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Wr. 268.

JTlarÖurg, Donnerstag, 9. November 1876.

Xi. ^o|rgaig.

«nieigtn nimmt entgegen: »ttExpedMon d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux ion Th- Dietrich & So. in jteffet und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a. M; B' lein & Vogler in ttaM, Berlin, Leip- In rc; Rudolf Moste

«'Berlin, Frankfurt a. M. rc-

ObcrhcMe Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die «xpeMtton d. Blattes sowie bte Annoneen-Bureaux von B L- Daube & Co. in Frankfurt a. M. - JSger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendanl, A- Sete» meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Oifcbeint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlustrirtes Eoautagsblatt" durch die Expedition (Ikoch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. (e$L Bestellgebühr). JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeue 10 Pfß. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Lagesbariedt

Am 23. Mai 1874 hat der Reichstag beschlossen: den KeichSkanzler unter Ueberweisung einer Anzahl von Pett tionen auszufordeen, baldmöglichst die dem ReichSiagSbe- schlusse vom 25. Mai 1869 entsprechende Gesetzesvorlage gber den Betrieb des Apothekergewerbes zn machen. Durch Peschluß deS BundeSralheS ist darauf das Reichskanzler- Amt ersucht rocroec, den Entwurf zu einem Gesetz.' über die Ordnung deS Apothekenwesens ausarbeiten zu lassen. Die Arbeiten nähern sich dem Abschluß.

Die österreichisch ungarische Regierung hat den Handels nnb Zollvertrag zwischen dem Zollverein und Oesterreich »om 9. März 1868 mit der Wirkung gekündigt, daß der­selbe mit dem Ablaufe deS Jahres 1877 zu Ende geht. Die österreichisch-ungarische Regierung hat jedoch gleich- »eilig dem Wunsche Ausdruck gegeben, Verhandlungen wegen klbschlustes eines neuen Handelsvertrages thunlichst bald eröffnet zu sehen. Die Vorbereitungen, welche nölhig sind, um diesem Anträge entsprechen zu können, hat das Reichs- kanzleramt bereits eingeleitet.

Die orientalischen Angelegenheiten haben neuerdings eine weniger bedrohliche Physiognomie angenommen und das bisherige Jntereffe für dieselben schwindet mehr und mehr. Deutschland soll die Betheiligung an der Feststellung der Demarkationslinie abgelehnt haben, eine Selbstbeschrän- kung, welche man sicher nur loben kann. An dieser Sache nämlich der orientalischen ist wie man zu sagen pflegt, Hopfen und Malz verloren. Deutschland hat wich- tigercS zu thun, als sich um eine Arbeit zu bekümmern, die über Kurz oder Lang sich als vergeblich erweisen wird.

Am Freitag voriger Woche fand, wie derPolitischen Korrespondenz" telegraphisch aus Konstantinopel gemeldet wird, bet dem dortigen englischen Botschafter, Elliot, eine Konferenz der bei der Pforte akkrevirten Botfchaster statt, in der es sich um die Feststellung der Demarkationslinie handelte. Nach Allem, was über den Verlauf der Konferenz von glaubwürdiger Seite verlautet, dürste die Feststellung der Demarkationslinie nach den in solchen Fällen üblichen Prinzipien schwerlich besonderen Schwierigkeiten begegnen. Am Sonnabend und Sonntag bejchästigte man sich alsdann mit der Ausarbeitung der Details der Instruktionen für die MilitärattachsS der hiesigen Botschaften, welche spälestenS am Mittwoch nach Serbien abreisen sollen. Zu Kommissären für die Bezeichnung der Demarkationslinie sind designirt von Oesterreich Oberstlieutenant Raab, von Frankreich Oberstlieutenant Lerch, von England Kampbcll, von Ruß- land Oberst Zelenvy. Für Italien und Deutschland werden

Unser alter Freund.

Erzählung von Carl von Kessel.

(Fortsetzung.)

Die arme, in so schmächlicher Weise betrogene und in chren zarteste., Gefühlen verletzte Helene wollte ihrem ge­preßten Herzen noch weiter Luft machen, wurde aber daran durch den Eintritt von Mademoiselle Josephine ver­hindert.

Herr Karpe, der Pächter der Frau Gräfin, bittet datteten zu dürfen," meldete die Gesellschafterin.

Führen Sie ihn herein", rief die alte Dame lebhaft, er bringt den fälligen Zins. Karpe ist ein braver red­licher Mann, er ist so pünktlich wie ein Soldat auf seinem Posten und nun wird es sich ja auch Herausstellen, was für eine Lewandtniß eS mit den Mittheilungen des BaronS hat."

Einige Minuten darauf stand Peter Karpe vor der Echloßherrin und machte derselben eine respektvolle Ber­ingung.

Der (Sintietenbe war ein Mann von etwa sechszig Jahren. Es war eine hohe, kräftige, fast sechs Fuß messende Gestalt mit breiten Schultern und einem gesunden frischen Gesicht, dessen ehrlicher Ausdruck von vornherein einen dertrauenerweckenden Eindruck machte und welches sich be­sonders durch ein paar Augen auSzeichnete, aus denen ein Gemisch von Gutmüthigkeit und Schlauheit hervorleuchteten, keine Kleidung erinnerte etwas an die Vergangenheit, aber ste paßte prächtig zu der hohen kräftigen Gestalt und gab dem Manne ein stattliches Ansehen. Alles war sauber und schmuck an ihm, seine Haltung bescheiden aber doch selbst­bewußt. Er trug hohe, bis an die Knie reichende Stiefeln von Rindsleder, an diese schlossen sich schwarze Beinkleider, bann kam ein« rothe mit kleinen silbernen Knöpfen besetzte

die MilitärattachsS der betreffenden Botschaften in Wien fungtren. Für Montenegro sind zu Kommissären designirt von Oesterreich Oberstlieutenant Thoemmel und von Ruß land Oberst Bogolubo«. An neueren Nachrichten über das Konferenzprojekt und über die Aufstellung eines Pro­grammes liegt nichts von Wichtigkeit vor. Der Waffen» stillstand scheint schon mehrere Male gebrochen zu sein, wie aus einem Telegramm aus Ragusa hervorgeht und ferner auch auS folgender Depesche der N. Fr. Pr.: Sernlin, 5. November. Gerüchtweise verlautet, daß die Serben unter Kommando des Blagoj Jovanovich gestern die Türken bei Zajcar angegriffen und die türkischen Batallione sammt Kommandanten niedergemetzelt haben.

Wie aus Alexinatz gemeldet wird, gedenkt der Serdar Ekrem, für die ganze Zeit des Waffenstillstandes sein Hauptquartier in dieser Stadt aufzuschlagen. Die Rü­stungen werden trotz des Waffenstillstandes fortgesetzt. Aus Belgrad, 5. November, melde, man der W. Piesse: Eine mit Pferden und Waffen vollkommen ausgerüstete Kojakenabtheilung ist in Kladovo angekommen. Die Jour­nale betrachten den zweimonatlichen Waffenstillstand nur als erwünschtes Intermezzo zu weiteren Kriegsvorbereitun­gen. Der russisch-türkische Krieg sei nur aufgeschoben; Serbien werde dann die Führung der südjlavischen Ange­legenheiten mit Ehren an Rußland abtreten können. Hör- vatovies erhielt den Lakovoorden erster Klasse; außerdem erfolgten zahlreiche Ordensverleihungen an serbische und russische Offiziere. Seit einigen Tagen werden AuSrüstungö- gegenstände für den Winter in das Hauptquartier nach Paratjchin io ungewöhnlicher Menge transportirt. Ne­ber türkische Rüstungen meldet man aus Avrianopel: Die Ausrüstung von 150 neuen Batailoncn in den astatischen Provinzen schreitet rasch vorwärts, da die Regierung für jesen Fall gerüstet sein will. Auch hier langen noch immer Truppen an, die für Risch und Widdin bestimmt find.

Deutsche» Reich.

Berlin, 7. Nov. Der Reichstagsabgeordnete Most hat, unterstützt von ultramontanen Mitgliedern des Hauses, joigenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle be­schließen: 1. Die Untersuchungen, welche gegen die nach stehenden Abgeordneten in den beigefügten Fällen momen tan schweben, «erden für die Dauer der gegenwäitigen Sitzungsperiode aufgehoben, nämlich: a. daS gegen den Abg. Hasselmann wegen Uebertrerung deS PreßgesetzeS schwe­bende Strafverfahren, in welcher Angelegenheit am 8 d. MtS. vor dem königlichen Polizeigericht zu Barmen Ter- min ansteht; b. der gegen den Abg. Gelb wegen angeb­licher Uebertretung der Paragraphen 5 und 26 des Regu­lativs vom Jahre 1824 vom Polizeianwalt zn Marne

Weste und den Schluß bildete ein bedeutend weißes Halstuch mit nicht minder sauberer Leibwäsche. Ein langer blauer Ueberrock mit weiten Seitentaschen und von gutem derben Tuch vollendete das Bild eines wohlhabenden Pach­ters ans der alten Zeit, wie dasselbe heutzutage immer mehr verschwindet.

Als Karpe jetzt so vor der Gräfin stand ustd dieselbe mit seinen klugen Augen unter einem entgegenkommenden bescheidenen Lächeln anblickte, war eS erkennbar, daß die­selbe stch des guten Eindrucks, welchen diese Erscheinung hervorries, nicht erwehren konnte, denn auch ihr Gestchts- auSdruck wurde freundlicher und milder, und indem sie dem Manne, welcher vor ihr stand, die Hand reichte, ries ste mit der ihrem Charakter eigenen Lebhaftigkeit:Da ist ja unser alter Freund! Na, ich wußte wohl, daß ich Euch erwarten burjtel Nicht wahr, Ihr bringt den fälligen ZinS? ja, das habe ich gern, wenn die Leute pünktlich ihren Verpflichtungen nachkommen?

Bin eS auch nicht anders gewohnt, Frau Gräfin," erwiderte Karpe und richtete sich dabei mit stolzem Selbst- bewußtfeili empor,hier sind die Pachtgelder für das abgelaufene Halbjahr 's hat Mühe genug gekostet, ste jujammenjubtingen.Dabei zog er aus der einen Seitentasche seines Rockes einen schweren leinenen Beutel hervor, öffnete denselben und schüttelte dessen Inhalt auf den Tisch, wobei thetlS Goid, theiis Silber uno Papier­geld sichtbar wurde.

Die Augen der alten Dame blitzten gierig auf, ste war von Natur geizig und der Anblick des Hausen Ge.deS machte ste lüstern.

Inzwischen begann Peter Kaipe die Pachtgelder auf zuzähien. Er ordnete das Gold, er ordnete das Silber und die Banknoten und nachdem er bas Ganze nochmals sorgfältig Überblickt hatte, fügte er zu der Schloßherrin

angestrengte Prozeß, welcher am 10. d. Mts. mittelst Ver­handlung seinen vorläufigen (erstinstanzlichen) Abschluß finden soll; c. die Untersuchung, welche gegen den Abg.

Vahlteich beim königlich sächsischen Bezirksgericht zu Mitt­weida wegen angeblicher Beleidigung des Bezirksgerichts zu Chemnitz angestrengt worden ist. 2. Der Reichskanzler wird ersucht, für sofortige AuSsührung dieses Beschlusses Sorge zu tragen. Dem Reichstage ist die Ueberstcht der vorn Bundesrath gefaßten Entschließungen auf Be­schlüsse des Reichstags aus den Sessionen 1873,1874 II. und 1875 jugtgangen. Der von dem Reichstag ver­langte Gesetzentwurf bett, die Unterstützung der Familien der zum Dienst einbetufeten Reserve-, Landwehr- und Land- sturmmannschasten, war bereite vor Jahresfrist fertig auS- gearbeitet. Wie der Reichskanzler dem Reichstage mittheilt, sind die Verhandlungen über Feststellung des in der Vor- berathung befindlichen Gesetzentwurfs noch nicht zum Ab­schlüsse gelangt. Die Vorarbeiten für den Entwurf eines Gesetzes Über den Vollzug der Freiheitsstrafen sind im ReichSkanzleramte soweit gefördert, daß ihre Beendigung erfolgen kann, sobald die deutsche Strafprozeßordnung fest- gestellt sein wird. Der deutsche Reichstag hat in seiner Sitzung vom 19. November 1875 beschlossen: den Reichs­kanzler zu ersuchen, nach Publizirung des Gesetzes bett, die Beseitigung von Ansteckungskosten bei Viehbeförderungen aus Eisenbahnen, erneute Anstrengungen zu machen, um die Hindernisse zu beseitigen, welche der Einfuhr des deutschen Fettviehs für den Londoner Markt entgegenstehen. Es ist darauf der Versuch gemacht worden, die britische Regierung unter Hinweis auf die neuerdings geschaffenen verstärkten Garantieen gegen die Gefahr einer Einschleppung von Viehseuchen aus Deutschland nach Großbritannien zur Beseitigung der der Vieheinsuhr auS deutschen Häfen auf­erlegten Beschränkungen zu bestimmen. Der gedachte Ver­such ist jedoch wiederum erfolglos gewesen.

Darmstadt, 5. Nov. Sicherem Vernehmen nach liegt eS in der Absicht einer Anzahl von LandtagSabgeord- neten, einen Gesetzentwurf über Aufhebung ter Verordnung vom 29. Juli 1791 wegen zwangsweiser Abtretung ,benö- thigter Plätze zum Neubau von Häusern einzubringen. ES handelt sich bei dieser Verordnung um Normen, die sich längst überlebt haben und deßhalb je eher je besser aufgehoben werden. Die Abtretung von Grundeigenthum zu öffentlichen Zwecken bleibt durch die Aufhebung jener Normen völlig unberührt. Superintendent Linß erklärt in einer an mehrere Zeitungen gelangten Zuschrift die An­gabe, daß er die Deeane angewiesen habe, dafür Sorge zu tragen, daß in in den betreffenbenben Kirchengemeinde- Vertretungen nichts verhanbelt werbe, was nicht zu beten Compelenz gehöre, insbesondere nicht bk Frage wegen Ver­stärkung beS LaienelementS in den Synoden, für unwahr.

gewenbet:Ich glaube es wird stimmen, wollen die gnä­dige Frau Gräfin nun selbst Einsicht nehmen?"

Diese setzte ihre Brille auf und begann mit großer Sorgfalt die verschiedenen Geldforten zu überzählen. Mit­unter ergriff ste hier und da ein Goldstück und prvbirte dessen Klang, einige Mal hielt ste auch von den Banknoten die eine oder die andere piüsend gegen daö Licht, aber schließlich war sie doch mit dem Resultat ihrer Untersu­chungen zufrieden, denn ste strich das Geld ein und sagte sehr freundlich:

Alles in Ordnung, alter Freund Alles in Ord­nung l Und nun setzt Euch und genießt mit mir ein Glas Wein, wie dies ja seit Jahren zwischen uns Sitte

Die Gräfin klingelte und befahl dem eintretenben Diener ein Frühstück zu fetbiren, während Peter Karpe ihr gegen­über Platz nahm.

Wie steht es bmn sonst?" fragte die alte Dame den schlichten Mann, während sie mit ihm anstieß.

Danke, gnädigste Gräfin, zum Lügen bin ich nicht geboren und so sage ich denn, daß ich zufrieden bin."

Ja, ja, die Preise stnd in den letzten Jahren fast um'S Doppelte gestiegen und Eure Pacht ist eine geringe. Wie lange läuft denn noch unser Contrakr?"

Noch zehn Jahre, Frau Gräfin, inzwischen können die Zeiten wieder schlechter werden."

Die alte Dame schüttelte mit dem Kopfe.Ihr seid ein vorsichtiger Manu, am Ende werdet Ihr mir noch einreden wollen, daß Ihr kaum auskommen könnt."Viel mehr wirft eS auch nicht ab," meinte Karpe.

Die Schloßherrin drohte mit dem Finger und sah ihren Pachter scharf an.

Ich glaube unser alter Freund versucht mir Sand in die Augen zu streuen."