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Marburg, Mittwoch, 15. November 1876.

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Jetzt brach Frau von Buttstädt in ein Helles Gelächter ausNun wahrhaftig, ein bischen Sentimentalität laste

unendlich weit ab von dem Renommircn und dem Säbcl- rasteln John Bulls. Kaiser Alexander hat bisher eine wahrhaft fanatische Friedensliebe gezeigt. Wenn ihm nun endlich die Geduld bricht und er nach monatlangen Ver­handlungen ein Resultat sehen will, so ist ihm das nicht zu verdenken.

Trotz der ernsten Redewendung können wir die Sache noch nicht so schlimm auffaffen. Kaiser Alexander hat bisher unverbrüchlich an dem Dreikaiserbündniß festgehalten und er wird auch schwerlich von demselben abweichen. Wenn er nun verkündet, daß er sich zum Kriege mit der Pforte veranlaßt finden werde, wenn die jetzt beginnenden Unter­handlungen nicht zu einem Ziele kommen sollten, so wird sich Kaiser Alexander unzweifelhaft auch darin mit seinen Verbündeten nicht entzweien. Die Forderung, welche derselbe stellt, die Verbesterung des Looses der Christen, ist so all­gemein gehalten, daß daraus noch keineswegs EroberungS- abstchten gefolgert werden können. Andererseits würde selbst dann, wenn Bulgarien, wie vielfach behauptet wird, zu Rumänien geschlagen und Bosnien und die Herzegowina unter einen besonderen Fürsten gestellt werden sollten, noch keineswegs behauptet werden können, daß dadurch die In tegrität der Türket verletzt würde, insofern nämlich die Souverinetät aufrecht erhalten würde. Mit einer solchen Lösung könnten sich unzweifelhaft alle Staaten gleichmäßig befreunden und es könnte dadurch wirklich ein Zustand herbeigeführt werden, der seine Dauer verspreche und alle Gefahren beseitigte.

DieKöln. Zig." veröffentlicht einen von den Mini­stern DepretiS, Mancini, Nicotera und Mazzaupo unter­zeichneten Bericht an den König betreffend die bet und nach dem Ableben des Papstes zu ergreifenden Maßregeln: Die Umgebung des Vatikans wird sofort militärisch überwacht werden. Unmittelbar nach dem Tode des Papstes soll der Präfekt von Rom den Majordomus und Maestro di Ca­mera nebst zwei päpstlichen Aerzten und Sekretären zur Assistenz bet der Todtenbeschauung und den sonst noth- wendigen Formalitäten auffordern. Wird dies verweigert, so soll der Präfekt, begleitet vom Quästor, den Aerzten, zwei Notaren und vier sonstigen Zeugen, gewaltsam in den Vatikan eindringen, um nach geschehener Todtenschau den Fischerring in Besitz zu nehmen, welcher sodann nebst dem Protokoll über die Todtenschau dem Cardinal-Dekan über­sendet wird. Alle MeubleS in den Gemächern deS Pap­stes werden und bleiben versiegelt, bis der Leichnam aus

Lagerbericht.

Die Nachricht Wiener Blätter, daß Deutschland davon Abstand nehmen werde, sich an der Festsetzung der Demar- kationSlinie zwischen den serbischen und türkischen Truppen zu betheiltgeu, war falsch. Die beiden deutschen Bevoll­mächtigten, die OberstlieutenantS von Mantey und von Seebeck sind bereits nach Belgrad abgereist, um sich an den Verhandlungen zu betheiligen.

Sonst gut unterrichtete Zeitungen melden, daß ein Ver­treter de» Reichskanzleramtes und Mehrere Vertreter Preu ßenS, Bayerns und Sachsens über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Oesterreich unterhandeln würden. Diese Nachricht mag richtig sein, jedenfalls aber ist sie verfrüht. Die Angelegenheit ist noch nicht so weit geför­dert, als daß über die Ernennung der Kommission schon jetzt eine Bestimmung getroffen werden könnte.

Während kurz hinter einander von Wien, Berlin und Pari» beruhigende Nachrichten kamen, die darauf hin deu­teten, daß der Friede nicht erschüttert werden würde, ertönen von London und Moskau Stimmen, welche den Glauben an den Frieden stark zu erschüttern im Stande sind. Der streitlustige Premierminister Englands hat bei einem so harmlosen Anlaß, wie eia LordmayorS Schmauß der City zu sein pflegt, den Mund gewaltig weit ausgeriffen und die JntegritÄ der Türkei als das Fundament der engli­schen Politik betont und gleichzeitig jeden mit dem Krieg bedroht, der diese anzutasten wagen würde. Nun ist man sittlich längst gewohnt, John Bulls Renommagen nicht allzu ernst zu nehmen. Wie oft hat England schon an das Schwert geschlagen und doch war es regelmäßig nur die Scheide, während das Schwert selbst mit Baumwolle umwickelt war. Wenn dann Niemand vor diesem säbel- rapprln Respekt hatte, dann hat John Bull regelmäßig feine kriegerische Stimme wieder bedeutend herabgestimml und statt mit dem Schwerte drein zu schlagen sich ganz harmlos auj'S Bitten gelegt. Die Geschichte der letzten zwanzig Jahre hat sehr wenig rühmliche Thaien England« zu verzeichnen; es hatte recht eigentlich das Princip adop tirt: Der Starke weicht muthig zurück. Und auch dies­mal halten wir das Renommiren des kleinen DiSraeli mit seinem vollen Portemonnaie nur für eitles Säbelgeraffel, das nur den Zweck hat, die Engländer selbst mit Respekt vor dem neu gebackenen Lord erfüllen zu sollen. Anders ver­hält es sich mit der Kundgebung des Ka sers Alexander. Die Art und Weise, wie dieser Monarch bis jetzt in allen

er bereits wieder vergessen hatte. Glücklicher Weise war Victor noch nicht so tief in den Sumpf des Materialismus gerathen, daß ihm dabei seine befferen Gefühle gänzlich verloren gegangen wären, der Kern seine« Herzens war gesund geblieben und in der Liebe, die in seinem Innern für Emilie Gotter zu keimen begann, glaubte er den Stütz punkt zu finden, um sich zu neuem sittlichen Bewußtsein aufzurichten. Von diesem Vorsatz erfüllt langte er bei seiner Tante an und nachdem er dieselbe begrüßt, warf er sich in einen Seffel und blickte sinnend vor sich hin.

Die Gräfin war, wie die Leser rotff en, eine Weltdame, welche manche Dinge sehr leicht nahm und häufig mit Spott oder wohl auch mit Gewlffenlostzkeit über einzelne Sachen hinroegfchlüpfte, die andere Leute von dem ernsten Gesichtspunkt der Moral betrachten. Sie war eine Egoistin und befaß kein Herz für die Menschen. Sie hatte sich auf eine spaßhafte Erzählung ihres Neffen über ein kleines leichtgläubiges bürgerlich erzogenes Mädchen gefaßt gemacht und es ärgerte sie, daß dieser nun grübelnd ihr gegenüber faß, statt durch eine humoristische Schilderung ferner Er­lebnisse aus dem Pachihofe ihre Lachlust zu reizen.

Nun, Herr Don Juan, ober wenn Dir der Name bester gefällt, Herr Mephisto, hältst Du es der Mühe werth, mit dem k.einen Gretchen dort drüben einen kleinen Roman abzufpielen?"

Liebe Tante," entgegnete der Neffe sehr ernst,ich kann Sie versichern, baß Sie sich in Beziehung auf die junge Dame, auf welche sie h «zielen, vollständig im Jrr-

«tueigen nimmt entgegen: Vie Expedition d. Blatte», tapie die Annoncen-Bureaux ,on Th- Dietrich & So- in Oaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Saasenstein & Bögler in Laukfurt a. M, Berlin, Leip- da Mn re; Rudolf Moste

Berlin, Frankfurt a. M. re.

Personen im Vatikan, sowie ein vollständiges Berzeichniß aller daselbst befindlichen Gegenstände ausgenommen. Nach Verlauf von 24 Stunden steht der Leichnam dem Klerus der Basilika behufs Abhaltung de» LeichenbegängnisteS zur Verfügung.

Die Pforte bereitet eine auf die Konferenz bezügliche Erklärung an die Mächte vorj, worin sie verspricht, der Reformfrage, welche durch das türkische Memorandum am 12. Oktober im Prinzip geregelt fei, demnächst die prak­tische Lösung angedeihen zu lasten. Gleichzeitig wünscht die türkische Regierung, man möge ihr zu diesem Behufe die nöthige Zeit lasten, um die Reformen ohne Einmischung Europas zur Durchführung bringen zu können.

Zur Orientalischen KristS sind folgende beachtenSwerthe telegraphischen Nachrichten eingetroff.n:

Wien, 13. Nov. Hier wird lediglich das Zustande­kommen einer Vorkonferenz, in welcher die Grnnglagen für eine Konferenz vorberathen werden sollen, für wahrschein­lich gehalten, dagegen das Scheitern der eigentlichen Kon­ferenz befürchtet. Das Fremdenblatt meldet neue türkische Gewaltakte in Bulgarien. DaS Tageblatt erfährt, daß bis zum Dezember sechs russische ArmeecorpS am Prulh aufgestellt werden sollen.

Pest, 13. Nov. Der Pestec Lloyd erklärt anläßlich der Rede des Czaren, Oesterreich habe in dem Dreikaiser­bunde keinen Platz mehr.

B elgr ad, 12. Nov. Der Serbien betreffende PastuS 1 in der Moskauer Rede des Czaren hat hier einen vernich- tmden Eindruck gemacht. Die nach Rußland heimkehren- nur dann rückkehren zu wollen wenn Rußland ihrer nicht den Rusten haben erklärt, nach dem Waffenstillstand bedürfte.

Uafet alter Freund.

Erzählung von Carl von Kessel.

(Fortsetzung.)

Diese schlug die Augen nieder und ihr GesichtSauS druck ließ e» zweifelhaft, ob ste der Meinung ihres Vor- munde« beistimmte.

Al» der junge Mann sich empfahl und nun den Heim- tveg antrat, fühlte er keineswegs das Bedürfniß, seine Schritte zu beeilen. Im Gegentheil, eS verlangte ihm nach dem Alleinsein, um sich ungestört noch eine Zeit lang seinen Betrachtungen hingeben zu können. Die Luft war ange- «hm, die Stille deS Waldes that ihm wohl, und den Ere hüllte die untergehende Sonne in ein magisches Farbenspiel.

Die äußeren Eindrücke verfehlten nicht ihre rückwir­kende Kraft auch auf sein Inneres auszuüben. Seine Seele wurde weich gestimmt. Zum ersten Mal empfand er da» Bedürfniß, einen Rückblick auf die letzten Jahre feines Lebens zu werfen und da» Resultat der sich dabet kundgebenden Betrachtungen war kein erfreuliche». Was hatte er gethan? Er hatte seine Zeit in NichtSthun hingebracht, er hatte mit Leuten verkehrt, die nur in den

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Deutsch« Reich.

----- Berlin, 13. Nov- Der Entwurf eines Gesetze» betreffend die Abänderung deS § 14 des Gesetzes wegen Erhebung der Brausteuer vom 31. Mai 1872, wie solcher vom BundeSrath beschloffen worben, ist dem Reichstag vor­gelegt worden. Der § 1 lautet: Der zweite Absatz des § 44 des Gesetzes wegen Erhebung der Braustcuer vom 31. Mai 1872 wird unter Au'hebung deS Gesetzes vom 26. December 1875 durch folgenden S-tz ersetzt: In den Herzogthümern Sachsen Meiningen und Sachsen- Coburg Gotha, sowie in dem Fürstenthum Reuß älterer Linie darf jedoch von dem Cntner Malzschrot Derjenige Betrag, um welchen die dort zur Zeit gesetzlich besehende

iLiebe Tante, Ihr Scherz verfehlt gänzlich sein Ziel. Ich wiederhole Ihnen nochmals, daß Fräulein Emilie Gotter eine ausgezeichnete Erziehung genossen hak und be­fähigt ist in der feinsten Gesellschaft zu glänzen."

«Fi donc!" tief Fran von Buttstädt,wo -hast Du diese plebejischen Ansichten her? Bäuerisches Blut und damit basta! Ich wünsche daß Du diese Bekanntschaft nicht weiter kultivirstl

Bictor lachte.Ich betrachte dies nur als einen Scherz von Ihrer Seite."

In Dingen, welche die Ehre meines Hauses betreffen, scherze ich nie."

»Die Ehre ihres HauseS?" tief der junge Mann erregt.

»Nun, wiffen Sie liebe Tante, e» gibt ein Wapp-n das der ganzen Menschheit eigen ist und seine Devise heißt Bildung und Menschenwürde!"

Die Giästn zuckte wegwerfend mit den Achseln.Der­artige Phrasen machen keinen Eindruck aus mich. Merke Dir also: Eine kleine Spielerei mit dem Mädchen laffe ich zu, gehst Du aber weiter, so wundere Dich nicht, wenn ich meine Verwandschaft mit Dir verleugne.*

Viktor blickte seine Tante finster an. Er kannte ihr hartes Herz, ihre Launen, ihre Rachsucht in gewissen Fällen und wußte daher, daß diese Worte keine bloße Drohung enthielten. Langsam erhob er sich.Ich denke, so wett wird eS nicht kommen," sagte er in ruhigem Tone,und nun gute Nacht, hoffentlich wird Ihre Stimmung morgen eine bessere sein."

Er küßte, wie er dies gewohnt war, der alten Dame die Hand und verließ das Zimmer. Aber im Stillen fühlte er doch, daß diese Unterredung eine tiefe Kluft zwischen ihm und der Gräfin gebildet hatte.

<Forts«tzung folgt)

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirtrS EonntagStlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf«. <exl. Bestellgebühr). Jnserrionsgebühr für die gehaltene Zeile 10 Kfg. ___________Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 vfg. berechnet.

den Gemächern entfernt ist. Die nothwendigen Maßregeln I für die innere Ordnung im Vatikan werden vom Quästor Fragen mit der giößten Mäßigung verfahren ist, roekfji | ergtiff.n. Es wird auch ein gesaueö Berzeichniß aller

Anzeigen nimmt entgegen: die Speditiv» d. Blatte» sowie bie Amroncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Cchüß-

~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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materiellen Genüssen de» Augenblicks ihre Befriedigung fanden, selbst die Frauen, deren Umgang er gesucht, waren fiatterhast und leichtlebig gewesen, ohne jeden inneren sttt schert Halt. Er mußte sich endlich bekennen, daß ihn böse Vorsätze begleitet hatten, al« er daS Haus von Peter Earpe betrat; er hatte geglaubt, dort mit aller Gewissen- idfigk.it eine Scene abzuspielen, wie dies leider nur zu uuo,»»>, ......... ................

häufig in der Welt geschieht und nun war er einer jungen ich mir bei derartigen Aventücen, die zum Zeitvertreib ait- Dame von seiner Erziehung begegnet, der er seine Achtung f geknüpft werden wohl gefallen, denn es verleiht der Sache ^cht versagen konnte, in der er sich vom ersten Augenblick' etwas mehr Cvlorit, aber Dame . . . Dame . . . Nun ^gezogen fühlte und welche im Laufe der Unterhaltung Herr irrender Ritter, fandest Du Deine Dulcinea von