Sr. 256.
JflarÖUtg, Dienstag, 31. October 1876.
XL MglMg.
Anzeigen nimmt entgegen: He SflMtbitton d. Blatte*, ugie die Annoncen-Bureaux een Th. Dietrich & So. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M ; B" lein & Vogler in rt a. M-, Berlin, Leip. In ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Wl. ic.
(i''brrl|clli[d|f Jcilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaup von © L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» menet in Berlin; Earl Schußler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS Konntagddlatt" durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pf«, (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Z«le 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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/ilr die Monate November und December rver- g den von allen Postanstalten, auf dem Lande -on den Landpostboten, Bestellungen auf die
Dlierhessische Zeitung
Md deren GratiS-Beilage
V- Zllustlirtes Sonntagsblatt angenommen. Wir bitten die Bestellungen baldigst machen zu wollen um vollständige Exemplare, namentlich des Jllustrirten Sonntagsblattes lie- fertt zu können.
Lagebericht
Wie verlautet, soll der deutsche Botschafter Genera von Schweinitz der nach Livadia geht, mit einer besonderen Mission beim russischen Kaiser betraut sein. Die Intimität de» Verhältnisses der drei Kaisermächte soll neuerdings uad zwar ganz besonder» durch den Einfluß Kaiser Wilhelm» eine Stärkung erhalten haben, wodurch auch gleich zeitig die sriedliche Lösung der orientalischen Frage angebahnt ist. Indem Deutschland und Oesterreich da» Vor» gehen Rußland« bei der Psorte unterstützen, wiro demselben jeder feindliche Charakter genommen. Die Psorte wird sich daher genöthigt sehen, aus die Vorschläge Rußlands cinzugehen und sogar die Occupation seitens Ruß- land und Oesterreich zuzugestehen. Auf diesem Wege würde schließlich die Lösung der Frage ohne weitere kriegerische Eventualitäten vor sich gehen. Das Ziel dieser Mediation würde sein: Vollständige Befreiung Serbiens, Rumäniens und Montenegros, ferner Herstellung einer admi- sistraliven Autonomie Bosniens und der Herzegowina intet einem österreichischen Prinzen und Bulgariens unter einem russischen Prinzen. Diese Lösung wird auch bei den übrigen Mächten, besonders auch bei England auf keinen Wiederstand stoßen. Mithin wird also die von den drei Mächten getroffene allerneueste Vereinbarung jede »eitere kriegerische Conflagration beseitigen und den Frieden widerherstellen. Zn erster Linie wird dies Resultat dem Einfluß des Kaiser Wilhelm und dem Rathe des Fürsten Bismarck zu verdanken haben.
Zn chrr Mm Dienstag bevorstehenden -Bande«rathsfitzrmg zum Abschluß der Justizgesetze werd, wie bereits gemeldet,
von den bundesstaatlichen Justizministern außer dem preu- ßischen, wohl nur der sächsische Justizminister Abeken nach Berlin kommen, welcher bekanntlich mit der Bearbeitung, bczw. dem Referat über das GerichtSversaffungSgesetz betraut war. Der baierische Justizminister Dr. v. Fäustle, welcher die Civilprozeßordnung, und der würtembergische Justizminister Dr. v Miitnacht, welcher die Strafprozeßordnung bearbeitet hat, werden beide erst zur Theilnahme -n den ReichstagSberathungcn zur Plenarberathung über diese Ent würfe dort eintreffen. U brigenS besteht, wie wir erfahren, bei einzelnen Staaten die Neigung, sich mit der Justiz kommisston des Reichstage«, bevor in letzterem der Eintritt in die Plcnardebatte erfolgt, in eine Verständigung über einzelne Differenzpunkte technifcher Natur einzulaffcn, weil man überzeugt ist, daß hierdurch die Fertigstellung der Justizgesetze erheblich erleichtert werden möchte. — Zu der am Montag Nachmittag um 1 Uhr statlfindenden Eröffnung des Reichstages im Weißen Saale des königlichen Schlöffe« ist auch eine Einladung an die Generalität und an die Commandeure der in Berlin garnisonirenden Regimenter, so wie an die höheren Hof- und Staatsbeamten erlassen worden.
Der LundeSrath hat in seiner sSitzung vom 5. d. M. zum Zoll- und Steuerwesen folgende Beschlüsse gefaßt: 1. daß für die Denaturirung des zur Anilinfarbenfabrikation zu verwendenden Branntweins auch Benzylchlorid und zwar in der Menge von 1 Prozent des Gewichts des Brannt meins zugelaffen werden darf. Ferner 2. daß die noch festzustellenden, auf Grund eine« BeschluffeS dcS Bundes raches des vormaligen norddeutschen Bundes vom 17. März 1869 seit dem 1. Januar 1872 aus privative Rechnung dieses Bundes gezahlten Beträge an Salzabgabevergütung für eingesalzene, gepökelte rc. Gegenstände, welche auf deutschen Kriegsschiffen als Proviant ausgeführt worden sind, bezüglich deren die Menge deS verbrauchten Salzes aber nicht unter stehender Kontrole vollständig nachgewiefen ist, aus der ReichSkaffe zu erstatten sind; 3. daß auch in Zukunft die Salzabgabe für solche Gegenstände aus der Rein.« kaffe zu vergüten ist und zu diesem Behufe von der Proviantverwaltung der Kriegsmarine oder von deren Lieferanten die für solche Gegenstände gezahlten Salzabgabevergüiungen vierteljährlich in einer von dem zuständigen ReichSbevoll mächtigten zu verifizirenden Nachweisung zusammenzustellen und der ReichSkaffe aufzurechnen sind. 4. Wenn von dem Waareuführer oder dem Waarenempfänger auf Grund deS § 46 Absatz 2 deS Vereinszollgesetzes vom 1. Juli 1869 vor der schließlichen Abfertigung am Bestimmungsorte und
bevor eine spezielle Revision stattgefunden hat, eine Ergänzung oder Berechtigung der Angaben do» Begleitscheine» vorgenommen wird, so ist dieselbe entsprechend den Boxschriften für die spezielle Deklaration in § 22 Abs. 4 jene» Gesetzes nach den Benennungen und Maßstäben dx« Tarif? zu bewirken.
Die Einnahmen an Zöllen und gemeiyschastlichen Verbrauchssteuern, sowie anderer Einnahmen im deutschen Reich für die Zeil vom 1 Jmuar bis zum Schluffe des Monats September 1876 haben im Vergleich mit dem Vorjahre ergeben: an Zöllen 169,904,447 Mk. (+ 3,439,856 M ), Wechselstempelsteuer 5,102,817 Mk. (-f- 319.542 Mk), Post- und Telegraphenvcrwaltung (-{- 1,884,604 Mik), ReichSeisenbahnverwaltung 22 924,690 M (+151,006'1)8).
Bis Ende September 1876 sind für Rechnung de» deutschen Reich» zur Einziehung gelangt: Landesstlbermünzm (Thalerwährung): 388,674,873 M. 6 Pf.; Süddeutsche Guldenwähtung: 195,669417 M 77 Pf.; Kronenthaler 7,973,748 M 92 Pf.; KonventionSmünzcn deS Zwanzig, guldenfußcs: 1,909,810 M. 88 Pf.; SUbermünzen kur- fülstlich und königlich sächsischen Gesträge«: 53,456 M. 62 Pf.; Silbermünzen schPSwig holsteinisches: 1,617,855 M. 49. Pf.; Silbermünzen hannoverschen Gepräges: 1,613 M. 45 Pf.; Mecklenburgische Währung: 204,826 W. 97 Pf,; Hamburgische Kurantwährung; 1,756 362 Pi. 11 Pf.; Lübische Währung: 755,291 M. 84 Pf.; Lande« Kupfermünzen (Thalerwährung): 2,330,913 M. 93 Pf.; Süddeutsche Währung: 647,887 W 54 Pf.; Meck- lenburgifche Währung: 32,645 M. 58 Pf. Zusammen 601,638,704 M. 16 Pf.
In der Woche vom 15. bis 21. Oktober j!876 sind in den deutschen Münzstätten geprägt worden in Goldmünzen: Doppelkronen 1,143,580 Mrk.; Silbermünzen: 5 Markstücke 443,815 M„ 2 Markstücke 3,806,726 Mk, 50 Pfennigstücke 832,415 Mk., 20 Pfennigstücke 233,635 Mk ; Nickelmünzen: 10 Pfennigstücke 245,553 M. 30 Pf , 5-Pfennigstücke 74,249 Mrk. 45 Pf.; Kupfermünzen: 2- Pfennigstücke 14*555 Mk 60 Pf., 1-Psennigstücke 7,197 M. 70 Pf. Die GesammlauSprägung beträgt demnach: Goldmünzen 1,428,597,280 Mark; Silbermünzen: 332,875,074 M. 10 Pf; Nicke( münzen: 34 228,544 Mk. 60 Pf.; Kupfermünzen: 9 222,997 Mk. 33 Pf.
Jetzt sind sämmtliche 433 Wahl Resultate bekannt
Wir betraten das G-mach, in dem schon TodeSsttlle
Schltchtlgk.it. Ich war gleich mit den zur Abwehr htnaus-
weike lag, versteckt. Sobald aber die Preußen reu Wall
Eiuc dunkle Geschichte. (Fortsetzung.)
Der Pfarrer winkte uns näher zu treten, und bat die Schwester leise, das Zimmer zu verlaffen.
Der Sterbende, der bis dahin mit abgewandtem Gc-
unterscheiden.
Der Pfarrer trat näher an das Bett und beugte sich
sichte gelegen, wurde jetzt unruhig und fragte mit so hohler Stimme, baß sie mich erbeben machte: „Wer ist da?" Sein starrer Blick suchte bei dem matten Lichte, welches das Zimmer schwach beleuchtete, die dunklen Gestalten zu
ksmmenheit.
„Meine Herren*, sagte er, nachdem er uns in’« Zim -*•7* 77 •—
wer geführt, „Sie verzeihen mir, wenn ich zum sofortigen nun schon so viele Tage, daß ich bas Ende seiner Leiden Aufbruch rathe. Es ist die äußerste Zeit, denn nach einer, erwarte, aber* — und dabei brach sie in ein heftiges rot wenigen Stunden eingezogenen Erkundigung wird der j Schluchzen aus „wenn er nur hervorbrächte, was ihm «ranke, den wir zu besuchen vorhaben, die Nacht schwerlich auf dem Herzen liegt I Das ist es, was ihn nicht ein- fibetleben. — „Ich habe übrigens,* fügte er hinzu, „an'schlafen läßt.* . ..
ihm die oft behauptete Erfahrung auf das überzeugendste ™*'" gemacht, daß Sterbende durch den festen Willen, aus irgend einem Grunde sich noch einige Zeit lang ans Leben festzuklammern, wirklich den Tod von sich fern zu halten terwögen. Schon vor acht Tagen war fein Zustand hoff- »ungslos, aber die Seelenongst Hot ihm noch immer bo« geben gefristet. AlS ich ihn gestern besuchte, schien er »ehr geneigt Geständnisse zu machen, aber leider pfl gen sich nach kurzer Zeit d,e Sinne zu verwirren und seine Aiitthetlmigen gehen in» Ungeheuerliche, sodaß ihm kein ®lauben mehr beizumeffen ist. Hoffen wir, daß er heute «rast und Willen genug besitze, um die Sache zu einem für ihn und für Sie befriedigenden Ausgang zu führen.
Wir folgten dem Pfarrer und traten bald unter das liebere Dach der Hütte, in welcher der Sterbende lag. «u ter Thür trat un« ter Arzt entgegen.
„Ich fürchte Herr Pfarrer*, sagte er „Sie kommen zu spät. Es ist unmöglich, daß er die Nacht überlebt. Zwar hat da« Fieber etwa« nachgelaffen und der Geist ist klarer »bet die Kräfte sind auch um ein Bedeutendes schwächer al« gestern.
Mich überfiel eine Herzensangst. Sollten wir umsonst «ie Reise gemacht haben, sollte bas Mißverständniß, bffite «sang ich so sehnlich herbe lauschte, noch länger, sollte es sür immer dauern.
zutrat und unS leise bat, in ein kleines Nebengem..ch zu treten, wo wir jedes Wort hören konnten. Die Thüre blieb angelehnt, so daß wir auch durch die Spalte den Kranken beobachten konnten.
Der Pfarrer rückte einen Stuhl nahe neben da« Bett, ließ sich Hiebet und sagte, die Hand des Kranken ergreifend; „Wir sind allein; Und jetzt — schenken Sie mir Vertrauen und offenbaren Sie Alles, waö Ihr Herz bedrückt.*
Der Kranke blickte mißtrauisch in das Zimmer, ^zm sich zu überzeugen, ob wir es wirklich verlaffen, bann wandte er sich zu dem Pfarrer: „Ja, ich fühle, daß eS rasch mit mir zu Ende geht, und es ist gut, daß ßie noch gekommen. Sie finden mich bereit, das Geständniß meines Verbrechens zu machen.*
So bedenken Sie, daß Sie vor Gott reden, der in die Falten Ihre« Herzens blickt. Verheimlichen Sie ihm nichts, vor Allem iprechen Sie nur lautete Wahrheit.
„Ja, Herr Pfarrer, ip schwör’ esl Aber einen Theil meines Geständnisses machte ich Ihnen schon gestern. Meine Kraft ist schwach, ich k-nn’S ni»t wiederholen, aber meinem Gedächwiß ist schon wieder entfallen, was ich gesagt.*
„Sie sprachen von der Säilalt bei Schleswig und erzählten, Sie währen ans dem Schlachtseide gewesen aber nicht in redlicher Absicht, Sie hätten sich ungerechtes Gut oneignen wollen.*
„So, hab ich das gesagt*, ries der Kranke säst ängstlich, als möckste er schon dies ungesagt gnachen, obgleich et eben erst ein völlig unverhohlenes Lekenntniß versprochen. „Ja, so war eS auch, ich will es nicht beltreitui. Aber meine Verhältnisse waren so zerrütten, daß es mich säst zur Verzweiflung — nein, »en l Mein Gott ich will Dich nicht belügen, nein! ich that iS bloS aus Habgier, aus
über dasselbe.
„Ach, Sie sind'«. Herr Pfarrer*, sagte der Kranke, und ein freudiges Lächeln schimmerte über die fahlen Wangen. „Ich habe Sie schon so lange erwartet. Jetzt sollen Sie es erfahren, gewiß, Sie sollen’«. Aber wer sind denn die anderen Herren ca, die mit Ihnen eingttteten sind?*
„Männer,* versetzte der Pfarrer, „die Ihnen wohl, wollen. Jh r Gegenwart wird Ihnen das Herz erleichtern helfen. Sie dürfen vor ihnen reden, wa» Sie wolleri."
„Nein, nein, nein!" tief d>t Kranke und streckte bie .......„-------7-------
mageren Hände abwehrend aus dem Bette. „Ich rede kein rückenden Dänen ausi« Schlachtfeld gegangen -und hatte Wort, Herr Piarrer, in ihrer Gegenwart. Ich will mit mich in einer Scheune in Burstotf, die nahe am Dani- Jhnen allein fein.' «e>ke lag, versteckt. Sobald aber die Preußen den Wall
Er sprach die Worte so bestimmt, daß der Pfarrer genommen hatten und dem zurückweichenden Feinde in die keinen Versuch machte, ihn uuizustimmen, sondern aus un« Niederungen nachstülmten, war ich der Erste, der sich übet
herrschte. Die Wärterin, .eine SL westet des Sterbenden, stand weinend am Bette. Als sie uns eintreten hörte, Gegen rbend langten wir in dem Dorfe an, und 15-'wendete fie sich um und trat dem Pfarrer grüßend ent
Sen uns sofort zum Pfarrhause führen. Der Pfarrer ein gegen. ...... „
freundlicher alter Herr, empfing uns mit großer Zuvor -; „Ist cS schon vorüber? fragte dieser leise.
1 - * 1 1 „Nein, noch immer nicht!" versetzte die Frau lammernd.
Gott macht ihm daS Ende unsäglich schwer. ES sind