JHarßutg, Freitag, 17. November 1876.
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Kiuetgen nimmt entgegen:
Expedition d. Blattei, fgaie die Annoncen-Bureaux ,cn LH. Dietrich & So. in ».«el und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a. M-; S' lein & Bögler in rla-M,Berlm, Leio- [n ic; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die E^iedttton d. Blattei sowie die Amwncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
N Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „AluftrirteS Eountagidlatt" durch die Srpeditiou (Aoch'sche Buchdruckerei) bezogen 81 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.
50 Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
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msprünglich ungemein zahlreichen Meinung-verschiedenheiien schließlich aus eine verhältnißmäßig geringe Zahl eingeschränkt worden find. Freilich handelt es sich bei den noch übrig gebl ebenen Punkten nach der festen Ueberzeugung der Bundesregierungen wesentlich um „das Interesse einer gefichrrten und unbehinderten, das allgemeine Wohl wirksam schützenden Ausübung der Rechtspflege." Um dieser Ueberzeugung willen, sowie im Vertrauen aus den von kern Reichstage seither bewährten Geist dürfen sie den schließ- lichrn Benutzungen mit der zuversichtlichen Hoffnung aus volle Verständigung über das in j.ner Richtung Unerläßliche entgegen gehen. Die Summe und Bebeutung besten,
Lasesbertcht.
Zur bevorsthenden Diskussion der Justizgesetze im Reichstage äußert die „Prov.-Corr." sich in folgender Weise: Der Reichstag steht nunmehr unmittelbar vor der Erledigung der bedeutsamsten und umfastendsten Aufgabe, welche der nationalen Vertretung bishergestellt war: eS gilt, eine ber wichtigsten Seiten des gesammten staatlichen Lebens,
die öffentliche Rechtsprechung, In ihren Einrichtungen und Formen einheitlich sür das ganze deutsche Reich zu regeln pod damit dem gemeinsamen nationalen Bewußtsein eine ber wichtigsten Grundlagen und Bürgschaften zu sichern." Die „Prov.-Corr" giebt nun aus der ersten Beralhung bteser Vorlagen im Reichstage eine Reihe von Aeußerungen wieder, welche in ihrer Gesammtheit zu dem Ausdruck der lleberzeugung und Zuversicht berechtigen, daß der Geist steudlgen Zulammenwirke iS zu dem großen nationalen Werke, welcher sich vor zwei Jahren so entschieden kundgab, nun mehr auch das endliche volle Gelingen sichern werde, und fährt dann fort: „Diese Zuversicht ist gesteigert durch den Verlauf der zweijährigrn Arbeit, welche die Justizkommisston deS Reichstages ihrer Aufgabe gewidmet hat, und in welcher mit dem Bewußtsein von der Größe und Bedeutung ber»
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selben zugleich das Bewußtsein der schweren Verantwortlichkeit sür daS wirkliche Gelingen wesentlich wirksam war. Zu der jahrelangen treuen Arbeit der tüchtigsten und erfahrensten Rechtskundigen aus fämmtlichen deutschen Regie- rangen ist nunmehr die eifrige und hingebende Arbeit der bedeutendsten Juristen auS der deutschen Gesammtvertretung hinzu gekvmmm, — und das Werk der Verständigung ist so weit gediehen, daß außer der Concurrenz, über welche gar keine abweichende Meinung mehr besteht, das eine der großen Gesetze, die Civilprvzeßordnung, welche von vorn herein als „ein nahezu vollendetes Meisterwerk" bezeichnet wurde, jetzt abgesehen von einem einzigen wichtigen Punkte ngen als völlig vereinbart gelten kann, — und daß bei dem , Gerichtsverfaflungögesetz und der Strafprozeßardnung die
worüber der Reichstag mit den Regierungen einig ist, ist zu groß und gewaltig, als daß man es für möglich halten sollte, daß an den noch bestehenden Differenzen das Ganze scheitern könnte: der Gewinn für die deutsche Nation besteht nicht in irgend einem einzelnen Punkte, sondern in dem Ganzen des großen Werkes. Und wer auf dieses Ganze den Blick richtet, wird an die Berathung mit der Ueberzeugung und dem Willen Herangehen: es muß gelingen, darum wird eS gelingen."
AuS der Ü bersicht der ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des deutschen Reiches für das Jahr 1875 entnehmen wir heute nachträglich noch folgende Angaben: Die Einnahmen deS deutichen Reiches haben im genannten Jahre 499 546,779,95 Mk. betragen, dazu 55,654,078,89 Mk. Bestandsübertragung zur Deckung der auf die laufende Verwaltung übergegangenen Ausgabereste auS den Vorjahren und 13,389,369 73 M. Reste, sind zusammen 691,590,229,57 M,k Einnahme, gegen das etatswäßige Soll mehr 96,292 408,47 Mk. Die Ausgaben haben 489,262,238.41 M und mit Hinzurechnung der Reste von 185,417,151,05 M., 674,679.389,15 M. betragen, so daß ein Bestand von 65,938,621,43 M. und ein Ueberschuß bet Ausgabereste über bie Einnahmerückstände von 49,027,78132 Mark verbleibt. Nach Abrechnung dieser Summen vom Bestände ergeben sich 16,910 840,11 Mk rechnungsmäßiger Utbcr schuß, welcher sich durch Hinzurechnung des MtnderbctragS des DieposttionSfondS des Kaisers zur Herstellung normaler Posteinrichtungen in den Hansestädten (29.551 M.) und na» Abzug einer Zahlung an Bayern (795,923 M.) auf 16,141,468,11 M. als Uebeischuß für daS Jahr 1875 stellt.
Der italienischen Regierung ist der „Academy" zufolge ein Projekt zur Errichtung eines großen AuSstellungSge bäudeS in Rom unterbreitet worden und daffelbe wird dem Vernehmen nach in Kurzem in Ausführung gebracht werden.
Die Rüstungen in Rußland, wie in der Tü-kei werden beschleunigt. Auf den russischen Bahnen ist der Güter- Vcrk ht eingestellt und auch die PserdeauSsuhr über die Süd- und Wkstgtenze verboten. Aus telegraphischem Wege wird noch gemeldet:
Wien, 15. Roo. Der hiesige Vertreter in Bukarest, Callce, ist telegraphisch hierher berufen. DaS Tageblatt meldet: Die russische Südarmee wird zu 480,000 Mann, die zweite, die sogenannte Weichsel Armee wirb zu 340,000 Mann sormirt. Die Urlauber in Rügland sind telegraphisch etnbetufen. Ab Kiew ist bet Frachlverkeht eingestellt.
Krakau, 14. Rovbr. In Warschau sind an den Straßenecken polizeiliche Plakate angeheftet, welche An» sammlungen aus den Straßen verbieten.
Deutsche, «eich.
— Berlin 25. Nov. Dem Reichstage ist bie fünfte Denkschrift über die Ausführung der Münzgesetzgebung vorgelegt worden. Nach derselben beträgt der Kassenwerth der inSgesammt zur Atstnirung bezw. Einschmelzung gelangten Silbermü «zen 204,856,160 Mk. mit einem Schrnelz- ergebniß von 2,176,939,287 Pfund fein, also mit einem Selbstkostenpreise von 94,io28 599 Mk. für das Pfund fein. Bon dieser Silbermenge sind in rem Jahre vom 1. Oktober 1875 bis dahin 1876 925.045,643 Pfund sein durch Verwendung von 87,426 409 Mk. Siibermünzen hergestellt. Die gesammten auf diese Weise gewonnenen Silberbarren sind bis auf einen geringfügigen Bestand bereits veräußert worcen. Ein vethältnißmäßig sehr geringer Theil ber Barre» ist den Münzanstalten zu Prägezwecken überwiesen worden. Das VerkausSgeschäft ist bis jetzt vollständig abgewickelt in Betreff eines Batrenquan umS von 1,743 672.947 Pfund fein, wovon auf das laufende Iaht 815,251,205 Pfund fein entfallen. Der Selbstkokenwerth jener 1,743,672 947 Pfund beträgt 164,314 545 Mk., der da für erzielte Reinerlös 143 994,675 Mk ober 82 531 Mk. pro Pfund, so baß sich, abgesehen von dem Gewinn, »eiet er durch die Goldausscheidung entstanden ist, ein Verlust ergeben hat von 20.319,870 Mk. Rach Abrechnung des Gewinnes, welcher bur b die Ausscheidung des Goldes und Kupfers erzielt worben ist, verbleibt ein Verlust von 12,378,305 Mk. Der berechnete Verlust ist indeß nicht allein durch die mit dem Fallen der Silberpreise einge- tretene Entwerthung deS Silbers entstanden, senden zum Theil dadurch herbeigesührt, daß die Einschmelzung der Stlbermünzen nicht diejenige Menge an Silber ergiebt, welche nach dem gesetzlichen Werthvethältniß von 90 Mk. gleich 1 Pfund fein darin enthalten sein müßte, eS beruht dies bei den Kurantmünzen hauptsächlich in der stattge- habten Abnutzung und bei den Scheidemünzen außerdem aus der nicht vollwerthigen Ausprägung de. selben. Die finanziellen Ergebniffc ber Münzresorm einschließlich beim Jahre 1874 beim Münzwesen nach Deckung b»r Ausgaben erwachsenen UeberschusieS, berechnen sich für das Jadr 1875 wie folgt: Einnahme: Der Bruttornuuzgewinn beträgt bei ber Ausprägung 1. der Reichs,ivlcmünzen 456,559 71 M°., 2. bet Silb-rmü^en 11,978,845,24 Mk., 3 ber Nickelmünzen 7,538,733 37 Mk., 4 ter Kupfermünz n 2,551556 29 Mk, zusammen 22,525,694,31
Unser alter Freund.
Erzählung von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
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Langen machte ein Gesicht, als wenn er mit der größten Theilnahme zugehört hätte.
„Ihr arbeitet also noch immer auf dem Pachthofe?"
„Ja, künftige Woche gehe ich wieder hin, um im Gar len zu helfen."
Der Baron holte seine Portemonnaie hervor und langte zwei Thaler heraus. „Da nehmt, ich bin anch nicht un- nnpfindlich gegen die Leiden Anderer."
„Gott lohne eS Ihnen, Herr," rief Müller dankerfüllt
„Was ich sagen wollte," fuhr Langen scheinbar ruhig fort, „da habt Ihr wohl Gelegenheit, auf dem Pahthose Manches zu beobachten?"
„Na, der Herr schenkt mir volles Vertrauen. ES ist dort ja aber auch Nichts zu verbergen."
„Wer weiß," lachte der Baron. „Der alte Karpe ist rin Pfiffikus."
„Ja, pfiffig ist er schon," meinte Müller, „et versteht S»S allen Sachen »inen Nutzen zu ziehen und fein Vieh and seine ganze Wirthschast sucht ihresgleichen."
„Na, das meine ich nicht," bemerkte Lanzen. „ES handelt sich hier um die Entdeckung eines GeheimniffeS."
„Wie so denn?" fragte Müller gespannt.
„Ihr seid doch ein armer Teufel?"
„Ja, da- bin ich allerdings", lautete die Antwort.
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„Herr, ist daS Spaß ober Ernst?
„Nun, wie wäre eS, wenn ich Euch mit leichter Mühe 13*A einigt hundert Thaler zu verdienen gäbe ?"
„Voller Ernst. Ihr habt «eiter nichts zu thun, als Etwas zu fpioniren."
»Hm, hm!"
„Der alte Karpe besitzt nämlich einen Schatz, welcher irgendwo heimlich versteckt ist."
„Reich muß er fein, denn der Aufwand, welchen er feit einiger Zeit macht, stimmt nicht mit feinen Einnahmen."
„Nun, Ihr wäret gerade der rechte Mann, um aus zukundschaften, wo Karpe das Geld verborgen hat. Auf Euch achtet Niemand, und des Nachts — na, wenn Ihr Euch, statt nach Hause zu gehen, heimlich verstlckt und vem Allen bann vorsichtig nachschleicht, so müßte eS nicht mit guten Dingen zugehen, wenn Ihr nicht hinter das Ge- heirnniß kämet."
„Und was bann? —"
„Was bann? Nun, das ist doch ganz einfach, wir heben gemeinschaftlich ben Schatz uadtzJht selb bann ein gemalter Mann."
Müller kratzte sich am K pfe. „Ich will eS mir überlegen, Herr."
„Aber lange kann ich Euch dazu keine Zeit geben, feio Ihr es nicht, so ist es ein Anberer, eine Gelegenheit, auf so leichte Weise zu Gelbe zu kommen, läßt sich wohl Nte- manb entgehen."
„Hat eS Zeit bis übermorgen?"
„Spätestens."
„Nun bis dahin komme ich mit heran und bringe Bescheid."
„Ich werde Euch erwarten." Der Baron grüßte und eine Minute darauf war er schon wieder auf dem Heimwege begriffen.
„So ein armer Schlucker ist gierig aufs Gelb wie bet Teufel auf eine Menschenseele," meinte er, „Müller wird schon kommen und bann grhi's an« AuSplünbem, alter Freund!"
Darin hatte er sich auch nicht getäuscht, denn bevor noch der Abenb kes anderen Tages veifloffen war, etfdj c: der Haideben ohner und jagte seinen Beistand zu. Langen
schenkte ihm in der Freude seines Herzens noch zwet Thaler und ritt dann in der besten Stimmung nach vem Herrenhaufe, um, feiner Gewohnheit gemäß, der Gräfin etwas vorzulügen, die sich dabei köstlich amüflrte, während sich Helene von Ahlsfeld, Langen einen Blick bet tiefsten Verachtung zufchleubemd, auf ihr Zimmer zutückzog."
Die alte Dame beburfte übrigens ber Aufheiterung, benn in der letzten Zeit war ihre gyte,9tiu«e durch ver- fchiedenc Umstände setzt gestört worden. Zunächst hatte Viktor trotz ihres Verbots den Umgang auf vem Pachthofe nicht allein fortgefetzt, sondern brachte sitzt sogar fast jeden Nachmittag dort zu, dann waren aber- auch seit etwa acht Tagen die Nerve» der Gräfin durch dumpfe Hammerschläge erschüttert worden u d dichte Ranchwolk n trieben mitunter ber Wind über baS Wohnhaus, welche ihre Geruchsorgane unangenehm berührten unb sie dann nölhigten, bas Fenster zu schließen. I nfeitS des Sees befand sich nämlich ein etwa fünf H klaren großes Grundstück, welches nicht zum Schlöffe gehörte, und das bieh.r völlig unbenutzt geblieben war, weil eS eigentlich nur eine Sandfläche bil~ete. Seit einem Iahte hatte daffelbe aber ein Engländer, Mister King, angekauft, welcher dort eine Maschinenfabrik anzule^en beabsichtigte, und bald stiegen auch au| dem bisher öden Platze mastive Gebäude und mittige Schornsteine empor. Die alte Dame, welche sich bisher sehr wenig um Industrie unb was in deren Fach schlägt, gekümmert hatte, ahnte die Gefahr nicht, welche ihrer Ruhe drohte, seit acht Tagen ober waren die Maschinen in vollem Gange unb arbeiteten mit voller Kraft. Währnd Frau von Butistärt ihrer übelen Laune dm vollen Zügel schießen ließ und weidlich über Mister King schimpfte, welcher dieses Unheil 'angestiftet hatte, war Demoiselle Jos phine ganz anderer Meinung, obgleich sie sich wohl hüteie, ihre eigentlichen Gedanken laut werde» zu lasten. Seitdem Viktor st. so ganz links liegen ließ, hatte sich in dem Herzen ber Französin ein tiefer Groll gegen denselben ausgebildet unb sie suchte sich