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Marburg, Sonntag, 19. November 1876.
xi. Jahrgang
Obcrhcjsillht Heilung
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und dem BundeSrathe noch bestehenden
«elll ist am 8 d. M. in aller Stille begangen worden; talische Frage auszusprechen. Er betonte die RechtSkräftig-
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zu seinem Nachfolger wurde der,bisherige PronunciuS in Madrid, Johann Simeoni, ernannt, dec, am 27. Decbr. 1816 geboren, seit dem 17. September vorigen Jahres Mitglied des Cardinal-ColleginmS ist. Die vielen Reisen auswärtiger CardinLle nach und von Rom sollen mit den geheimen Vorbereitungen für den Fall eines zukünftigen ConclaveS zusammenhängen.
Die französische Deputirtenkammer beschäftigte sich am 11. November in Folge eines Antrages dcS Jntrastgenten Madicr de Montjau auf Streichung des CreditS von 110,000 Franken für den Botschafterposten am Vatikan und mit der Stellung Frankreichs zum Papst in einer Weise, die auch im AuSlande Beachtung verdient. Man traut DecazeS in dieser Angelegenheit kaum weniger als in seiner Haltung in der orientalischen Frage, sdoch ist er in jener offenherziger als in dieser. Seine Stellung zu Rom ist nach der am 11. November gegebenen Erklärung eine durch» aus correkte, wenn man anerkennt, daß ein Minister unter Mac Mahon naturgemäß im Fahrwasser des Jesuitenordens das Staatsschiff halten muß, falls er sich nicht unmöglich machen will. Frankreich bedarf dem Herzog DecazeS zufolge schon seiner diplomatischer Ueberlieferungen und seines traditionellen Schutzamtes im Orient wegen der Vertretung am Valican; cs bedarf derselben auch speziell zur Beschützung der Propaganda des Ordens Jesu. Gam- betta, der sich Schritt vor Schritt für ein Portefeuille möglich machen und den Staatsmann zeigen will, erhob sich dann gleichfalls für die Bewilligung des CreditS und die Rettung des Botschafterpostens, indem er auf die nahe Papstwahl hinwieS; zugleich hielt er aber auch Cialaini, besten Ernennung zum italienischen Botschafter in Paris den Ultramontanen zu ZornauSbrüchen diente, eine Lobrede und pries den „Mann von Castelfidardo" als „das französische Herz Italiens." Die Kammer verwarf den Antrag auf Streichung schließlich mit 377 gegen 93 Stimmen, denn auch die Mehrzahl dieser Republikaner ist katholisch genug, um den Papst, „der für Frankreich 1870 betete", als „ihren Trost und ihre Zuversicht", um mit DecazeS zu reden, zu betrachten. Wie die Budgets für das Auswärtige, wurden die für das Innere mit geringen Abstrichen bewilligt.
Der Tod der Herzogin von Aosta hat nicht verfehlt, auch in Spanien einen um so schmerzlicheren Eindruck hervorzubringen, als das Gebühren der nachfolgenden Re- gierungSmänner nicht gerade geeignet war, die Erinnerung an das edle und wohlwollende italienische Herrscherpaar zu verwischen.
Der englische Premierminister, Lord Beaconsfield, nahm bei dem Festbanket, welches dem neuen Lordmayor gegeben wurde, Gelegenheit, sich abermals über die orien-
keit des Pariser Vertrags, der 1871 feierlich erneuert fei, legte dann die Thätigkeit des englischen CabinetS für die Aufrechterhaltung deS Friedens dar, sprach die Hoffnung aus, daß das Ziel der Verbesterung des Looses der Christen in der Türkei auch ohne Krieg werde erreicht werden können, und schloß dann mit der Bemerkung, daß, wenn wider Erwarten dennoch der Krieg auSbrechen sollte, England bester wie ein anderes Land darauf vorbereitet sei und den Kamps nicht eher aufgeben werde, als bis der Gerechtigkeit Genüge gefchehen. — Ein Wirbelsturm, der in Indien gehaust hat, kosteie nach den geringsten Stützungen gegen 20,000 Menschenleben.
Der Kaiser von Rußland hat in Moskau, wo er am 9. d. MtS. mit der Kaiserin und dem Thronfolger von der Krim eingetroffen war, gleich am folgenden Tage die Vertreter des Adels und der Stadtgemeinde, welche ihm eine auf die politischen Verhältnisse bezügliche Adreste zu überreichen wünschten, huldreich empfangen und bei dieser Gelegenheit eine Ansprache gehalten, die ganz so tönte, wie der rollende Donner, der ein heraufziehendes Gewitier an# kündigt. Während noch ganz Europa darüber stritt, was dieser Donner zu bedeuten habe, zuckten aus der schwarzen Wetterwolke, die sich wie eine Wand im Osten emporschob, schon die grellen Blitze, welche die unmittelbare Nähe der KriegSfurie verriethen. Ein Rundschreiben des Reichskanzler kündigte an, der Zar mache einen Theil seiner Armee mobil, nicht weil er durchaus Krieg führen, wohl aber, weil er seinen Willen, den ganz Europa als berechtigt anerkannt habe, in der Türkei durchsetzen und den dortigen GlaubenSbrüderp zu einem menschenwürdigen Dasein verhelfen wolle.
Griechenland rüstet auch, nicht aber, wie der Ministerpräsident KumunduroS in der Deputirtenkammer erklärt hat, weil es seine neutrale Politik ausgeben, sondern nur, weit eS sich gegen einseitige Beschlüsse der europäischen Diplomatie verwahren wolle.
Sämmiltche Mächte haben nunmehr ihre Bereitwilligkeit zur Therlnahme an der Konstantinopeler Confererrz angekündigt, nur von der Pforte selbst werden — besonders in Betreff der Ausdehnbarkeit der vorgeschlagenen Reformen auf die Bulgarei — noch einige Schwierigkeiten erhoben, die indesten keineswegs unüberwindbar erscheinen. Wahrscheinlich wird man die Verhandlungen gegen den 20. d. MtS. mit einer Vorkonferenz der Botschafter eröffnen, der dann gegen Ende des MonarS die eigentliche Conferenz folgen wird. Auch die Feststellung der Demarkationslinie wird am 20. d. MtS. ihren Anfang nehmen; zwar wird von beiden Seiten Über Verletzung der Waffenruhe geklagt, doch ist diesen regelmäßig wiederkehcenden Beschuldigungen keine irgendwie größere Bedeutung beizumesten.
ständigung über die hinsichtlich der drei Justizgesetze zwischen der Commission und dem BundeSrathe noch bestehenden
Unser eiter Freund.
Erzählung von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
rieb sich die Hände, seine Augen leuchteten auf, wurde immer zuversichtlicher.
wo befindet stch das geraubte Gut?"
Hafter Haft schob et das Brecheisen unter denselben, bald hob er stch und schließlich rollte er zur Seite:
„Jetzt greift zum Spaten," flüsterte er seinem Begleiter zu. Dieser befolgte die Weisung, und nachdem er sechs bis acht Stich gelhan hatte war der eiserne Kasten blos- gelegt. Die Augen Langens sunkelten, ein leiser Ausruf entschlüpfte seinen Lippen, dann bückte er stch hastig nieder, um sich deS Schatzes zu bemächtigen.
In diesem Augenblicke praffelte eS und die ganze Höhle schien in Flammen zu stehen. Entsetzt fuhr der Baron empor und was er erblickte, trieb ihm daS Haar in die Höhe. Milten aus dem Flammenmeer tauchte plötzlich die hohe Gestalt von Peter Karpe empor, in der rechten Hand einen Knittel schwingend und sein Gesicht bis zum grinsen- den Hohne verzerrend. Dem Baron traten die Augen auS dem Kopie, noch einmal schielte er zitternd nach der drohenden Gestalt, bann griff et mechanisch nach bet Laterne und stürzke wie ein Rasender dem Ausgang deS Sshinbruch» zu. Hinter ihm her schallte ein Hohngelächter, welches er aber in seiner Angst überhörte. Es rührte von Müller her, bet, auf feinen Spaten gestützt, dem Davoneilenden nachblickte.
„Warte ich werde Dich lehren die Armuih in Versuchung zu führen," murmelte er und streckte dabei drohend seine Rechte auS. „Der Pächter und daS Fräulein haben mich gepflegt und unterstützt, als ich von Jedermann ver# lasten und hüfloS darnieder lag und zum Dank dafür ... na warte, diesmal bist Du an den Unrechten gekommen, Du ehrloser Kerl, Du gemeiner Diebl"
Nach diesen Worten brach Müller plötzlich In ein Helle» Gelächter auS und fuhr dann folgendermaßen fort:
„Gut gemacht hat aber doch bet Maler feine Sache, baS Bilv sah dem Pächter zum Sprechen ähnlich und — na, umsonst habe ich auch nicht als Kanonier gedient und
„Sie kennen doch den alten Steinbruch, welcher seit Jahren nicht mehr benutzt wird?"
„Freilich, er liegt ja kaum dreihundert Schritte vom VvchtMe entfernt."
„Der Eingang ist etwa» beschwerlich. Dichtes Gebüsch dmgiebt denselben, wenn man sich aber erst burchgearbeitet hat, dann gelangt man in eine geräumige Höhle. —" _ „Weiter, weiter, da» weiß ich ja Alles!" ries der Baron togebülbig.
„Nun. in der M tte der Höhle liegt ein schwerer Stein. Eälzt man denselben hinweg und gräbt etw zwei Fuß H so stößt man auf einen eisernen Kasten, welcher durch hei Schlösser verwahrt wird."
| „Und in dem Kasten befindet stch das Geld?"
„Haufenweise in Rollen aufgeschichtet. Ich habe eS ton meinem Versteck aus mit eigenen Augen gesehen, wie ^arpe drei schwere Rollen herauSnahm. Natürlich brachte *t bann Alles wieder hübsch in Ordnung und wä zle den Stein an den alten Ort."
„Gut. Die Nächte find jetzt sehr finster und dies bttmt uns zu statten. Der Pachter geht zeitig zu Bett?"
„In der Regel um zehn Uhr."
„So findet Euch morgen Abend um elf bei mir ein. bringt eine gute starke Schaufel mit, für ein ®red elfen BTb eine Blendlaterne werde ich sorgen."
rzell, off- ft en sung durch h ist Ejtnn. 2543
Politische Löschen - Ueherficht
Kaiser Wilhelm ist von seiner mecklenburgischen Et- flltung völlig genesen. Wenn er auch am vorigen Freitag, ungeratener Schonung halber, die beabsichtigte Theilnahme an den Hofjagden im Letzlinger Forst aufgab, so hat et doch die Reise zu einem Besuche in Sagan angetreten. Fürst Bismarck hat Varzin noch nicht verlaffen, doch et* märtet man seine Ankunft zu den ReichStagSvrhandlungen übet die großen Justizgesetze. Seit acht Tagen hat der Deutsche Reichstag seine Plenarsttzungen ganz auSgesetzt, um auf diese Weise seiner Justizkommission Zeit zu lasten, mit vom Bundestath beauftragten Commistarien eine Per»
„Soll geschehen, Herr. ES bleibt also dabei, wir theilen?"
„Natürlich Wollt Ihr ein GlaS Wein trinken?"
„Na, schaden könnte es nicht."
Langen entkorkte eine Flasche, schenkte zwei Gläser voll und stieß mit dem Hatdebewohnet an.
„Auf gutes Gelingen, Müller. Also vergeßt nicht Punkt 11 Uhr!"
„An mir soll's nicht fehlen. Gute Nacht, Herr."
„Gute Nacht!" Und leise, wie er gekommen war, schlüpfte der Mann wieder zum Hause hinaus.
In fieberhaster Unruhe brachte der Baron die Nacht zu. Die That, welche er zu begehen im Begriffe stand, schreckte ihn nicht, wohl aber war er um daS Gelingen derselben besorgt. Aber schließlich kehrte sein Muth doch wieder zurück, und als Müller in der verabredeten Zeit leise ans Fenster klopfte, ergriff er Brecheisen unh Laterne und stand in der nächsten Minute an besten Seite.
Schweigend schritten die Za ei durch die finstere Nacht ohne ein Wort zu wechseln, und der Wind heulte zeitweise über die Felder, als wolle er seine mahnende Stimme ertönen lasten. Endlich langte man beim Steinbruch an. Herr von Langen horchte, dann zog er ein Streichholz hervor und zündete die Laterne an.
„Geht voran," flüsterte er dem Haidebewohner zu. „Ihr wißt hier bester Bescheid wie ich."
Beide Männer verloren sich in dem dichten Dornen Gebüsch, aber ste traten leise auf und nach kurzer Zeit blieb Müller stehen.
„Wir find jetzt In der Höhle", flüsterte er.
Der Baron öffnete den Verschluß der Laterne und hob dieselbe in die Höhe Sein Antlitz leuchtete auf, er stand unmittelbar vor dem geheimnißvollen Stein. Mit fuber
«nietgen nimmt entgegen: gypebittex d. Blatte», [„tute die Annonceu-Bureaux jon Tb. Dietrich & So. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S' stein L Bögler in rta. M, Berlin, Leip- In ic; Rudolf Moste J’ijerlin, Frankfurt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen: die «tyebition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaur von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
zahlreichen und zum Theil sehr wichtigen Meinungsverschiedenheiten zu versuchen. Die Commission hat, nachdem sie in täglichen Sitzungen ihrer Aufgabe obgelegen, diese Srbeit zum Abschlüsse gebracht und zwar mit dem günstigsten Erfolge. Außer der ConcurSotdnung, über welche gar keine Meinungsverschiedenheiten mehr bestehen, ist auch hinsichtlich der Civilprozeßordnung bis auf Einen Punkt (die Beibehaltung der Handelsgerichte) die Vereinbarung so weit gediehen, daß eine Enbloc-Annahme wohl vorge- schlagen und beschlossen werden könnte. Bel dem Gerichts- versastungSgesetze und der Strafprozeßordnung sind allerdings Differenzpunkte übrig geblieben, deren mehrere eine unverkennbar staatsrechtliche Bedeutung haben und die von vornherein der Entscheidung durch daS Plenum Vorbehalten wurden.
Die österreichische Regierung hat nach längerem Zaudern ihren Beitritt zu dem englischen Conferenzvor- fchlage erklärt. Auch gestattet daS Wiener Cabinet auf besonderes Ansuchen der Pforte einigen türkischen Transportschiffen in den Hafen von Kiek einzulaufen, jedoch bloß M dem Zwecke, um Verwundete und Kranke an Bord zu nehmen. Der österreichische RetchSrath hat sich nach Beendigung der unglücklichen Orientdebatte wieder inneren Fragen zugewandt; insbesondere beschäftigten ihn die Anträge deS Abgeordneten Göllerich über Reformen in der Verwaltung, dann kam in Folge einer Interpellation ein Rnnd- schre ben der Regierung an die Chefs der Landesbehörden über die verschärfte Anwendung der Preßvorschristen zur Verhandlung. Der Ministerpräsident begründete seine Maßnahmen dadurch, daß anläßlich der orientalischen Frage die Aevßcrungen zahlreicher Blätter geeignet gewesen seien, begründete Aufregung hervorzurufen. Das von beiden Kammern angenommene Kiostergesctz hat die Sanktion deS Kaisers nicht erhalten.
DaS Begräbniß des päpstlichen Staatssekretärs Auto
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3Iefhrirte» ÄonntagfiMatt“ durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereif bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annabme von Sdreffen werden 35 Pf>. berechnet.