xi. Jahrgang.
Marburg, Mittwoch, 22 November 1876.
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Der Rath der evgltsch jüdischen Association in London hat beschlosien, sobald als möglich eine Konferenz von Ab» zesandten der hauptsächlichsten jüdischen Gemeinden in der Well einzuberufen. Dieser Konferenz wird die Aufgabe
Eine Steigerung der Zuckerpreise um 10 Pfd. Sterl. per Tonne, hauptsächlich dadurch verursacht, daß die Runkel rüden in Frankreich mißrathen, hat, wie der „Globe" schreibt, einem lange darniederltegenden englischen Industrie" Zweige, der Zuckerfabrikation, rechtzeitige Hülfe gebracht, viele Zuckerrafllnerien in London und vristol, die seit geraumer Zeit feierten, haben plötzlich lohnende Beschäl- tigung erhalten.
England und Rußland — sagt die „N. Fr. Pr." —I find bei der orientalischen Frage zu der Phase gelangt, wo ste von einander Aufklärungen über die Zwecke ihrer Rüstungen verlangen. Natürlich ist es so weit noch nicht gekommen, wohl aber ist nicht zu leugnen, daß dergleichen gegenseitige Anfragen erwartet werden können, lieber russische Rüstungen haben wir unfern Lesern schon öfter Bericht erstattet. Wir verweifen heute aus unsere untenstehende Korrespondenz der „Pol. Korr." auS Odessa.
lieber Englands Rüstungen berichtet eine Korrespondenz der „A. A. Zig." aus Malta, d. d. 14. November: in voriger Woche find in Woolwich 4000 Tonnen Feldlager- Geräthe, nämlich eiserne Bettgestelle, Bretter, Tische, Zelte u. s. w. nach Malta für die dort zu erwartenden Truppen gesandt worden. Ein eigens befrachtetes Postdampsschiff der Peninsular-Compagnic brachte vor einigen Tagen öer- schiedene Truppenabtheilungen zur Ergänzung der dortigen Regimenter nach Malta.
Die Pforte besetzt vor Allem die Donaulinie und wirft die größten Truppenmassen in das weitläufige FestuugS Viereck Rustschuk Silistria-Varna-Schumla des östlichen Bul- garienS. Im Bosporus wird die türkische Panzerflotte versammelt und eine militärische Konversation mit der dort anwesenden englischen Escadre unterhalten. Konstantinopel wird, soweit eS die räumliche Ausdehnung dieser Stadt erlaubt, in Bertheidigungszustand gesetzt und in Türkisch- Armenien werden ebenfalls Truppen zusammengezogen, um der russisch - kaukasischen Armee von Alexandropel eventuell begegnen zu können.
vinzen dieselben Rechte zu sichern, welche der christlichen Vevölkerung eingeräumt werden dürften.
fagenden Redensarten Viktor seinem Schicksal, welcher schließlich auch glücklich zu Hause anlangte und bald in einen tiefen Schlaf verfiel.
Pier Tage später verbreitete sich als neueste Neuigkeit die überraschende Nachricht, Herr von Langen fei plötzlich verschwunden und auf dem Gute herrsche die heilloseste Verwirrung. Eine Schaar von Leuten, welche alle Geld- forderungen zu machen hätten, seien dort erschienen und machten sich den Besitz desselben streitig. Auch das Gericht wäre schon eingeschritien, habe Siegel angelegt, einen Verwalter bestellt und das Konkursverfahren sei tm vollen Gange. Viktor erkannte jetzt, daß er in eine Falle gelockt worden war, aber er tröstete sich damit, daß er schlimmsten Falle« doch nur 600 Thaler einbüßen würde, Aber schon drei Tage nachher ließ sich ein Herr mit stark gebogener Nase bei ihm anmelden, dessen Dialekt unzweifelhaft verrieth, daß er dem Stamm Nimm angehöce.
„Herr Baron, sagte er, und langte zugleich aus seiner Brieftasche ein Papier, „ich gebe mir die Ehre, Ihnen h er eine Kleinigkeit zu präsen.iren."
Der junge Mann warf einen prüfenden Blick auf den verhäognißvollen schmalen Zettel und fuhr in der nächsten Minute erbleichend zurück.
„Unmöglich 1* rief er, das kann nur ein Zrrthum sein. Ich habe dem Herrn von Langen allerdings einen Wechsel acceptirt, aber nicht über sechstausend Thaler, sondern die Summe von sechshundert Thalern.
Herr Meier zuckle sehr kalt die Achseln. „Der Weä sel lautet aus Sicht und klar und deutlich steht geschrieben sechstausend Thaler.
„Auf Sicht — was heißt das?"
„Nu das heißt, daß die Zahlung sofort bei der Prä- sentation geleistet werden muß.*
„Dazu werde ich mich aber auf keinen Fall verstehen, denn ich habe nur einen GefälligkeitSaccept gegeben.
Wi der zuckte Herr Meier die Schultern, „Was heißt
GefälligkeitSaccept? — Der Wechsel ist ausgestellt in bester Form/
„Sber Herr von Langen?"
„Nu," meinte Meier mit der gekrümmten Nase, „der wird wohl jetzt schon längst auf dem Wasser schwimmen. Darf ich fragen, ob der Herr Baron zahlen wollen?"
„Unter feiner Bedingung."
„Nu, so werde ich erheben lasten Protest und daS Gericht anrufen, damit vorläufig mit Arrest belegt werden Ihre Gelder, so Sie stehen haben beim Bankier Fischer." Viktor besann sich einen Augenblick So viele Rechts- kcnntniste hatte er schon, daß er schließlich einsah, Niemand könne ihn von der Verpflichtung, Zahlung zu leisten, entbinden. „Wollen Sie mit drei Stunden Bedenkzeit geben?" fragte er.
„Sie sollen nicht sagen, daß ich unhuman habe," bemerkte Herr Meier, „ich werde die drei warten und mich b .nn wieder einfinden."
Mit einer Verbeugung zog er sich zurück, unser Bekannter, den Kopf in die Hand gestützt,
uothwendig. Man kennt die Beschränkungen, welche die englische Animalsordre vom 5. Juni 1875 gerade der Vieheinfuhr aus deutschen Häfen auferlegl hat. Die deut- che Reichsregierung hat wiederholt den Versuch gemacht, die britische Regierung zur Aushebung dieser Beschränkungen zu bestimmen, jedoch bis jetzt ohne jeden Erfolg. Es ist lar, daß die Gefahr einer Einschleppung von Viehseuchen auö Deutschland der britischen Regierung einen willkommenen Anlaß bietet, der eigenen Viehzucht einen Schutz angedeihen zu lasten. Hier gilt es also, jeglichen Vorwand, den die britische Regierung benutzen könnte, zu beseitigen, um alSdarn, wenn es uothwendig werden sollte, mit desto besserem Grunde Repressalien gegen England ergreifen zu können. Die Londoner Handelskammer hat auch ihrerseits Schritte gethan, um die alle englischen Konsumenten schädigende Einfuhrbeschränkung zu beseitigen. Jndesten hat sich die englische Regierung auch diesen Vorstellungen gegen über unnahbar bewiesen. Um zu zeigen, wie wichtig diese Frage für die deutsche Viehzucht ist, führen wir an, daß der Werth der Vieheinsuhr nach England vom Kontinent im Jahre 1874 105 Millionen Mark betrug. Thatsäch- lich aber ist Deutschland der wichtigste Concurrent der engliich.n Viehzüchter.
Arolsen, 19 Nov. Gestern fand die Verlobung der Prinzessin Marie, zweiten Tochter dcS Fürsten Georg Viktor zu Waldeck, mit dem Prinzen Wilhelm, dem wür- tembergischen Thronfolger, statt. Die Bevölkerung unserer Stadt gab ihre Freude über das fröhliche Ereigniß durch recht zahlreiche Betheiligung an dem zu Ehren deS TageS statlfindenden Fackelzuge kund. Auch brachten die hiesige Liedertafel und der Feuerwehrverein dem hohen Paar ein Ständchen vor dem Residenzfcl loste, welches mit einem vielstimmigen Hoch auf die Verlobten und die ganze fürstliche Familie endete. Alle Häuser unserer Stadt prangen im Fahnenschmuck. (H> M.)
Deutsches Reich.
----- Berlin, 20 Novbr. Der deutsche Reichstag hat in seiner Sitzung vom 19. November v. I. bei Beraihung deS Gesetzes, betreffend die Beseitigung von Ansteckungs- stoffen bei Viehbeförderung auf Eisenbahnen, auf den Antrag Dr. Löwe-Sombart beschlossen zu erklären, „die Rci nigung der Viehtransportwagen auf den Eisenbahnen genügt nicht allein, um die von Jahr zu Jahr über Deutsch land sich mehr verbreitenden Viehseuchen zu unterdrücken. Der BundeSrath ist deßhalb zu ersuchen: 1. den Entwurf eineS ViehseuchcngesetzeS für den Umfang des deutschen Reiches recht bald vorzulegen und 2. eine nachhaltige Vieh seuchenstatistik für dasselbe auistellen zu lasten." — Ter BundeSrath hat hierauf bis jetzt noch keinen Beschluß ge> saßt; im Gegenthetle liegt die Resolution noch dem Bun. deSrathsauSschuste für Handel und Verkehr vor. Im Jn- tereffe der deutschen Viehausfuhr, namentlich nach England wäre indeß eine Regelung dieser Angelegenheit dringend
Fensterbrüstung lehnte.
Endlich entrang sich ein tiefer Seufzer seiner Brust.
„WaS ist schlimmer," murmelte er, „von emem Räuber mit dem Revolver in der Hand auf offener Landstraße angefallen zu werden, oder so einem gewissenlosen Schurken zum Opfer zu fallen? — An wen soll ich mich nun wenden? Wird meine Tante Mitleid mit meiner Sage haben? Nun, ich will wenigstens den Versuch machen." — In ruhiger Resignation stieg et die Treppe hinunter und bald b.fand er sich im Zimmer der alten Dame. Dieselbe empfing ihn sehr kalt, sie hatte sich in der letzten Zeit fast gar nicht mehr um ihn gekümmert.
„Liebe Tante," begann er, „mir ist ein groß S Unglück begegnet."
„Hast Du vielleicht von dem Mädchen da btüben auf
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Wien 20. Nov. Der Club der Linken lehnte nach längerer Debatte mit allen gegen 9 den Antrag Skene'S wegen der Stellung des Clubs zur ungarischen AuSgleichS- Frage ab und nahm den Antrag Demels an, ein Comitö behufs Revision des Programms des Clubs der Linken und Berichterstattung, ob der PastuS übet die Stellung des Clubs zum Ausgleich mit Ungarn in das Clubprogramm aufzunehmen sei, einzusetzen. — Die MonlagSrevue" meidet : Der Ministerrath beschloß, dem Abgeordnetenhaus in der nächsten Sitzung am Dienstag Mittheilung über die Erneuerung der österreichisch-ungarischen AuSgleiLsgesetze zu machen. Am Freitag oder in der nächsten Woche tcürtt
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। Tagesbericht
Seine Majestät der König hat durch einen Allerhöchsten Erlaß an daS Staatsministerium vom 9. October d. I»., j» Abänderung der Bestimmungen der Allerhöchsten Erlaffe „m 24. November 1838 und vom 26. October 1857 genehmigt, daß für die Folge der Nettoerlös aus dem Verkaufe unbrauchbar gewordener Akten bis zur Höhe von 25 Prozent zur Remunerirung nicht bloS der beim Sus- sonderungSgeschäfte thätig gewesenen Subalternbeamten, sondern auch" der dazu herangezvgenen Unter beamten verwendet netten darf.
Es liegt nunmehr eine Andeutung darüber vor, in Welcher Weise die Regierung beabsichtigt, die in der Eröff- imngSrede deS deutschen Reichstag« verheißene Abwendung der Benachtheiligungen der deutschen Industrie durchzu sthren. Bei der in Aussicht stehenden Debatte über die tzisenzvllfrage wird nämlich die ReichStegietung an den Reichstag die Forderung stellen, daß ste ermächtigt werde, in solchen Fällen, wo eS nothwendig erscheint, die Eisen- jifle beizubehallen. Wenn die Regierung mit dieser Er mächtigung auSgestaitet wird, dürste sie alsbald mit der französischen Regierung in Verhandlungen treten. Sollten diese nicht zur Aushebung der auf Kosten der deutschen Eisenindustrie gewährten französischen Ausfuhr. Prämien führen, so wird die Reichsregierung von ihrem Rechte Ge brauch machen und im Verkehre mit Frankreich die Eisen» jölle fortdauern lasten.
Unser altn Freund.
Erzählung von Carl von JteffeL
(Fortsetzung.)
Langen langte schnell an« seinem Cchreibpult ein Wechsel« sormular hervor, tauchte die Feder in« Dintenfaß und sagte:
„Go I Hier quer setzen Sie bloS die Worte: „Angenommen" und dann Ihren Namen darunter."
Viktor war immer schläfriger geworden, er gab sich gar nicht die Mühe, auf das Papier zu blicken, denn hätte er dies gethan, so würde er vielleicht bemerkt haben, daß baffelbe gar nicht ausgefüllt war.
Mühsam schrieb er nach dem Diktat deS BaronS und al« er seine Unterschrift vollzogen hatte, warf er die gebet bei Seite und rief: „Nun lasten Sie mich aber auch zufrieden, denn ich bin müde."
„Sie bleiben diese Nacht hier," bemerkte Laugen, und zugleich beeilte er sich,' das Wechselblanket bei Seite zu schaffen.
„Hier bleiben?" stammelte Bodungen — „fällt mir gar nicht ein!" und zugleich erhob er sich und griff nach seinem Gewehr.
„So gestatten Sie wenigstens, daß ich Sie begleite."
„Eine Strecke, meinetwegen i Ah," ries er ins Freie tretend, „die frische Puft thut gut!"'
„Sie fühlen stch also nicht unwohl?"
„Unwohl? Pah, wegen so ein paar Gläser Wein! 6ine augenblickliche Müdigkeit überfiel mich, jetzt ist eö •bet vorüber, bemühen Sie sich nicht weiter."
In der Thai schien die gute Natur des jungen Mannes bet augenblicklichen Rausch bereits überwunden zu haben, benn er trat wieder fest auf und lehnte entschieden die fernere Begleitung des BaronS ab. Dieser hatte feinen Zweck erreicht und fy überließ er denn nach einigen nichtS-
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Anzeigen nimmt entgegen: die @r?eMtion d. Blattes sowie bte Annoncen-Bureaur von @ L- Daube L Co. in grontfurt a. M. - JSger'sche Buchhandlung in gtantfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- let in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Orfcbeint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlustrirtes LountagSblatt" durch dre Srvedrtton (Kochsch« Buchbruckereif bezogen Sb Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertbellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.___
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