Sir. 261
(„mie die Annoncen-Bureaux ron Th- Dietrich & ®o. tn »asiel und Hanne ver; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; Laafenstein L Bögler tn Lanlfurt«- M, Berlin, Leip- 27 Löln k; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Marburg, Dienstag, 7. November 1876.
xi. Iahrgaig.
WcrhcUiht Jritung.
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len, Pacification im Orient — in einen Schwall gewählter Worte «tnzuhülle». Ein Vergleich mit der deutschen Thronrede, welche in wenigen, klaren Worten dasselbe sagt, gereicht dezn französischen Produkte unserer Ansicht nach licht zum Vortheil.
Entschieden interesianter ist ein Telegramm aus St. ieterSburg, nach welchem der dortige türkische Botschafter Itabuli Pascha sich demnächst mit Urlaub n.ch Wien be- zeben werde. Da der offiziöse Telegraph hinzufügt „um 'vrtige Aerzte zu consultiren" so wollen wir keine Berner !ung dazu machen und nur wünschen, daß die „Gesund-
Der Telegraph brachte eine sehr genaue Skizze der klärnng, welche der Herzog Decazes vor der sranzöst- ihen Abgeordnetenkammer tn Betreff der orientalischen lngelegenheiten abgegeben hat (s. unten Versailles). Der Leiter der auswärtigen Politik des Franzosenreichs hat es
Hufe! alter Freund.
Erzählung von Carl von Kessel.
(Fortsetzung.)
von Langen verbeugte sich und indem sich seine einen halb listigen halb dreisten Ausdruck hüllten, er:
ltchkeit aus der Ferne an und die Art und Weife, wie sie .sich gegenseitig anheucheln und überlisten, dient mir zuw l Ullffti Zeitvertreibe. Doch wir sind von dem eigentlichen Thema 1876. ^gekommen. Was haben Sie also mit meiner armen PorticiHklrne vorgehabt
l. Theil „Wie gesagt, wir wurde daS Vergnügen zu Theil, die« diantesiklbe tn Berlin kennen zu lernen."
„Keine Winkelzüge! Zwischen Euch Beiden besteht ein ie ErdBcheimniß."
„Durchaus nicht, Frau Gräfin. Dieses Geheimniß utskt). ^duztet sich aus eine ganz gewöhnliche Geschichte. „Ich
»rächte dem Fräulein meine Huldigungen dar, das FrSu- ikiu fand an diesen Huldigungen Gefallen und" . . .
—*'■ „Nun, und? —"
1876. „Verzeihen Sie, wenn ich hier abbreche. Ich will
«ie nicht des pikanten Genusses berauben, aus Helene litt 5',,'hsrr Ahlsseld eigenem Munde daS Ende dieser tiagikomi- 16.93,,H^ee Angelegenheit zu vernehmen."
„Nichts da! Sie selbst sollen mir sagen, waS Sie
^it dem einfältigen Dinge vorgehabt haben. Gtebt es ----"«ei etwas zu lachen? —"
„Ich danke für diese gnädige Anerkennung. Ich habe harbt immer den philosophischen Geist der Frau Gräfin bewundert —;zr*®nb somit bin ich überzeugt, daß Sie bei dieser Erhaben k -
der Gedanken die Definition über Moral und Tugend ^ebenfalls für bloße Wortklauberei — halten werde —." [264! „Nun," bemerkte die alte Dame, „ich sehe mir we- ^meiste^vigftenS das Treiben der Menschen jetzt mit aller GemSch-
ichen Theil des Volks Leidenschaften entgegenzutreten und zu bändigen. Beharrt man dagegen dabei, das Eine thun und das Andere zu unterlassen, offenbaren Buben- chen seinen Beifall zuzurufen, so können wir nicht ohne stere Besorgniß dem weiteren Verlauf der Dinge züglich jener unglücklichen Pariser Ausstellung entgegen; en." Die „Kreuzzeitung" bemerkt dazu: „Was uns «trifft, so find wir überhaupt für Weltausstellungen icht gerade besonders eingenommen, und aus naheliegen-
Gründen am allerwenigsten für diejenige, die schon so d wieder in Paris stattfinden soll. ES soll uns recht , wenn man — diesmal nach Anregung der „Nationaltung" — die Frage, ob die Pariser Ausstellung deutfcher- S zu beschicken sei, sich noch zweimal überlegt, bevor fich bejahend entscheidet".
Die neuerdings stattgefundenen Aeußerungen des DeulfchenhaffeS in Paris haben auf dieser Seite des Rheins begreiflicherweise eine gerechte Entrüstung erueckt und eS ist nicht anwahrscheinlich, daß daS Gebühren der
französischen Chauvinisten nicht ohne Einfluß ist auf die Eatfchließung der offiziellen und industriellen Kreise deS fieichS hinsichtlich der französischen Weltausstellung. So chreibt die „Nationalzeitung": „Wir wünschen, daß die itt Vft französische Nation fich zu einem von zwei Dingen ent- chließen möge; entweder unS mit der Ehre von Einla-
’Pltil düngen zu verschonen, die uns. nur die Wahl zwischen zwei Verlegenheiten, dem Abschlagen und dem Kommenlassen, oder aber in ihrem zurechnungSsähigen und verantwort
iren, 1 Meisterlich verstanden, die beiden Grundgedanken seiner lnent- Erklärung — Erhaltung deS Friedens zwischen den Mäch- )auer- ■ -
igstem >rzüg- i Rück- nd bei chlatz, halber
n An- >«Sber- m die Näh. :en b senden, i, den
hkitsrückstchten" den Pascha nicht hindern möchten, bald nach Rußland zurückzukehren.
An der Scylla d. h. dem russischen Ultimatum ist die Türkei glücklich vorbeigeschifft. Der Waffenstillstand ist genehmigt. Noch harrt aber deS türkischen Staatsschiffes die gefährliche CharybdiS. ES bleibt noch die Demarka- tions-Linie sestzustellen, und in diesem Betreffe gehen die Wünsche Rußlands und der Türkei weit auseinander. Endlich harren noch die Friedenöbedigungen und die Reformfrage der Entscheidung. Für die Lösung dieser Fragen dürften 2 Monate kaum ausreichend sein.
DaS Schicksal Serbiens kann nach dem Falle von Alexinatz nicht mehr fraglich sein. Die Niederlage der Serben ist greifbar konstatirt und man wird es ohne weitere Beweise glauben, daß die Stimmung in Serbien sehr gedrückt ist. Schon der Fall von Djunis markirte die eingetretene Wendung. Der Refrain war in Belgrad wie in Moskau derselbe. Dieser Schlag ist für Serbien vernichtend und das Land ohne fremde Hülfe verloren! Ein Blick auf die Karte beweist, daß hierin keine Ueber- treibung liegt. Der Besitz von Djunis sichert den Türken das wichtige Krufchewatz und die von hier durch das Thal der serbischen Morawa führende Heerstraße, nach Parat- schin führende Heerstraße, nach Schuprye und weiter ins Innere des Landes. Auch die von Krufchewatz nach Süden und Westen führenden Straßen müssen in die Hände der Türken fallen, welche bann die tapferen Ver- theidiger der Jankowa - Klissura und die Jbar-Armee im Rücken bedrohen. Die Erfolge, welche von der serbischen Timok- und Jbar Armee gemeldet worden, vermögen an dieser kritischen Lage nichts zu beffern.
Die Schuld an den letzten Niederlagen der Serben, schreibt die Wiener Preffe, trägt abermals Generalijsimus Tfchernajeff, der mit der energielosen Hartnäckigkeit eines mittellosen Generals an der einmal gefaßten Idee festhielt. Schon der Uferwechsel der türkischen Armee an der Morawa End« August kam .einem Eingeständnisse Abdul Ke- rim'S gleich, daß er nicht im Stande sei, Alcxinatz durch einen direkten Angriff zu nehmen. ES fehlt ihm an jedem Belagerungspark und er begab sich, um einem Festungskrieg auszuweichen, auf das linke Morawa-Ufer und versuchte die Serben Ende September zu einer offenen Feldschlacht zu engagiren und zu schlagen. Den letzten Angriff am 30. September wiesen die Serben zwar zurück allein die Vertheilung der Kräfte war damals in Folge einer über- kowbinirten, zerr streuten Ausstellung eine so unglückliche,
„Leicht möglich, daß hierzu der Stoff vorhanden ist." — „Nun also heraus mit der Sprache."
„Muß nochmals sehr bedauern, Ihrem Wunsche nicht nachkommen zu können. Damen gegenüber habe ich es mit zum Gesetz gemacht, stets die größte DiScretion zu beob achten. Zudem bin ich ein sehr trockener Erzähler, aber wie gesagt, Fräulein von AhiSfeld wird die kleine tomatr tische Episode, um die cö sich hier handelt, gewiß mit den erforderlichen Farben ausznschmücken wissen und um Sie dieses Genusses nicht länger zu berauben, gestatte ich mir, mich Ihnen zu empfehlen."
Herr von Langen hatte fich bei diesen Worten erhoben und indem er sich mit der Hand leicht durch sein dünnes röthlichks Haar strich, hüllte sich sein mit Sommersprossen bedecktes Gesicht in ein boshaftes schadenfrohes Lächeln. Die Gräfin hatte aber gerade keine Lust, die einmal begonnene Unterhaltung schon jetzt abzubrechen, sie plauderte gern und liebte eS, Neuigkeiten einzujammeln, und sie wußte, daß Langen der Mann war, dem es an solchen nie mangelte.
„Nein, bleiben Sie noch ein Weilchen," sagte sie, „ich verstehe meine Neugier zu bezähmen und Helene wird noch früh genug beichten. Haben Sie mir sonst nichts Interessantes mitzutheilen?"
„Oh, einiges Neue gießt es immer," bemerkte Langen, „die Neuigkeiten sterben nie aus. Gerade jetzt circuliren über eine Person, die auch Ihnen nahe steht, allerhand Gerüchte."
Die alte Dame setzte sich aufhorchend in ihrem Sessel aufrecht. „WaS giebt eS denn? Eine Person, die mir nahe steht? — Nun, darf ich um eine nähere Erklärung bitten?"
„Ich meine Ihren Pächter Karpe," lautete die Ant wort. "
„Was, unser alter Freund giebt zu Gerüchten Veranlassung? Fühlt er vielleicht daS Bedürfniß, sich noch mit sechzig Jahren zu verheirathen? — Eine solche Narrheit ist ihm wohl aber kaum zuzutrauen." 1
fdaß die Türken ohne Gefahr in ihre unbequemen Positionen wieder zurückkehren tonnten. Trotzdem Abdul Ke- rim Pascha durch die Gefechte Ende September ganz deutlich die Stelle bei Djunisch bezeichnete, welche er naturgemäß forciten müsse, blieb Tfchernajeff bei der Ueber- zeugung, daß Alexinatz und Deligrad nicht zu nehmen seien. Er dachte immer nur an die Stärke feiner Stellungen und. nicht an deren Schwächen. Immer länger und immer dünner wurde die serbische Posttion; HorvatovicS am rechten Flügel mußte immer mehr die Türken umgehen, bis wieder drei thatenlofe Wochen ins Land gegangen waren. Nichts war natürlicher, als den größten Theil der serbischen Armee auf das linke Ufer zu werfen, die schmale türkische Front zu überfallen — aber Tfchernajeff glaubte noch immer, daß ihn die Türken dort fassen werden, wo er am stärksten war, bei Alexinatz und Deligrad. Mittlerweile that Abvul Ster im gerade das Gegentheil; er bemonftrirte nur mit heftigen Kanonaben gegen die serbischen Verschanzungen, versuchte täuschende Brückenschläge, warf sich aber mit aller Energie gegen Djunisch — und waS seitdem geschah, haben unsere Leser gewiß noch in bester Erinnerung.
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Deutsche, «eich.
— Berit», 2. Nov. Nach § 107 des Entwurfs eines Gerichtsverfassungsgesetzes ist baS Reichsgericht zur Untersuchung unb Entscheidung in erster und letzter Instanz in Fällen des gegen Kaiser und Reich gerichteten Hoch- verraths und LandeSverraths berufen. Es lag in der Kommission ein Antrag vor. Die Untersuchung und Ab- urtheilung dieser Verbrecher einem Reichsschwurgericht zu übertragen, dessen 80 Geschworene aus den Mitgliedern des deutschen Reichstags ausgeloost werden sollten. Die Antragsteller hoben hervor, daß man auS principiellm Gründen für die Aburtheilung der in Frage stehenden schweren politischen Vergehen nur ein Schwurgericht berufen dürfe. Wenn gegen die Ausdehnung der Kompetenz des Schwurgerichts auf alle politischen Verbrechen einge» wendet worden fei, daß man den Geschworenen einet kleinen Staats die Aburtheilung solcher Verbrecher, namentlich, wenn das Reichsinteresse in Frage fie$e, nicht überlassen könne, so sei dieses Bedenken durch den Vorschlag der Schaffung eines Reichsschwurgerichts beseitigt. Trage man Bedenken, die Geschworenen aus den Mitgliedern deS deutschen Reichstags zu bilden, so möge man den eventuellen Antrag, nach welchem die Geschworenen auS der Vorschlagsliste eines Landgerichtsbezirks, in welchem daS Reichsgericht feinen Sitz habe, gebildet werben
„Daran beult er wohl auch nicht, aber dennoch sind in feinem Hausstände feit einigen Wochen ganz merkwürdige Veränderungen vorgegangen."
„Wollen Sie damit vielleicht auf das junge Mädchen hindeuten, welches seit kurzer Zeit bei ihm ist?" fragte die Gräfin ziemlich enttäuscht. „Nun, darin liegt doch nichts Merkwürdiges, denn wie ich hörte, ist dasselbe eine nahe Anverwandte von unserem alten Freunde."
„Unser alter Freund entwickelt aber feit der Ankunft dieser jungen Dame einen Luxus, welcher weit über die einfachen Verhältnisse, in denen er bisher lebte, hinausgeht."
„Er hat aber seine Pacht bisher regelmäßig bezahlt," bemerkte Frau von Buttstädt etwas ängstlich.
„Oh, an Mitteln scheint es ihm durchaus nicht zu fehlen," fuhr der Berichterstatter fort „AnSsorschen läßt er sich freilich nicht, dafür ist er, trotz der einfältigen Miene, die er für gewöhnlich zur Schau trägt, zu schlau, aber mit rechten Dingen geht es dabei keinensalls zu. Einige Leute meinen, er habe in der Lotterie gespielt und daS große Loos gewonnen, Andere glauben, daß er einen Schatz gefunden und noch Andere sind der Ansicht, daß er ein Testament unterschlagen und sich selbst zum Erben eingesetzt hat." —
„Albernheit!" rief die Gräfin, Karpe ist durch und durch ein ehrlicher unb braver Mann und umsonst nenne ich ihn nicht „unseren alten Freund." WaS Übrigens den angeblichen LuxuS anbelangt, so bin ich doch begierig zu hören, worin derselbe besteht. —"
„Die Frau Gräfin werden erstaunen, wenn ich auf die Details eingehe. Keine Ausgabe erscheint unserem alten Freunde, um mich Ihres Ausdrucks zu bedienen, zu hoch, um die junge Dame mit dem möglichen Somfort zu umgeben."
„Sie scheinen ja einen gewaltigen Respekt vor dieser Heinen Bäuerin zu haben," bemerkte Frau von Buttstädt naserümpfend. •