Sr. 371.
Marburg, Sonnabend, 18. November 1876.
Xi. Jahrgang.
«„«gen nimmt entgegen: uf Expedition d. Blattes, [glgit die Annoncen-Bureaur Jon Th- Dietrich & So. in jtofld und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Kaasmstein & Bögler in fceotfurt a M, Berlin, Leip» 5g, 66ln re ; Rudolf Masse ^Berlin, Frankfurt a. M. re.
Obcchcssilchr Jritung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Aimoneen-Bureaux von 0. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Franlfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Siete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
«rschernt t«gl,ch außer den Werktage nach Sorm-und Ferettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „aintrtrte» Conntag«IIatt“ durch die Srpedition (Roch'fche Buchdruckere») bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» S Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnferttonSgebühr'für die gespaltene Seile 10 Pf«, nür tn der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden S5 Pf,. berechnet.
raa«sd<rtcht.
In bet Sitzung der nationalliberalen Fraktion des Reichstag» am Mittwoch wurde nahezu einstimmig beschlossen, den Vorschlägen der ReichS-Justizkommlsfion behaglich der Frage der Handelsgerichte beizutreten.
Zu den Justizgesetzen liegen beim Reichstage mehrere Rue Petitionen vor, von denen wir folgende anführen: Per Berliner Arbeiterverein bittet dafür zu sorgen, daß een der durch das deutsche Prozeßverfahren festzustellenden
Eidesformel jede Beziehung auf eine irgendwie gefaßte
Klaubensvorstellung ausgeschlossen und dieselbe auf die etn- rtUItg fachen Worte: „Ich schwäre" beschränkt werde. Rudolph t an wn Scheel zu Berlin bittet, bei Erlaß einer AnwaltSord-
|H^| imng darauf zu halten, daß die Kompetenz der Ehrenrälhe, i SawaltSkammern u. f. w. ausschließlich auf die internen
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tzngelegenhetten des Anwaltsstandes beschränkt, die Ent scheidung aller Beschwerden von Parteien über Anwälte dagegen den diesen vorgesetzten Gerichten zur Entscheidung pgewtefen, auch keinerlei fakultative Befugniß dieser letzteren Mr Ueberweifung solcher Beschwerden an die Ehrenrälhe jagelassen werde. Die Handelskammern von Straßburg Md Crefeld und da» Präsidium de» deutschen Handelstages bitten die die Handelsgerichte betreffenden Bestimmungen he» ursprünglichen Entwürfe» de» GerichtsvelfaffungSge-
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setz S anzunehmen. Der Kreistag deS Kreises Schmalkalden
ig bst bittet in dem Gesetzentwurf, die Gerichtsorganisation be- rmftr, tnffead, die Zulässigkeit von Landgnichts • Deputationen
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nicht blo» für Strafsachen, sondern auch für Eivilprozeß-
sachen auszunehmen.
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In einem Artikel „zur Mobilmachung Rußlands" schreibt die „Schlesische Zeitung": „Mag es immerhin Wrodox klingen, so wagen wir doch zu behaupten, daß die Msortige Mobilmachung Rußland», angesichts der gegen wärügen Situation, im Sinne de» Frieden» eher al» ein
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günstiges denn al» ein ungünstiges Moment erfaßt werden «rf. Zunächst wird der Türkei die Steigung benommen ■erben, sich in weiteren Winkelzüg n zu versuchen, dann
Tiber werden die in Konstantinopel tagenden Diplomaten sich M Ernstes der Situation nunmehr voll und ganz bewußt ein. Sollte indeß das frivole Säbelgeraffel, zu dem sich Lord Beaconsfield - Di-raeli bei dem groß n Gastmahl in bet Guildhall hinreißen ließ, wirklich die vielfach gesürch. Me Wirkung haben, daß die Pforte, auf einen Zwiespalt 8er" kr Großmächte rechnend, die Konferenz zum Scheitern «ächte, so kann es im Jntereffe des europäischen Friedens ttr gewünscht werden, daß alsdann Rußland sofort zum --Kriege schreite. Wie sich vor drei Wochen alle Welt mit
dem „lokalisirten" russisch-türkischen Kriege bereits vertraut gemacht hatte, so würde sie dann auch die nicht mehr hinwegzuhebende Thatsache wahrscheinlich hinnehmen und den Dingen ihren Lauf laffen. Wie sehr rasch erfolgende Waffen - Thaten dazu geeignet sind, den Gegner von bereits halbgewonnenen Bundes - Genoffen zu iso- liren, hat unser letzter Krieg gegen Frankreich gezeigt. Anders aber und zwar gefährlicher würden die Dinge wahrscheinlich verlaufen, wenn Rußland nach dem eventuellen Scheitern der Konferenzen noch Wochen brauchte, ehe eS zur kriegerischen Aktion zu schreiten vermöchte. Während einer solchen Frist würden die Federn zwriffelloS wieder in Bewegung kommen, die internationale Situation würde sich unzweifelhaft noch weiter kompliciren, und auch andere Mächte könnten zu dem Entschluffe gelangen, gleichzeitig zu rüsten."
„Angenommen, aber nicht zugegeben," schreibt die „Rat.-Zig." zu den von Wienern und andern Blättern hervorgehobenen Erfolgen der türkischen Armee, „daß materielle Kraft an und für sich das höchste Element im Staatsleben sei, so könnte sie im vorliegenden Falle nur dann die Ueberlegenheit des TürkenthumS beweisen, wenn der Kampf ein gleicher wäre, wenn der türkischen Staats» und Militärmacht 12 bi» 15 Millionen Christen als Feinde gegenüberständen. Thatsächlich aber sehen wir eine Bevölkerung von höchstens IV2 Millionen unter den ungünstig- sten Berhältniffen gegen einen Staat von mehr alS 30 Millionen kämpfen und trotz der unmenschlichen Art türkischer Kriegführung und trotz der erdrückenden Uebermacht durch mehrere»Monate wenigstens das Gleichgewicht halten. Wäre jene Theorie richtig, so würde für das Staatsleben das Rind mehr gelten müffen, als der Mensch, weil daS Rind stärker ist al» der Mensch. Ein sonst keineswegs slavenfreundlichkS Wiener Journal, das „Neue Wiener Tageblatt," bemerkte in dieser Beziehung richtig, „nur der brutalste, zur Anbetung der rohen Kraft ausgeartete Materialismus konnte bisher behaupten, daß die türkischen Waffencrsolge die Lebenskraft deS türkischen Reiches zu beweisen vermöchten." Unter den gegebenen Berhältniffen beweisen sie eben gar nichts andere« als die Wahrscheinlichkeit, daß die rohe Kraft deS TürkenthumS der rohen Kraft eine» an Zahl ihm gleichen Gegners nicht gewachsen wäre. Diese Eikenntniß ist in weit höherem Grade als die Humanität das Motiv der jüngsten Wandlung der englischen KabinetSpolitik, welcher es vor dem Gedanken bangt, daß die türkische Staatsmacht einem wohl kombi- nirten, verständig geleiteten Ausstande von acht ober zehn Millionen ihrer christlichen Untertanen erliegen könnte."
»eich.
•* Berlin, 16. November. Morgen findet eine Sitzung des BundeSrathes statt, in welcher unter Anderem ein Antrag Preußens auf Reform der Aktiengesetzgebung auf der Tagesordnung steht. Derselbe beabsichtigt lediglich Ausschreitungen bei der Gründung und dem Betriebe von Aktiengesellschaften zu verhüten. — Die fortschrittliche Preffe zeigt sich überaus geschäftig, die nationalliberale Partei im Hinblick auf die Beschlußfassung über die Justiz- Gesetze im Voraus wegen vermeintlich zu großer Nachgiebigkeit zu verdächtigen. Kein Unbefangener wird in Abrede stellen, daß die Berathung der Justizgesetze in allen Stadien mit der äußersten Gründlichkeit und Gewiffen- haftigkeil betrieben worden ist. Hetzereien dieser Art liegen ganz in der bekannten und systematisch festgehaltenen Taktik der Fortschrittspartei, welche, so lange wichtige Entscheidungen noch ausstehen, sich in Anstrengungen erschöpfen, um daS Zustandekommen von Reformen, welche mehr ober minder nur auf der Grundlage verständiger Compromiffe verwirklicht werden können, zu vereiteln, schließlich dann aber, wenn daS Reformwerk in Folge von Verständigungen zwischen der Regierung und der parlamentarischen Mehrheit gelungen ist, Den Verdienst und den Ruhm deS Erfolges für die Fortschrittspartei in Anspruch nimmt. — Die französische Preffe beschäftigt sich naiürlich sehr eifrig mit den auf die orientalische Frage bezüglichen Verhandlungen. Der von jenseits deS Kanals auSgegangene Vorschlag, daß auch Frankreich sich aktiv betheiligen möge, für die Ver- befferung der Lage der Christen in der Türkei Garantien zu verlangen, wird mit großer Entschiedenheit zurückgewiesen. Dagegen beeifert sich die Mehrheit der französischen Blätter, England und Oesterreich die Aufgabe entschiedenster Intervention zu Gunsten der Türket und damit eines feindlichen Auftretens gegen Rußland auch schon in dem gegenwärtigen Stadium zuzuweisen. Namentlich wenden sie sich damit an Oesterreich. Bis jetzt scheinen diese Bemühungen keinen merklichen Erfolg zu haben. — In Bett, ff der Führung der StandeSregister ist von dem Minister des Innern im Einverständniß mit dem Justizminister den Oberprästdenien die Weisung zugegangen, daß mit Taubstummen schriftlich zu verhandeln und ihnen die gemachten Eintragungen zum Durchlefen und Unterschreiben hinzugeben feien. Nur wenn der Taubstumme nicht lesen kann, soll ein seiner Zeichensprache Kundiger als Dolmetscher zugezogen werden. Ferner wird al« unzulässig erklärt, daß ein Standesbeamter sich selbst die Anzeige von Vorkommniffen tn seiner Familie machen, daS Gesetz verlange ausdrücklich bei Ausnahme von Protokollen zwei Personen. — Das „Neue Berliner Tageblatt" schreibt, daß Dr. von Lauer von seiner Stellung
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Unser eit« Fremd.
Erzählung von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
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b.:
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102 ^gelehnt wurde. Sie theilte auch der Gräfin ihr Glück 98t * und Mister King erhielt die Erlaubni , derselben seine 971 Aufwartung machen zu dürfen. Bon Tage zu Tage gerieth Wttselbe immer mehr in den Sumpf der Verliebtheit und ^^Mademoiselle Josephine fiel es gar nicht ein, ihn aus 961 «selben herauSzuziehen. Das Einzige, was zwischen 10Ä beiden mitunter noch eia Mißverständniß herbeiführte, war 13 it Sprache, denn Mister King verstand nur sehr wenig französisch und Deutsch und seiner Verlobten war wieder 254t ** Englische gänzlich fremd. Such hierbei müffen wir H in unseren Mittheilungen wieder auf eine kleine Episoce Kränken. Josephine hatte eine schöne Stimme und der S«hn Albion» war ein Freund de» Gesanges.
» 96 l, Eines Nachmittags, al» Bride in einer schattigen Laube fstn, sagte Mister King, indem er die Französin zärtlich
—Nlidte:
„Ah, Frosch?' bemerkte Mister King und hiermit war te Unterhaltung eröffnet, welche schließlich damit endete, baß der Engländer versicherte, wie er sich sehr glücklich Kn würde, Mademoiselle recht bald mit oder ohne oniUuwiederzusehen. Wir können un» aus die Details ter Entwickelungsgeschichte dieser durch einen Frosch Der» ■titelten Siebe nicht einlassen, e» mag daher btm Leser die düttheilung genügen, daß der Engländer der Französin »r^lach Verlaus von vier Wochen einen förmlichen Hetraths- _ tivtrag machte, der von Fräulein Bellefort natürlich nicht
„ »Tragen Sie vor ein Lied, wenn ich bitten darf. —" »Aber ohne Begleitung?" fragte diese zögernd. »Haben ja Begleitung — bin ja bei Ihnen. —"
'*_* 1 »Run gut, so hören Sie," und ste fang das Lied, in ^che« die Strophe vorkommt:
Da kam ein bunter Falter Und küßte ihren Mund.
„Halt dal" rfef der Engländer, seine Verlobte unterbrechend, „was ist das, ein Falter?"
„Ein papillon —"
„Pa — Pa — ah Paper, also vielleicht Papierdrache"" uii'“
»Oh ich wünscht' ich wär' auch eine Papierdrache und könnte küffen Ihren schöne Mund. —"
„Nicht doch, papillon heißt ja Schmetterling," lachte Josephine, „wer würde sich denn von einem Drachen küffen taffen."
„Ah so! Schmetterling, was da herum fliegt auf die Wies'?"
„Nun gut, wünscht' also ich wäre eine Schmetterling und könnte küffen Ihren Mund."
Die Gräfin wollte sich vor Lachen ausschütten, als sie diese kleine Geschichte hörte und ihr Humor war auf mehrere Tage gesichert.---
Mit einer Unruhe, die sich mit jedem Tage steigerte, erwartete Langen den Haidebewohner, welchen er gänzlich sür sich gewonnen meinte, denn nach seiner Ansicht kehrte die Tugend bei der Arrnath nicht ein und solche Leute waren, wie er behauptete, für ein paar Thaier stets täui lich. Darüber vergaß er natürlich feine eigene Schlechtigkeit. Stand er doch selbst trn Begriff, einen Diebstahl zu begehen und sich des Schatzes zu bewältigen, welchen der alle Karpe nach seiner Annahme ebenfalls auf unrechtrnä feige Weise erworben und au« Furcht vor Entdeckung nun an irgend einem Orte sorgfältig verborgen hatte. DaS Feuer brannte ihm aber auf den Nägeln, Die Schuloen waren ihm über den Kops gewachsen, fein Inventar hatte er längst verpfändet und wenn er in vierzehn Tagen die ihm gekündigte Hypothek nicht beschaffen konnte, so wurde fein Besttzthum sudhastirt und er selbst ging al« ein Bettler au« dem Hause. Endlich am sechsten Tage, in einer stufte
reu stürmischen Nacht, erschien Müller. In einet Aufregung, die er nur mühsam zu unterdrücken vermochte, eilte ihm Langen entgegen.
»Nun, bringt Ihr gute Nachrichten?" fragte er den Tagelöhner und schob ihm gleichzeitig einen Stuhl zu.
„Kann un« auch Niemand behorchen?" flüsterte Müller, sich vorsichtig umsehend.
„Wer denn? Die alte Lene? die ist ja halb taub und schläft jetzt in der Küche. Aber der Vorsicht halber will ich die Zchüre abschliefeen. —"
Nachdem die« geschehen war, kehrte Langen wieder an den Tisch zurück und sagte:
„Habt Ihr den Ort entdeckt, wo der alte Fuchs da« gestohlene Geld aufbewahrt?" —
Der Haidebewohner nickte mit dem Kopfe. „Es war aber keine leichte Aufgabe, drei Abende habe ich auf der Lauer liegen müffen, ehe ich hinter das Geheimniß kam."
„Lafet Euch das nicht leio fein. Wir theilen und Ihr seid bann ein gemachter Mann." —
(Fortsetzung folgt.)
Weine tut« Spiritussen auf der Ausstellung in Philadelphia.
Bon Commerzienrath Wegeier in Coblenz. (Schluß).
Bei der Fabrikation der weit schneller fertig zu stellenden Schaumweine beweist dagegen der Amerikaner fein technisches Geschick; et führte Denn auch auf Der Ausstellung eine größere Anzahl Proben vor, Deren Heller Glanz unD nachhaltiges Schäumen nichts zu wünschen übrig ließen. Freilich traten bei den Schaumweinen die Fehler Der Inländischen Traubensorten, welche durch die Verarbeitung keineswegs verdeckt werden konnten, in ihrer besonderen , wenig ansprechenden Art noch stärker hervor. Eigenthümllch bei der Bereitung der amerikanischen Schaumweine dürste die Methode sein, die geschüttelten Wein«