alle Disionanzen saferer kampfreichen Existenz in einen volltönenden Accotd aufgelöst werden können," zuweilen auch nur einfache Schilderungen deS gesellschaftlichen Lebens, mit Frage­zeichen versehen deren Lösung dem Leset überlasten ^otbe. Unb genau daffelbe find auch bieRandglossen jedeusallS keine üble Empfehlung ist. Wer bie «Plaudereien* gelesen, wirb sicherlich auch zu benRand tfoflen* greifen unb sie mit voller Befriedigung au8 bet Hand legen.

Nicht als ob man nicht oft versucht wäre, mit dem «rsaster über diesen ober jenen Punkt zu streiten; Im

fjuetsen nimmt entgegen: rteptbttio* b. Blatte«, "L, bie Annoncen-Bureaux A rtz. Dietrich & So. in Lfitl und Hannover; Th- ^ttch in Frankfurt a- M-; Lefenftein & Vogler in Otfurt a. M, Berlin, Leip- Slfiöln rc; Rudolf Moffe Jjjttlin, Frantfutt a. M. rc.

attcheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlustrirteS LonutagSblatt" durch die Expedition (5toch sche Buchdruckerei) bezogen 24 Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Wart 50 Pf«, (eil. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zette 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Äbreffen werden 25 Pf«, berechnet.