damals jdjon ein reicher Mann, denn einige Jahre vorher hatte er auf seinem Grund und Boden ein sedr auSqiebi geS Kohlenlager entdeckt, was schon lange ein Bedürsniß für jene Gegend gewesen war. Er nahm die kleine Emilie zu sich und bald hing er mit ganzer Liebe an dem Kinde. Er adoptirte dasselbe und ließ eS sorgfältig erziehen, aber der Tod ereilte ihn, als die Kicine erst zehn Jahre alt war. AIS vorsichtiger Mann hatte er aber ein Testament gemacht und mich zum Bormund seiner Tochter eingesetzt."
Peter Karpe ergriff bei diesen Worten den blechernen Kasten, öffnete tenselbcn und fuhr fort:
„Der Augenblick ist nun gekommen, wo ich wich für verpflichtet halte, über die Verwaltung des Vermögens meiner Mündel Rechnung abzulegen, denn etwas," fetzte er pfiifig lächelnd hinzu, „wird Emilie Ihnen doch milbringen, junger Herr. Hier ist eine beglaubigte Abschrift des Testaments, hier ist meine Rechnungslegung und wenn ich es mir recht überlege, habe ich doch niLt so übel gewirthschastet, denn eS bleibt noch ein Baarbestand von 100,000 Thalern, die in guten Papieren angelegt sind."
Unser alter Freund lehnte sich am Schluffe seiner Worte in seinen Scflel zurück und blickte Viktor mit seinem ehrlichen Gesicht an, wobei er nach seiner bekannten Welse schlau mit den Augen blinzelte.
Dieser konnte sein Erstaunen and seine Bewegung nicht verbergen.
„Ich hatte keine Ahnung davon, daß Emilie eine so reiche Erbin sei," ries er betheuernd, „jede Habsucht war wir fern, meine Liebe ist bis zu diesem Augenblick eine völlig uneigennützige geblieben." .
„Das weiß ich," sagte der alte Herr, „und so mußte eS auch sein, wenn ich die Ueberzeugung gewinnen sollte, daß Sie hier mein liebes Kind glücklich machen würden. Freilich," fügte er binzu, „der erste Eindruck ist der beste und einen guten Eindruck machten Sie von Anfang an aus uns. Aber geprüft und beobachtet habe ich Sit doch noch das g nze Jahr hindurch, doch Sic bestanden in
harter und redlicher Arbeit und diese bildete allein den Weg zurr Glück." —
Die Gräfin von Buttstädt empfing die Anzeige von der Verlobung ihres Neffen auf dem Krank, nbetle; sie ver» weilte noch immer in Südoeutfchland. Ihre Kräfte hatten sehr abgenommen und ernst und still lag sie auf ihrem Lager, die Blicke von der Welt abgewendet, der sie einst so zugeihan gewesen war. Ihr Herz hatte fich Gott zugewendet und ein anderer Sinn war über sie gekommen; sie empfand das Bedürfni, im Frieden mit den Ihrigen die irdische Laufbahn zu beschließen und so empfing Viktor nach etwa vierzehn Tagen die Ai zeige von dem erfolgten Tode seiner Tarte und zugleich die Mitiheilung, daß sie ein Testament hinterlaffen habe. In demselben war. unser Bekannter zum Universalerben eingesetzt, außerdem hatte aber auch die Verblichene ihrer Pfl gerin, Helene von Ahlsfeld, bis zu deren Tode eine erhebliche Leibrente ausgesetzt.
Als Herr von Bodongen von seiner Hochzeitsreise mit seiner jungen Frau zurückgekehrt war, sagte er eines Tages zu derselben:
„Das Glück, Dich gefunden zu [haben, meine theure Emilie, wünsche ich durch ein gutes Werk zu verewigen. Das alte Schloß steht jetzt leer und ich glaube, Du wirst eben so wenig wie ich daS Verlangen hegen, daffelbe zu bewohnen."
„Du hast Recht, so manche Erinnerung knüpft sich daran, welche mich davon zurückhält."
„Nun, so will ich Dir einen Vorschlag machen. Laß uns daffelbe in ein Krankenhaus umwanbeln, es ist dies ein Beoürfniß für die hiesige Gegend, denn die Armuth ist mehr als zahlreich verlr.ten."
Emilie sank an die Brust ihres Gatten. „Du bist nur meinem Wunsche zuvor gekommen, die Ausführung guter Werke führt ja zur Glückseligkeit!"
Und der Segen Gottes ruhte auch in der Thal auf Leiden.
Bon blühenden Kindern umgeben, wurde ihnen noch bi»
Deutsches Reich.
— Berlin 22. Novbr. Das dritte Verzeichniß der bei dem deutschen Reichstage eingegangenen Petitionen enthält wieder eine ganze Reihe von Eingaben zur Eisenzollfrage, darunter 11 Petitionen im schutzzöllnerischen Sinne. Außerdem verdtenm folgende Petitionen hervorgehoben zu werden: Der evangelifche Pfarrer a. D. W. Feller zu Brandoberndorf bittet um Hinwirkung auf die baldige Ein führung einer gesetzlichen Leichenschau und um Erlaß verschiedener Gesetze zum Stütze von Leben. Der Uhrmacher Friedrich Galley zu Kottisch bei Pr. Stargardt, bittet ihm als dem wahren Berfaffer des LtedcS „Tie Wacht am Rhein" eine angemessene Belohnung zukommen zu laffen. Der Senator a. D. Brill zu Nordhorn für die Grundbesitzer Groffe, Rammelkamp und Genossen zu Frensdorfer Haar und Brandlechter Haar überreicht durch den Abg. Windthorst, bittet, daß auf diplomatischem Wege dahin ge» wirki werde: a daß deutsche eheliche DeScendenten, welchen in den Niederlanden eine Jmmobiliarerbschaft ansällt, von der Erbschaftssteuer befreit werden und b. daß die Käufer derjenigen Immobilien, welche Deutsche in den Niederlanden besitzen, keine höhere Enregistrementsgebühren zu zahlen haben, wie die Käufer derjenigen Immobilien, welche Niederländer in Deutschland besitzen, an Stempelsteuer rc. zu zahlen haben. Der bleibende Ausschuß deS deutschen Handelstages zu Berlin, Beschleunigung der Durchführung der Münzreform betreffend. Die Schuhmacher zu Braunschweig, Nürnberg, Würzburg, Frankfurt a. d. O, München, Lüneburg, Pforzheim u. A. m, bitten dahin zu wirken, daß durch Einführung eines gesetzlichen NormalarbeitstagcS von zehn Stunden die Arbeitszeit festgcstellt und durch Rege lung bezw. Abschaffung der Zuchthaus und Gefängniß- arbett die für das Schuhmachergesa äst geradezu erdrückende Concurrenz beseitigt werde. Die Buchbinder und Fachge- noffcn zu Berlin und anderen Städten Deutschlands bitten auf eine gesetzliche Regelung der Zuchthaus- und Gefäng- nißarbcit in der Weise hinzuwirken, daß besagte Arbeiten künftighin nur in soweit betrieben werden können, als zur Deckung der Bedürsniffe der Strafanstalten und anderer StaaiSinstitute erforderlich ist, nicht aber zum Borthcilc von Privatunternehmern.
Königsberg 22 'Jioe. Die „Ostprcußische Ztg." veröffentlicht eine Bekanntmachung der ostpreußischen Südbahn, wonach |ür die Stationen der Moskau-Brester Bahn der Frachtgutverkehr via Protiken Grajewo wieder freigegeben wurde.
Arolsen, 20. Nov. Zur Feier der Verlobung der
Prinzessin Marie mit dem Prinzen Wilhelm, künftigen Thronfolger in Württemberg, war gestern Abend großer militärischer Zapfenstreich und Muflkständchen vor dem Ristdenzschloffe. — Auch ist der Herzog von Nassau mit seinem Sohne zur Beglückwünschung des hohen Brautpaares, hier eingetroffen. — Seit heute Mittag weilt der Oberpräsident von Ende nebst dem Provinzialschulrath Kretschel hier. Herr von Ende confcrirte Nachmittags längere Zeit mit dem Landesdirektor v. Sommerfeld, ver- muthlich in Angelegenheit des AccessionSvertragS. (H M.)
München, 21. Nov Der „Allg. Ztg" wird offi- ciöS aus München gcjchrieben: „Die Nr. 321 Ihres Blattes hat eine Erklärung deS Reichstagsabgeordneten Jörg gebracht, worin derselbe bei seiner Behauptung bezüglich einer im Jahre 1871 von dem damaligen bayerischen Minister deS Aeuß rn Grasen von Bray Steinburg, angeblich getbanen Äußerung bezüglich eines bevorstehenden deutsch-russischen Krieges beharrt. Demzufolge hätte Gras Bray in einer hochaichligen Angelegenheit seinen damaligen entschiedensten politischen Gegner zu seinem Vertrauten erwählt und ihm — man sieht, mit welchem Erfolge — geheime Eröffnungen gemacht, von denen, soweit wir wissen er weder seinen Collegeu im Ministerium, noch irgend einem seiner übrigen politischen Freunde je ein Wort gejagt Hail Dazu kommt, daß er damit, alS erstes Ergebniß der von ihm kurz zuvor mitunterzeichneten Versailler Verträge einen neuen Krieg verkündete, deren Geg nern die entschiedensten und wirksamsten Argumente selbst geliefert haben würde. Bei näherer Erwägung muß sich deshalb der Abg. Jörg wohl selbst sagen, daß er falsch gehört hat und daß, wenn vor fünf Jahren zwischen ihm und dem Grafen Bray von dem Verhältnch Deutschlands zu Rußland die Rede war, letzterer sicherlich das gerade Gegentheil von dem geäußert hat, was der Herr Abgeordnete vernommen zu haben glaubt." — ES erregt hier ei nigeS Aufsehen, daß daS Ministerium des Aeußern — von dem obiges Schreiben offenbar auSgcht — für den Grafen Bray auftritt, der au? Herrn Dr. Jörg'S Erklärung eine weitere Antwort, die von vielen Seitrn erwartet wurde, nicht mehr geben mochte — Die Besetzung der beiden erledigten Bischofsstühle von Würzburg und Speiet dürfte sich nur. nach dem Vorgehen d>s päpstlichen Stuhles sehr in die Länge ziehen und die Administration bet betreffenden Diöeesen noch eine geraume Zeit fortdauern. Ein vom Ministerium inspiriiter Eorrespondent schreibt, daß in der Verweigerung deS DrSpenfes für den P. Am- brcS KaeS ein UrtheilSlpruch der Kurie liege, die dem ge-
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Marburg, Freitag, 24. November 1876.
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«gietgen nimmt entgegen:
^Expedition b. vlatteS,
r-ie die Annoncen-Bureaux Lfli Tb- Dietrich & Eo. in ».ad und Hannover; Th. dietrich in Frankfurt o. M.; E' -lein & Vogler in rt a. M, Berlin, Lrip- '.n rc; Rudolf Moste n, Frankfurt a. M. rc.
(lHeiWlche Ieilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die ©rpebitto« b. Blattes sowie bie Annoncen-Bureauk von G L. Daube & Eo. in Frankfurt a. M.' Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- meycr in Berlin; Earl Schätztet in Hannover; E. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JAnftrirteS LountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchbruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexl. Bestellgebühr). — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
AaseSbrricht.
Es ist aufgefallen, daß mit dem Fürsten Bismarck und ft« Marquis von Salisbury gleit! zeitig auch Herr von Pfretzschner, der bayerische Ministerpräsident und Vorsitzende id diplomatischen Ausschusses deS BundeSrathS, in Berlin „gelangt ist. Man wird nicht ohne Begründung an« nehmen können, daß die Reise des bayerischen Ministers nach Berlin mit Beweggründen hochpolitischer und diplomatischer Ratur im Zusammenhang steht.
Die Herren Danckelmann Direktor und Altum Professor der Zoologie an der Forstakademie zu Neustadt EbcrSwaloe, haben dem Reichstage Abänderungsvorschläge zu dem Gesetz- Entwurf bett, den Schutz nützlicher Bogelarteu zugehen hssen. Es find dies die beiden Sachverständigen, deren Zuziehung zu der Kommission für die Borbcräthung des Sesetzentwurfs betr. den Schutz nützlicher SBogelmten, im Reichstage gewünscht wurde.
Die von dem Generalfeldmarschall Grasen von Moltke im Jahre 1841 publizirten „Reisebriefe aus ter Türkei" »erden demnächst in einer neuen Auflage im Verlage von Rittler und Sohn in Berlin herausgegeben werden.
Im Zollgebiet des deutschen Reichs hat fich in der Zeit von Ende September vorigen Jahres bis August diese» Jahre» die Zahl der Rübenzuckerfabriken um zwei derwindert, dagegen wurden 28 Millionen Gentner mehr versteuert, als im vorigen Jahre. Im Jahre 1875 find im deutschen Grenzaussichtsgebiet 1288 Kontravenienten »griffen. Die Beschlagnahmen haben sich um 511 ver «ehrt, die Fälle deS unmittelbaren Einschmuggelns nut Ergreifung der Kontravenienten um 211. Von Bandenschmuggel find nur 15 Fälle zur Anzeige gekommen; auch ist nur 4ine und zwar leichte Körperverletzung eines GrenzaufseherS ‘«folgt
mer der, hie uh- ien- rks- lier
?2C., das
Der Telegraph brachte unS eine neue Kundgebung des Reifet 6 Alexander, welche an Bedeutung dadurch nicht vec- Itat sondern gewinnt, daß sie älteren Datums ist, als die «om Kaiser in Moskau und Petersburg gcthanen Aeuße- ningcn. Es handelt sich um eine Unterredung des Kaisers alt dem englischen Botschafter kurz vor der Abreise aus Livadia, welche Unterredung aus ausdrücklichen Wunsch des Kaisers zur Veröffentlichung gelangt ist. Das bezügliche Telegramm thei en wir unten unter „London" mit.
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erstell
Hafer etter Freund.
Erzählung von Carl von Kessel-
(Schluß).
„Aber Emilie ist von sehr niederer Herkunft, ihre Eltern waren nur Taglöhner."
Bei dieser Eröffnung gab fich bei Victor doch ein ßusdruck der Ueberraschung kund. Bald aber lächelte er bittet heiter und sagte:
„lUber solche Vorurtheile bin ich hinweg Die Erziehung macht den Menschen und der Adel des Herzens ficht mir weit höher als der Adel der Geburt."
„Sie glauben vielleicht daß ich scherze, meinte Karpe, .aber sogleich sollen Sie hören, daß ich die Wahrheit spreche. Emilie stammt ans Schlesien. Vielleicht werten Sie gehört haben, d iß vor etwa zwanzig Jahren dort der Hungertyphus herrschte?"
„Das ist mir allerdings bekannt."
„Besonder» großes Elend gab sich in den Weberbe- iirken kund, überall Lctcken, überall verlassene Waisen! Au alter Freund von mir, der jetzt längst in kühler Erde «ht durchwanderte diese Stätten des Jammers, um zu Helsen, so viel dies in seinen Kräften stand. In einer titftr Hütten traf er eine alte Frau, welche daS Elend Mn das Leben bereits ganz gleichgültig gemacht zu ha- ko schien und an ihrer Seite stand eine Wiege, in der
einjähriges Kind lag, daS jetzt beim Eintritt des ««den Mannes diesem lächelnd seine Aermchen entgegen- «eckte."
Emilie hielt ihr Taschentuch vor die Augen und Victor •tßtiff deren Hand und drückte sie warm.
„Diese kleine verlassene Waise," fuhr der Pächter fort •tot niemand Anders als Ihre jetzige Braut. Mein ’Öft biederer Freund fühlte sich wunderbar ergriffen. LS *<r ihm, als wenn ein Engel dieses arme hülflose Wesen Un zugeführt hätte und al» wenn Gott ihn selbst mahne sch Desselben anzunchmen Er war unverheirathet, aber