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Nkarburg, Sonnabend, 11. November 1876.
XL Jahrgang.
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tamie dir Annoncen-Bureaur jon Tb. Dietrich & tto. in jflfid und Hann»»er; XI). Dietrich in Frankfurt a- M.; Saasenstein & Boyler in ttantfurt a. M^Berlm, Leip. L ESln k; Rudolf Moffe inBerlm, Frankfurt a. M. rc.
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Lagesdericht.
Dem Berliner »Tageblatt* zufolge hätte der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe, während seines Berliner Aufenthalts bei dec Reichsregierung die baldige Entscheidung der Frage wegen Beschickung der Pariser Weltausstellung angeregt. Fürst Hohenlohe habe in der Audienz beim Kaiser die Beschickung der Ausstellung be« sonders befürwortet.
Die »NationaliZeitung* ist der vorstehenden Meldung gegenüber in die Lage gesetzt, zu konstatiren, daß Fürst Hohenlohe zu dieser Frage keinerlei persönliche Stellung genommen hat, und daß auch diese Frage bei der dem Botschafter vorn Kaiser ertheilten Audienz nicht berührt wurde. Fürst Hohenlohe kehrt Donnerstag Abend nach Paris zurück.
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324.
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Es sollte unS wundern, wenn der Reichstag nicht eine Interpellation an die Regierung richten würde, in Betreff der französischen Weltausstellung, d. h. der Entschließungen der Regierung über die Thetlnahrne an derselben. Eine eingehende Debatte über diese Frage würde die Klärung derselben wesentlich fördern. Der Regierung könnte eS nur angenehm sein, neben dem Urthetl der technischen Instanzen auch da« der höchsten politischen Instanz deS Reichs zu vernehmen. Auch für unsere Nachbarn jenseits der Vogesen könnte eine solche Debatte nur nützlich sein. Wollte man die Betheiligung ablehnen, so würde man nach einem Mtttel suchen müssen, die deutsche Industrie vor der zu befürchtenden Schädigung zu sichern. Vielleicht wäre es gar nicht so übel, auf die französische internationale« eine national- deutsche Ausstellung folgen zu lasten. Eine solche AuS- stellung, etwa von der Reichsregierung veranstaltet, würde im ganzen Reiche entschieden dem grögten Vertrauen begegnen ; und nur darin liegt eine Garantie für das zwcck- '394 entsprechende Zustandekommen. Die Nachbarländer würden ___ nicht umhin können, von einer solchen Demonstration un- serer Industrie Notiz zu nehmen. Wir meinen also, daß die Bethetligung an der Paris« Ausstellung nur dann ab- gelehnt werden kann, wenn man gleichzeitig eine ähnliche tarkt. Schaustellung beschließt und verkündigt.
LOB
10.1
Märchen
Bei der Berathung des EtnführungSgesetzeS zur Strafprozeßordnung war in der Reichsjustizkommission der An- ttag auf Aufnahme des folgenden Paragraphen gesiellt worden: „Während der Sitzungsperiode einer gesetzzeben den Versammlung des Reichs oder eines Bundesstaates dürfen Freiheitsstrafen an einem Mitgliede destelben nur mit vorhe iger Genehmigung der betreffenden Körperschaft vollstreckt werden. Auf Verlangen der genannten Versamm
lungen wird jede vor ihrer Zusammenberufung angefangene Strafvollstreckung der bezeichneten Art für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben.* Für diesen Antrag wurde das praktische Bedürfniß, welches Bei dem bekannten Vorgänge betreffs der Verhaftung eines Reichstagsabgeordneten sich gezeigt habe, und die Verschiedenheit, welche in Bezug auf die Auslegung des Art. 31 der ReichSverfastung vorgetreten sei, geltend gemacht; der Antrag selbst bezwecke eine Abänderung des Art. 31 nicht, da der letztere überhaupt auf die Strafhaft sich nicht erstrecke. Die Mehrheit der Kommission lehnte den Antrag ab. Von einigen Mitgliedern wurde hervorgehoben, daß durch den Beschluß des Reichstags bei der Berathung des Antrags Hofmann die Frage überhaupt beseitigt sei, jedenfalls aber, selbst wenn man der Frage wieder näher treten wollte, sie nicht in der Strafprozeßordnung, sondern im Wege einer authentischen Deklaration, bezw. Abänderung deS Art. 31 zu lösen sei. Endlich wurde auf die Gründe verwiesen, welche bereits früher im Reichstage gegen die in dem obigen Anträge gefundene Ausdehnung deS ^Privilegs der Abgeordneten angeführt worden waren.
Die bitteren Beschwerden der liberalen Presse über die Form der konservativen Wahlagitation, die „Sprühregen der Verläumdung" rc., erhalten in einer Notiz des „Guben« Tageblatt* eine lehrreiche Illustration. Wie dieses Blatt meldet, ist das bei Höne in Forst gedruckte und vor den Wahlen verbreitete Flugblatt (Der Liberalen) „An die Urwähler des Sorau-Gubener Wahlbeztiks" von der königlichen Staatsanwaltschaft zu Sorau mit Beschlag belegt, und durch Beschluß der Königlichen Kreisgerichts deputalion zu Forst ist diese Beschlagnahme aufrecht «halten worden, weil der Inhalt des Flugblattes geeignet erscheint, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klaffen der Bevölkerung, nämlich die kleinen ländlichen Grundbesitzer gegen die Mitglieder der deutsch-konservativen Partei, öffentlich aufzureizen.
Ueber das englische Konferenzprogramm, das wir in dem gestrigen Tagesbericht nach der „Köln. Zig." in seinen wesentlichen Punkten mittheilten, schreibt das „N. W. T. :" „Das Programm Englands ist im Laufe des Dienstag den großmächtlichen Kabineten mitgetheilt worden. Daß dieses Programm die politische Gesamwtlage im Osten nicht tan- gitt, beweist schon die verbürgte Thatsache, daß daffelbe im Einvernehmen mit der Regierung deS Sultans auSgear- beitet wurde. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß die Enbloc-Annahme desselben nicht von Seiten sä nmtlicher Mächte erfolgen dürfte. Konstantinopel als den Ort der
Verhandlungen hat Fürst Gortschakoff acceptirt. Ueber diesen Punkt hinaus ist aber keine Vereinbarung «zielt worden. Da« englische Projekt, seinen Grundzügen nach, schließt jede wirksame, das will sagen materielle Garantie aus. Lord Derby scheint sich mit einer formellen Versprechung des ottomanischen KabinetS, die von d« Pforte verlangten Reformen durchzuführen, und zwar innerhalb einer bestimmten Frist, zufriedenstellen zu wollen. Man versichert unS, daß die Kabinete von Wien und Paris diesen Standpunkt theilen. Ebenso bestimmt wird uns aber gemeldet, daß Deutschland vorläufig sich noch nicht darüb« geäußert hat, sowie daß Rußland durchhlicken ließ, daß eS wesentliche Modifikationen zu dem englischen Projekte beantragen werde. Man versichert, daß im Laufe der nächsten Woche Fürst Gortschakoff die russischen Gesichtspunkte in einem Zirkular an die Pariser Vertragsmächte auSeinand«- setzen werde. Es ist nicht unmöglich, daß der Konf«enz zwei Entwürfe in Betreff der Friedensbedingungen unterbreitet werden. Was die von Rußland bereits angeregte Ausschließung der Pforte von den Berathungen betrifft, so sollen die Großmächte den russischen Gesichtspunkten nur theilweise Rechnung tragen wollen. Jedenfalls hofft man, in dieser Frage sich einigen zu können.
Als die sechs Terrainabschnitte, auf welchen die Demarkationslinien gezogen werden sollen, zählt der „P. Lloyd" folgende auf: 1. in Nord-Albanien an der monte« negrinischen Grenze, nächst Medun nnd Podgritza; 2. im czernagorzischen Bezirk von Grahowo; 3. im Drinathal um Zwornik und Loschnitza an der bosnisch-serbischen Grenze; 4. im Moravathalgebiete von Kruschewatz über Djunis bis Deligrad; 5. an der altferbischen Grenze zwischen Nowawarosch und dem Zollhause bei der Johan- neSschlucht im Jastrebazgebirge (Jankowa-Kliffura); 6. am Timok zwischen Saitschar und dem Engpaffe von Wratr- nitza. Der österreichische Delegirte Raab geht mit den übrigen Delegirten am 7. nach Risch ab, wo der englische General Kernball sich ihnen anschließt. Die Delegirten für Montenegro treten in Ragusa zusammen.
Deutsche» Reich.
•• Berlin, 9. November. Schon jüngst hatten wir darauf hingewiesen, daß die Dispositionen für die Reisen deS Kaisers zu den Jagden nur provisorischer Natur seien und daß die Ausführung derselben nur von d« Witterung abhängig bleibe. Mit Rücksicht auf die kalte Witterung hat der Leibarzt Sr. Majestät es für unzulässig erachtet, daß der Monarch heute die beabsichtigte Reise nach Letz« lingen unternimmt und d« Kaiser hat sich dem ärztlichen
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Erzählung von Carl von Kessel.
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4.4|
(Fortsetzung.)
„Als ich noch jung war, lieber Neffe*, erwiederte die alte Dame gut galant, „ließen sich unternehmende junge Herrn nicht Abenteuer nachweisen, sondern sie suchten diese selbst aus.*
„Dazu bin ich auch bereit und ich bitte ja nur um eine kleine Andeutung."
Frau von Buttstädt sann einen Augenblick nach. „Ich »üßte wohl Etwas", meinte sie schließlich.
Viktor fuhr empor. „Ist das Ihr Ernst?"
„Na, wenn Du Dein Glück versuchen willst. Viel Unheil kann dabei nicht angestistet werden, denn es handelt stch hierbei nur um eine kleine, halb bürgerliche, halb dinerliche Persönlichkeit."
„Desto beffer, daS schüttelt sich leicht wiedn ab und läßt keine GewiffenSbiffe zurück."
„Run also, Du kennst doch meinen Pacht« Karpe?"
„Er scheint mir ziemlich einfältig zu sein."
„Vielleicht stellt er stch auch nur so," bemerkte die alte Dame, der e« nicht an Menschenkenntniß mangelte.
„Ganz gleich, was ist mit ihm?"
„Nun, Karpe hat seit einig« Zeit ein junges Frauen- itamer int Hause, eine nahe Verwandte von ihm, wie ich glaube.*
„Natürlich jung und hübsch?"
„Jung mag sie wohl fein, aber ob sie hübsch ist, da« *riß ich nicht, denn ich kenne sie nicht persönlich.* Viktor kräng auf. „Tantchen, mein Plan ist fertig."
Die alte Dame machte eine abwehrende Bewegung.
„Ich lehne e« jedenfalls ab, in irgend einer Weise Deine Complice zu sein. Amüstre Dich auf Deine Hand, 8td ob Du dabei rensflrst, das ist Deine Sache."
„Natürlich. Ich «erde also dem ehrenwerthcn Hnru
Karpe zunächst, und zwar schon morgen, einen Besuch abstatten."
„Denke Dir die Sache nicht so leicht, in gewissen Dingen versteht derselbe keinen Spaß. Zudem ist ihm der HochmuthSteufel seit einiger Zeit in den Nacken gefahren. Er fängt an auf großem Fuß zu leben und behandelt die kleine Bäuerin wie eine vornehme Dame."
„Nun, das reizt mich um fo mehr. Ich will da« Terrain recognosciren und hoffe natürlich mit Erfolg."
„Versuche Dein Glück, doch mich laß au« dem Spiel, darum bitte ich sehr.*
„Nun, eS handelt sich ja, wie sie eben sagten, nur um eine kleine Bäuerin — also um eine Bagatelle, die nicht der Rede werth ist. Man kommt und geht und schließlich weiß stch die Schöne zu trösten. — —"
Während Herr von Bodungen den Entschluß faßte, Peter Karpe schon in der nächsten Zeit unter allen Um ständen einen Besuch abzustatten, erschien der Pachter dem Herrn von Langen von Tage zu Tage räthselhaft«.
Ein zweiter Besuch, in dem Hause desselben Eingang zu erhalten, war ihm total mißglückt, und doch brannte er vor Begierde, hinter das Geheimniß deffelben zu kommen. In den Besitz großer Mittel mußte der früher so schlichte Manu augenscheinlich gelangt sein, denn woher sonst dieser plötzliche Aufwand? Neuerding« hatte derselbe «st wieder einen eleganten Billardsaal Herrichten lasten und dazu eigen« einen Mal« au« d« Residenz verschrieben, welchen denselben mit sauberen Wandgemälden auSschmücken mußte. Wo aber kam dieser plötzliche Reichthum her? Zum Narrenhause war Karpe nicht reif und Anlagen zum Verschwender hatte er nie gehab:. Es blieb also nur noch die Vermuihung übrig, daß er stch in den unredlicher Besitz großer Mittel gesetzt habe und Langen beschloß, den ver m inten UebelthSt« durch alle möglichen Drohungen so lange in die Enge zu treiben, bi« er ihm ein reuwüthiges Bekenntniß abg-prrßt habe. War die« geschehen, so wollte
« großmüchig schweigen, natürlich um den Pret« der Hand von Fräulein Gott«, über welche Peter Karpe offenbar zu bestimmen hatte. Die Leser werde» bald sehen, mit welcher Konsequenz, aber auch mit welchem Erfolge der Baron feine Pläne ausführte, für jetzt wüsten wir Victor begleiten, welcher am nächsten Tage wirklich feinen Vorsatz ausführte und stch in ausgewählter Tollette nach dem Pachthofe begab. Der Weg dorthin war ein sehr angenehmer. Er führte zuerst an dem Ufer eine« ziemlich ausgedehnten See'S entlang und zog sich dann durch einen Wald, besten Blätterfchmuck gerade jetzt, wo der Frühling «wacht war, dem Auge besonder« wohl that und auch auf die Stimmung erheiternd einwirkte. Auch Viktor fühlte sich angenehm erregt denn er war keineswegs unempfindlich gegen die Reize der Natur.
Obgleich das Leben, welches « bisher in Berlin geführt hatte, allerdings nicht geeignet gewesen war, sich für Genüsse zu begeistern, die einen gewissen Grad von Idealismus bedinge», welcher im Sumpfe deS Materialismus der große» Städte meist bald erstickt wird. Als unser Bekannter schließlich auS dem Walde herauStrat, lag der Pachthof in einet Entfernung von etwa einer Viertelstunde vor ihm. Bei diesem Anblick erwachte sein ganzer Ueber« muth wieder, der Zweck diese« AuSfluge« war ja, den alten Karpe unter allen Umständen zu nöthigen, ihn mit dem jungen Mädchen, welches unter dessen Schutz in dem Pacht- Hause wohnte, und dem er so außergewöhnliche Aufmerksamkeiten zuwendete, bekannt zu machen. War ihm die- einmal gelungen, fo schien e« ihm dann, bei der Siegesgewißheit, von der er sich durchdrungen fühlte, ein Leichtes, einen kleinen Roman in Scene zu setzen, angenommen nämlich, daß die künftige Heldin destelben einen solchen Z itanswand und eine derartige Kraftanstrengung werth sei. Aber wo war der alte Karpe augenblicklich zu finden, er konnte ja auf dem Felde und somit gar nicht zu Hause sein? —