der folgende § 36, — entsprechend dem § 53 des Reichsgesetzes mit den für instrukttonell zu haltenden Worten beginnt: „Als Zeugen sollen nur großjährige Personen zugezogen werden.*
Nach Privat - Berichten aus Konstantinopel hätte, der „Agence HavaS* zufolge, die Pforte dem Waffenstillstände zugestimmt mit dem Vorbehalt, daß auch Serbien denselben annehme. Da die Annahme von Setten Serbiens erfolgt sei, so wäre Mittwoch Abend der Waffenstillstand unterzeichnet worden.
Ueber die Stadt Alekstnac und deren Umgebung, die nach dem letzten Kampfe von den Serben geräumt und von den Türken besetzt wurde, entwirft der bekannte Orientreisende F. Kanttz in seinem Werke über „Serbien* die nachfolgende Skizze: Aus der Ferne gesehen, gewährt Alek- sinac, ein junges, aufblühendes Städtchen, ein freundliches Bild. Beim Eintritt löst sich jedoch das grünumrahmte Ganze in einander zum Verwechseln ähnliche, höchst ein- törmtge Straßen auf. Es hat bloö ganz unbedeutende Bauten, und nur die Kirche mit dem Nacalnikat bilden eine Art Platz, der ein wenig an kleine europäische Städtchen erinnert. Auf der Carschia von Alekstnac erblickte ich zum ersten Male das Albanestsche Kostüm. Das albanesische Element ist seit Jahren von seinen Steilbergen herabgestiegen und hat sich in der fruchtbaren Ebene der vom serbischen Grenzbrrge Kopaonik herabkommenden Toplica eingenistet. Ein Keil zwischen Serben und Bulgaren, ver kehrt eS nun mit beiden friedlich in dem auf der Scheide der drei Völker entstandenen Städtchen, während «s außerhalb bet Schranken des serbischen Rastells seinen christlichen Nachbarn feindlich gegenübersteht. Da« junge Alekstnac bildet, begünstigt durch seine Lage an der bulgarischen Grenze, einen wichtigen Knoten- uud Durchzugspunkt an der großen, von Mitteleuropa nach Konstantinopel führenden Post- und Waarenstraße. Mit der Verbreitung erhöhter Kultur in diesen Ländern wird sich auch besten Bedeutung steigern. Die Personensrcquenz ist gegenwärtig in keiner Quarantaine Serbiens so stark al- zu Alekstnac. Durch die Thore seines Rastells zieht alljährlich die größte Zahl jener 15- bis 18,000 Bulgaren und Zinzaren, die als Häuser-, Feld- und Gemüsebauer dm Sommer über in Serbien Beschästigung suchen, um im Winter auf demselben Wege mit ihren Ersparnissen in die Heimath zurückzukehren. Ueber Alekstnac wandern mittelst Lastthier-Karawanen die Rohprodukte Bulgariens und Thrakiens: Korduanlcder, Häute, Wolle, Bau- und Tischlerhölzer rc, in die österreichischen Fabriken, um verarbeitet, theilweise als theure Jn- dustrieprodukte die Bazare von Risch bi» Adrianopel und Sophia zu füllen. Der größte Theil europäischer Fabri
kate für die berühmten Messen von Jslivne am Balkan, Monastir in Thracten und llzundzi iu Bulgarien, auf welch letzterer an 100,000 Menschen au» allen Theilen der europäischen und asiatischen Türkei bi» Persien und Kaufleute aus Italien, Deutschland und der Schweiz zu einem wunderbar polyglotten Menschengewirre zusammenströmen, nimmt seinen Weg gleichfalls über Alekstnac. In richtiger Er« fastung dieser alten Handelstraditionen und der örtiichm physikalisch geographischen Verhältniste zog Bone und nach ihm von Hahn die Eisenbahnlinie von Belgrad nach Salo« nicht, als Fortsetzung der großen eisemen Verbindung»» straße zwischen der Nordsee und dem Mittelmcere, über Alekstnac, das schon gegenwärtig einen wichtigen Zwischm- punkt des europäisch-türkischen Telegraphennetzes bildet. Der heutige Wohlstand von Alekstnac füllt aber größten« theils mit der Errichtung der serbischen Quarautaiaeu im Jahre 1836 zusammen. Im Südosten Europas war und ist eS insbesondere die orientalische Pest, die Cholera und die Viehseuche, welche die Einrichtung und Erhaltung g«. ordncter Qu irantaineanstalten verlangten. Da» System derselben in Serbien wurde genau dem österreichischen nach, gebildet. Oesterreichische Aerzte und Kontumazbeamre richteten dastelbe ein und wurden zu besten Handhabung an- gestellt. ES theilt also mit diesem Vorbilde alle seine Vorzüge und Schwächen.
L«tfche» Reich.
— Berlin, 2. Nov. Die Frage, ob die Regierung resp. das unter dem Vorsitz« des Kaisers jüngst abgehaüeae Ministerkonseil über die Eisenzollfrage eine Entscheidung getroffen habe, kann nunmehr unbedingt bejaht werden. Jene hohe Versammlung ist jedoch sicherlich nicht weg« der Etsenzollfrage allein zusammengetreten, sondern e» dürften in derselben alle diejenigen Punkte der inneren und äußeren Politik erörtert worden sein, welche in bet Eröffnungsrede berührt worden sind. Die Stellung bet Regierung zur Eisenzollfrage, ist in der Eröffnungsrede deutlich zum Ausdruck gelangt. Wenn die Regierung verspricht, von der heimischen Industrie Benachtheiligungeu abzuwenden, welche ihr durch die Zoll und Steuereinrichtungen anderer Staaten bereitet werden, so erfülle sie damit eint Forderung der freihändlerischen Majorität d«S Reichstage«. Wenn eS der Regierung gelingt, die gerügten „Lenach- theiligungen abzuwenden*, so wird sie den gewichtigste« jener Uebelstände beseitigen, gegen welchen die benachthei- ligten Industriellen durch den Fortbestand der Zölle geschützt sein wollen. Daß diese Auffaffung richtig ist, beweist die Entäuschung mit welcher sich die betreffende» Jntereffenten über den fraglichen Paffu» der Thronrede äußern. (Siehe hierüber auch unsere #• Corresondenz
Marburg, Sonnabend, 4. November 1876.
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In dem Berichte der 10. Kommission des Herren- -_—N hmseS über den betreffenden Gesetzentwurf heißt es Seite
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stehungSgeschichte des, so viel hier in Betracht kommt, gleich- Menden § 35 deS preußischen Gesetzes vom 9. März
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ragtSdericht.
Die Besserung iu dem Allerhöchsten Befinden Sr. Ma- jtstät de» Kaiser» und Königs schreitet in erfreulicher Weise (ort, und obwohl Se. Majestät noch genölhigt sind, das Zimmer zu hüten, so hat doch die Erledigung aller Re- gierungSgeschäste ununterbrochen stattgehabt.
Der BundeSrath hielt am 31. Oktober eine Plenarsitzung. Der Vorsitz führte der Staats- und Justizmi nifter Dr. Leonhardt. ES wurde Beschluß gefaßt über die Stellung, welche gegenüber den von bet betreffenden Kommission de» Reichstage» in zweiter Lesung gefaßten Be- schlüffen zu den Entwürfen eines GetichtSversastungSge- fetze», einer Civilprozeßvrdnung, einer Strafprozeßordnung «d einer ConcutSordnung nebst zugehörigen EinsührungS- Gesetzen einzunehmen sein »erbe.
Gegenüber laut gewordenen Zweifeln hält die „Nordd. Illg. Ztg.* ihre Mittheilung, daß das preußische Ministerium sich im Sinne der Nichtverlängerung der Eisenzölle' entschieden habe, aufrecht und fügt noch hinzu, die Ent scheidung sei eine definitive; für die Verlängerung der Elsen- Zille sei gewiß auch tat gegenwärtigen Reichstage keine Majorität zu finde«.
Rach einem von dem Minister de» Innern, im Ein- vnständniß mit dem Justizmintster erlaßenen Reskript vom 4 v. M., muß nach der Fastung des § 52 des Reichs- zesetzk» vom 6. Februar 1875 einer nicht in Gegenwart von zwei Zeugen erfolgten Eheschließung die rechtliche Wirksamkeit abgesprochen werden. Hierfür spricht die Ent-
15: „Zu § 34 (jetzt § 35) wurde eine andere Fastung dorgeschlagen, um die Bedenken darüber zu beseitigen, welche von den in der Vorlage für die Eheschließung vorgeschtie denen Formen sür wesentlich zu erachten seien, und um den Zeitpunkt festzustellen, wann eine Ehe als geschlossen anzusehen s i." Demgemäß hat das Herrenhaus drm jetzigen S 35 de» allegirteu preußischen Gesetzes die kategorische, derjenigen de» § 52 deS Reichsgesetzes wesentlich entsprechende Fastung gegeben: „Die Ehe wrrd dadurch geschlossen, daß die Verlobten in Gegenwart von zwei Zeugen vor dem Standesbeamten persönlich ihren Willen erklären, die He mit einander eingehen zu wollen, daß diese Erklärung «en dem Standesbeamten in das Heirathsregister eingetragen und daß die Eintragung von den Verlobten und den dem Standesbeamten vollzogen wird," — während
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Anzeigen nimmt entgegen r Ne «Mdttto» d. Blatte» sowie bte Annomen-Lureans von s. L. Daube & 6o. iu Aanlfurt <u M.; JLger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendant, L. Rete« ♦ Myer ta Berlin; llarl Schütz«
fer in Hannover; L. Schlotte in Sternen.
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Lrrzergen nimmt entgegen: »te Expedition d. Blatte», fgo,le die Lmwncen-Bureaur wn Th. Dietrich L Lo. in jkasiel uud Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.;
in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
erscheint täglich nutzer Nn Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wbchentlichen Beilage „Jluchrirtes een*tat«ilatt" durch die SrNkdition (Koch'sche Buchdrnckerer) bergen Sh Mart, durch bte Postämter deS Deutschen Reiche» S Mark 5» Pf«, (ejl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für Ne aefvaltene Beile 1» Pfa.
Für in der Sxpedition zu crtheilende Auskunft und Aunahme von Ldreffen werden SS Pfg. berechnet.
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(Schluß.)
Inzwischen kam ein neuer Bote, der mich zu dem erst -dachten Kranken holte. Ich litt des Vormittags weg, tob kam zeitig an den Ort. Hier hört ich eben dir Geschichte, aber noch fürchterlicher. Der Teufel auf einem schwarzen Rappen wollte die Leiche, die in dem Walde unter der Eiche abgesetzt war, holen, und eS gelang ihm auch, He Hüter wirklich zu verjagen. Weil sie sich aber mit kreuzen gesegnet hätten, und der Schulmeister ein ehrbarer Sann, mit dabei gewesen, so wäre er mit einem garstigen Gestank wiederum unverrichteter Sache verschwunden. Nun- Ahr konnte ich unmöglich länger gleichgültig bleiben, da ch wohl merkte, daß man mich hier gat zum Teufel machte. & erzählte also, daß ich aus einem schwarzen Pferde in dien Pelz, da» Rauhe auswärts gekehrt, und durch eine jhwarzsammete Nebelkappe vermummt in den Wald geritten A, und einen Erschlagenen in einem Sarg hätte liegen Hen. Ganz recht, Herr, sagte der Schulmeister, ich bin At dabei gewesen, und habe dabei die Mannschaft aus dem Dotfe kommandirt, welche den Tobten noch in der Nacht Ntte abholen sollen, weil wir immer wegen unseres Rechts, Af unserem Gebiete, mit der benachbarten Herrschaft Händel und Prozesse gehabt haben. Er ist auf unserer Arenze noch erschlagen worden. Wie gesagt, der gnädige Httr hat mich, al» einen verständigen und in den Rechten ^ht unerfahrenen Mann beordert, daß ich, weil der Ge- ^tSschreiber nach Dresden mit wichtigen Briefschaften ^«schickt war, so lange seine Rolle vertreten sollte. Wie
aber kaum den Leichnam ausgenommen und in den *6tg gebracht, so sahen -bte Männer plötzlich in vollem ?«llopp einen schrecklich gekleideten Mann auf einem Rtaen aus nn» zu rennen, und mit Ehren zu melden,
sie sagten alle, es wäre der Unhold. Mein Kommando half nichts mehr. Die Bauern liefen davon. Herr Doktor glauben Sie wir, ich sah mich uw, und da kamen mir die zwei Zipfel an Ihrer Reisekappe so natürlich vor, wie die Hörner, die in meiner großen Hausbibel der Unhold hat, daß ich Sie, mit Ehren zu melden, wirklich für den Unhold anfah. Hier fiel ich so inS Lachen, daß ich den ehrlichen Mann nicht länger reden ließ. Diese Begebenheit hat mich in meinem Unglauben noch mehr bestärkt, und ich bin jetzt mehr als je überzeugt, daß die meisten, wo nicht alle Erzählungen der Art, durch ähnliche Zustände entstanden sind.
Schretkeushtlder aus Bulgari«.
Vor wenigen Wochen war eS, daß der Bevollmächtigte der englischen Regierung, Mr. Baring, jenen Bericht über die Gräuellhaten der Türken in der Bulgarei veröffentlichte, der in der ganzen clvilisirten Welt mit einem Schrei der Entrüstung aufgenommen wurde. Schon vorher hatten Correspondenten englischer Blätter auf die Orgien unerhörter Barberei hingewiesen, mit denen sich eine Nation von Wilden befleckt hatte, der das freie und civilisirte England bisher aus politischen Gründen seine Sywpathiem bewahrt hatte. ES ist ein unbestrittene» Verdienst der „Daily News", zuerst einen verständigen und energischen Mann mit eigenen Mitteln ausgerüstet zu haben, der den Dingen auf den Grund zu gehen den Muth befaß. Mr. Macgahan ist der Name dieses Berichterstatters, der feine Aufgabe, die Thatfachen mit unbefangenem Blicke zu prüfen, in glänzender Weise gelöst hat.
Seine objektiven und wahrheitsgetreuen Berichte sind — ergänzt durch die de» amerikanischen Gesandten Schuy- jer — nun auch in besonderer Ausgabe als Buch erfchie-
um, das um deswegen besonderes Interesse bietet, weit hier nicht bloS haarsträubende Bilder entsttzlicher Gräuetthatert entrollt werden, vor denen unser Mitgesühl sich empört abwendet, sondern weil uns zugleich auch ein leichtskizzttteS Gemälde von Land und Leuten der Vulgarei entworfen
Wir theilen an dieser Stelle ein Eapitel mit, da» uns einen Besuch des Dorfes Batak erzählt, in dessen Nähe dem Reisenden und seinen Begleitern zuerst die Spur« der türkischen Gräuel entgegentreten.
»Batak* — so heißt eS dort — „liegt ungefähr 30 englische Meilen südlich von Tatar -vasardschik, hoch an einer vorspringenden Stelle des Balkan, der hier von ber Hauptrichiung nach Süden sich wendet. Unser Weg war nichts als ein steiler Bergpfad, der stellenweise die Klette» fertigfeit einer Ziege auf die Probe gestellt haben würde. Auf der Rückkehr erfuhren wir, daß es einen befferen gäbe, aber in dem Eigensinn, der dm Ocientalen auszeichnet, wählte unser Führer diesen. Wie wir uns so am steilen Bergabhang hinaufwanden, bildeten wir eine eigene ziemlich traurige Processton, voran unsere beiden ZaptiehS in ihre» malerischen Kostüm, von Meffern und Pistolen starrend, auch unser Führer bis an die Zähne bewaffnet, dann kam unsere Reisegesellschaft von 5 Personen auf Mauleseln uud Pferden, Vie mit ben wunderbarsten Sätteln und Deck« behaugm waren, und hinterdrein eine Schaar von 50 ober 60 Frauen und Kindern, die uns nach Batak begleitet». Biele der Weiber trugen ein kleines Kind und ein schweres Bündel von Lebensmitteln, Kleidern, Kochgeschirr ober ErntegerSth, da» ste in Pestera zusammm gebettelt ober geborgt hatten. Sogar Kinder, kleine Mädchen von 0 bis 10 Jahren, die 5 bis 6 Stunden Wegs bi» in ihm Heimath zurückzulegeo hatten, trabten mühsam unb unter schwerer Last ben stellen Berg hinan.