für. 269
Marburg, Donnerstag, 16. November 1876.
Xi. »rgaio.
ObcrMche Irilung
* ■
rhtn,
Hoc erledigen zu können.
Iund Rußland worden, so ist
n.
ist.
b.
1
4
verboten sei, von vielen Seiten dementirt es dennoch Thatsache, daß ein solches Ver-
i
i
w $76. Theil
- UNd Weih-
I VMIMMV QM gtvyvil, VUIU
W war bereits eine verzweifelte geworden und nur mit pvßer Mühe war es ihm bisher durch allerhand Schwin- ^leien gelungen, seine ihn drängenden Gläubiger noch eine ümiang zu beschwichtigen. Sehr empfindlich war es ihm, ** er von dem Besuch Viktor« auf dem Pachlhofe hörte, »der da er seine guten G ünde hatte, es mit demselben nicht p verderben, so spielte er gegen denselben vor wie nach *2? Entgegenkommenden, während er aber gleichzeitig das spannte Verhältniß. welches zwischen dem jungen Manne dessen Tante eingetreten «ar, durch heimliche Hetzereien °dch zu vermehren suchte und derselben als Spion diente, er über jeden Besuch, welchen Viktor bei Peter Karpe hottete, unter Hinzufügung hämischer Bemerkungen Be- erstattete. Sogar beim Kreiögericht hatte er auf aller
•J*® Umwegen Erkundigungen eingezogen, ob dort rin ^esiawent deponirt wäre, in welchem der Letztere als Vor« ^>nd der jungm Dame eingesetzt sei und da dies entschir- <?Jn Abrede gestellt wurde, so bestand nunmehr kein 4»«f«l mehr bei ihm, daß Karpe daflelbe unterschlagen
Lage einen furchtbaren, mit einer Schuld belasteten Menschen einzuschüchtern, war nicht übel gewählt, Am Aus gang eines Tannenwaldes befanden sich nämlich zwei große Felsblöcke gerade einander gegenüber, die in der Gegend als die Ueberreste zweier Hünengräber galten. Auf einem derselben ließ sich nun Langen nieder, sorgfältig in den Mantel gehüllt, aber doch mit scharfem Ohr hinhorchend, ob sich Jemand nähere. So war eine halbe Stunde vergangen, als sich ein schwerer Tritt vernehmm ließ und daS scharfe Auge des BaronS, trotz der bereits eingetrelenen Dämmerung, die hohe Gestalt KarpeS erkannte. Wie ein Jäger, den das Wild anläust, lauerte er auf den sich Nähernden, welcher ihn übrigens auch bereits bemerkt haben mußte, der aber trotzdem unerschrocken weiter schritt, obgleich er vorsichtig mit seiner rechten Hand in die Scitentasche seines RockeS griff. Eben wollte Karpe an Langen vorüber schreiten, als dieser sich rasch erhob und dem Pachter den Weg vertrat.
Verschiedene Blätter machen den Versuch, die Bedeutung der Ansprache de« Kaiser« Alexander abzuschwächen. Dieselbe ist aber so deutlich und klar abgesaßt, daß jeder Versuch, der aus eine Verdrehung des Stones gerichtet ist, vergeblich bleiben muß. Wir stehen vor der Alternative: entweder die Konferenz führt zu solchen Abmachungen, die einen dauerhaften Frieden garantiren, oder sie führt zum Kriege. Der letztere Fall ist — man darf eS nicht läug* neu — der wahrscheinlichere. Wa« wird aber die wettere Folge sein, wenn Rußland siegt oder unterliegt? Wenn Rußland siegt, dürfte die leidige orientalische Frage wesent lich vereinfacht werden und die Türket einer Ummarkung unterzogen werden. Unterliegt aber Rußland, so dürste die Türket neugeboren auS dem Blutbade hervorgehen. In beiten Fällen aber darf Europa hoffen, wieder eine Reihe von FriedenSgefahren zu erhalten. — UebrigenS liegt bereits eine Nachricht vor, welche die Optimisten aus ihren Himmeln stürzen dürfte. DaS Journal de St. Petersburg publizirt ein Rundschreiben des Reichskanzler« Fürsten Gorischakoff, in welchem die Mobilistrung eines Theiles der Armee angekündigt wird. Nach alledem erscheint der russisch türkische Krieg unvermeidlich und was noch mehr sagen will, — England scheint entschlossen, einer russischen Invasion bewaffneten Widerstand entgegenzusetzen. (S. unten London.) I
Posen, 12. Nov. Obschon die vor einigen Tagen gemachte Mittheilung, daß die Pferdeausfuhr aus Polen
$76.
t. 0‘ 9-
9561-
Die ReichSjustizkowmission hat Dienstag Mittag ihre Schlußsitzung zur Vornahme redaktioneller Aenderungen abgehalten. Die Zusammenstellung der Beschlüsse des Bun- deSrathes mit jenen der Kommission wird unverzüglich im Druck erscheinen. — Der Reichstag geht Mittwoch wieder en seine Arbeiten, um zunächst einige kleinere Vorlagen zu berathen. Am Donnerstag werden die Justizgesetze auf der Tagesordnung stehen. Die Cwilprozeßordnung, welche von der RrichSjustizcommisston auf das Gründlichste dnrchbe- reihen worden ist und hinsichtlich welcher nur geringfügige Differenzen mit dem BundeSrathe bestchen, hofft man en
wie Einer, den rief et und sah sich die Summe,
Euch frei. —"
und sich daS Vermögen seiner Pflegetochrer unrechtmäßiger Weise angeeignet habe. Er beschloß daher nunmehr zum unmittelbaren Angriff überzugehen und den alten Mann durch Drohungen zum Geständniß zu bringen, oder nach, zuforschen, wo er die geraubten Schätze verborgen halte. Er wußte, daß Karpe jede Woche an einem bestimmten Tage zur Abwickelung von Geschäften die nahe gelegene Kreisstadt besuchte und er kannte auch die Zeit, in welcher derselbe von dort regelmäßig zurückzukehren pflegte. — Herr von Langen hüllte sich in einen weiten Mantel, dessen Kragen er emporschlug, drückte sich möglichst tief eine Mütze in’« Gesicht, ergriff einen gewichtigen Stock und schlich, um so wenig wie möglich gesehen zu werden, auf Umwegen der Stelle zu, welche der angebliche Uebelthäter, den er zu entlarven im Begriff stand, wie er wußte, aus dem Rück
Ituetgen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blatte«, tonne die Annoncen-Bureaux DOn $6. Dietrich & 6o. in «affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Saasenstein & Vogler in fcantfurt a. M, Berlin, Leip- .jg »Bin k; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
„DaS ist schon richtig. Läßt stch'S denn nicht mit sechs« tausend abmachen? —"
„He, alter Freund, auf ein Wort, wenn's gefällig ist", rief er und schlug dabei seinen 'Uianteifragen zurück.
„Nun, was giebts denn?" fragte der Angeredete überrascht, indem er stehen blieb und Langen in's Gesicht blickte.
„Habt Ihr ein paar Augenblicke Zeit,, mich anzuhören?"
„DaS ist aber eine sonder bare Art und eine merkwürdige Stunde, welche Sie zu einer Unterredung wählten," meinte Karpe.
„Dankt Gott, daß ich mich herablaffe, ohne Zeugen mit Euch zu sprechen? —*
„Nun, was giebl's denn? —"
„Alter Freund," rief jetzt der Baron im herausfordernden Tone, „ich bin nunmehr hinter Eure Schliche gekommen."
Der Pachter.fuhr scheinbar erschrocken einen Schritt zurück. „Wie soll ich das verstehen?" fragte er ziemlich kleinlaut.
Der Baron wurde hierdurch nur noch Siegesbewußter.
„Peter Karpe", schrie er diesem ins Ohr. „Ihr habt ein Testament unterschlagen, Ihr habt Euch unrewtmäßig deS Vermögens von Fräulein Gotter bemächtigt — Peter Kaipe Ihr seid ein Dieb und ein Fälscher nnv ich werde Euch ins Zuchthaus bringen, wenn Ihr Euch nicht mit
11, fair»
Tagesbericht.
Dem Reichstage ist die Ueberstcht der ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des deutschen Reichs für daS Jahr 1875, sowie die Ueberstcht der außeretatSmäßigen außer- ordentlichen Ausgaben und Einnahmen, welche durch den Krieg gegen Frankreich veranlaßt sind, oder mit demselben bn Zusammenhang stehen, für das Jahr 1875 vorgrlegt werben,
tM 103
102t
981:
M
1091 i 551 96
1031 M 64 9$
854
85
113
48
141
97
Unser alte, Freund.
Erzählung von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
„Zehntausend Thaler damit gebe ich
„Geht denn Nichts davon ab?"
„Nicht ein Dreier. Bedenkt, vielleicht fünf Jahre
Wolle spinnen, daS ist kein Vergnügen. —•
mir abfindet."
Karpe machte nun vollend« Gesicht man auf frischer That ertappt. „ Still I" sich dabei scheu um, „wie hoch beläuft welche ich Ihnen geben soll? —*
Drnlschr» Reich.
— Berit«, 14. Novbr. Hinsichtlich der künftigen Form der Eidesleistung bestimmt §. 53 der Strafprozeß- ordnung: Der Eid beginnt mit den Worten: „Ich schwöre bei Gottt dem Allmächtigen und Allwiffenden" und schließt mit den Worten: „So war mir Gott helfe." §. 54 besagt ferner: „Der Eid wird mittels Nachsprechens oder AblcsenS der die Eidesnvrm enthaltenden Eidesformel geleistet." Die Reichsjustiz Commission hat hiezu noch den Zusatz gemacht: „Der Schwörende soll bei der Eidesleistung die rechte Hand erheben." Die Commission hat jedoch mit der Bestimmung hierüber, worin das Wesentliche der Eidesleistung bestehe, nicht entscheiden wollen. Eben so wenig hat man beabsichtigt, mit dieser Bestimmung die Anwendung anderer, seither üblicher Gebräuche neben der Emporhebung der rechten Hand verbieten zu wollen. Selbstverständlich kann jedoch der Richter zur Vornahme oder Befolgung solcher Gebräuche den Schwörenden nicht wider besten Willen auffordern; vielmehr ist die Befolgung solcher Gebräuche lediglich der Anschauung der Schwörenden selbst überlasten. §. 55 bestimmt endlich: „Der Eidesleistung wird gleichgeachtet, wenn ein Mitglied einer Reli- gionSgesellschast, welcher daS Gesetz den Gebrauch gewister BetheuerungSformeln an Stelle des EideS gestattet, eine Erklärung unter der Beiheuerungssormel dieser Religions- gesellschast abgiebt." Hiernach bleibt der seitherige religiöse Rechtszustand einiger Glaubensgemeinschaften vollständig gewahrt. Bisher war es bekanntlich den Mennoniten und Herrnhutern gestattet, sich an Stelle des EideS der nach ihrem Bekenntniste zulässigen Bekräftigung durch ein „Ja" bei Ertheilung des Handschlages zu bedienen. Die Religionssekte der Philipponen bekräftigt die Richtigkeit der abgegebenen Erklärung mit den feierlich auszusprechenden Worten „Jey, Jey," Hiernach bleibt die Feststellung der Rechte derjenigen Gemeinden, die sich „freireligiöse", „freie“, „christ-katholische", „freie christliche", „deutsch katholische", „freie evangelische Gemeinde", „freie ReligionSgenosscn- schast" nennen, der Landesgesetzgebung Vorbehalten. Pröble matisch erscheint der Rechtszustand der „Konfessionslosen", also solcher Staatsangehörigen, die sich keiner Genosten- schast angeschlosten haben. Die Regelung dieser Frage darf man indeß, zunächst von der Gesetzgebung nicht erwarten, sondern eS wird das Beste von den Betheiligten auf dem Wege der genossenschaftlichen Organisation selbst geschehen müffen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte« sowie bte Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Siete« ♦ meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
bot bereits seit acht Tagen in Kraft getreten ist. Mehrere Personen, die gestern die polnische Grenze (Slupce) pas- strten und heute hierher zurückgekehrt sind, geben unS darüber Folgendes an: „An der polnischen Grenze angelangt, um in Polen angekaufte Pferde nach Posen herüber zu bringen, wurde uns diese« von dem russischen Grenz- Hauptmann nicht gestattet und mitgetheilt, daß ein Pserde- AuSsuhrverbot in Kraft ist, und die Pferde die Grenze nicht passtren dürften. Wir waren daher in die Noth- wendigkeit versetzt, die Pferde in Polen zurückzulasien. Ferner wurde unS ein Ukas vorgelegt, wonach die Hafer- und Heu-Ausfuhr vom 1./13. November, also von morgen ab, ebenfalls verboten ist. Viele Deutsche, die in Polen ihre Besitzungen haben, schafften seit den letzten Tagen ihre Hafer- und Heubestände über die preußische Grenze, um ihr Produkt gut verwerthrn zu können.
Saarbrücker», 11. November. Vorgestern Abend wurden die drei Maepinger Kinder hierher gebracht, denen angeblich die Mutter Gottes erschienen sein soll. Die Kleinen haben nunmehr, wie man der „N. A. Z." von hier schreibe, positiv eingestanden, daß sie gelogen haben und die ganze Geschichte erfunden sei. Das Vormundschaftsgericht in St. Wendel hat darauf verfügt, daß die Kinder aus Grund des § 55 deS revidirten Strafgesetzes in dne Erziehungsanstalt zu verbringen seien. Da die Kinder in dem im Gange befindlichen Strafprozeß gegen die Urheber des Marpinger Schwindels noch als Zeugen gebraucht werden könnten, ist ihre vorläufige Unterbringung in der hiesigen Waisenaktstall verfügt worden. Nachdem die Marpinger Geschichte diesen tragi-komischen Ausgang genommen, hat es nicht ferner nöthig erschienen, die polizeilichen Maßnahmen noch weiterhin aufrecht zu hallen, welche zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung haben getroffen werden müssen, und es ist daher auch die Polizeiverordnung gegen das Betreten der Walddistrikte Härtelwald und Schwannheck wieder ausgenommen worden.
Dresden, 11. Nov. In der heutigen Schlußsitzung der LandeSsynobe machte, wie bas „Dr. I." sehr ausführlich meldet, zunächst Präsident v. Zehmen die Mittheilung, daß sich der Synodalausschuß gestern konstituirt habe und ihn zum Vorsitzenden, Dr. Luthardt aber zum Stellvertreter erwählt hätte. Darauf richtete Staatsminister v. Gerber einige Worte an die Synode. Er wies mit denselben auf die Befriedigung hin, mit der die Synode auf die Erledigung der ihr vorgelegenen tief ins innere und äußere Leben der Kirche eingreifenden Frage blicken könne. Ein förmlicher Synodalabschied, zu dem überdies kein B-dürsniß Vorgelegen, habe seitens des Kirchenregiments nicht stattgefunden. Die vereinbarten Gesetzentwürfe würden publizirt
Herr von Langen hatte eS inzwischen nicht unterlasien, Peter Karpe auch noch weiter heimlich zu beobachten. Seine wiederholten Versuche, sich der Pflegetochter deffelben zu nähern, waren zwar jedesmal an der kühlen Aufnahme, welche er auf dem Pachthofe gefunden, vollständig geschei- iett, da et aber bet Meinung wat, daß Karpe eS allein sei, welcher heimlich alle Mittel in Bewegung setzte, um feine Bewerbungen bei Fräulein Gotter zu verhindern, so ^smehrte sich fein Haß gegen denselben und er beschloß ^'chtS unversucht zu laffen, um hinter daS vermeintliches deheimniß de« alten Mannes zu kommen und für sich!
Erscheint tätlich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrtrteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen 21 Wartjbutd) bte Postämter deS Deutschen Reiche« 3 Wert 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). — JnserrionSgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pf«, ffüt rn der Sxpedrtum zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Ps«. berechnet.
Karst äfti n n< rtmbt bestell iherck 2723
siichen! :eno« acht.
2773
ilfett
'S bei rmftr,
--------„ — ------ —...... 0„ für sich I wege nothwendig passtren mußte. Der Ort zu einer solchen Klbfi die möglichsten Vortheile daraus zu ziehen, denn seine s Unterredung, bei der es darauf ankam, nicht vom Horchen belästigt zu werden und zugleich auch durch seine einsame